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„Vor Liebe sterben im Anblick meines leidenden Jesus“

12/10/2010

Der 12. Oktober 2010 ist der 49. Todestag von Maria Valtorta, nachfolgend ihre Aufzeichungen vom 7. März 1944:

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(Maria Valtorta - mit Genehmigung des Centro Editoriale Valtortiano)

Am Abend des 7. März

Wem darf ich sagen, was ich leide? Niemand auf dieser Erde, denn es ist kein irdisches Leid und würde nicht verstanden.

Es ist ein Leiden, das Süßigkeit und eine Süßigkeit, die Leiden ist. Ich würde gern zehn-, hundertmal so viel leiden. Um nichts auf der Welt würde ich auf dieses Leiden verzichten wollen. Aber das schließt nicht aus, dass ich leide, als ob ich an der Kehle gewürgt, in einen Schraubstock gepreßt, in einem Glutofen brennen, bis ins Herz durchbohrt werden würde.

Wenn mir gewährt wäre, mich zu bewegen, mich von allem zu isolieren und singend und in Gesten meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen – denn es ist ja ein Leiden des Gefühls – hätte ich eine Linderung. Aber ich bin so wie Jesus an Seinem Kreuz. Bewegung oder Isolation sind mir nicht mehr gewährt, und ich muss die Lippen zusammenpressen, um nicht der Neugier den Anblick meiner seligen Todesnot preiszugeben.

Es ist keine bloße Redensart: die Lippen zusammenpressen! Ich muss eine ungeheure Anstrengung machen, um den Impuls zu unterdrücken, einen zugleich freudigen und übernatürlich peinvollen Schrei, der in mir gärt, auszustoßen, der wie eine Stichflamme oder wie ein Strahl herausbrechen möchte.

Die schmerzumflorten Augen Jesu: Ecce Homo (1) ziehen mich wie ein Magnet an. Ich habe Ihn vor mir, aufrecht auf den Stufen des Prätoriums, und Er schaut mich mit Seinem dornengekrönten Haupt, den gebundenen Händen über seinem weißen Narrenkleid, mit dem sie Ihn haben verhöhnen wollen, und doch haben sie Ihn damit in die Weiße gekleidet, die des Unschuldigen würdig ist.


Er spricht nicht. Aber alles an Ihm spricht, ruft mich an und verlangt. Was verlangt er denn? Dass ich Ihn liebe! Das weiß ich und das schenke ich Ihm, bis hin zu dem Mich-selbst-sterben-Fühlen, als hätte ich eine Klinge in meiner  Brust. Aber er verlangt noch etwas anderes von mir, das ich nicht verstehe. Das ich jedoch verstehen möchte. Und das ist meine Qual. Ich möchte Ihm alles, was Er nur wünschen kann, hingeben, auch bis zu einem qualvollen Tode. Aber das gelingt mir nicht.

Sein Schmerzensantlitz zieht mich an und fesselt mich. Schön ist es als das Antlitz des Meisters oder das des auferstandenen Christus. Aber Ihn als solchen zu schauen, erfüllt mich lediglich mit Freude. Dieses hier flößt mir eine tiefe Liebe ein, wie die einer Mutter für ihr leidendes Kind nicht tiefer sein könnte.

Ja, ich verstehe Ihn jetzt. Die Liebe der compassio (2) ist die Kreuzigung des Geschöpfes, das dem göttlichen Meister bis in die allerletzte Qual hinein folgt. Es ist eine geradezu despotische Liebe, die jeden anderen Gedanken in uns unterdrückt, der nicht Seinen Schmerz betrifft. Wir gehören nicht mehr uns selbst. Wir leben, um Seinen Qualen Trost zu spenden, und Seine Qualen sind unser Leid, das uns, nicht nur metaphorisch ausgedrückt, umbringt. Und doch ist uns jede Träne, die der Schmerz uns auspreßt, kostbarer als eine Perle, und jeder Schmerz, den wir als dem Seinen ähnlich erkennen, willkommen und wie ein kostbarer Schatz geliebt.

Pater, ich habe mich angestrengt, das, was ich empfinde, auszudrücken. Aber es ist unnütz. Von allen Ekstasen, deren Gott mich würdigen kann, wird es immer die Seines Leidens sein, die meine Seele in ihren siebten Himmel bringt. Vor Liebe sterben im Anblick meines leidenden Jesus, das, finde ich, ist der schönste Tod.

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(1) vgl. Joh 19,5

(2) Die mit-leidende (compassione) oder teil-habende (compartecipazione) Liebe, von der im Diktat vom 13. Februar die Rede ist.

Auszug aus “Die Hefte 1944″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


„Ich bin der gute Samariter“

11/07/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 11. Juli 2010: Lk 10,25-37)

G. Conti - Der gute Samariter

3. Januar [1944]

Jesus sagt:

„Ich bin der gute Samariter (1). Ich allein habe Mitleid mit euren Verwundungen und beuge Mich über euch ohne Widerwillen und Ermüdung, und giesse das von der Liebe ausgepresste Öl und den Wein über sie aus.

Für die ganze Galle und den Essig, den ihr Mir gebt, ihr Menschen, die ihr Mich in Meiner Natur und in Meiner Lehre beleidigt, gebe Ich euch den Wein Meines weniger von den Kreuzigern als von der Liebe für euch aus den Venen wie aus einer Traube in der Kelter gepressten Blutes, der Liebe, die Mich für euch den Händen der Kreuziger überliefert hat, und gebe euch das Öl meines Erbarmens, das auch noch nach dem Tode aus dem zerspaltenen Herzen (2) rinnt, weil noch nicht einmal Mein Leichnam von Beleidigungen verschont bleiben und ich auch keinen Tropfen Meines Blutes zurückbehalten sollte.

Der Räuber Satan greift euch an und verwundet euch und lässt euch dann im Stich. Die Welt schaut euch an und verhöhnt euch, wenn sie sich nicht gar mit Satan vereint, um euch zu verwunden. Ich allein komme und habe Mitleid mit eurem Zustand.

Stosst den göttlichen Freund nicht zurück, der euch retten will. Lasst euch von Ihm heilen. Kommt zu Ihm, der euch liebt.“

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(1) Vgl. Lukas 10, 29-37

(2) Vgl. Joh 19,31-37

Auszug aus “Die Hefte 1944″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch