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Die Verklärung Jesu auf dem Tabor

03/03/2012

Hier geht es zur Valtorta-Vision zum zweiten Fastensonntag 2012: Markus 9,2-10

„Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden“

06/11/2010
zum Sonntagsevangelium vom 7. November 2010: Lukas 20,27-38

Er hört einen um den anderen Pilger an, die ihn um Rat bitten, tröstet, spricht los und heilt.

So vergehen mehrere Stunden.

Er verläßt den Tempel, um vielleicht außerhalb des Tores die Mahlzeit einzunehmen, die ihm die Diener des Lazarus in dessen Auftrag bringen.

Am Nachmittag kehrt er in den Tempel zurück. Er ist unermüdlich. Gnaden entströmen seinen Händen, die er den Kranken auflegt, und Weisheit fließt von seinen Lippen in den Ratschlägen, die er den vielen erteilt, die sich ihm nähern. Es scheint, als wolle er alle trösten und heilen, bevor ihm dies nicht mehr möglich ist.

Es ist schon beinahe Abend, und die müden Apostel sitzen auf dem Boden unter dem Säulengang und sind verwundert über dieses ununterbrochene Kommen und Gehen der Menge in den Höfen des Tempels so kurz vor dem Osterfest, als sich dem Unermüdlichen reiche Männer nähern. Den prunkvollen Gewändern nach zu schließen, müssen es wohl Reiche sein.

Matthäus, der nur mit einem Auge schlummert, steht auf und weckt die anderen. Er sagt: „Sadduzäer gehen zum Meister. Wir wollen ihn nicht allein lassen, damit sie ihn nicht wieder beleidigen oder versuchen, ihm zu schaden und ihn zu verhöhnen.“

Alle stehen sofort auf, gehen zum Meister und umringen ihn. Ich glaube zu verstehen, daß es Schwierigkeiten gegeben hat beim Verlassen des Tempels oder bei der Rückkehr um die sechste Stunde.

Die Sadduzäer, die Jesus durch übertriebene Verbeugungen ehren, sagen zu ihm: „Meister, du hast den Herodianern so klug geantwortet, daß in uns das Verlangen nach einem Strahl deines Lichtes geweckt wurde. Höre. Moses hat gesagt: „Wenn jemand kinderlos stirbt, so soll sein Bruder die Witwe heiraten und dem Bruder Nachkommenschaft sichern.“ Nun waren bei uns sieben Brüder. Der erste nahm eine Jungfrau zur Frau und starb, ohne Kinder zu haben, und so hinterließ er seine Frau seinem Bruder. Auch der zweite Bruder starb, ohne Kinder zu hinterlassen, und ebenso der dritte, der die Witwe seiner beiden Vorgänger geheiratet hatte, und so weiter bis zum siebten Bruder. Zuletzt, nachdem die Frau die sieben Brüder hintereinander geheiratet hatte, starb auch sie selbst. Sage uns nun: Bei der Auferstehung der Leiber – wenn es wirklich wahr ist, daß die Menschen auferstehen, daß unsere Seele uns überlebt und sich am Jüngsten Tag wieder mit dem Leib vereinigt und so die Lebenden wiederherstellt – welchem von den sieben Brüdern wird dann die Frau angehören, da sie ja auf Erden allen sieben angehört hat?“

„Ihr irrt. Ihr versteht weder die Schrift, noch die Macht Gottes. Ganz anders als in diesem wird es im anderen Leben sein. Im ewigen Reich wird es keine Bedürfnisse des Fleisches geben, wie in diesem Leben. Denn wahrlich, nach dem letzten Gericht wird das Fleisch auferstehen, sich mit der unsterblichen Seele vereinigen und wieder ein Ganzes bilden; es wird leben und besser leben als ich und ihr heute, aber es wird nicht mehr den Gesetzen, und vor allem nicht mehr den Reizen und Mißbräuchen unterworfen sein, die jetzt noch gelten. Bei der Auferstehung werden Männer und Frauen nicht mehr heiraten und nicht mehr geheiratet werden, sondern sie werden sein wie die Engel im Himmel, die nicht heiraten und nicht geheiratet werden und doch in vollkommener Liebe leben, der göttlichen und geistigen Liebe.

Und was die Auferstehung der Toten betrifft: Habt ihr nicht gelesen, wie Gott zu Moses aus dem Dornbusch gesprochen hat? Was hat der Allerhöchste damals gesagt? „Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs.“ Er sagte nicht: „Ich war…“ um damit zu verstehen zu geben, daß Abraham, Isaak und Jakob gewesen waren, aber nicht mehr waren. Er sagte: „Ich bin.“ Denn Abraham, Isaak und Jakob sind. Unsterblich. Wie der unsterbliche Teil aller Menschen, solange die Jahrhunderte andauern, und dann auch mit dem für die Ewigkeit auferstandenen Fleisch. Sie sind, ebenso wie Moses, wie die Propheten und Gerechten, wie leider auch Kain und die Menschen der Sündflut, die Sodomiter und alle in der Todsünde Verstorbenen. Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.“


„Auch du wirst sterben und dann leben?“ Sie versuchen Jesus. Sie sind es schon müde, sanft zu sein. Ihr Groll ist so heftig, daß sie sich nicht beherrschen können.

„Ich bin der Lebendige, und mein Fleisch wird die Verwesung nicht schauen. Die Bundeslade hat man uns genommen, und selbst das Symbol der jetzigen wird uns genommen werden. Das heilige Zelt wurde uns genommen und es wird zerstört werden. Doch der wahre Tempel Gottes kann nicht weggenommen und nicht zerstört werden. Wenn seine Gegner glauben, es geschafft zu haben, dann ist die Zeit gekommen, daß er im wahren Jerusalem in seiner ganzen Herrlichkeit errichtet wird. Lebt wohl.“

Jesus beeilt sich, zum Vorhof der Israeliten zu gelangen, denn die silbernen Trompeten rufen zum Abendopfer.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


6. August: Fest der Verklärung des Herrn

05/08/2010
(zum Evangelium nach Lukas 9,28-36)

Nach einer kurzen Rast im Schatten einer Baumgruppe, sicher wegen Petrus, den der Aufstieg sichtlich ermüdet hat, beginnt Jesus weiter aufzusteigen. Er geht fast bis zum Gipfel, dorthin, wo sich ein mit Gras bewachsenes Plateau befindet, das im Halbkreis von einigen Bäumen begrenzt wird.

„Ruht euch aus, Freunde. Ich will dorthin gehen, um zu beten“, sagt Jesus indem er auf einen großen Felsblock zeigt, der nicht gegen den Abhang, sondern nach innen, dem Gipfel zu, emporragt.

Jesus kniet auf der Wiese nieder und lehnt Hände und Haupt an den Felsblock, dieselbe Haltung, die er später beim Gebet in Gethsemane einnehmen wird. Die Sonne bescheint ihn nicht, da der Gipfel ihn vor ihr schützt, doch der übrige Rasenplatz ist sehr sonnig, außer dem schattigen Rand mit den Bäumen, unter welchen sich die Apostel niedergelassen haben.

Petrus löst seine Sandalen, schüttelt Staub und Steinchen ab und bleibt barfuß, mit seinen müden Füßen im frischen Gras, halb ausgestreckt liegen, wobei er den Kopf auf einem Büschel ruhen lässt, das etwas höher aus dem Gras ragt und eine Art Polster bildet.

Jakobus tut es ihm nach. Doch, um es sich bequemer zu machen, sucht er nach einem Baumstumpf, auf den er seinen Mantel legt, um sich darauf zu stützen.

Johannes bleibt sitzen und beobachtet den Meister. Aber die Ruhe des Ortes, das frische Lüftchen, die Stille und die Müdigkeit überwältigen auch ihn, und sein Kopf sinkt auf die Brust und seine Augen fallen zu. Keiner von den dreien schläft tief, sie sind nur von der sommerlichen Schläfrigkeit wie betäubt.

Doch plötzlich werden sie durch eine Lichtfülle geweckt, die so lebendig erstrahlt, daß selbst die Sonne in ihr entschwindet; sie dringt bis zum Grün der Bäume und Sträucher, so sie sich niedergelassen haben.

Erstaunt öffnen sie ihre Augen und sehen Jesus verklärt. Jesus ist genau so, wie ich ihn in den Visionen des Paradieses schaue, natürlich ohne die Wundmale und ohne das Siegeszeichen des Kreuzes. Aber die Majestät seines Antlitzes und seiner Gestalt ist dieselbe, er strahlt wie im Himmel und trägt dasselbe Gewand wie dort, das sich aus einem dunkelroten in ein diamantenes, perlglänzendes immaterielles Gewebe verwandelt hat. Sein Antlitz ist eine Sonne, die stärker leuchtet als Sterne, und seine Augen strahlen wie Saphire. Er scheint noch stattlicher zu sein, als habe die Verklärung seine Gestalt anwachsen lassen. Ich kann nicht sagen, ob die Lichtfülle, die den ganzen Platz in phosphoreszierendes Licht taucht, ihm entströmt, oder ob sich sein eigenes Licht mit dem vermischt, das sich vom All und vom Paradies auf seinen Herrn ausgießt. Ich weiss nur, dass es etwas Unbeschreibliches ist.

Jesus steht jetzt aufrecht da, vielmehr, er schwebt über der Erde, denn zwischen ihm und dem Grün des Bodens ist eine Lichtwolke, ein Zwischenraum aus lauter Licht, auf dem er zu stehen scheint. Doch ist es so lebendig, daß ich mich auch täuschen könnte, und das Verschwinden des Grüns unter den Füßen Jesu könnte auch hervorgerufen sein durch dieses intensive Licht, das vibriert und wogt, wie man es oft bei großen Feuern sieht, blendend weiße Wogen. Jesus steht da, mit zum Himmel erhobenem Antlitz, und lächelt einer Vision zu, die ihn verzückt.

Die Apostel geraten beinahe in Angst und rufen ihm zu, denn er scheint nicht mehr ihr Meister zu sein, so erhaben verklärt und verwandelt ist er.

„Meister, Meister“, rufen sie leise und ängstlich.

Doch er hört sie nicht.

„Er ist in Ekstase“, sagt Petrus zitternd. „Was sieht er wohl?“

Die drei haben sich erhoben und möchten sich Jesus nähern, aber sie wagen es nicht.

Das Licht wird noch stärker durch zwei Flammen, die vom Himmel zu beiden Seiten Jesu herabkommen. Auf der Höhe der Ebene öffnet sich ihr Schleier, und es erscheinen zwei majestätische, strahlende Gestalten. Die eine ist älter, mit einem strengen, ernsten Blick und einem langen zweigeteilten Bart. Von seiner Stirne gehen zwei Lichthörner aus, die ihn mir als Moses anzeigen. Die andere Gestalt ist hager, bärtig und behaart, ungefähr wie der Täufer, dem er in Gestalt, Magerkeit und Strenge des Blickes ähnlich sieht. Während das Licht von Moses weiß ist, wie das von Jesus, besonders die Strahlen, die von der Stirn ausgehen, ist das Licht, das Elias ausströmt, sonnig, wie das einer lebendigen Flamme.

Die beiden Propheten stehen voller Ehrfurcht zu beiden Seiten ihres fleischgewordenen Gottes, und obwohl er in familiärem Ton mit ihnen spricht, verharren sie in ihrer ehrfurchtsvollen Haltung. Ich verstehe keines der gesprochenen Worte.

Die drei Apostel fallen zitternd auf die Knie und halten die Hände vors Gesicht. Sie möchten hinschauen, aber sie fürchten sich. Endlich sagt Petrus: „Meister, Meister, höre mich an!“ Jesus wendet sich Petrus zu und lächelt, so daß dieser Mut faßt und sagt: „Es ist schön, mit dir, Moses und Elias hier zu sein. Wenn du willst machen wir drei Zelte, für dich, für Moses und für Elias, und bleiben hier, um euch zu dienen…“

Jesus schaut ihn abermals an und lächelt noch ausdrücklicher. Dann schaut er auch Johannes und Jakobus an. Ein Blick, der die beiden mit Liebe umfängt! Auch Moses und Elias schauen die drei an und ihre Augen leuchten wie Blitze. Es müssen Strahlen sein, welche die Herzen durchdringen.

Die Apostel wagen kein Wort mehr zu sagen. Verängstigt schweigen sie und scheinen vor Verwunderung wie betäubt zu sein. Doch als ein Schleier, der weder ein Nebel, noch eine Wolke und auch kein Strahl ist, die drei Verklärten einhüllt und hinter einem noch helleren Lichtschirm verbirgt, und eine mächtige, wohlklingende Stimme die Luft erfüllt, fallen die drei zu Boden und verbergen das Antlitz im Gras.

„Das ist mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. Auf ihn sollt ihr hören!“

Petrus hat, als er sich mit dem Gesicht voran zu Boden geworfen hat, ausgerufen: „Erbarmen mit mir Sünder! Die Herrlichkeit Gottes steigt herab!“ Jakobus gibt keinen Lauf von sich. Johannes flüstert mit einem Seufzer, als wäre er nahe dran, ohnmächtig zu werden: „Der Herr spricht!“

Keiner wagt seinen Kopf zu heben, selbst als es ganz still ist, und sie bemerken daher nicht, wie das natürliche Sonnenlicht zurückkehrt, in welchem Jesus in seinem roten Gewand wieder wie gewohnt erscheint. Lächelnd schreitet er auf sie zu, berührt und schüttelt sie und ruft sie beim Namen.

„Steht auf, ich bin es. Fürchtet euch nicht“, sagt er, denn die drei wagen nicht, ihre Augen zu erheben und flehen um Barmherzigkeit für ihre Sünden, da sie fürchten, daß es der Engel des Herrn ist, der sie dem Allerhöchsten zeigen will.

„So erhebt euch doch. Ich gebiete es euch“, wiederholt Jesus mit machtvoller Stimme. Sie schauen auf und sehen Jesus, der ihnen zulächelt.

„Oh, Meister, mein Gott!“ ruft Petrus aus. „Wie wird es uns noch möglich sein, fortan an deiner Seite zu leben, da wir deine Herrlichkeit geschaut haben? Wie werden wir unter den Menschen leben können, wir sündigen Menschen, nun, da wir die Stimme Gottes gehört haben?“

„Ihr werdet an meiner Seite leben müssen und meine Herrlichkeit schauen bis zum Ende. Seid dessen würdig, denn die Zeit ist nahe. Gehorcht meinem Vater und eurem Vater. Nun wollen wir zu den Menschen zurückkehren, denn ich bin gekommen, um unter ihnen zu sein und sie Gott zuzuführen. Laßt uns gehen. Seid im Gedenken an diese Stunde heilig, stark und treu. Ihr werdet einst teilhaben an meiner vollkommenen Herrlichkeit. Aber sprecht jetzt mit niemandem über das, was ihr gesehen habt. Auch nicht mit den Gefährten. Wenn der Menschensohn einst von den Toten auferstanden und in die Herrlichkeit des Vaters zurückgekehrt sein wird, dann werdet ihr sprechen, denn dann wird man, um an meinem Reich teilzuhaben, glauben müssen.“

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band VI) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die Verklärung

28/02/2010
(zum Sonntags-Evangelium vom 28. Februar 2010: Lukas 9,28-36)

Nach einer kurzen Rast im Schatten einer Baumgruppe, sicher wegen Petrus, den der Aufstieg sichtlich ermüdet hat, beginnt Jesus weiter aufzusteigen. Er geht fast bis zum Gipfel, dorthin, wo sich ein mit Gras bewachsenes Plateau befindet, das im Halbkreis von einigen Bäumen begrenzt wird.

„Ruht euch aus, Freunde. Ich will dorthin gehen, um zu beten“, sagt Jesus indem er auf einen großen Felsblock zeigt, der nicht gegen den Abhang, sondern nach innen, dem Gipfel zu, emporragt.

 

Berg Tabor

 

Jesus kniet auf der Wiese nieder und lehnt Hände und Haupt an den Felsblock, dieselbe Haltung, die er später beim Gebet in Gethsemane einnehmen wird. Die Sonne bescheint ihn nicht, da der Gipfel ihn vor ihr schützt, doch der übrige Rasenplatz ist sehr sonnig, außer dem schattigen Rand mit den Bäumen, unter welchen sich die Apostel niedergelassen haben.

Petrus löst seine Sandalen, schüttelt Staub und Steinchen ab und bleibt barfuß, mit seinen müden Füßen im frischen Gras, halb ausgestreckt liegen, wobei er den Kopf auf einem Büschel ruhen lässt, das etwas höher aus dem Gras ragt und eine Art Polster bildet.

Jakobus tut es ihm nach. Doch, um es sich bequemer zu machen, sucht er nach einem Baumstumpf, auf den er seinen Mantel legt, um sich darauf zu stützen.

Johannes bleibt sitzen und beobachtet den Meister. Aber die Ruhe des Ortes, das frische Lüftchen, die Stille und die Müdigkeit überwältigen auch ihn, und sein Kopf sinkt auf die Brust und seine Augen fallen zu. Keiner von den dreien schläft tief, sie sind nur von der sommerlichen Schläfrigkeit wie betäubt.

Doch plötzlich werden sie durch eine Lichtfülle geweckt, die so lebendig erstrahlt, daß selbst die Sonne in ihr entschwindet; sie dringt bis zum Grün der Bäume und Sträucher, so sie sich niedergelassen haben.

Erstaunt öffnen sie ihre Augen und sehen Jesus verklärt. Jesus ist genau so, wie ich ihn in den Visionen des Paradieses schaue, natürlich ohne die Wundmale und ohne das Siegeszeichen des Kreuzes. Aber die Majestät seines Antlitzes und seiner Gestalt ist dieselbe, er strahlt wie im Himmel und trägt dasselbe Gewand wie dort, das sich aus einem dunkelroten in ein diamantenes, perlglänzendes immaterielles Gewebe verwandelt hat. Sein Antlitz ist eine Sonne, die stärker leuchtet als Sterne, und seine Augen strahlen wie Saphire. Er scheint noch stattlicher zu sein, als habe die Verklärung seine Gestalt anwachsen lassen. Ich kann nicht sagen, ob die Lichtfülle, die den ganzen Platz in phosphoreszierendes Licht taucht, ihm entströmt, oder ob sich sein eigenes Licht mit dem vermischt, das sich vom All und vom Paradies auf seinen Herrn ausgießt. Ich weiss nur, dass es etwas Unbeschreibliches ist.

Jesus steht jetzt aufrecht da, vielmehr, er schwebt über der Erde, denn zwischen ihm und dem Grün des Bodens ist eine Lichtwolke, ein Zwischenraum aus lauter Licht, auf dem er zu stehen scheint. Doch ist es so lebendig, daß ich mich auch täuschen könnte, und das Verschwinden des Grüns unter den Füßen Jesu könnte auch hervorgerufen sein durch dieses intensive Licht, das vibriert und wogt, wie man es oft bei großen Feuern sieht, blendend weiße Wogen. Jesus steht da, mit zum Himmel erhobenem Antlitz, und lächelt einer Vision zu, die ihn verzückt.

Die Apostel geraten beinahe in Angst und rufen ihm zu, denn er scheint nicht mehr ihr Meister zu sein, so erhaben verklärt und verwandelt ist er.

„Meister, Meister“, rufen sie leise und ängstlich.

Doch er hört sie nicht.

„Er ist in Ekstase“, sagt Petrus zitternd. „Was sieht er wohl?“

Die drei haben sich erhoben und möchten sich Jesus nähern, aber sie wagen es nicht.

Das Licht wird noch stärker durch zwei Flammen, die vom Himmel zu beiden Seiten Jesu herabkommen. Auf der Höhe der Ebene öffnet sich ihr Schleier, und es erscheinen zwei majestätische, strahlende Gestalten. Die eine ist älter, mit einem strengen, ernsten Blick und einem langen zweigeteilten Bart. Von seiner Stirne gehen zwei Lichthörner aus, die ihn mir als Moses anzeigen. Die andere Gestalt ist hager, bärtig und behaart, ungefähr wie der Täufer, dem er in Gestalt, Magerkeit und Strenge des Blickes ähnlich sieht. Während das Licht von Moses weiß ist, wie das von Jesus, besonders die Strahlen, die von der Stirn ausgehen, ist das Licht, das Elias ausströmt, sonnig, wie das einer lebendigen Flamme.

 

Carl Bloch - Die Verklärung

 

Die beiden Propheten stehen voller Ehrfurcht zu beiden Seiten ihres fleischgewordenen Gottes, und obwohl er in familiärem Ton mit ihnen spricht, verharren sie in ihrer ehrfurchtsvollen Haltung. Ich verstehe keines der gesprochenen Worte.

Die drei Apostel fallen zitternd auf die Knie und halten die Hände vors Gesicht. Sie möchten hinschauen, aber sie fürchten sich. Endlich sagt Petrus: „Meister, Meister, höre mich an!“ Jesus wendet sich Petrus zu und lächelt, so daß dieser Mut faßt und sagt: „Es ist schön, mit dir, Moses und Elias hier zu sein. Wenn du willst machen wir drei Zelte, für dich, für Moses und für Elias, und bleiben hier, um euch zu dienen…“

Jesus schaut ihn abermals an und lächelt noch ausdrücklicher. Dann schaut er auch Johannes und Jakobus an. Ein Blick, der die beiden mit Liebe umfängt! Auch Moses und Elias schauen die drei an und ihre Augen leuchten wie Blitze. Es müssen Strahlen sein, welche die Herzen durchdringen.

Die Apostel wagen kein Wort mehr zu sagen. Verängstigt schweigen sie und scheinen vor Verwunderung wie betäubt zu sein. Doch als ein Schleier, der weder ein Nebel, noch eine Wolke und auch kein Strahl ist, die drei Verklärten einhüllt und hinter einem noch helleren Lichtschirm verbirgt, und eine mächtige, wohlklingende Stimme die Luft erfüllt, fallen die drei zu Boden und verbergen das Antlitz im Gras.

„Das ist mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. Auf ihn sollt ihr hören!“

Petrus hat, als er sich mit dem Gesicht voran zu Boden geworfen hat, ausgerufen: „Erbarmen mit mir Sünder! Die Herrlichkeit Gottes steigt herab!“ Jakobus gibt keinen Lauf von sich. Johannes flüstert mit einem Seufzer, als wäre er nahe dran, ohnmächtig zu werden: „Der Herr spricht!“

Keiner wagt seinen Kopf zu heben, selbst als es ganz still geworden ist, und sie bemerken daher nicht, wie das natürliche Sonnenlicht zurückkehrt, in welchem Jesus in seinem roten Gewand wieder wie gewohnt erscheint. Lächelnd schreitet er auf sie zu, berührt und schüttelt sie und ruft sie beim Namen.

„Steht auf, ich bin es. Fürchtet euch nicht“, sagt er, denn die drei wagen nicht, ihre Augen zu erheben und flehen um Barmherzigkeit für ihre Sünden, da sie fürchten, daß es der Engel des Herrn ist, der sie dem Allerhöchsten zeigen will.

„So erhebt euch doch. Ich gebiete es euch“, wiederholt Jesus mit machtvoller Stimme. Sie schauen auf und sehen Jesus, der ihnen zulächelt.

„Oh, Meister, mein Gott!“ ruft Petrus aus. „Wie wird es uns noch möglich sein, fortan an deiner Seite zu leben, da wir deine Herrlichkeit geschaut haben? Wie werden wir unter den Menschen leben können, wir sündigen Menschen, nun, da wir die Stimme Gottes gehört haben?“

„Ihr werdet an meiner Seite leben müssen und meine Herrlichkeit schauen bis zum Ende. Seid dessen würdig, denn die Zeit ist nahe. Gehorcht meinem Vater und eurem Vater. Nun wollen wir zu den Menschen zurückkehren, denn ich bin gekommen, um unter ihnen zu sein und sie Gott zuzuführen. Laßt uns gehen. Seid im Gedenken an diese Stunde heilig, stark und treu. Ihr werdet einst teilhaben an meiner vollkommenen Herrlichkeit. Aber sprecht jetzt mit niemandem über das, was ihr gesehen habt. Auch nicht mit den Gefährten. Wenn der Menschensohn einst von den Toten auferstanden und in die Herrlichkeit des Vaters zurückgekehrt sein wird, dann werdet ihr sprechen, denn dann wird man, um an meinem Reich teilzuhaben, glauben müssen.“

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band VI) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch