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Gleichnis vom reichen Kornbauern

31/07/2010
(zum Sonntagsevangelium vom 1. August 2010: Lk 12, 13-21)

„… Bereitet jetzt euren Schatz vor. Beginnt schon in der Jugend, ihr, die ihr noch jung seid; arbeitet unablässig, ihr Älteren, die ihr wegen eures Alters dem Tod näher seid. Und da ihr nicht wißt, wann ihr diese Welt verlaßt und der Jüngling oft vor dem Greis stirbt, verschiebt diese Arbeit nicht und schafft euch einen Schatz an Tugenden und guten Werken für das andere Leben, damit euch nicht der Tod ereilt, bevor ihr einen Schatz an Verdiensten im Himmel habt. Viele sagen: „Oh, ich bin noch jung und stark! Jetzt will ich mein Leben genießen, später will ich mich bekehren!“ Großer Irrtum!

Hört dieses Gleichnis. Einem reichen Mann haben seine Ländereien eine reichliche Ernte gebracht. Wirklich eine wunderbare Ernte. Er betrachtet glücklich all seinen Reichtum, der sich in Hülle und Fülle auf seinen Feldern und seinen Tennen anhäuft; und da er keinen Platz mehr in den Scheunen hat, um ihn unterzubringen, benützt er sogar die Räume seines Hauses. Dann sagt er zu sich: „Ich habe gearbeitet wie ein Sklave, aber die Erde hat mich nicht enttäuscht. Ich habe für zehn Ernten gearbeitet, und jetzt will ich mich entsprechend ausruhen. Wie kann ich alles unterbringen? Ich will nichts verkaufen, denn ich wäre dann gezwungen, wieder zu arbeiten für eine neue Ernte im nächsten Jahre. Ich mache es so: Ich will meine Scheunen abreißen und größere bauen, in denen meine ganze Ernte, und was ich besitze, Platz hat. Dann will ich zu meiner Seele sagen: ‚O meine Seele! Du hast nun Vorrat für viele Jahre. Ruhe dich aus, iß und trink und laß es dir gut gehen.‘ „


Dieser Mann verwechselt so wie viele andere den Körper mit der Seele und vermischt das Heilige mit dem Unheiligen, denn wahrlich, in der Schwelgerei und im Müßiggang erfreut sich die Seele nicht, sondern sie verkümmert; so ruht er sich wie viele andere nach der ersten großen Ernte auf den Feldern des Guten aus, da ihm scheint, daß schon alles getan ist.

Wißt ihr denn nicht, daß man, wenn man die Hand an den Pflug gelegt hat, durchhalten muß, zehn oder hundert Jahre, solange das Leben dauert; denn Aufhören ist ein Verbrechen gegen sich selbst, durch das man die Erlangung einer größeren Herrlichkeit unmöglich macht; es ist ein Rückschritt, denn wer beim Durchschnittlichen stehenbleibt, kommt nicht nur nicht mehr vorwärts, er geht vielmehr rückwärts. Der Schatz des Himmels muß sich von Jahr zu Jahr vermehren, um Wert zu haben.

Denn, wenn die Barmherzigkeit auch mit dem gütig sein wird, der nur wenige Jahre Zeit hatte, so ist sie nicht Helfershelfer der Trägen, die viele Jahre haben und wenig tun. Es ist ein Schatz, der ständig anwachsen muss, sonst ist er kein gewinnbringendes, sondern totes Kapital, und dies auf Kosten des im Himmel wartenden Friedens.

Gott sagte zum Törichten: „Du törichter Mensch, der du den Körper und die irdischen Güter mit dem, was Geist ist, verwechselst und die Gnade Gottes in Schlechtes verkehrst, wisse, daß noch heute nacht deine Seele von dir gefordert werden und der Körper leblos zurückbleiben kann. Was du vorbereitet hast, wem wird es gehören? Kannst du es mitnehmen? Du wirst ohne deine irdische Ernte und ohne Verdienste für den Himmel erworben zu haben vor mir erscheinen und im anderen Leben arm sein. Besser wäre es für dich gewesen, du hättest mit deiner Ernte Barmherzigkeit am Nächsten geübt. Denn wenn du gegen deinen Nächsten barmherzig bist, ist Gott auch dir barmherzig. Anstatt an Müßiggang zu denken, hättest du Tätigkeiten nachgehen sollen, die deinem Körper wahren Nutzen und deiner Seele Verdienste einbringen, bis ich dich rufen werde.“ Und der Mann starb in der Nacht und wurde streng gerichtet.

Wahrlich, ich sage euch, so geht es dem, der irdische Reichtümer sammelt, aber in den Augen Gottes arm bleibt. Nun geht und zieht einen Nutzen aus der Lehre, die ich euch gegeben  habe. Der Friede sei mit euch!“

Jesus segnet das Volk und zieht sich mit den Aposteln und den Jüngern in einen dichten Hain zurück, um etwas zu essen und sich auszuruhen.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch




Der wunderbare Fischfang

06/02/2010
(zum Sonntags-Evangelium vom 7. Februar 2010: Lukas 5,1-11)

Nach dem Segen Jesu entfernen sich die Leute nur ungern; und doch sind keine Kranken oder Arme unter ihnen.

Jesus sagt zu Simon: „Rufe die anderen beiden herbei! Wir wollen auf den See hinausfahren und das Netz auswerfen.“

„Meister, meine Arme schmerzen noch, da ich die ganze Nacht umsonst das Netz ausgeworfen und eingezogen habe. Die Fische sind in der Tiefe, wer weiß wo.“

„Tue, was ich dir sage, Petrus! Höre immer auf den, der dich liebt!“

„Ich werde tun, was du sagst, aus Achtung vor deinem Wort.“ Und er ruft laut die Gehilfen und auch Jakobus und Johannes herbei.

„Laßt uns zum Fischfang ausfahren! Der Meister will es.“ Und während sie wegfahren, sagt er zu Jesus: „Doch ich muß es dir sagen, Meister, daß die Stunde nicht günstig ist. Wer weiß, wo die Fische zu dieser Stunde sind, um sich auszuruhen…“

Jesus, der am Bug sitzt, lächelt und schweigt.

Sie fahren in einem Bogen über den See und werfen dann das Netz aus. Einige Minuten des Wartens, dann erhält das Boot eigenartige Stöße, obwohl der See ruhig wie Glas unter der schon hochstehenden Sonne liegt.

„Das sind Fische, Meister!“ sagt Petrus mit aufgerissenen Augen. Jesus lächelt und schweigt.

Raphael: Der wunderbare Fischfang

„Hissen, hissen…!“ befiehlt Petrus den Jungen. Doch das Boot neigt sich zur Seite des Netzes. „Oh, Jakob, Johannes! Schnell! Kommt! Bringt die Ruder! Schnell!“

Sie kommen, und mit der Kraft der beiden Mannschaften gelingt es, das Netz hochzuziehen, ohne den Fang zu beschädigen.

Die Boote legen an. Sie sind dicht beieinander. Ein Korb, zwei, fünf, zehn. Alle sind voll von erstaunlicher Beute. Und immer noch zappeln Fische im Netz, silbern und golden, und versuchen, dem Tod zu entfliehen. Es bleibt keine andere Wahl: der Rest muß ins Boot geleert werden! So geschieht es auch, und der Schiffsboden wimmelt von Leben, das mit dem Tod kämpft. Die Boote sind tief ins Wasser gesunken wegen des ungewöhnlichen Gewichtes.

„Legt euch in die Ruder, spannt die Segel! Gebt auf das Steuer acht! Stangen bereithalten, um den Zusammenstoss zu vermeiden! Das Gewicht ist zu groß!“

Während des Manövers hat Petrus keine Zeit zum Nachdenken. Doch, wie sie am Ufer sind, tut er es und versteht. Er fühlt Reue: „Meister, Herr! Gehe weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Ich bin nicht wert, in deiner Nähe zu sein!“ Er wirft sich vor Jesus auf den kiesigen, feuchten Strand.

Jesus betrachtet ihn und lächelt: „Steh auf! Folge mir nach! Ich lasse dich nicht mehr los! Von nun an wirst du Menschenfischer sein, und mit dir diese deine Gefährten! Fürchtet nichts mehr! Ich rufe euch! Kommt!“

„Sofort, Herr! Ihr kümmert euch um die Boote. Bringt alles Zebedäus und meinem Schwager! Laßt uns gehen! Alles für dich, Jesus! Der Ewige sei gepriesen für diese Erwählung!“

Die Vision ist zu Ende.

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band II) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch