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18.-25. Januar 2015: Weltgebetswoche zur Einheit der Christen

19/01/2015

„… Denk daran, dass ich der Christus für alle bin, dass alle Christen Christus gehören.

Denk daran, dass deine Sendung weit über die verwandtschaftlichen und gefühlsmäßigen Bande hinausgeht. Du bist die Trägerin der Stimme, und die Stimme richtet sich an alle. Das kannst du nicht leugnen. Denk daran, dass ich – du hast es selbst erkannt – mit mehr Ehrfurcht von Angehörigen anderer Bekenntnisse als von euch geliebt werde.

Es ist nur ein Schritt, um in den einen Schafstall unter dem einen Hirten einzutreten. Es braucht eine Hand, die sich ihnen über den trennenden Bach entgegenstreckt und ihnen beim Kommen hilft. Der Durst nach mir ist dort sehr groß…

Als Ersatz für die fehlende Eintracht zwischen den Völkern soll wenigstens Eintracht zwischen den Christen herrschen, denn die Zeit der Christusgegner naht, und die Vorhersage muss erfüllt werden.“

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Herr Jesus,

der du am Abend, bevor du für uns gestorben bist,

dafür gebetet hast, dass alle deine Jünger vollkommen eins seien,

so wie du in deinem Vater bist und dein Vater in dir.

Lass uns die Treulosigkeit unserer Zerwürfnis schmerzlich spüren.

Gib uns Aufrichtigkeit, damit wir die in uns verborgene Gleichgültigkeit,

das Misstrauen und die gegenseitige Feindseligkeit erkennen,

und gib uns den Mut, sie alle zu verwerfen.

Hilf uns dabei, uns in dir wiederzufinden,

damit von unseren Seelen und Lippen ohne Unterlass

dein Gebet für die Einheit der Christen aufsteige,

so wie du sie willst und durch die Mittel, die du willst.

Lass uns in dir, der du die vollkommene Nächstenliebe bist,

den Weg finden, der uns zur Einheit führt,

 im Gehorsam zu deiner Liebe und deiner Wahrheit.

Amen.

(Gebet von Pater Paul Couturier, 1881-1953, der den Grundstein zur Gebetswoche zur Einheit der Christen gelegt hat. Er hatte u.a. die schöne Idee, dass sich Christen aller Konfessionen in einem „unsichtbaren Kloster“ im Gebet für die Einheit verbinden sollten.)

Paul Couturier

Jean Aulagnier: Avec Jésus au jour le jour – The Diary of Jesus (Teil 1)

20/01/2013

Jean Aulagnier ( 2010) hat in seinem 1994 erschienen Buch „Avec Jésus au jour le jour“ („The Diary of Jesus“) das Leben Jesu Tag für Tag rekonstruiert. Wie kam er dazu, welcher Mittel hat er sich bedient, ist das alles hieb-und stichfest? Im Vorwort des Buches erklärt er seine Motivation und seine wissenschaftliche Arbeitsmethode:

Der katholische Ingenieur war bereits in den 70er Jahren an das Evangelium wie an ein „gigantisches Puzzle“ herangegangen: Er führte eine systematische Analyse und kohärente Einordnung der unzähligen geographischen, zeitlichen, klimatischen, landwirtschaftlichen usw. Details des Neuen Testaments durch und berücksichtigte auch Quellen von Zeitgenossen und Historikern. So gelang es ihm Stück für Stück, die Ereignisse in historisch genauer Abfolge einzuordnen. In dem 1980 vom Bistum Paris herausgegebenen Buch „Et Dieu vint“ (Und Gott kam) liess er den „Film der evangelischen und apostolischen Realität der Frühkirche des ersten Jahrhunderts wieder aufleben“. 

Aulagnier war mit dieser historischen Einordnung nicht restlos zufrieden. Er wünschte sich, viel mehr Einzelheiten über die Lebensumstände der Heiligen Familie, der Apostel, der Jünger und Frauen, die mit Jesus unterwegs gewesen waren, zu erfahren. Jemand empfahl ihm den „Gottmensch“ von Maria Valtorta. Die Bände faszinierten ihn zwar, gleichzeitig stand er ihnen aber skeptisch gegenüber. Angesichts der Vielzahl von bereits existierenden Beschreibungen des Lebens Jesu wollte er einen kühlen Kopf bewahren und beschloss, seine wissenschaftliche Untersuchungsmethode auf Maria Valtortas Werk anzuwenden:

Mehr als 700 verschiedene Szenen mit über 4000 verschiedenen Anhaltspunkten, davon allein 600 Szenen während der rund 1200 Tage des öffentlichen Auftretens Jesu (also im Durchschnitt jeden zweiten Tag eine Szene) wollte er genau datieren: Sollte sich trotz der komplexen Kontrollfilter, die seine analytische Methode beinhaltete, eine exakte, Tag für Tag datierte Chronologie rekonstruieren lassen, sei das Werk der Valtorta durch göttlichen Eingriff entstanden und verdiene fundamentale Beachtung, so seine Schlussfolgerung.

(weiter zu Teil 2)

avec jésus au jour

diary of jesus

Schöne Weihnachten, liebe Leser,

24/12/2012

hier könnt ihr die schöne Vision zur Geburt Jesu von Maria Valtorta nachlesen.

Jesu Geburt

„Habt Achtung vor der Seele des Kindes und vor seinem Körper“

30/09/2012

zum Evangelium v. 30. September 2012: Mk 9,38-43.45.47-48. 

„… Bei niemandem soll man Anstoß erregen. Aber wehe, dreimal wehe dem, der den unschuldigen Glanz der Kinder verletzt. Lasst sie Engel bleiben, solange ihr könnt! Zu abstoßend sind Welt und Fleisch für die Seele, die aus den Himmeln kommt, und ein Kind ist durch seine Unschuld noch ganz Seele. Habt Achtung vor der Seele des Kindes und vor seinem Körper, wie ihr Achtung habt vor dem heiligsten Ort. Heilig ist das Kind auch, weil es Gott in sich hat. In jedem Körper ist der Tempel des Geistes. Aber der Tempel des Kindes ist der heiligste und tiefste, er ist jenseits des doppelten Vorhangs. Bewegt nicht einmal den Vorhang der heiligsten Unkenntnis der Begehrlichkeit mit dem Wind eurer Leidenschaften. Ich wollte, dass in jeder Familie, in jeder Menschengruppe ein Kind wäre, das den Leidenschaften der Menschen als Zügel diente.

Das Kind heiligt, es gibt Erquickung und Frische, allein schon durch die Strahlen seiner Augen ohne Bosheit. Aber wehe jenen, die dem Kinde durch ihr skandalöses Benehmen die Heiligkeit rauben! Wehe jenen, die durch ihre Worte und ihren Spott das Vertrauen der Kinder in mich beeinträchtigen! Es wäre besser für sie, wenn ihnen ein Mühlstein an den Hals gehängt und sie ins Meer versenkt würden, damit sie mit ihrer Unreinheit ertrinken. Wehe der Welt wegen der Ärgernisse, die sie den Unschuldigen gibt! Denn, wenn es auch unvermeidlich ist, dass Ärgernisse vorkommen, wehe jedoch dem Menschen, der sie bewusst hervorruft.

Niemand hat das Recht, seinem Körper und seinem Leben Gewalt anzutun, denn Leben und Körper kommen von Gott, und er allein hat das Recht, Teile davon oder das Ganze zu nehmen. Aber ich sage euch, wenn euch eure Hand zum Ärgernis wird, ist es besser, dass ihr sie abhaut, und wenn euer Fuß euch dazu führt, Ärgernis zu erregen, dann ist es besser, dass ihr ihn abhaut. Denn es ist besser, verkrüppelt oder hinkend ins ewige Leben einzugehen, als mit zwei Händen und zwei Füßen ins ewige Feuer geworfen zu werden. Wenn es nicht genügt, eine Hand oder einen Fuß abzuhauen, dann lasst euch auch die andere Hand oder den anderen Fuß abhauen, damit ihr kein Ärgernis mehr erregen könnt und Zeit habt zu bereuen, bevor ihr dorthin geworfen werdet, wo das Feuer nicht erlischt und in Ewigkeit bohrt wie ein Wurm. Wenn euer Auge Ursache eines Ärgernisses ist, dass reisst es euch aus. Es ist besser, mit einem Auge zu leben, als mit beiden Augen in der Hölle zu sein. Mit nur einem Auge oder mit gar keinem in den Himmel zu kommen, wird euch nicht daran hindern, das Licht zu sehen, während ihr mit zwei sündhaften Augen in der Hölle Finsternis und Schrecken sehen werdet, und nichts anderes.

Erinnert euch an all das. Verachtet die Kleinen nicht, erregt bei ihnen kein Ärgernis und verlacht sie nicht. Sie sind besser als ihr, denn ihre Engel schauen immerfort Gott, der ihnen die Wahrheit sagt, die sie den Kindern und jenen, die kindlichen Herzens sind, enthüllen sollen. …“

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

„Lernt von den Kindern“

22/09/2012

zum Evangelium vom 23. September 2012: Mk 9,30-37

Bei seiner Ankunft in Kapharnaum wird Jesus von einem etwa achtjährigen Knaben namens Benjamin, der ihm unbedingt bis zu seinem Haus folgen will, gebeten, ein Gleichnis zu erzählen. Er erzählt ihm das Gleichnis von einem Hirten, dessen Schafe nicht alle treu bei ihm bleiben wollen und das Verderben wählen:

„… Nur ein Lämmlein trennte sich nie vom Hirten. Es lief, blökte und sagte mit seinem Blöken zum Hirten: „Ich liebe dich!“ Es folgte dem guten Hirten, und als sie an den Pforten seines Reiches ankamen, waren es nur noch zwei; der Hirte und das getreue Lämmlein. Da sagte der Hirte nicht: „Tritt ein“, sondern „Komm“, und er nahm es auf seine Arme, drückte es an seine Brust und trug es hinein, indem er alle seine Untergebenen zusammenrief und zu ihnen sagte: „Seht, dieses liebt mich. Ich will, dass es in alle Ewigkeit bei mir sei, und ihr sollt es lieben, denn es ist der Liebling meines Herzens!“

Das Gleichnis ist zu Ende, Benjamin. Kannst du mir nun sagen, wer der gute Hirte ist?“

„Du bist es, Jesus.“

„Und das Lämmlein?“

„Das bin ich, Jesus.“

„Aber nun werde ich fortgehen, und du wirst mich vergessen.“

„Nein, Jesus. Ich werde dich nicht vergessen, denn ich liebe dich.“

„Deine Liebe wird aufhören, wenn du mich nicht mehr siehst …!“

„Ich werde in meinem Innern die Worte wiederholen, die du mir gesagt hast, und es wird so sein, als ob du selbst anwesend wärst. Auf diese Weise werde ich dich lieben und dir gehorchen. Sag mir, Jesus, wirst du dich an Benjamin erinnern?“

„Immer!“

„Wie wirst du es machen, dich zu erinnern?“

„Ich werde mir sagen, daß du mir versprochen hast, mich zu lieben und mir zu gehorchen, und so werde ich mich deiner erinnern.“

„Und wirst du mir dein Reich geben?“

„Wenn du gut bist, ja!“

„Ich werde gut sein.“

„Wie wirst du es machen? Das Leben ist lang.“

„Aber deine Worte sind so gut. Wenn ich sie mir vorsage und das tue, was sie mir zu tun gebieten, dann werde ich mich das ganze Leben lang gut bewahren. Ich werde es tun, weil ich dich liebe. Wenn man liebt, dann macht es keine Mühe, gut zu sein. Ich werde nicht müde, meiner Mutter zu gehorchen, denn ich liebe sie, und es wird mir keine Mühe machen, dir zu gehorchen, weil ich dich liebe.“

Jesus ist stehengeblieben und schaut das mehr von Liebe als von der Sonne entflammte Gesichtlein an. Die Freude Jesu ist so lebhaft, dass es scheint, eine andere Sonne entzünde sich in seiner Seele und strahle durch seine Augen. Er beugt sich nieder und küsst das Kind auf die Stirn. 

Vor einem kleinen einfachen Hause, vor dem sich ein Brunnen befindet, ist er stehengeblieben. Jesus geht zu diesem Brunnen und setzt sich nieder, und dort finden ihn die Apostel, die noch immer ihre gegenseitigen Vorzüge abwägen.

Jesus schaut sie an und ruft sie zu sich. „Kommt hierher und hörte euch die letzte Unterweisung des Tages an, ihr, die ihr euch brüstet mit der Zurschaustellung eurer Verdienste und meint, euch dadurch einen besonderen Platz zu erwerben. Sehr ihr dieses Kind? Es ist in der Wahrheit schon weiter voran als ihr. Seine Unschuld gibt ihm den Schlüssel, um die Tore meines Reiches zu öffnen. In seiner kindlichen Einfalt hat es verstanden, daß in der Liebe die Kraft liegt, mit der man groß wird, und in dem aus Liebe geübten Gehorsam die Kraft, mit der man in mein Reich gelangt. Seid einfältig, demütig und liebt mit einer Liebe, die nicht nur mir gilt, sondern auch eurem Nächsten, indem ihr allen meinen Worten gehorcht, auch diesen, wenn ihr dorthin gelangen wollt, wohin diese Unschuldigen gelangen werden. Lernt von den Kindern. Der Vater enthüllt ihnen die Wahrheit, wie er sie selbst den Weisen nicht enthüllt.“

Jesus spricht und hält dabei Benjamin, die Hände auf seinen Schultern aufrecht gegen seine Knie. Jetzt ist das Antlitz Jesu voll Majestät, nicht zürnend, jedoch ernst. Es ist wirklich das Antlitz eines Meisters. Der letzte Sonnenstrahl bildet einen Strahlenkranz um sein blondes Haupt.

Die Vision entschwindet und läßt mich voller Glückseligkeit in meinen Schmerzen zurück. 

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Jesus und die Kinder: Alexander von Askalon

Jesus und die Kinder: in Kapharnaum

„Was den Menschen verunreinigt, gehört einzig und allein ihm“

02/09/2012

zum Evangelium vom 2. September 2012: Mk 7,1-8.14-15.21-23. 

„… Du bist sehr streng gewesen“, bemerkt Bartholomäus.

Jesus entgegnet: „Aber ich habe die volle Wahrheit gesagt. Es ist nicht meine Schuld, sondern ihre, wenn man gewisse Dinge sagen muss. Es ist auch Liebe meinerseits, wenn ich sie ihnen sage. Jede Pflanze, die nicht von meinem himmlischen Vater gepflanzt worden ist, muss ausgerissen werden. Die dornigen Schmarotzerpflanzen, die den Samen der heiligen Wahrheit ersticken, sind nicht von ihm gepflanzt. Es ist Liebe, menschliche Bräuche und Vorschriften auszumerzen, wenn sie den Dekalog ersticken, ihn verdrehen und unwirksam machen und es unmöglich machen, ihn zu befolgen. Es ist Liebe zu den ehrlichen Seelen, dies zu tun. Was aber die angeht,, die sich eigensinnig jedem Rat und jeder Tat der Liebe verschließen, lasst sie laufen und ihnen jene nachfolgen, die ihnen in Geist und Charakter ähnlich sind. Es sind Blinde, die andere Blinde führen, und wenn ein Blinder einen Blinden führt, kann nichts anderes geschehen, als dass sie beide in die Grube fallen. Lasst sie sich nähren von den Unreinheiten, denen sie den Namen „Reinheit“ geben. Sie können nicht noch mehr befleckt werden, denn sie tun nichts weiter, als sich dem Mutterboden anzupassen, dem sie entstammen.“

„Was du jetzt sagst, ist die Fortsetzung dessen, was du im Haus Daniels gesagt hast, nicht wahr? Nicht was von aussen eindringt, verunreinigt den Menschen, sondern was aus ihm herauskommt“, sagt Simon der Zelote nachdenklich.

„Ja“, antwortet Jesus kurz.

Nachdem er eine Zeitlang geschwiegen hat, weil der Ernst Jesu auch den überschwenglichsten Charakter dämpft, fragt Petrus: „Meister, ich, und nicht nur ich allein, habe das Gleichnis nicht recht verstanden. Erkläre es uns ein wenig. Wie kommt es, dass der Mensch nicht durch das, was in ihn eindringt, sondern durch das, was aus ihm herauskommt, verunreinigt wird? Wenn ich einen sauberen Krug nehme und schmutziges Wasser hineingieße, dann beschmutze ich ihn. Aber wenn ich aus einem vollen Krug reines Wasser auf den Boden schütte, dann beschmutze ich nicht den Krug, denn aus ihm kommt reines Wasser. Wie soll man das also verstehen?“

Jesus erwidert: „Wir sind keine Krüge, Simon! Freunde, wir sind keine Krüge. Es ist nicht alles rein im Menschen. Aber habt jetzt auch ihr den Verstand verloren? Denkt über den Grund nach, weswegen euch die Pharisäer angeklagt haben. Sie haben gesagt, dass ihr euch verunreinigt habt, weil ihr mit schmutzigen, schwitzenden, also unreinen Händen Speise zum Mund geführt habt. Aber wohin ist die Speise gegangen? Vom Mund in den Magen, von diesem in den Bauch, vom Bauch zur Kloake. Kann sie also den ganzen Körper und alles was zu ihm gehört, verunreinigen, wenn sie nur durch den Kanal fließt, der dazu bestimmt ist, das Fleisch zu nähren, dieses allein, und dann, wie es richtig ist, in einer Grube endet? Es ist nicht dies, was den Menschen verunreinigt!

Was den Menschen verunreinigt, gehört einzig und allein ihm; es wird nur von seinem Ich gezeugt und geboren. Mit anderen Worten: was er im Herzen hat und was vom Herzen auf die Lippen und in den Kopf steigt, verdirbt das Denken und das Wort und verunreinigt den ganzen Menschen. Aus dem Herzen kommen die bösen Gedanken, Morde und Ehebrüche, Unzucht, Diebstähle, Lügen und Gotteslästerungen. Aus dem Herzen kommen Geiz, Wollust, Hochmut, Neid, Hass, Gier und sündhafter Müßiggang. Aus dem Herzen kommt die treibende Kraft für alle Handlungen, und wenn das Herz böse ist, dann werden auch die Handlungen böse sein wie das Herz. Alle Handlungen: von der Götzendienerei bis zur üblen Nachrede… Alle diese schlechten Dinge, die aus dem Innern des Menschen herauskommen, verunreinigen ihn, nicht das Essen mit ungewaschenen Händen. Die Wissenschaft Gottes ist nicht Schmutz, nicht Schlamm, den jeder mit Füßen tritt. Sie ist vielmehr etwas Erhabenes, das in den Gefilden der Sterne wohnt und von dort mit Lichtstrahlen herabkommt, um die Gerechten zu belehren. Daher solltet wenigstens ihr sie nicht vom Himmel herabzerren, um sie im Schlamm zu entwürdigen… Geht nun zur Ruhe. Ich will ins Freie gehen und beten.“

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

 

Die Rede über das Himmelsbrot: „Ich bin das Brot des ewigen Lebens“ (3)

25/08/2012

zum Evangelium vom 26. August 2012: Johannes 6,60-69

„Aber dieser ist ja wahnsinnig! Wer kann denn auf solche Weise leben? In unserer Religion ist es nur der Priester, der rein sein muss, um das Opfer darzubringen. Dieser hier aber will aus uns lauter Opfer seines Wahnsinns machen. Seine Lehre ist zu mühselig und diese Sprache ist zu hart! Wer kann sie anhören und sie verwirklichen?“ flüstern mehrere Anwesende, und viele von diesen gelten bereits als seine Jünger.

Das Volk geht diskutierend weg und die Anzahl der Jünger scheint sich sehr verringert zu haben, als in der Synagoge nur noch der Meister und seine Getreuesten zurückbleiben. Ich zähle sie nicht, aber ich kann sagen, dass es grob geschätzt kaum mehr als hundert sind. Auch in den Reihen der alten Jünger, die schon im Dienste Gottes standen, muss der Abfall bedeutend gewesen sein. Unter den Übriggebliebenen sind die Apostel, der Priester Johannes und der Schriftgelehrte Johannes, Stephanus, Hermas, Timoneus, Ermastheus, Agapus, Joseph, Salomon, Abel von Bethlehem in Galiläa und Abel, der frühere Aussätzige von Chorazim mit seinem Freund Samuel, Elias (jener, der das Begräbnis seines Vaters der Nachfolge Jesu hintangestellt hatte), Philippus von Arbela, Aser und Ismael von Nazareth. Ferner sind hier noch andere, deren Namen ich nicht kenne. Sie alle reden leise miteinander und machen Bemerkungen über den Abfall der vielen und über die Worte Jesu, der nachdenklich mit verschränkten Armen dasteht und sich an ein hohes Lesepult lehnt.

„Ihr nehmt Anstoß an dem, was ich gesagt habe? Und wenn ich euch sagen würde, dass ihr eines Tages den Menschensohn zum Himmel, wo er zuvor gewesen ist, auffahren und ihn zur Rechten des Vaters sitzen sehen werdet? Was habt ihr denn bis zu dieser Stunde verstanden, aufgenommen und geglaubt? Und womit habt ihr gehört und aufgenommen? Nur mit eurer Menschheit? Der Geist ist es, der lebendig macht und Wert hat. Das Fleisch nützt zu nichts. Meine Worte sind Geist und Leben und müssen mit dem Geist angehört und verstanden werden, um durch sie das Leben zu erlangen. Aber viele sind unter euch, deren Geist abgestorben ist, weil er ohne Glaube ist. Viele von euch glauben nicht wahrhaft, und so folgen sie mir vergeblich. Sie werden nicht das ewige Leben, sondern den Tod ernten. Denn wie ich schon im Anfang gesagt habe, sind sie entweder aus Neugierde, aus menschlichem Interesse, was noch schlimmer ist, oder aus noch viel unwürdigeren Absichten hier.

Sie sind nicht vom Vater hergeführt worden als Belohnung für ihren guten Willen, sondern vom Satan. Wahrlich, niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht von meinem Vater gewährt wird. Geht nur, ihr, da es euch schwer fällt, bei mir zu bleiben und ihr euch nur schämt, mich zu verlassen; die ihr euch aber andererseits noch mehr schämt, weil ihr im Dienste eines Meisters steht, der euch „verrückt und hart“ vorkommt. Geht! Besser ist es, ihr seid weit weg, als dass ihr hier bleibt, um zu schaden!“

Viele weitere Jünger ziehen sich zurück, unter ihnen der Schriftgelehrte Johannes und Markus, der einst besessene Gerasener, der geheilt wurde, nachdem die Dämonen in Schweine gefahren waren. Die guten Jünger beraten sich und laufen hinter diesen Treubrüchigen her, um sie zurückzuhalten. In der Synagoge sind jetzt Jesus, der Synagogenvorsteher und die Apostel…

Jesus wendet sich an die Zwölf, die niedergeschlagen in einer Ecke stehen, und fragt ohne Bitterkeit und Traurigkeit, doch sehr ernst: „Wollt auch ihr gehen?“

Petrus antwortet ihm in einem schmerzlichen Ausbruch: „Herr, wohin sollen wir gehen? Zu wem? Du bist unser Leben und unsere Liebe. Nur du hast Worte des ewigen Lebens. Wir haben erkannt, dass du Christus, der Sohn Gottes, bist. Wenn du willst, jage uns fort. Aber von uns aus werden wir dich nicht verlassen, selbst… selbst, wenn du uns nicht mehr lieben würdest…“ Und Petrus weint lautlos viele Tränen… Auch Andreas, Johannes und die beiden Söhne des Alphäus weinen ohne es zu verbergen, und die anderen, bleich oder rot vor Erregung weinen nicht, leiden jedoch sichtlich.

„Warum sollte ich euch fortjagen? Habe ich euch Zwölft nicht selbst erwählt…?“

Jairus hat sich klugerweise zurückgezogen, um Jesus die Freiheit zu lassen, seine Apostel zu trösten oder zu tadeln. Jesus, der den schweigenden Rückzug bemerkt hat, sagt, indem er sich bedrückt niedersetzt, als ob die Offenbarung seine Kräfte übersteigen würde, müde, angeekelt und schmerzvoll: „Und doch ist einer unter euch ein Dämon.“

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

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Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel

14/08/2012

„Dies ist das vollkommene Werk des Schöpfers.

Dies ist, was ich mir unter allen Menschenkindern zum wahren Bild und Gleichnis schuf, die Frucht eines schöpferischen und göttlichen Meisterwerkes, das Wunder des Universums, das in einem einzigen Wesen durch die wie Gott ewige, geistige, vernunftbegabte, freie und heilige Geistseele das Göttliche vereint mit dem materiellen Geschöpf im unschuldigsten, heiligsten Fleisch, vor dem alles Lebende in den drei Reichen der Schöpfung sich verneigen muss.

Dies ist der Beweis meiner Liebe zum Menschen, für den ich ein vollkommenes Wesen und das selige Los des ewigen Lebens in meinem Reich wollte. 

Dies ist der Beweis meiner Vergebung für den Menschen, dem ich durch den Willen einer dreifachen Liebe die Wiedergutmachung und Wiederherstellung vor meinen Augen gewährt habe. 

Dies ist der mystische Prüfstein.

Dies ist das Verbindungsglied zwischen Mensch und Gott.

Dies ist sie, die die ersten Tage der Zeit wiederbringt und meinen göttlichen Augen die Freude gewährt, eine Eva zu betrachten, wie ich sie erschaffen hatte und die nun noch viel schöner und heiliger ist, denn sie ist die Mutter meines Wortes und die Märtyrerin der großen Vergebung. Um ihres unbefleckten Herzens willen, das keinen Makel, auch nicht den geringsten, kannte, öffne ich nun die Schätze des Himmels, und um ihres Hauptes willen, in dem nie der Hochmut wohnte, fasse ich meinen Glanz in einen Stirnreif und kröne sie, denn sie ist mir heilig und soll eure Königin sein!“

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. XII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Die Aufnahme Marias in den Himmel

Das Heil der Welt liegt in Maria

Die demütige und große Königin der Welt

Jesus und die Jünger nach der ersten wunderbaren Brotvermehrung (Teil 2)

28/07/2012

zum Evangelium vom 29. Juli 2012: Johannes 6, 1-15

(zurück zu Teil 1 der Vision: Die erste wunderbare Brotvermehrung)

„Nehmt euren Teil und gebt auch mir ein wenig davon. Wir wollen die Speise Gottes essen.“

Sie essen Brot und Fisch, jeder entsprechend seinem Hunger… Indessen tauschen die gesättigten Menschen ihre Meinungen aus. Auch jene in der Nähe Jesu getrauen sich nun zu sprechen und betrachten dabei Margziam, der mit den Kindern lacht und seinen Fisch fertig isst. 

„Meister“, fragt der Schriftgelehrte, „warum hat das Kind sofort das Gewicht gespürt und wir nicht? Ich habe auch hineingegriffen. Es waren nur ein paar Brotbrocken und ein einziges Stücklein Fisch darin. Ich habe die Schwere erst gespürt beim Gang zu den Leuten. Aber wenn es das Gewicht von dem gehabt hätte, was ich austeilte, wären zwei Maulesel nötig gewesen, um den Korb, nein, einen mit Nahrungsmitteln beladenen Wagen zu ziehen. Anfangs war ich sparsam… dann fing ich an zu geben, zu geben, und um nicht ungerecht zu sein, ging ich zu den ersten zurück und gab ihnen nochmals; denn sie hatten das erste Mal nur wenig bekommen. Und doch hat es gereicht.“

„Auch ich habe gespürt, wie der Korb schwerer wurde, während ich hinging; ich habe sofort viel gegeben, denn ich verstand, dass du ein Wunder gewirkt hattest“, sagt Johannes.

„Ich hingegen habe mich zunächst hingesetzt und den Korb in den Schoß geleert, um zu sehen… Ich habe viele Brote gesehen. Da bin ich gegangen“, sagt Manaen.

„Ich habe sie gezählt, denn ich wollte mich nicht blamieren. Es waren fünfzig Brotstückchen. Ich habe zu mir gesagt: „Ich will sie an fünfzig Personen austeilen und dann zurückkehren.“ Ich habe gezählt. Doch bei fünfzig angekommen, war das Gewicht immer noch das gleiche. Da habe ich nachgesehen. Es waren immer noch viele darin. So bin ich gegangen und habe an Hunderte verteilt. Doch es wurden nie weniger“, sagt Bartholomäus.

„Ich, ich muss gestehen, dass ich nicht geglaubt habe. Ich habe die Brotbrocken und das Fischstück in die Hand genommen, sie angesehen und bei mir gesagt: ‚Was soll das? Jesus will einen Scherz machen…!‘ Ich stand hinter einem Baum und schaute auf ihn und auf die Stücklein und hoffte, dass sie sicher vermehren würden, und zweifelte zugleich daran. Aber es blieben immer dieselben. Ich wollte schon zurückkehren, als Matthäus vorbeikam und sagte: ‚Hast du gesehen, wie schön sie sind?‘ ‚Was denn?‘ habe ich gefragt. ‚Nun, die Brote und die Fischlein…‘ ‚Bist du denn verrückt? Ich sehe nur Brotbrocken.‘ ‚Geh und teil sie mit Vertrauen aus und du wirst sehen.‘ Ich habe die wenigen Brocken in den Korb zurückgelegt und bin zögernd weitergegangen… Und dann… Verzeih mir, Jesus, denn ich bin ein Sünder!“ sagt Thomas.

„Nein, du bist ein Weltmensch. Du denkst weltlich.“

„Auch ich, Herr. So sehr, dass ich dachte, ihnen zum Brot noch ein Geldstück zu geben, damit sie anderswo essen könnten. Ich glaubte, dir helfen zu können, einen besseren Eindruck zu machen“, sagt Iskariot. „Wie bin ich also – wie Thomas – oder noch schlimmer?“

„Noch viel mehr als Thomas, du bist weltlich.“

„Und doch wollte ich, um des Himmels willen, Almosen geben! Es war mein eigenes Geld…“

„Almosen für dich selbst und deinen Hochmut. Und Almosen für Gott. Doch er bedarf ihrer nicht. Almosen für deinen Hochmut sind Sünde, kein Verdienst.“

Judas neigt das Haupt und schweigt.

„Ich habe geglaubt, dass ich diesen Bissen Fisch und diese Bröcklein Brot noch kleiner machen müsste, damit sie genügen könnten. Aber ich habe nicht daran gezweifelt, dass sie ihrem Nährwert und ihrer Anzahl nach ausreichen könnten. Ein Tropfen Wasser, von dir gegeben, kann nahrhafter sein als eine volle Mahlzeit“, sagt der Zelote.

„Und was habt ihr gedacht?“ fragt Petrus die Vettern Jesu.

„Wir haben uns an Kana erinnert… und haben nicht gezweifelt“, sagt Judas ernst.

„Und du, Jakobus, mein Bruder, dachtest du nur daran?“

„Nein! Ich dachte, es könnte eines der Sakramente sein, von denen du zu mir gesprochen hattest… Ist es so, oder irre ich mich?“

Jesus lächelt: „Es ist so, und ist doch nicht so. Mit der Wahrheit vom Nährwert eines Tropfen Wassers, von der Simon sprach, muss der Gedanke an eine spätere Gestalt verbunden werden. Doch jetzt ist es noch kein Sakrament.“

Der Schriftgelehrte betrachtet ein Brotstückchen in seiner Hand.

„Was machst du damit?“

„Ein… Andenken.“

„Auch ich behalte eines. Ich werde es in einem kleinen Säcklein Margziam an den Hals hängen“, sagt Petrus.

„Ich will es meiner Mutter bringen“, sagt Johannes.

„Wir, wir haben alles aufgegessen…“ sagen die anderen beschämt.

„Steht auf! Geht noch einmal mit den Körben herum und sammelt die Reste ein. Sucht die Ärmsten aus dem Volk heraus und bringt sie, zusammen mit den Körben, zu mir. Dann geht ihr alle, ihr, meine Jünger, zu den Booten und fahrt auf den See hinaus, zur Ebene von Genesareth. Ich will die Leute entlassen, nachdem ich die Ärmsten beschenkt habe, und euch dann einholen.“

Die Apostel gehorchen… und kehren mit zwölf gefüllten Körben zurück. Es folgen ihnen etwa dreissig Bettler oder sehr elende Menschen.

„Gut so. Geht nun.“

Die Apostel und die Jünger des Johannes verabschieden sich von Manaen und gehen etwas widerstrebend weg, weil sie Jesus verlassen müssen. Doch sie gehorchen. Manaen wartet noch mit Jesus, bis die Menge sich im letzten Tageslicht nach den Dörfern aufmacht oder eine Schlafstätte im hohen trockenen Schilf sucht. Dann nimmt er Abschied. Vor ihm, ja sogar als einer der ersten, ist der Schriftgelehrte weggegangen; denn er ist mit seinem Söhnchen den Aposteln gefolgt.

Nachdem alle gegangen oder schon in Schlaf gesunken sind, erhebt sich Jesus, segnet die Schlafenden, und langsamen Schrittes geht er zum See auf die Halbinsel von Tarichäa zu, die sich einige Meter über dem Wasserspiegel erhebt, als wäre sie ein Stück eines in den See geschobenen Hügels. Und an seinem Fuss angelangt, steigt er, ohne in die Stadt hineinzugehen, sondern sie umgehend, auf die kleine Erhebung, setzt sich auf einen spitzen Felsvorsprung nieder und betet im Angesicht des Himmels und im Schein der klaren Mondnacht.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

 

Jesu Unterredung mit einem Schriftgelehrten

21/07/2012

zum Evangelium vom 22. Juli 2012: Markus 6,30-34

(…) und Jesus geht zu der Menge der Kranken, die ihn mit sehnsuchtsvollen Gesichtern erwarten; er heilt einen nach dem anderen, gütig und geduldig auch einem Schriftgelehrten gegenüber, der ihm sein krankes Kind vorstellt.

Dieser Schriftgelehrte sagt ihm: „Siehst du? Du fliehst. Aber es ist unnütz. Hass und Liebe sind klug im finden. Hier hat dich die Liebe gefunden, wie es im Hohenlied geschrieben steht. Du bist ja schon für viele wie der Bräutigam des Hohenliedes. Und man kommt zu dir, wie Sulamith dem Bräutigam trotz der Runden der Wächter und der Viergespanne des Amminadab entgegengeht.“

„Warum sagst du das? Warum?“

„Weil es wahr ist! Es ist gefahrvoll, zu dir zu kommen, denn du bist verhasst. Weisst du denn nicht, dass du in der Gunst Roms stehst, und der Tempel dich hasst?“

„Warum versuchst du mich, Mann! Du legst Arglist in deine Worte, um dem Tempel und Rom meine Antworten zu bringen. Ich habe deinen Sohn nicht aus Arglist geheilt…“

Der Schriftgelehrte neigt, durch den sanften Vorwurf verwirrt, das Haupt und bekennt: „Ich sehe, dass du wirklich die Herzen der Menschen kennst. Verzeih… Ich sehe, dass du wirklich heilig bist. Verzeih! Ich bin hierher gekommen, um in mir die Hefe gären zu lassen, die andere in mich gestreut haben…“

„Und die in dir die geeignete Wärme gefunden hat, um aufzugehen.“

„Ja, das ist wahr… Aber jetzt gehe ich ohne Hefe im Herzen weg. Oder besser gesagt, mit einer neuen Hefe.“

„Ich weiss es. Ich trage dir nichts nach. Viele sind durch eigenen Willen schuldig, viele durch den Willen anderer. Und der gerechte Richter wird verschiedene Maßstäbe anlegen, wenn er über sie urteilen wird. Du, Schriftgelehrter, sei gerecht und verführe in Zukunft nicht, wie du verführt worden bist. Wenn die Welt Druck auf mich ausübt, dann betrachte die lebendige Gnade, die dein Sohn ist, der vom Tod errettet wurde, und sei Gott dankbar!“

„Dir!“

„Gott! Ihm gebührt alle Ehre und Preis. Ich bin sein Messias und preise ihn als erster. Ich gehorche ihm als erster. Denn der Mensch erniedrigt sich nicht, wenn er Gott in Wahrheit verehrt, aber er entwürdigt sich, wenn er der Sünde dient.“

„Du sagst es gut. Sprichst du immer so? Für alle?“

„Für alle! Ob ich zu Annas, zu Gamaliel oder zu einem bettelnden Aussätzigen auf einer Bahre rede, die Worte sind immer dieselben, weil es nur eine Wahrheit gibt.“

„Rede also, da wir alle hier sind, um ein Wort oder eine Gunst von dir zu erbitten.“

„Ich werde reden. Damit man nicht sagen kann, dass ich voreingenommen bin gegen den, der ehrlich in seinen Überzeugungen ist.“

„Die ich gehabt habe, sind schon dahin. Aber es ist wahr, ich war ehrlich in ihnen. Ich glaubte Gott einen Dienst zu erweisen, als ich dich bekämpfte.“

„Du bist aufrichtig. Und deshalb verdienst du, Gott zu verstehen, der niemals Lüge ist. Doch deine Überzeugungen sind noch nicht gestorben, ich sage es dir. Nur oberflächlich gesehen scheinen sie abgestorben zu sein; denn sie sind wie verbranntes Unkraut, dessen Wurzeln noch leben und vom Erdreich genährt werden. Der Tau lädt sie ein, neue Triebe zu bilden und diese wiederum, neue Blätter. Du musst darüber wachen, dass dies nicht geschieht, sonst wirst du aufs neue vom Unkraut überwuchert. Israel stirbt sehr schwer.“

„Muss Israel also sterben? Ist es eine schlechte Pflanze?“

„Es muss sterben, um auferstehen zu können.“

„Eine geistige Reinkarnation?“

„Eine geistige Entfaltung! Es gibt keine Reinkarnationen, bei keiner Art.“

„Manche glauben aber daran.“

„Sie sind im Irrtum!“

„Der Hellenismus hat auch in uns einen solchen Glauben aufkommen lassen. Die Gelehrten weiden sich daran und rühmen sich seiner wie einer vornehmen Speise.“

„Es handelt sich um den absurden Widerspruch derer, die den Fluch über jeden aussprechen, der eine der sechshundertdreizehn kleinen Vorschriften übertreten hat.“

„Das ist wahr. Aber… so ist es. Man macht gerne nach, was man doch im Grunde hasst.“

„Dann ahmt mich nach, da ihr mich hasst. Es wird besser für euch sein.“

Der Schriftgelehrte muss notgedrungen über diese Folgerung Jesu lachen. Das Volk steht mit offenem Mund da und hört zu, und die entfernter Stehenden lassen sich von ihren Nachbarn die Worte der beiden wiederholen. (…)

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

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