Posts Tagged ‘Nachfolge Christi’

Hl. Rafael Arnaiz Baron (14)

09/04/2011

Heute, am 9. April 2011, ist der 100. Geburtstag des spanischen Trappisten Rafael Arnaiz Baron, der am am 11. Oktober 2009 heilig gesprochen wurde. Er ist einer (der jüngste) der Patrone des Weltjugendtages in Madrid.

Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas an Diabetes verstorbene Mystiker beeindruckt vor allem durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Den folgenden Brief schrieb er von seinem Elternhaus aus an seine Tante (mit der er verabredet hatte, sich gegenseitig mit ‚Bruder‘ und ‚Schwester‘ anzureden), nachdem er ca. 2 Jahre vorher die Abtei aufgrund seiner Erkrankung  verlassen musste. Seine Rückkehr in die ‚Trapa‘ stand kurz bevor:

An seine Tante Maria, Herzogin von Maqueda, von Oviedo aus

26. November 1935 – Dienstag – im Alter von 24 Jahren

Meine liebste Schwester! Ich weiss nicht, wie ich beginnen soll. Dein Brief heute war für mich etwas, wofür ich weder Gott noch Dir genug danken kann. Er möge Dich segnen!

Ich sage Dir nur, dass ich in diesen Tagen eine Stelle aus der Sext des Offiziums betrachtet habe, die lautet: „Helft euch gegenseitig beim Tragen der Lasten. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2).

Wie tröstlich, nicht wahr? Und was machen wir? Ich weiss nicht, aber in Deinem Brief habe ich heute morgen eine ganz zarte, von Christus herrührende Liebe gesehen. Du möchtest mir helfen, mich trösten und ein wenig mein Kreuz tragen helfen; Du möchtest mein Mann aus Cyrene sein. Gepriesen sei die Liebe der Geschöpfe, die solche Dinge vollbringt! Gelobt sei der Herr, der uns ein Herz schenkt, das uns manchmal leiden, aber auch viele reine und übernatürliche Freuden erfahren lässt! Das geschieht, wenn wir Seelen begegnen, die uns derart lieben, wie du mir in Deinem Brief zeigst. Liebe Schwester, Du bist ein Engel, den mir der Herr in genau dem Augenblick schickt, da ich es am dringendsten benötige… Es soll Dir nicht sehr wichtig sein, dass ich es Dir sage, aber ich sehe es wirklich so.

Gerade jetzt, da ich dir zu schreiben beginne, komme ich vom Kloster der ‚Esclavas‘ zurück. Es ist halb sieben. Dort, vor dem Herrn und mit Deinem Brief in der Tasche, habe ich vor Freude fast geweint… Wie sehr liebst du mich, Herr! Wenn  Du wüsstest, Schwesterlein, wie glücklich ich bin! Du auch, nicht wahr?

Sieh, ich ging hin zu Jesus, um Ihm alles zu erzählen, so wie ich es immer tue, wenn ich einen Brief von Dir erhalte. Zuerst hielt ich einen Akt der Danksagung. Gott behandelt mich auf eine Weise, wie ich es nicht verdiene. Kurz und gut, warum sollte ich Dir alles nochmals aufzählen? Danach überdachte ich einige Dinge, die Du mir schreibst und von denen Du mich bittest, nicht böse darüber zu sein. Um Gottes willen, ich werde doch nicht ärgerlich darüber und habe Dir nichts zu verzeihen! Du meinst das nur. Du glaubst, dass ich so gut bin. Ich erzählte es dem Herrn, und wir lachten beide ein wenig. Ich sage es Dir in aller Einfachheit. Jesus gab mir zu verstehen, dass ich weder von Ihm noch vor Seiner Mutter etwas gewinne oder verliere durch die Meinung, die Du vielleicht von mir hast – das sei unwichtig.

Du bist wirklich ein ‚goldiges Fräuchen‘, liebe Schwester. Ich finde das ganz lustig und beneide fast Deine Treuherzigkeit. Du kannst mir mitteilen, was Du willst… Gott weiss alles, und ich erzähle Ihm schliesslich auch alles.

Als ich das heute nachmittag tat und merkte, dass der Herr mir zuhörte und auch lächelte, empfand ich plötzlich eine so grosse Freude, dass ich – hätte ich die Leute um mich herum nicht bemerkt – zu lachen angefangen hätte wie ein Irrer; mehr brauche ich Dir wohl nicht zu sagen.

Anschliessend konzentrierte ich mich sehr, und diese etwas unpassende Äusserung der Freude verwandelte sich in einen ganz grossen Frieden… Wenn Du sehen könntest, Schwester, wie gut Gott ist! Ich vergass alles: mich, Dich, alles… Jesus liebt mich so sehr, liebe Schwester! Liebe auch Du Gott ganz innig! Könntest Du doch auch diese Erfahrung machen! Nun gut…

 

Später liess Er mich merken, dass immer noch eine arme alte Frau in der Kirche war, die neben mir kniete und ganz fürchterlich anfing zu husten. Zuerst machte sie mich ungeduldig, dann aber war ich so beschämt über meine Ungeduld, dass ich die arme Frau bei der Hand nahm und sie der Jungfrau Maria vorstellte. Ich bat die Herrin, sich ihrer anzunehmen – und der Husten hörte auf. Dann betete ich für sie. Ich begann mit dem alten Frauchen neben mir, und schliesslich stellte ich alle Glaubenden unter den Schutzmantel der Gottesmutter. Hin und wieder habe ich derartige innere Anwandlungen, und ich sage Dir: dann fällt es mir schwer, stillzuhalten. Gut, versteh mich bitte recht!

Ich blieb in der Kirche, bis man mich hinauswarf (ich weiss nicht, wie man dieses Wort schreibt; verzeih meinen Fehler!) [Er schreibt ‚hecharon‘ statt ‚echaron‘, streicht das ‚h‘ aber durch.] Ich ging sehr fröhlich fort, weil ich eine Weile bei Jesus verbracht hatte, und hätte den Küster am liebsten umarmt. Wie glücklich bin ich doch, Schwesterlein! Wie sehr liebt mich Jesus!

Du, ja Du musst mir die Dinge verzeihen, die ich Dir erzähle. Aber ich möchte Dich teilnehmen lassen sowohl an meinen Freuden als – ich würde sagen – auch an meinen Leiden… Aber gut, was meine Leiden angeht, lassen wir es. Sie gehen rasch vorüber; der Herr lässt nicht zu, dass ich mich lange damit aufhalte. Er will nicht, dass ich egoistisch sei. Und wenn Du in meinen vorhergehenden Briefen eine Spur von Traurigkeit gefunden hast, verzeih mir, denn ich bin immer noch recht armselig.

Da Du mir in Deinem Brief davon sprichst, dass wir mit unserer Liebe zu Gott frohe Menschen sein müssen, konnte ich nicht anders und musste den Herrn loben mit heiliger Freude in dem Bewusstsein, dass wir Ihm gehören, im Bewusstsein darüber, dass wir von ihm brennend geliebt werden. Weg mit der Traurigkeit und mit den Sorgen! Gott, und Gott allein! Ich kann Dir sagen, dass unser Leben – wenn wir das immer so sähen – ein vorweggenommener Himmel wäre. Alles würde sich darauf beschränken, Gott zu lieben und zu wissen, dass Er uns liebt. Was würden wir dann nicht alles erreichen, nicht wahr? Uns mit den Engeln, mit den Heiligen, mit Maria vereinigen! Ja, dann könnten wir wirklich nicht stillhalten, wenn wir zum Gebet gingen. Und dann würden sich diese inneren Anwandlungen mit solcher Häufigkeit wiederholen, dass wir in einer davon… O Herr, wie lange noch belässt Du mich hier, wo ich mich dahinschleppe, Dich suche und nach Dir rufe, ohne dass das Herz entlastet würde oder zur Ruhe kommen könnte? … Es erkennt unser Elend, das uns daran hindert, uns ein für allemal an Dir zu erfreuen.

Wie egoistisch sind wir, Herr! Tu mit mir, was Du willst, nimm keine Rücksicht auf mich! Ich habe Deine Liebe nicht verdient. Aber Herr, diese Worte gibt nicht mein Herz mir ein; das Herz bittet Dich um Liebe, und dass Du es für immer nimmst und es weit machst oder es einfach zum Stillstand bringst… Herr, so ist das kein Leben. Mein Leben bist Du, und manchmal scheinst Du so fern zu sein. O mein Herr und mein Gott!

Schau, liebe Schwester, heute habe ich nichts als eines: Gott…; ich schicke Ihn Dir.

Ich möchte, dass der Brief heute weggeht. Es ist halb acht, und um halb neun wird der Briefkasten geleert. Ich möchte nämlich – auch wenn es nicht mehr als ein paar Zeilen sind -, dass Du morgen das erhältst, was ich Dir schicken möchte.

Der nächste Brief wird länger, und darin werde ich Dir sagen, was ich mir für die hl. Adventszeit vorgenommen habe. Heute abend fange ich an, Dir zu schreiben und ausführlich auf Deinen Brief zu antworten. Ich sehe in ihm tatsächlich unsere gute Mutter und dass Du sie sehr liebst.

Wie gut bist Du Schwesterchen! Gott möge es Dir lohnen.

Denk nicht daran, dass ich wieder in die ‚Trapa‘ zurückkehre… Was soll’s! Für Dich bin ich immer derselbe, meinst Du nicht?

Heute weiss ich Dir nichts mehr zu sagen. Es steckt etwas in mir, dass mich nicht lässt.

Es schickt Dir seine ungeheuer grosse Liebe Dein armer, verrückter Bruder,

Bruder Maria Rafael O.C.R.

Verzeih ihm!!

P.S. Ich schicke Dir einen Brief aus meiner ‚Trapa‘. Er sagt nichts aus, und doch sagt er mir viel… Wie gut ist Jesus! Alles ist mir ein Trost.

Heiliger Rafael Arnaiz Baron, bitte für uns und ganz besonders für die Jugend dieser Erde. Nimm uns, genau wie das ‚alte Frauchen‘ in Deinem Brief, an die Hand und stelle uns der Gottesmutter vor, damit sie uns alle unter ihren Mantel nehme, uns zu ihrem Sohn führe und ihn uns lieben lehre. Amen.

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Wollet auch ihr übrigen noch gehen…?

29/03/2011

Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes (Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort)

Der Aufruf Jesu Christi

Erinnert euch, teure Mitbrüder, dass unser guter Jesus euch anblickt und jedem einzelnen sagt: Siehe, wie fast die ganze Welt mich auf dem königlichen Weg verlässt!

Die blinden Götzendiener spotten über mein Kreuz, als sei es eine Torheit; die verstockten Juden ärgern sich darüber, als über ein Zeichen des Anstosses. Die Häretiker zerbrechen und zerschlagen es, als sei es der Verachtung preiszugeben.

Was ich aber nur mit Tränen im Auge und mit schmerzerfülltem Herzen sagen kann, ist das, dass meine Kinder, die ich an meinem Herzen erzogen und in meiner Schule unterrichtet habe, dass meine Glieder, die ich mit meinem Geiste belebte, mich soweit verlassen und verachtet haben, dass sie Feinde meines Kreuzes werden.

Numquid es vos vultis abire? Wollet auch ihr übrigen noch gehen und mich verlassen, indem ihr mein Kreuz fliehet, wie die Weltmenschen, welche in dieser Beziehung wahre Antichristen sind, antichristi multi? Wollet ihr euch dieser jetzigen Welt gleichförmig machen und die Armut meines Kreuzes verachten, um Reichtümern nachzueilen? Wollet auch ihr die Leiden meines Kreuzes meiden, um Vergnügungen aufzusuchen, und die Verdemütigungen meines Kreuzes hassen, um nach Ehre zu streben?

Ich habe viele Freunde dem Scheine nach, die zwar laut bezeugen, dass sie mich lieben, in Wirklichkeit aber mich hassen, weil sie mein Kreuz nicht lieben; viele Freunde, die an meinem Tische sitzen wollen, aber wenige, die mein Kreuz nachtragen.

Auszug aus „Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes“ in  „Das Goldene Buch“ vom hl. Louis Marie Grignon de Montfort. Neuauflage der ursprünglichen Übersetzung erschienen im Lins-Verlag, 6800 Feldkirch, Österreich

Die beiden Parteien

Die Wissenschaft des Kreuzes

Jesu Begegnung mit Johannes und Jakobus

22/01/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 23. Januar 2011: Matthäus 4,12-23)

Ich sehe Jesus auf dem schmalen grünen Pfad längs des Jordan dahinschreiten. Er ist in der Nähe des Ortes, wo er getauft worden ist, und zwar beim Flußübergang, der sehr bekannt zu sein scheint und von vielen zum Überqueren benützt wird. Doch der Ort, den ich noch vor kurzem voller Leute gesehen habe, erscheint nun menschenleer. Nur einige Wanderer, zu Fuß oder auf einem Reittier, sind zu sehen.

Jesus scheint in Gedanken versunken und schreitet nach Norden weiter. Bei der Furt angekommen, begegnet er einer Gruppe von Männern verschiedenen Alters, die eifrig miteinander diskutieren und sich dann trennen, die einen schreiten in nördlicher, die anderen in südlicher Richtung weiter. Unter denen, welche sich nach Norden wenden, sehe ich Johannes und Jakobus. Johannes bemerkt Jesus zuerst und macht seinen Bruder auf ihn aufmerksam. Sie reden noch etwas miteinander, dann beeilt sich Johannes, Jesus einzuholen. Jakobus folgt langsam. Die anderen achten nicht darauf und gehen diskutierend weiter.

Als Johannes Jesus bis auf zwei oder drei Meter eingeholt hat, ruft er: „Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt!“

Jesus wendet sich um und schaut ihn an. Sie stehen sich nun gegenüber und betrachten sich. Jesus tut dies ernst und eindringlich; Johannes mit reinen Augen und einem Lächeln im kindlichen Gesicht, das beinahe mädchenhaft wirkt. Er dürfte ungefähr 20 Jahre alt sein, und auf den rosigen Wangen ist nur ein leichter, blonder Flaum, der wie ein goldener Schleier aussieht.

Jesus fragt: „Wen suchst du?“

„Dich, Meister.“

„Woher weißt du, dass ich Meister bin?“

„Der Täufer hat es mir gesagt.“

„Warum nennst du mich Lamm?“

„Ich hörte Johannes dich so nennen. Es war vor ungefähr einem Monat, als du hierhergekommen bist.“

„Was willst du von mir?“

„Dass du uns Worte des ewigen Lebens verkündest und uns tröstest.“

„Wer bist du?“

„Ich bin Johannes, Sohn des Zebedäus, und dies ist mein Bruder, Jakobus. Wir sind aus Galiläa und Fischer. Wir sind jedoch auch Jünger des Johannes des Täufers. Er verkündete uns Worte des Lebens, und wir nahmen sie in unser Herz auf, da wir Gott folgen wollen und unsere Herzen durch Buße auf die Ankunft des Messias vorbereiten, um Vergebung zu erlangen. Du bist der Messias. Johannes hat es uns gesagt; denn er hat das Zeichen der Taube gesehen, die sich auf dir niedergelassen hat. Er sagte zu uns: „Seht das Lamm Gottes!“ Ich bitte dich, Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gib uns den Frieden! Wir haben nämlich niemanden mehr, der uns leitet, und unsere Seele ist betrübt.“

„Wo ist Johannes?“

„Herodes hat ihn gefangennehmen lassen. Nun befindet er sich im Gefängnis. Seine Getreuen haben versucht, ihn zu befreien. Doch es ist unmöglich. Wir kommen gerade von dort. Lass uns mit dir gehen, Meister, zeige uns, wo du wohnst!“


„Kommt mit! Doch wisst ihr, um was ihr bittet? Wer mir nachfolgen will, muss auf alles verzichten: auf Haus, Verwandte, seine Art zu denken und selbst das Leben. Ich werde euch zu meinen Jüngern und Freunden machen, wenn ihr wollt. Doch habe ich keine Reichtümer oder Gönner. Ich bin arm und werde noch ärmer werden, bis ich nichts mehr habe, um mein Haupt darauf zu legen. Und ich werde verfolgt werden, mehr als ein verirrtes Lamm von hungrigen Wölfen verfolgt wird. Meine Lehre ist noch strenger als die Lehre des Täufers, da sie sogar verbietet, nachtragend zu sein. Meine Lehre richtet sich mehr an die Seele als an das Äußere. Ihr müsst wiedergeboren werden, wenn ihr mir gehören wollt. Wollt ihr das?“

„Ja, Meister, denn du allein hast Worte, die uns Licht geben. Sie erleuchten uns, und wo zuerst finstere Trostlosigkeit herrschte, weil wir ohne Führung waren, erfüllen sie uns mit Sonnenlicht.“

„Kommt also, und gehen wir! Unterwegs werde ich euch belehren.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band I von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch