Posts Tagged ‘Messias’

Frohe Ostern, liebe Blogleser!

30/03/2013

 Ostern

Triumph, Triumph!
Es kommt mit Pracht der Siegesfürst
heut aus der Schlacht.
Wer seines Reiches Untertan,
schau heute sein‘ Triumph fest an.
Halleluja!

Vor Freuden Tal und Wald erklingt
die Erde frisches Blumwerk bringt;
ihr schöner Schmuck zu dieser Frist
zeugt, daß ihr Schöpfer Sieger ist.
Halleluja!

Die Sonne sich aufs schönste schmückt
und wieder durch das Blaue blickt,
die vor im schwarzen Trauerkleid
beschaut den blutgen Todesstreit.
Halleluja!

Das stille Lamm jetzt nicht mehr schweigt,
sich mutig als ein Löwe zeigt;
kein harter Fels ihn hält und zwingt,
Grab, Siegel, Riegel vor ihm springt.
Halleluja!

Herr Jesu, wahrer Siegesfürst,
wir glauben, daß du schenken wirst
uns deinen Frieden, den du bracht
mit aus dem Grab und aus der Schlacht.
Halleluja!

Triumph, Triumph! Dich ehren wir
und wollen durch dich kämpfen hier,
daß wir als Reichsgenossen dort
dir folgen durch die Siegespfort.
Halleluja!

(B. Prätorius)

Die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus

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1. April 2012: Palmsonntag

31/03/2012

Die Vision der Maria Valtorta zum Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag ist HIER NACHZULESEN. 

Jesus gebietet dem Sturm auf dem See

28/01/2012

zum Evangelium vom Samstag, 28.01.2012: Markus 4,35-41

Ein Segelboot, nicht besonders gross, aber auch nicht gerade klein, ein Fischerboot, auf dem sich gut fünf bis sechs Personen bewegen können, durchfurcht die tiefblauen Wasser des Sees von Genesareth.

Jesus schläft im Heck. Er ist wie üblich weiss gekleidet und hat das Haupt auf den linken Arm gelegt, der auf seinem blaugrauen, mehrfach zusammengefalteten Mantel ruht. Er liegt nicht, vielmehr sitzt er im hinteren Teil des Schiffes und lehnt sich an das Brett am äussersten Bootsende. Ich weiss nicht, wie die Schiffsleute es nennen. Er schläft still und friedlich, denn er ist müde.

Petrus ist am Steuer. Andreas kümmert sich um die Segel. Johannes und zwei andere – ich weiss nicht, wer sie sind – bringen die Netze und Taue im hinteren Teil des Schiffes in Ordnung, als wollten sie sich auf den Fischfang vorbereiten, der vielleicht bei Einbruch der Nacht beginnt. Ich würde sagen, dass der Tag sich neigt, denn die Sonne steht schon im Westen. Die Jünger haben ihre Mäntel abgelegt und alle ihre Kleider geschürzt und mit den Gürteln festgebunden, damit sie freier in ihren Bewegungen sind beim Hin- und Hergehen im Boot und beim Hantieren nicht durch Ruder, Bänke, Körbe und Netze behindert werden.

Ich sehe, dass der Himmel sich verdunkelt und die Sonne sich hinter plötzlich aufgezogenen Gewitterwolken verbirgt, die vom Gebirge her kommen. Der Wind, der im Augenblick noch nur in der Höhe weht, treibt die Wolken rasch dem See zu. Der See ist noch ruhig, wird jedoch dunkler und beginnt, sich an der Oberfläche zu kräuseln. Es sind noch keine Wellen, aber schon kleine Wellenbewegungen.  Petrus und Andreas beobachten Himmel und See und treffen alle Vorkehrungen, um an Land zu gehen. Doch der Wind bricht nun mit Macht über den See, und in wenigen Minuten wallt und schäumt alles ; die Brecher überschlagen sich gegenseitig, krachen gegen das Boot, heben es hoch und senken es, so dass es sich nach allen Seiten neigt und weder Ruder noch Segel mehr gebraucht werden können. Wegen des Sturmes wird das Segel eingezogen.

Jesus schläft. Weder die schweren Schritte noch die aufgeregten Stimmen der Jünger, noch das Heulen des Windes, noch die Schläge der Wellen gegen die Bootsplanken wecken ihn.  Seine Haare flattern im Winde, und manchmal trifft ihn auch ein Wasserspritzer, doch er schläft. Johannes eilt vom Bug zum Heck und deckt ihn mit seinem Mantel zu, den er aus einem Holzverschlag hervorgezogen hat.

Der Sturm wird immer heftiger. Der See ist nun schwarz, als sei Tinte hineingeschüttet worden, und der Schaum der Wellen zieht Streifen darüber. Wasser ergiesst sich ins Boot, das der Wind immer weiter vom Ufer abtreibt. Die Jünger schwitzen vor Anstrengung, das Boot in die richtige Fahrtrichtung zu lenken und das eingedrungene Wasser auszuschöpfen. Doch alles ist vergebens. Sie waten fast bis zu den Knien im Wasser, und das Boot wird immer schwerer.

Petrus verliert die Ruhe und die Geduld. Er übergibt seinem Bruder das Ruder, geht schwankend zu Jesus hin und schüttelt ihn heftig. Jesus erwacht und erhebt das Haupt. « Rette uns, Meister, wir gehen zugrunde ! » schreit Petrus. (Er muss schreien, damit man ihn hört.)

Jesus schaut seinen Jünger fest an, dann blickt er auf die anderen und auf das Wasser. « Glaubst du, dass ich euch retten kann ? » « Schnell, Meister », schreit Petrus, während sich eine riesengrosse Woge von der Mitte des Sees her rasch auf die armselige Barke zu bewegt. Es scheint eine Wasserhose zu sein, so hoch und schreckenerregend ist sie. Als die Jünger diesen Wasserberg herankommen sehen, knien sie nieder und klammern sich fest, wo und wie sie nur können ; sie sind überzeugt, dass dies das Ende ist.

Jesus erhebt sich und steigt auf den Holzverschlag : eine weisse Gestalt vor dem Hintergrund des Unwetters. Er breitet die Arme gegen die Sturzwelle aus und gebietet dem Wind : « Halt ein und schweige », und dem Wasser : « Beruhige dich. Ich will es ! » Die Sturzwelle fällt in sich zusammen, löst sich in Schaum auf und zerfliesst, ohne zu schaden, während der Wind mit einem letzten Pfeifen in einem Seufzer verstummt. Über dem beruhigten See wird der Himmel wieder heiter, und in die Herzen der Jünger kehrt die Zuversicht zurück.

Die Majestät, die Jesus ausstrahlt, kann ich nicht beschreiben. Man muss sie gesehen haben, um sie begreifen zu können. Ich koste sie innerlich aus, denn sie ist mir immer noch gegenwärtig, und ich denke darüber nach, wie friedvoll doch der Schlaf Jesu und wie gewaltig seine Macht über Wind und Wellen war. 

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Unterweisung Jesu zur Sturm-Vision

„Das wird nicht verziehen“ – Gleichnis von den zwei Söhnen

25/09/2011

zum Sonntagsevangelium vom 25. Sept. 2011: Mt 21,28-32

Jesus sagt:

„Der Friede sei mit euch. Euch allen, die ihr mich umgebt, möchte ich ein Gleichnis erzählen, und ein jeder mache sich die Lehre daraus und den für ihn passenden Teil zu eigen.

Hört. Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zu dem einen und sagte: „Mein Sohn, komm und arbeite heute im Weinberg deines Vaters.“ Es war dies ein Zeichen der Anerkennung vonseiten des Vaters. Er hielt den Sohn für fähig, dort zu arbeiten, wo bisher der Vater selbst gearbeitet hatte. Es war auch ein Zeichen dafür, dass der Vater im Sohn guten Willen, Standhaftigkeit, Fähigkeit, Erfahrung und Liebe zum Vater sah. 

Aber der Sohn wurde von irdischen Angelegenheiten abgelenkt; er schämte sich auch, im Arbeitsgewand zu erscheinen (Satan bedient sich solcher Ansichten, um vom Guten abzuhalten) und fürchtete den Spott und vielleicht auch Racheakte seitens der Feinde des Vaters, die gegen ihn selbst nicht die Hand zu erheben wagten, wohl aber gegen seinen schwächeren Sohn. So antwortete er: „Ich gehe nicht. Ich habe keine Lust dazu.“ Da ging der Vater zum anderen Sohn und sagte ihm dasselbe, was er zum ersten gesagt hatte. Der zweite antwortete sofort: „Ja Vater, ich gehe sogleich.“

Was geschah? Der erste Sohn war an sich von guter Gesinnung, aber im ersten Augenblick der Versuchung zur Auflehnung erlegen; er bereute jedoch, seinen Vater beleidigt zu haben, und ging ohne ein Wort zu sagen in den Weinberg und arbeitete den ganzen Tag bis zu später Stunde. Dann kehrte er nach Hause zurück mit Frieden im Herzen wegen der erfüllten Pflicht. Der zweite hingegen, lügnerisch und schwächlich wie er war, ging aus dem Haus, schlenderte dann aber im Dorf herum und machte unnütze Besuche bei einflussreichen Freunden, von denen er irgendetwas erhoffte, und sagte sich in seinem Herzen: „Der Vater ist alt und geht nicht aus dem Haus. Ich werde ihm sagen, dass ich ihm gehorcht habe, und er wird es glauben…“

Als der Abend auch für ihn kam kehrte er mit dem gelangweilten Gesicht eines Müßiggängers, jedoch mit sauberen Kleidern nach Hause zurück. Der Vater bemerkte den unsicheren Gruß und verglich ihn mit dem des ersten Sohnes, der müde, schmutzig und abgearbeitet, aber heiter war und einen aufrichtigen, demütigen und liebevollen Blick hatte, der, ohne sich mit der erfüllten Pflicht zu brüsten, sagen wollte: „Ich liebe dich, und zwar aufrichtig. Um dich zufriedenzustellen, habe ich mich überwunden.“ Der Vater umarmte den müden Sohn und sprach: „Sei gesegnet, denn du hast die Liebe verstanden.“

Was haltet ihr davon? Welcher von den beiden hat den Vater geliebt? Sicher werdet ihr sagen: „Der, der den Willen seines Vaters erfüllt hat.“ Und wer hat ihn erfüllt, der erste oder der zweite Sohn?“

„Der erste“, antwortet die Menge einstimmig.

„Ja, der erste. Auch in Israel gibt es so etwas. Nicht die sind die Guten, die da sagen: „Herr, Herr!“ und sich an die Brust schlagen, ohne im Herzen Reue über die begangenen Sünden zu empfinden. Sie werden sogar immer hartherziger. Nicht die sind die Guten, die fromme Riten zur Schau tragen, um als Heilige zu erscheinen, dann aber in ihrem Leben ohne Liebe und Gerechtigkeit sind. Sie handeln gegen den Willen Gottes, der mich entsandt hat und den sie bekämpfen, als ob ich im Auftrag Satans käme. Das wird nicht verziehen. 

Sie sind keine Heiligen in den Augen Gottes; vielmehr sind es die, die anerkennen, dass Gott alles gut macht, was er tut, die den Gesandten Gottes aufnehmen und sich sein Wort anhören, um zu wissen, wie man besser wird, und immer mehr zu erkennen, was der Vater will. Das sind die wahren Heiligen, die dem Allerhöchsten wohlgefällig und teuer sind.

Wahrlich, ich sage euch: die Unwissenden, die Armen, die Zöllner, die Dirnen werden viele übertreffen, die sich „heilig“ nennen, die sich „mächtig“ und „Meister“ nennen; und sie werden in das Reich Gottes gelangen, und Gerechtigkeit wird walten. Johannes ist nach Israel gekommen, um das Volk auf die Wege der Gerechtigkeit zu führen, und sehr viele in Israel haben ihm nicht geglaubt, in Israel, das sich selbst „gelehrt und heilig“ nennt. Aber Zöllner und Dirnen haben ihm geglaubt. Nun bin ich gekommen, und die „gelehrten Heiligen“ glauben mir nicht, aber Arme, Unwissende und Sünder glauben an mich. Ich habe Wunder gewirkt, und nicht einmal an diese haben sie geglaubt; und sie haben es auch nicht bereut, nicht an mich geglaubt zu haben. Im Gegenteil, sie haben mich und jene, die mich lieben, mit Hass überschüttet.

Daher sage ich: „Gesegnet, die an mich glauben und den Willen des Vaters tun, in dem ewiges Heil ist.“ Wachst in eurem Glauben und seid tugendhaft. Ihr werdet den Himmel besitzen, denn ihr habt die Wahrheit zu lieben gewußt.

Geht nun. Gott sei immer mit euch.“

Er segnet und entläßt sie: dann geht er an der Seite des Nikodemus zum Haus des Jüngers, um sich in den heissen Stunden dort aufzuhalten…

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band VII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Ich allein bin das Tor“

15/05/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 15. Mai 2011: Johannes 10,1-10)

(…) Wie immer werden die Pharisäer durch die Zustimmung des Volkes nur noch giftiger und beissender im Ton, in dem sie sich an Christus wenden: „Antworte, ohne so viel Worte zu verlieren, und beweise uns, dass du der Messias bist.“

„Wahrlich, wahrlich ich sage euch, ich bin es. Ich, ich allein bin das Tor zum Schafstall der Himmel. Wer nicht durch mich hindurchgeht, kann nicht in das Himmelreich eingehen. Es ist wahr, dass falsche Messiasse gekommen sind, und andere werden noch kommen. Aber der einzige und wahre Messias bin ich. Alle, die bisher gekommen sind und sich so genannt haben, waren es nicht. Sie waren lediglich Diebe und Räuber. Und das gilt nicht nur für jene, die sich von wenigen Gleichgesinnten Messias nennen liessen, sondern auch für die, die ohne diesen Namen anzunehmen eine Anbetung verlangen, die nicht einmal dem wahren Messias zuteil wird. Wer Ohren hat zu hören, der höre.

Aber nun gebt acht. Weder den falschen Messiassen noch den falschen Hirten und Meistern haben die Schafe Gehör geschenkt, denn die Seelen fühlten die Falschheit ihrer Stimmen, die sanft erscheinen wollten, in Wirklichkeit aber grausam waren. Nur die Böcke sind ihnen gefolgt, um bei ihren Schurkereien mitzuwirken. Wilde, ungezähmte Böcke, die nicht in den Schafstall Gottes, unter das Szepter des wahren Königs und Hirten kommen wollen. Denn dieser ist nunmehr in Israel. Und er, der König der Könige, wird zum Hirten der Herde, während früher einmal einer, der der Hirte der Herden war, König wurde; und der eine wie der andere entspringen einer einzigen Wurzel, der Wurzel Jesse, wie es geschrieben steht in den Verheissungen und Prophezeiungen. Die falschen Hirten sprachen weder aufrichtige Worte noch vollbrachten sie Worte des Trostes. Sie haben die Herde zerstreut und gequält, sie den Wölfen überlassen oder sie sogar getötet, sie ausgenützt und verkauft, um ihres eigenen Lebens sicher zu sein. Oder sie haben ihr die Weide entzogen, um daraus Stätten des Vergnügens und Götzenhaine zu machen.

Wisst ihr, wer die Wölfe sind? Es sind die bösen Leidenschaften, die Laster, die die falschen Hirten die Herde gelehrt haben und denen sie als Erste frönten. Und wisst ihr, was ich mit den Götzenhainen meine? Es ist die Eigensucht, die allzu viele mit Weihrauch beräuchern. Die anderen beiden Dinge bedürfen der Erklärung nicht, denn sie ergibt sich klar genug aus dem schon Gesagten. 

Aber dass die falschen Hirten so handeln ist logisch. Sie sind nichts als Räuber, die kommen um zu rauben, zu töten und zu zerstören, um die Schafe aus dem Stall auf trügerische Weiden oder in falsche Schafställe zu führen, die nichts anderes sind als Schlachthäuser. Die dagegen, die zu mir kommen, sind in Sicherheit. Sie können hinausgehen auf meine Weide oder wieder hereinkommen zu meinen Ruhestätten, um sich dort durch heilige und gesunde Nahrung zu stärken. Denn dazu bin ich gekommen. Meine Schafe, die bisher mager und betrübt waren, sollen nun das Leben haben, überreiches Leben, Leben des Friedens und der Freude. Und so sehr wünsche ich dies, dass ich gekommen bin, um mein eigenes Leben hinzugeben, auf dass meine Schafe das vollkommene, überreiche Leben der Kinder Gottes haben. (…)“

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band IX von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

„Wehe den Hirten, die sich selbst weiden


Jesus erscheint den Jüngern von Emmaus

08/05/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 8. Mai 2011: Lukas 24,13-35)

„… Nun ist er auferstanden. Alles hat er vollbracht. Glorreich ist er vor seiner Menschwerdung gewesen. Dreimal glorreich ist er nun, nachdem er sich so viele Jahre in einem Körper erniedrigt und sich dann selbst geopfert hat im vollkommenen Gehorsam durch seinen Tod am Kreuz, um den Willen Gottes zu erfüllen. Glorreich über alle Maßen wird er nun zusammen mit dem verherrlichten Fleisch zum Himmel auffahren und in die ewige Herrlichkeit eingehen. Dies wird der Beginn des Reiches sein, dessen Bedeutung Israel nicht verstanden hat.

  

Und zu diesem Reich ruft er eindringlicher denn je mit seiner ganzen Liebe und Autorität die Völker der Welt. Sie alle, wie es die Gerechten Israels und die Propheten geschaut und vorausgesagt haben, alle Völker werden zu ihrem Heiland kommen. Und es wird keine Juden oder Römer, Skythen oder Afrikaner, Iberer oder Kelten, Ägypter oder Phrygier mehr geben. Die von jenseits des Euphrat werden sich mit den Quellen des ewigen Flusses vereinigen. Die Völker des Nordens werden an der Seite der Numidier zu seinem Reich kommen; Rassen und Sprachen, Sitten und Hautfarben werden keine Rolle mehr spielen. Es wird ein einziges zahlloses, leuchtendes, reines Volk geben, eine einzige Sprache, eine einzige Liebe. Es wird das Reich Gottes, das Reich des Himmels sein, und der ewige Herrscher, der auferstandene Geopferte, und sein ewiges Volk, die an ihn Glaubenden. Glaubt also, um zu diesem Volk zu gehören!

Hier ist nun Emmaus, Freunde. Ich gehe weiter. Dem Wanderer, der noch einen so weiten Weg zurücklegen muss, ist kein Aufenthalt erlaubt.“

„Herr, du bist gelehrter als ein Rabbi. Wäre er nicht tot, würden wir glauben, dass er zu uns gesprochen hat. Wir möchten noch andere und ausführlichere Wahrheiten von dir hören; denn nun verstehen wir die Worte des Buches nicht mehr, da wir eine Herde ohne Hirten und durch den Hass Israels beunruhigt sind. Willst du, dass wir mit dir kommen? Du könntest uns weiterhin unterweisen und so das Werk des Meisters, der uns genommen wurde, vollenden.“

„Ihr habt ihn so lange gehabt, und es hat nicht genügt, euch zu vollenden? Ist dies hier nicht die Synagoge?“

„Ja. Ich bin Kleophas, der Sohn des Synagogenvorstehers Kleophas, der in der Freude gestorben ist, den Messias kennengelernt zu haben.“

„Und immer noch trüben Zweifel deinen Glauben? Aber es ist nicht eure Schuld. Nach dem Blut braucht es noch das Feuer. Dann werdet ihr glauben, denn ihr werdet verstehen. Lebt wohl.“

„O Herr, es will schon Abend werden, und die Sonne geht bald unter. Du bist müde und durstig. Komm herein. Bleibe bei uns. Du wirst zu uns von Gott sprechen, während wir Brot und Salz teilen.“

Jesus geht hinein und wird mit der üblichen hebräischen Gastfreundschaft bedient. Man bringt Getränke und Wasser für die müden Füsse.

Dann setzen sie sich zu Tisch, und die beiden bitten ihn, die Mahlzeit zu segnen.

Jesus steht auf, hält das Brot auf den flachen Händen, erhebt die Augen zum roten Abendhimmel, dankt für die Speise und setzt sich. Er bricht das Brot und teilt es mit seinen Gastgebern. Und während er dies tut, gibt er sich zu erkennen als der, der er ist: der Auferstandene.

 

Er ist nicht der strahlende Auferstandene, als der er den anderen, die ihm nahestehen, erschienen ist; Aber er ist ein Jesus voller Majestät, und die Wunden an den schmalen Händen sind deutlich zu sehen: rote Rosen auf dem Elfenbein der Haut. Ein sehr lebendiger Jesus in seinem wiederhergestellten Fleisch. Aber auch Gott in der Macht seines Blickes und seiner Erscheinung.

Die beiden erkennen ihn und fallen auf die Knie… Und als sie es wagen, wieder aufzublicken, bleibt von ihm nur noch das gebrochene Brot.

Sie nehmen es und küssen es. Jeder nimmt seinen Anteil und legt ihn, wie eine Reliquie in ein Leinentüchlein gewickelt, auf die Brust.

Sie weinen und sagen: „Er ist es gewesen! Und wir haben ihn nicht erkannt. Und dennoch, brannte nicht auch dir das Herz in der Brust, als er zu uns sprach und uns die Schrift auslegte?“

„Ja. Und nun glaube ich ihn neu zu sehen. Im Licht, das vom Himmel kommt. Dem Licht Gottes. Und ich sehe, dass er der Erlöser ist.“

„Gehen wir. Ich spüre weder Müdigkeit noch Hunger mehr. Wir wollen nach Jerusalem gehen und es seinen Jüngern berichten.“

„Gehen wir. Oh, hätte doch mein alter Vater diese Stunde noch erleben dürfen!“

„Sprich nicht so. Ihm war mehr gegeben als uns. Der Geist des gerechten Kleophas sah den Sohn Gottes in den Himmel zurückkehren ohne den Schleier, der ihn aus Erbarmen mit unserer menschlichen Schwäche verhüllte. Gehen wir! Gehen wir! Wir werden mitten in der Nacht ankommen. Aber wenn er es will, finden wir einen Weg, in die Stadt zu gelangen. Er, der die Tore des Todes geöffnet hat, kann ebenso die Tore der Stadtmauern öffnen. Gehen wir!“

Und in der purpurnen Abenddämmerung machen sie sich eilends auf den Weg nach Jerusalem.

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band XII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Kreuzweg mit dem hl. Pfarrer von Ars (9. und 10. Station)

08/04/2011

An den Freitagen vor Ostern geben wir jeweils zwei Stationen der Kreuzweg-Betrachtung des hl. Pfarrers von Ars wieder.


Vorbereitungsgebet

Ewiger Vater, nimm hin das göttliche Blut, das Jesus Christus, dein Sohn, bei seinem Leiden vergossen hat! Im Blick auf seine Wunden, auf sein von Dornen durchbohrtes Haupt, auf sein liebendes Herz, um aller seiner Verdienste willen verzeihe den Seelen ihre Schuld und rette sie!

Göttliches Blut meines Erlösers, ich bete dich mit großer Ehrfurcht und Liebe an, um die Beleidigungen zu sühnen, welche dir so viele Menschen zufügen.

Mein Jesus, schenk mir Verzeihung und Barmherzigkeit um der Verdienste deines bitteren Leidens und deiner heiligen Wunden willen! Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

O Maria, Schmerzensmutter, drücke deines Sohnes Wunden tief in unsere Herzen ein.


IX. Station: Jesus fällt zum dritten Male unter dem Kreuz

Es gibt viele Arten, Fortschritte zu machen, sogar durch Versagen. Fürchte dich nicht, mich anzurufen, wenn du gefallen bist! Trägst du die Scherben deiner Fehler zu mir, wird mein Erbarmen dich neu machen. Fühlst du dich leer – im Innersten leer und kraftlos, werde ich deine Leere füllen mit meinem Erbarmen, und du darfst es miterleben. Jeder Fall ist für mich ein Ausgangspunkt, dich zu wandeln zur echten Liebe, mit der zu echter Wandlungskraft gelangst. Blick auf mich, der ich jedes Leiden auskostete bis zum Ende! Ich wollte alles leiden, damit du mir auf halbem Wege deines Leidens begegnen könntest. Ich komme dir stets entgegen und helfe dir, froh mit deinem Erlöser alles Schwere zu tragen. Sei zu jedem Opfer und Leiden bereit, ohne dich dabei aufzuhalten! Für dich heisst es, nicht mit dir, wohl aber mit mir umzugehen. Gebete und Bußwerke sind der Kaufpreis für die Seelen.

So bitte ich dich, mein Jesus: Hilf uns, dass wir um deiner opfernden Liebe willen den am Boden liegenden Lastträgern mit dem Blick des Mitleids und auf dem Wort und der Tat der Liebe aufstehen helfen und sie zu deiner Kreuzesnachfolge bewegen! Lass uns alle, um die wir in Sorge sind oder die uns Leid bereiten, in unser Gebet und Opfer hineinnehmen und ihnen so Hilfe und Zuversicht sein!


X. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt

Fürchte dich nicht, meine blutroten Wunden zu sehen! Sie sind dein. Habe ich sie nicht für dich erlitten? Man muss sie grüssen wie Wohltäterinnen, die dich gerettet haben.

Kann dein Herz kalt und verschlossen bleiben vor meinen offenen Wunden? Kannst du da noch zögern, für mich Opfer zu bringen? Mein Blut fliesst in Strömen aus meinem ganzen Körper. Ich lasse meine Adern sich entleeren von ihrem Blut, denn ich habe meine ganze Kraft eingesetzt zu leiden. Du musst dich einfühlen in das Innere meiner bekannten und unbekannten Leiden. Es geht dir dann auf: Ich bin der „lebende Schmerz“ aus Liebe für dich geworden. Warum wollen die Menschen nicht an meine Liebe glauben? Mein Leben, Wirken und Sterben war nur Liebe zu den Seelen. Was du tust für sie, betrachte ich als „MIR“ erwiesen.

Mögest du an Jesus die Bitte richten: Herz Jesu, Opferlamm der Liebe, lass mich vor dir eine heilige Opferflamme für dich werden!

weiter zur 11. und 12. Station dieses Kreuzwegs

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zum Kreuzweg von Josefa Menendez

Die Samariterin Fotinai

27/03/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 27. März 2011: Johannes 4,5-42)

„Ich bleibe hier. Geht in die Stadt und kauft, was wir für die Mahlzeit benötigen. Wir werden hier essen.“

„Sollen wir alle gehen?“

„Ja, Johannes. Es ist gut, wenn ihr alle miteinander geht.“

„Du bleibst allein?… Es sind Samariter…“

„Sie werden nicht die Schlimmsten unter den Feinden Christi sein. Geht, geht nur. Während ich hier auf euch warte, will ich für euch und für sie beten.“

Die Jünger gehen schweren Herzens davon; drei- oder viermal drehen sie sich nach Jesus um und betrachten ihn, wie er auf einem kleinen sonnenbeschienenen Mäuerchen sitzt, das sich in der Nähe des breiten, niedrigen Randes eines Brunnens befindet; eines großen Brunnens, fast einer Zisterne gleich, so breit ist er. Im Sommer ist er von den großen, jetzt kahlen Bäumen beschattet. Das Wasser des Brunnens kann man nicht sehen, doch zeigen kleine Pfützen und Abdrücke der abgestellten Krüge auf dem Erdboden rundherum, dass Wasser geschöpft worden ist. Jesus ist in seine Gedanken vertieft. Er hat die gewohnte Haltung angenommen: die Ellbogen auf die Knie gestützt und die nach vorne gerichteten Hände gefaltet, den Oberkörper leicht gebeugt und das Haupt zur Erde geneigt. Er spürt die wärmende Sonne und lässt den Mantel vom Kopf und den Schultern gleiten, hält ihn aber doch zusammengefaltet auf seinem Schoß.


Jesus hebt das Haupt und lächelt einer Schar rauflustiger Spatzen zu, die sich um eine am Brunnen verlorene Brotkrume streiten. Doch die Spatzen werden durch das Erscheinen einer Frau aufgeschreckt und fliegen davon. Die Frau hält mit der linken Hand einen leeren Krug am Henkel, während sie mit der rechten überrascht den Schleier zur Seite schiebt, um zu sehen, wer der Mann ist, der dort sitzt. Jesus lächelt der Frau zu, die um die 35-40 Jahre alt und hochgewachsen ist und markante, doch schöne Gesichtszüge hat. Ein Menschenschlag, den wir als spanisch bezeichnen möchten, wegen ihrer fahlen, olivfarbenen Haut, den gewölbten und leuchtenden Lippen, ihren geradezu übermäßig großen und schwarzen Augen unter den sehr dichten Augenbrauen und den rabenschwarzen Zöpfen, die durch den leichten Schleier hindurchscheinen. Auch die etwas üppigen Körperformen sind typisch orientalisch, wie bei den Araberinnen.

Die Frau trägt ein buntgestreiftes Kleid, welches in der Taille eng zusammengezogen ist und an den molligen Hüften und der vollen Brust eng anliegt und dann in einer Art loser Falten bis zum Boden reicht. Viele Ringe und Armbänder schmücken ihre fleischigen, braunen Hände, und unter den leinenen Unterärmeln kommen ihre mit Armbändern geschmückten Handgelenke hervor. Am Halse trägt sie eine schwere Kette, von der Medaillen, ich möchte fast sagen Amulette, da sie so verschiedenförmig sind, herabhängen, während der reiche Ohrschmuck bis zum Halse reicht und unter dem Schleier glitzert.

„Der Friede sei mit dir, Frau. Willst du mir zu trinken geben? Ich habe einen weiten Weg hinter mir und bin durstig.“

„Aber bist denn nicht ein Jude? Und du bittest mich, eine Samariterin, um Wasser? Was soll denn das bedeuten? Ist unsere Ehre wieder hergestellt, oder seid ihr gar in Verfall geraten? Es muss schon ein großes Ereignis stattgefunden haben, wenn ein Jude höflich zu einer Samariterin spricht. Eigentlich sollte ich dir antworten: ‚Ich gebe dir nichts, um an dir alle Beleidigungen zu rächen, die uns die Juden seit Jahrhunderten zufügen.‘ „

„Du hast recht. Etwas Großes hat sich ereignet, und dadurch haben sich viele Dinge geändert, und mehr noch: werden sich ändern. Gott hat der Welt ein großes Geschenk gemacht, und dadurch hat sich vieles geändert. Wenn du dieses Geschenk kennen würdest und wüsstest, wer zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken‘, dann hättest du ihn vielleicht selbst um Wasser gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“

„Lebendiges Wasser gibt es in unterirdischen Quellen. In diesem Brunnen ist solches, doch er gehört uns“, entgegnet die Frau spöttisch und rechthaberisch.

„Das Wasser kommt von Gott, so wie auch die Güte, das Leben und alles von einem einzigen Gott kommt, Frau. Alle Menschen sind von Gott erschaffen worden: Samariter wie Juden. Ist dies nicht der Brunnen Jakobs, und ist Jakob nicht der Stammvater unseres Geschlechtes? (*) Wenn später ein Irrtum das Volk geteilt hat, so bleibt der Ursprung doch derselbe.“

„Ein Irrtum unsererseits, nicht wahr?“ fragt die Frau herausfordernd.

„Weder unsererseits noch eurerseits. Es war der Fehler eines Menschen, der Liebe und Gerechtigkeit aus den Augen verloren hatte. Ich beleidige weder dich noch dein Geschlecht, warum verhältst du dich also feindselig mir gegenüber?“

„Du bist der erste Jude, den ich so reden höre. Die anderen… Der Brunnen, ja, es ist der Brunnen Jakobs, und er hat so reichlich klares Wasser, dass wir von Sichar ihn allen anderen Brunnen vorziehen. Doch er ist sehr tief, und du hast weder Krug noch einen Schlauch. Wie könntest du für mich lebendiges Wasser schöpfen? Bist du vielleicht mehr als Jakob, unser heiliger Patriarch, der diese reiche Quelle für sich, seine Kinder und seine Herden gefunden und sie uns als Geschenk und zu seinem Gedächtnis hinterlassen hat?“

„Das stimmt! Doch wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. Ich hingegen habe ein Wasser, das bei dem, der es trinkt, keinen Durst mehr aufkommen lässt. Doch es gehört mir allein. Und ich werde es denen geben, die mich darum bitten. Wahrlich, ich sage dir, wer dieses Wasser besitzt, das ich ihm geben werde, wird immer von ihm durchströmt werden und nie mehr Durst leiden, weil mein Wasser in ihm zur sicheren ewigen Quelle werden wird.“


„Wie? Ich verstehe dich nicht. Bist du ein Magier? Wie kann ein Mensch zu einem Brunnen werden? Das Kamel trinkt und schafft sich Wasservorräte in seinem geräumigen Bauch. Doch dann verbraucht es das Wasser, und es genügt nicht für das ganze Leben. Du aber sagst, dass dein Wasser für das ganze Leben reicht?“

„Mehr noch: es wird bis zum ewigen Leben fliessen. Es wird in denen, die es getrunken haben, bis zum ewigen Leben fliessen und aus ihm wird ewiges Leben spriessen, weil es eine Quelle des Heils ist.“

„Gib mir von diesem Wasser, wenn du es wirklich besitzest. Es ermüdet mich, bis hierher zu kommen. Ich werde so keinen Durst mehr haben und werde nie krank oder alt werden.“

„Nur das ermüdet dich? Nichts anderes? Hast du nur das Bedürfnis, für deinen armseligen Leib von diesem Wasser zu schöpfen? Überlege, es gibt etwas, das mehr wert ist als der Körper. Es ist die Seele. Jakob gab sich und den Seinen nicht nur das Wasser dieser Erde, sondern er war auch darum besorgt, sich und den anderen die Heiligkeit, nämlich das Wasser Gottes, zu vermitteln.“

„Ihr nennt uns Heiden… Wenn das, was ihr sagt, wahr ist, dann können wir nicht heilig sein…“ Die Frau hat den unverschämten, ironischen Ton in der Stimme verloren und zeigt sich nun unterwürfig und leicht verwirrt.

„Auch ein Heide kann tugendhaft sein, und Gott, der gerecht ist, wird ihn für seine guten Werke belohnen. Es wird keine vollkommene Belohnung sein, doch kann ich dir sagen, dass Gott auf einen Heiden ohne Schuld mit weniger Strenge blickt als auf einen Gläubigen in schwerer Schuld. Warum kommt ihr also nicht zum wahren Gott, wenn ihr doch wisst, dass ihr ohne Schuld seid? Wie heißest du?“

„Fotinai.“

„Gut, Fotinai, antworte mir. Schmerzt es dich, dass du nicht zur Heiligkeit streben kannst, weil du, wie du sagst, Heidin bist, weil du, wie ich behaupte, noch immer von den Nebeln eines alten Irrtums umgeben bist?“

„Ja, es schmerzt mich.“

„Warum lebst du dann nicht wenigstens als tugendhafte Heidin?“

„Herr!…“

„Ja. Kannst du es leugnen? Hole deinen Mann und komme mit ihm hierher zurück.“

„Ich habe keinen Gatten…“ Die Frau wird immer verwirrter.

„Das stimmt, du hast keinen Gatten. Fünf Männer hast du gehabt, und nun hast du einen bei dir, der nicht dein Mann ist. War dies nötig? Auch deine Religion rät nicht zur Unzucht. Auch ihr habt die zehn Gebote. Warum also führst du ein solches Leben, Fotinai? Belastet es dich nicht, allen zu gehören, anstatt die ehrsame Gattin eines einzigen zu sein? Fürchtest du nicht deinen Lebensabend, an dem du allein mit deinen schmerzlichen Erinnerungen sein wirst, mit deinen Ängsten, mit deinem Bedauern? Ja, auch mit diesem: Angst vor Gott und den Schreckensbildern! Wo sind deine Kinder?“

Die Frau senkt ihr Haupt tief und schweigt.

„Du hast sie nicht auf dieser Erde, aber ihre kleinen Seelen, denen du es verwehrt hast, das Licht der Welt zu erblicken, werden dich ohne Unterlass anklagen. Schmuck, schöne Kleider… ein prächtiges Haus… eine reichhaltige Tafel… Ja! Aber daneben Leere, Tränen und innere Trostlosigkeit. Du bist ein unglücklicher Mensch, Fotinai. Nur durch aufrichtige Reue, die Vergebung Gottes und mit ihr auch die Verzeihung deiner Geschöpfe kannst du wieder reich werden.“

„Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist und ich schäme mich…“

„Doch vor dem Vater im Himmel hast du dich nicht geschämt, als du Böses tatest? Weine nicht aus Beschämung vor den Menschen… Komm her, neben mich, Fotinai, ich werde dir von Gott erzählen. Vielleicht wusstest du zu wenig von ihm, und sicherlich hast du deshalb so viele Fehler begangen. Wenn du den wahren Gott gekannt hättest, dann hättest du dich nicht so entwürdigt. Er hätte dir zugesprochen und dir geholfen…“


„Herr, unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet. Ihr sagt, dass man nur in Jerusalem anbeten soll. Doch du sagst, es gibt nur einen Gott. Hilf mir zu verstehen, wo und wie ich es tun soll…“

„Frau, glaube mir. Es naht die Stunde, da man den Vater weder auf dem Berge von Samaria noch in Jerusalem anbeten wird. Ihr betet den an, den ihr nicht kennt. Wir beten den an, den wir kennen, denn das Heil geht aus den Juden hervor. Erinnerst du dich an die Worte des Propheten? Doch es kommt die Stunde, vielmehr, sie hat schon begonnen, da die wahren Verehrer Gottes den Vater im Geiste und in der Wahrheit anbeten werden, und zwar nicht im alten, sondern nach einem neuen Ritus, bei dem es keine Opfertiere mehr geben wird, sondern das ewige Opfer, die sich im Feuer der Liebe verzehrende, unversehrte Opfergabe. Die Verehrung Gottes wird sich in diesem geistigen Reich in geistiger Weise vollziehen und von denen verstanden werden, welche fähig sind, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Gott ist Geist. Wer ihn anbetet, muss ihn in geistiger Weise anbeten.“

„Du sprichst heilige Worte. Ich weiß, denn auch wir wissen einiges, dass die Ankunft des Messias bevorsteht. Er wird auch „Christus“ genannt. Er wird uns alles lehren, wenn er da ist. Hier in der Nähe lebt jener, den sie seinen Vorläufer nennen, und viele gehen zu ihm, um ihn anzuhören. Aber er ist so streng!… Du bist gütig… und die armseligen Menschen fürchten dich nicht. Ich glaube, dass Christus gütig sein wird. Sie nennen ihn den Friedensfürst.  Werden wir noch lange auf ihn warten müssen?“

„Ich habe dir gesagt, dass seine Zeit schon da ist.“

„Wie kannst du das wissen? Bist du vielleicht sein Jünger? Der Vorläufer hat viele Jünger. Auch Christus wird sie haben.“

„Ich, der ich zu dir spreche, bin Christus Jesus.“

„Du!… Oh!…“ Die Frau, die sich neben Jesus niedergelassen hatte, springt auf und will fliehen.

„Warum fliehst du, Frau?“

„Weil ich davor erschauere, bei dir zu verweilen. Du bist heilig…“

„Ich bin der Retter. Ich bin hierhergekommen – aus freiem Willen – da ich wußte, dass deine Seele des Umherirrens müde ist. Deine „Speise“ ekelt dich an… Ich bin gekommen, dir eine neue Speise zu geben, die Ekel und Überdruss von dir nehmen wird… Doch da kommen meine Jünger, die Brot für mich geholt haben. Doch ich bin schon gesättigt, da ich dir die ersten Brosamen deiner Erlösung geben konnte.“

Die Jünger werfen der Frau mehr oder weniger diskrete, verstohlene Blicke zu, doch keiner sagt ein Wort. Sie geht davon, ohne weiter an das Wasser und den Krug zu denken.

„Hier sind wir, Meister“, sagt Petrus. „Sie haben uns gut behandelt. Da sind Käse, frisches Brot, Oliven und Äpfel. Nimm, was du willst. Die Frau hat gut daran getan, den Krug zurückzulassen. Damit wird es schneller gehen als mit unseren kleinen Wasserbeuteln. Zuerst trinken wir, dann füllen wir sie auf. So brauchen wir die Samariter um nichts anderes zu bitten, nicht einmal darum, zu ihren Brunnen gehen zu dürfen. Isst du nicht? Ich wollte Fisch für dich kaufen, habe aber keinen gefunden. Vielleicht hättest du ihn vorgezogen. Du bist müde und bleich.“

„Ich habe eine Speise, die ihr nicht kennt. Sie wird mir als Nahrung dienen und mich sehr erquicken.“

Die Jünger schauen sich fragend an.

Jesus antwortet auf ihr stummes Fragen: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und das Werk zu Ende zu führen, von dem er wünscht, dass ich es vollende. …“

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(*) S. Geschichte Jakobs in Gen 25,19-37,36; 45,16-50,14. Jakob, dem Gott den Namen Israel gab, wurde zum Oberhaupt des israelitischen Stammes. S. Gen 32,23-31. Er erwarb sich ein Grundstück bei Sichem, schlug dort sein Zelt auf und baute einen Altar. In der Genesis deutet nichts darauf hin, dass dort ein Brunnen war, es lässt sich jedoch vermuten, dass es einen gab, da Jakob sich dort während einiger Zeit niederliess. Sichem heißt auf Aramäisch Sichar.

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


„Ich bin Christus, und es wird keinen anderen Christus geben“

13/11/2010
zum Sonntagsevangelium vom 14. November 2010: Lukas 21,5-19

Sie setzen sich an den Abhang des Ölberges gegenüber dem Tempel, den die sinkende Sonne küßt. Jesus schaut ihn lange und traurig an. Die anderen betrachten voll Stolz seine Schönheit, doch ihr Stolz wird überschattet von der Sorge, die die Worte des Meisters hinterlassen haben. Sollte diese Pracht wirklich dem Untergang geweiht sein!…

Petrus und Johannes reden miteinander. Dann flüstern sie Jakobus des Alphäus und Andreas, die in ihrer Nähe sind, etwas zu, und diese nicken. Petrus wendet sich nun an den Meister und sagt: „Komm mit uns beiseite und erkläre uns, wann deine Prophezeiungen über die Zerstörung des Tempels sich erfüllen werden. Daniel spricht davon. Aber wenn es so gehen würde, wie er sagt und wie auch du sagst, dann würde der Tempel nur noch wenige Stunden bestehen. Wir sehen aber keine Heere oder Kriegsvorbereitungen. Wann wird es also geschehen? Welches wird das Zeichen dafür sein? Du bist gekommen. Du, sagst du, bist im Begriff uns zu verlassen. Doch weiß man, daß es erst geschehen wird, wenn du unter den Menschen weilst. Wirst du also zurückkommen? Wann findet diese Rückkehr statt? Erkläre es uns, damit wir wissen…“

Rembrandt van Rijn - Daniel 8

 

„Es ist nicht nötig beiseitezugehen. Du siehst, die getreuesten Jünger sind geblieben, jene, die euch zwölfen eine große Hilfe sein werden. Sie dürfen die Worte hören, die ich euch sage. Kommt alle her!“ ruft Jesus zum Schluß, um sie um sich zu versammeln.

Die am Hang verstreuten Jünger kommen näher, bilden eine geschlossene Gruppe um Jesus und seine Apostel und hören zu.

„Seht zu, daß euch  niemand irreführt in der Zukunft. Ich bin Christus, und es wird keinen anderen Christus geben. Wenn deshalb viele kommen und sagen „Ich bin Christus“ und viele verführen, so glaubt diesen Worten nicht, auch wenn sie von Wundern begleitet sind. Satan, der Vater der Lüge und der Beschützer der Lügner, hilft seinen Dienern und Anhängern mit falschen Wundern, die man jedoch als solche erkennen kann, da sie immer mit Angst, Unruhe und Lügen verbunden sind. Die Wunder Gottes kennt ihr: Sie schenken heiligen Frieden, Freude, Heil und Vertrauen und führen zu heiligen Wünschen und Werken. Die anderen nicht. Achtet daher auf die Art und Folgen der Wunder, die ihr in Zukunft sehen werdet als Werk der falschen Christusse und all derer, die sich in das Gewand eines Erlösers der Völker hüllen und stattdessen Raubtiere sind, die die Völker verderben.

Ihr werdet von Kriegen und Kriegsgerüchten hören, ihr werdet Kriege auch sehen, und man wird euch sagen: „Das sind die Zeichen des Endes.“ Erschreckt nicht. Es ist noch nicht das Ende. Dies alles muß vor dem Ende kommen, aber es ist noch nicht das Ende. Volk wird sich gegen Volk erheben und Reich gegen Reich, Nation gegen Nation, Kontinent gegen Kontinent, und Seuchen, Hungersnöte und Erdbeben werden kommen da und dort. Aber dies alles ist erst der Anfang der Wehen. Dann werden sie euch der Drangsal überliefern, euch töten und euch die Schuld an ihren Leiden geben in der Hoffnung, von diesen befreit zu werden, wenn sie meine Diener verfolgen und vernichten. Die Menschen beschuldigen immer die Unschuldigen, die Ursache der Übel zu sein, die sie, die Sünder, heraufbeschworen  haben. Selbst Gott, die vollkommene Unschuld und höchste Güte, klagen sie an, die Ursache ihrer Leiden zu sein. Ebenso werden sie es mit euch machen, und ihr werdet um meines Namens willen gehaßt werden. Es ist Satan, der sie aufstachelt. Und falsche Propheten werden aufstehen und viele irreführen. Und wieder wird Satan der Urheber von so viel Übel sein. Und weil die Gesetzeslosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe bei vielen erkalten. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden. Zuerst muß die Frohe Botschaft vom Reich Gottes in der ganzen Welt verkündet werden zum Zeugnis für alle Völker. Und dann wird das Ende kommen. Die Rückkehr Israels zum Messias, das ihn annehmen wird, und die Verkündigung meiner Liebe auf der ganzen Welt. (…)“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com,dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


Die Heilung der zehn Aussätzigen

10/10/2010
zum Sonntagsevangelium vom 10. Oktober 2010: Lukas 17,11-19

Judas Iskariot schaut ihn an und würde vielleicht etwas sagen; aber er wird abgelenkt durch einen Schrei, der von einem Hügel herkommt, der die Ortschaft beherrscht, an der sie entlanggehen und einen Weg hinein suchen.

„Jesus! Rabbi! Jesus, Sohn Davids und unser Herr, habe Erbarmen mit uns!“

„Aussätzige! Gehen wir Meister, sonst wird das ganze Dorf herbeilaufen und uns in den Häusern aufhalten“, sagen die Apostel.

Aber die Aussätzigen haben den Vorteil, daß sie ihnen voraus sind, hoch über der Straße, wenn auch wenigstens fünfhundert Meter vom Dorf entfernt; und sie kommen hinkend herunter und laufen auf Jesus zu, wobei sie ihre Rufe wiederholen.

„Gehen wir ins Dorf, Meister, dorthin dürfen sie nicht kommen“, sagen einige Apostel; aber andere entgegnen: „Einige Frauen schauen schon aus den Häusern. Wenn wir ins Dorf gehen, entkommen wir den Aussätzigen, aber wir werden auch erkannt und aufgehalten.“

Während sie im Ungewissen sind, was sie tun sollen, nähern sich die Aussätzigen Jesus immer mehr, der allem Wenn und Aber zum Trotz seinen Weg fortgesetzt hat. Die Apostel müssen sich fügen und ihm folgen, während Frauen mit Kindern an ihrer Brust und einige alte Männer, die im Dorf zurückgeblieben sind, herbeieilen, um zu sehen, aber in entsprechender Entfernung von den Aussätzigen. Diese bleiben einige Meter vor Jesus stehen und flehen wieder: „Jesus, hab Erbarmen mit uns!“

James Tissot: Die Heilung der zehn Aussätzigen

Jesus betrachtet sie einen Augenblick. Dann fragt er, ohne auf die Leidensgruppe zuzugehen: „Seid ihr aus diesem Dorf?“

„Nein, Meister, wir kommen aus verschiedenen Orten. Aber von der anderen Seite dieses Berges, auf dem wir leben, kann man die Straße nach Jericho überblicken, und der Ort ist gut für uns…“

„Dann geht in das Dorf, das eurem Berg am nächsten liegt, und zeigt euch den Priestern.“

Jesus setzt seinen Weg fort, geht dabei aber am Rand der Straße, um nicht mit den Aussätzigen in Berührung zu kommen, die ihn näherkommen sehen und deren ganze und einzige Hoffnung im Blick ihrer armen Augen liegt. Als Jesus auf gleicher Höhe mit ihnen ist, erhebt er die Hand zum Segen.

Die Dorfbewohner kehren enttäuscht in ihre Häuser zurück… Die Aussätzigen steigen wieder auf ihren Berg, um in ihre Höhlen oder an die Straße nach Jericho zu gehen.

„Es war gut, daß du sie nicht geheilt hast. Die Leute dieses Dorfes hätten uns nicht mehr losgelassen…“

„Ja, und wir müssen noch vor Einbruch der Nacht Ephraim erreichen.“

Jesus geht weiter und schweigt. Das Dorf ist nun vor ihren Blicken verborgen, da die Straße in Kurven und starken Windungen der Form des Berges folgt, an dessen Fuß sie verläuft.

Da erreicht sie eine Stimme: „Lob sei Gott, dem Allerhöchsten, und seinem wahren Messias! In ihm ist alle Macht, Weisheit und Barmherzigkeit! Lob sei Gott, dem Allerhöchsten, der uns in ihm den Frieden geschenkt hat. Lobt ihn alle, ihr Menschen von Judäa und Samaria, von Galiläa und Transjordanien. Bis zu den Firnen des höchsten Hermon, bis zu den verbrannten Steinwüsten Idumäas, bis zu den Wellen des großen Ozean bespülten Gestaden erklinge das Lob des Allerhöchsten und seines Christus. Seht, nun ist die Prophezeiung des Bileam in Erfüllung gegangen. Der Stern Jakobs erstrahlt am neuen Himmel des vom wahren Hirten geeinten Vaterlandes. Nun haben sich die den Patriarchen gegebenen Versprechen erfüllt. Dies, dies ist das Wort des Elias, der uns liebte. Hört es, o ihr Völker von Palästina, und versteht es!

Jetzt darf man kein schwankendes Rohr mehr sein, jetzt muß man im Licht des Geistes wählen, und wenn der Geist redlich ist, wird er richtig wählen. Dies ist der Herr! Folgt ihm. Ach, denn wir sind bisher bestraft worden, da wir uns nicht bemühten zu verstehen. Der Mann Gottes verfluchte den falschen Altar und prophezeite: „Siehe, dem Hause Davids wird ein Sohn geboren, Josia ist sein Name. Er wird auf dem Altar opfern und Menschengebeine verbrennen. Und der Altar wird bersten bis in die Eingeweide der Erde, und die Asche des Brandopfers wird zerstreut nach Mitternacht und nach Mittag, nach Osten und nach Westen, wo die Sonne untergeht.“ Handelt nicht wie der törichte Ahasja, der den Gott von Ekron befragen ließ, während doch der Allerhöchste in Israel weilte. Seid nicht geringer als die Eselin von Bileam, die in ihrem Gehorsam gegen den Geist des Lichtes das Leben verdiente, während der Prophet geschlagen wurde, da er nichts sah.Seht das Licht, das unter uns wandelt. Öffnet die Augen, o ihr Geistesblinden, und seht!“ Einer der Aussätzigen folgt ihnen in immer geringerer Entfernung auch auf der Hauptstraße, die sie nun erreicht haben, und weist die Pilger auf Jesus hin.

Verärgert drehen sich die Apostel zwei- oder dreimal zu dem Aussätzigen um, der nun vollständig geheilt ist, und gebieten ihm, zu schweigen. Schließlich drohen sie ihm beinahe.

Aber er, der so seine Stimme erhebt, damit alle sie hören, hält nur einen Augenblick inne und entgegnet: „Wollt ihr, daß ich die Großtaten nicht verherrliche, die Gott an mir vollbracht hat? Wollt ihr, daß ich ihn dafür nicht lobpreise?“

„Preise ihn in deinem Herzen und schweige“, antworten sie unruhig.

„Nein, ich kann nicht schweigen. Gott legt die Worte in meinen Mund.“

Dann beginnt er wieder laut zu rufen: „Volk der beiden Grenzdörfer, du Volk, das du zufällig vorübergehst, halte an und bete an den, der da herrschen wird im Namen des Herrn. Ich spottete einst über viele dieser Worte. Jetzt aber wiederhole ich sie, denn ich sehe ihre Erfüllung. Seht, alle Völker setzen sich in Bewegung und kommen frohlockend zum Herrn auf den Wegen des Meeres und der Wüste, über Hügel und Berge. Auch wir, das Volk, das in Finsternis wandelte, werden hingehen zum Licht, das aufgegangen, zum Leben, das entsprossen ist, aus dem Land des Todes. Wölfe, Leoparden und Löwen, die wir waren, werden wir im Geiste des Herrn wiedergeboren werden und uns lieben in ihm, im Schatten des aus Jesse entsprungenen Sprosses, der zur Zeder geworden ist, unter der er die Nationen versammelt von den vier Enden der Erde. Seht, es kommt der Tag, da die Eifersucht Ephraims ein Ende haben wird, denn es gibt nicht mehr Israel und Juda, sondern nur ein einziges Reich: das Reich des Gesalbten des Herrn. Seht, ich singe das Lob des Herrn, der mich gerettet und getröstet hat. Seht, ich sage: Lobt ihn und kommt, das Wasser aus den Quellen des Heils zu schöpfen. Hosanna! Hosanna den Großtaten Gottes! Hosanna dem Allerhöchsten, der seinen Geist im Gewand des Fleisches unter die Menschen gesandt hat, auf daß er ihr Erlöser werde!“

William Hole: Der dankbare Aussätzige

Er ist nicht zu erschöpfen. Das Volk mehr sich, drängelt und versperrt den Weg. Wer hinten war, eilt herbei; wer vorne war, kehrt nach hinten zurück. Die Bewohner einer kleinen Ortschaft, in deren Nähe sie nun sind, schließen sich den Vorübergehenden an.

„Aber bringe ihn doch zum Schweigen, Herr. Er ist ein Samariter, wie das Volk uns sagt. Er darf nicht von dir sprechen, wenn du nicht einmal erlaubst, daß wir vor dir hergehen und dich verkünden!“ sagen die Apostel voller Unruhe.

„Meine Freunde, ich wiederhole die Worte Moses an Josua, den Sohn Nuns, der sich beklagt hatte, weil Eldad und Medad im Feldlager prophezeiten; „Eiferst du für mich? Möchte doch Jahwe das ganze Volk zu Propheten machen! Daß doch der Herr allen seinen Geist mitteile!“ Doch ich werde auf ihn warten und ihn entlassen, um euch zufriedenzustellen.“

Jesus bleibt stehen, dreht sich um und ruft den geheilten Aussätzigen zu sich, der herbeieilt, sich vor Jesus niederwirft und den Staub küßt.

„Erhebe dich! Wo sind die anderen? Wart ihr nicht zehn? Haben die anderen neun nicht das Bedürfnis verspürt, dem Herrn zu danken? Was ist das? Unter zehn Aussätzigen, von denen nur einer Samariter ist, hat sich keiner gefunden als dieser Fremdling, der sich verpflichtet gefühlt hätte, zurückzukehren und Gott die Ehre zu erweisen, bevor er dem Leben und seiner Familie wiedergegeben wird? Und er wird „Samariter“ genannt. Sie sind also nicht mehr trunken, die Samariter, da sie sehen, ohne sich zu täuschen, und den Weg des Heiles einschlagen, ohne zu wanken? Spricht das Wort etwa eine fremde Sprache, da die Fremden sie verstehen, nicht aber das eigene Volk?“

Er läßt seine herrlichen Augen über die Menschen aus allen Orten Palästinas schweifen, die hier zugegen sind. Man kann das Strahlen dieser Augen nicht ertragen… Viele  neigen das Haupt, geben ihren Reittieren die Sporen oder entfernen sich zu Fuß.

Jesus aber richtet seine Augen auf den Samariter zu seinen Füßen, und sein Blick nimmt den Ausdruck wunderbarer Sanftmut an. Er erhebt die Hand, die locker an seiner Seite gehangen hat, macht eine Segensgeste und sagt: „Erhebe dich und geh. Dein Glaube hat in dir mehr gerettet als nur das Fleisch. Wandle fortan im Lichte Gottes. Geh!“

Der Mann küßt noch einmal den Staub und bittet, bevor er sich erhebt: „Einen Namen, o Herr! Gib mir einen neuen Namen, denn alles ist neu in mir, und für immer.“

„In welchem Land befinden wir uns?“

„Im Land Ephraim.“

„Ephraim sollst du von nun an heißen; denn zweimal hat das Leben dir das Leben gegeben. Nun geh.“

Der Mann erhebt sich und geht.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band VIII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR),www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch