Posts Tagged ‘Petrus’

„Selig, selig, selig die, welche wahrhaftig an Mich zu glauben wissen. Immerdar.“

15/09/2012

zum Evangelium vom 16. September 2012: Mk 8,27-35

28. September [1943]

Jesus sagt:

„Ein Beispiel begrenzten Glaubens und der Folgen davon haben wir in Petrus.

Petrus hatte in der Schwerfälligkeit seines Seins Mein Wort noch nicht vollständig angenommen. Das Feuer des Heiligen Geistes hatte ihn noch nicht entzündet und Meine Hinopferung ihn noch nicht gestärkt, wie das mit ihm und mit allen geschehen sollte – Ich liebte ihn nämlich sehr, Meinen großzügigen, impulsiven, aber auch so menschlichen Petrus, in dem so viele gute Anlagen, aber auch so viel Menschliches war: ein wahres Muster des menschlich guten Menschen, der um heilig zu werden, seine Güte in die göttliche Güte einzupfropfen hatte. Gerade seine große Liebe zu Mir – und diese hat ihn schließlich von jeder Schuld reingewaschen – führte ihn dazu, jene Mir aufgesparten blutigen Wahrheiten, die Ich angekündigt hatte, zurückzuweisen.

„Herr, das sei ferne von dir“, hatte er einmal gesagt. Und wenn er es auch nach Meinem Tadel nicht mehr wiederholte, in seinem Herzensgrund lehnte er sich gegen die Vorstellung auf, dass seinem Herrn ein so grausames Los beschieden sein sollte und dass das Reich seines Königs den Gipfel eines Berges als Palast und ein Kreuz als Thron haben sollte.

Johannes, der reine und liebende Gläubige blieb treu. Petrus, der nur jene Wahrheiten der göttlichen Wahrheit annehmen wollte, die seinen noch allzu sehr mit dem Fleisch verquickten Geist begeisterten, verleugnete Mich. Seine Schuld in jener Stunde war mangelnde Tapferkeit und fehlender Glaube.

Wenn er ganz treu an Mich geglaubt hätte, hätte er verstanden, dass sein Meister niemals so sehr König, Meister und Herr war, wie in jener Stunde, in der er ein gewöhnlicher Verbrecher zu sein schien.

Ich habe also den Höhepunkt des Lehrens dadurch erreicht, dass Ich nicht eine Theorie lehrte, sondern diese zu einer echten Tat machte. 

Da habe Ich die Herrschaft über alle, die vor Mir waren, die waren und die noch sein würden, angetreten, und habe Mich in Purpur und Krone gekleidet, wie Ich glänzendere nicht hätte annehmen können, denn ersterer bestand aus Gottes eigenem Blut und letztere war das Zeugnis dafür, mit welcher Kraft Gott euch liebte, Gott, der den Martertod stirbt, um den Menschen die ewigen Martyrien zu ersparen.

Da habe Ich voll und ganz Meine Investitur als Herr des Himmels und der Erde wieder an Mich genommen, denn nur der Herr des Himmels konnte dem Herrn und Gott Genugtuung leisten, und nur der Herr der Erde konnte die Schuld der Erde tilgen; als Herr über Leben und Tod, denn Ich habe dem Leben geboten, in euch zurückzukehren und dem Tod, nicht mehr umzubringen. Ich spreche von dem geistigen Leben und dem geistigen Tod, denn in Meinen Augen hat nur das, was Geist ist, Wert. 

Selig, selig, selig die, welche wahrhaftig an Mich zu glauben wissen. Immerdar. Was auch immer geschehe, und in welchem Licht es sich zeige. Auch wenn etwas sich wie eine rauhe, schwarze Mauer vor euch auftürmt, um eure Seele zu ängstigen, dann denkt immer, dass hinter diesem kurzfristigen Hindernis immer unwandelbar Gott, Sein Licht, Seine Wahrheit stehen, die unwandelbar zu eurem Heil wirken.

Haltet das mit eurem ganzen Herzen und eurem ganzen Sinn fest, dann versteht ihr als Meine wahren Jünger zu handeln. Und wenn ihr so handelt, werdet ihr die göttliche Wahrheit besitzen. Und die göttliche Wahrheit, die als Leben im Mittelpunkt eures Daseins steht, wird euch in das ewige Leben führen.“

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

„Weiche von Mir…!“

„Warum habt ihr in euren Herzen so widersprüchliche Gefühle?“

21/04/2012

zum Sonntagsevangelium vom 22. April 2012: Lukas 24,35-48

Das Zimmer erhellt sich ganz plötzlich, wie durch einen blendenden Blitz. Die Apostel verhüllen ihr Gesicht aus Furcht vor einem Einschlag. Aber sie hören keinen Lärm und blicken wieder auf. 

Jesus steht mitten im Raum neben dem Tisch. Er breitet die Arme aus und sagt: „Der Friede sei mit euch.“

Niemand antwortet. Die einen sind blass, die anderen rot im Gesicht, und alle schauen ihn ängstlich und befangen an, hingerissen und doch versucht zu fliehen.

Jesus macht einen Schritt vorwärts und lächelt noch mehr: „Aber fürchtet euch doch nicht! Ich bin es. Warum seid ihr so verwirrt? Habt ihr mich denn nicht herbeigewünscht? Habe ich euch denn nicht ausrichten lassen, dass ich kommen würde? Habe ich es euch nicht schon am Abend des Passahmahls gesagt?“

Keiner getraut sich, den Mund aufzumachen. Petrus weint schon, und Johannes lächelt schon, während die beiden Vettern mit ihren leuchtenden Augen und den sich stumm bewegenden Lippen Statuen gleichen, die die Sehnsucht darstellen.

„Warum habt ihr in euren Herzen so widersprüchliche Gefühle wie Liebe und Angst, Zweifel und Glauben? Warum wollt ihr immer noch Fleisch und nicht Geist sein und nicht nur mit diesem sehen, verstehen, urteilen und handeln? Ist denn im Feuer der Schmerzen nicht das alte Ich verbrannt und das neue Ich eines neuen Lebens erstanden? Ich bin Jesus. Euer auferstandener Jesus, wie ich euch vorausgesagt habe. Schaut! Du, der du meine Wunden gesehen hast, und ihr, die ihr nichts von meinen Qualen wisst; denn das, was ihr gehört habt, unterscheidet sich sehr von der genauen Kenntnis, die Johannes davon hat. Komm also du zuerst. Du bist schon ganz rein. So rein, dass du mich ohne Scheu berühren kannst. Die Liebe, der Gehorsam und die Treue hatten dich schon rein gemacht. Das Blut, das dich benetzte, als du mich vom Kreuz abnahmst, hat dich vollends gereinigt. Sieh her! Es sind wahre Hände und wahre Wunden. Betrachte meine Füße. Siehst du die Male der Nägel? Ja, ich bin es wirklich, und kein Geist. Fasst mich an! Geister haben keinen Körper. Ich habe richtiges Fleisch auf einem echten Skelett.“ Jesus legt die Hand auf das Haupt des Johannes, der gewagt hat, sich ihm zu nähern: „Fühlst du? Sie ist warm und schwer!“ Er haucht ihm ins Gesicht: „Und dies ist mein Atem.“

„O mein Herr!“ flüstert Johannes ganz leise…

„Ja, euer Herr. Johannes, weine nicht aus Furcht und Sehnsucht. Komm zu mir. Ich bin immer noch der, der dich liebt. Wir wollen uns wie immer zu Tisch setzen. Habt ihr nichts mehr zu essen? Bringt es mir!“

Andreas und Matthäus gehen wie zwei Nachtwandler zur Anrichte und holen das Brot, den Fisch und ein Tablett mit einer Honigwabe, von der nur eine kleine Ecke fehlt.

Jesus segnet die Speisen, isst und gibt jedem etwas von dem, was er isst. Er sieht sie an. So gütig, aber auch mit solcher Majestät, dass alle wie gelähmt sind. 

Jakobus, der Bruder des Johannes, wagt als erster zu sprechen: „Warum schaust du uns so an?“

„Weil ich euch kennenlernen will.“

„Kennst du uns denn noch nicht?“

„So wie ihr mich auch nicht kennt. Wenn ihr mich kennen würdet, dann würdet ihr wissen, wer ich bin und wie ich euch liebe, und ihr würdet die Worte finden, um mir eure Not zu klagen. Ihr schweigt aber wie vor einem mächtigen Fremden, den ihr fürchtet. Eben habt ihr noch gesprochen… Seit fast vier Tagen führt ihr schon Selbstgespräche und sagt: ‚Ich werde ihm dies und jenes sagen…‘ Ihr habt meinen Geist gerufen: ‚Komm zurück, Herr, damit ich dir dies sagen kann.‘ Nun bin ich gekommen, und ihr schweigt. Bin ich denn so verändert, dass ich euch fremd erscheine? Oder seid ihr so verändert, dass ihr mich nicht mehr liebt?“

Johannes, der wie üblich neben seinem Jesus sitzt und den Kopf an seine Brust lehnt, flüstert: „Ich liebe dich, mein Gott!“ Doch dann richtet er sich auf, erlaubt sich diese Vertraulichkeit nicht länger aus Ehrfurcht vor dem strahlenden Sohn Gottes. Denn von Jesus scheint Licht auszugehen, obgleich er einen Körper hat wie wir. Jesus aber zieht Johannes an seine Brust, und dieser öffnet seinen seligen Tränen alle Schleusen. 

Dies ist für alle das Zeichen, es ihm nachzutun. 

Petrus, der zwei Plätze von Johannes entfernt sitzt, rutscht zwischen den Tisch und den Sitz auf dem Boden und ruft weinend aus: „Verzeihung, Verzeihung! Entreiße mich dieser Hölle, in der ich mich seit so vielen Stunden befinde. Sage mir, dass du meinen Fehler so gesehen hast, wie er war. Es war nicht der Geist, sondern das Fleisch, das mein Herz überwältigt hat. Sage mir, dass du meine Reue gesehen hast… Sie wird bis zu meinem Tod andauern. Aber du… du sage mir, dass ich dich als Jesus nicht zu fürchten brauche… und ich, und ich… ich will mich bemühen, alles so gut zu machen, dass mir auch Gott verzeihen kann… und ich bei meinem Tod nur ein schweres Fegefeuer zu erwarten habe…“

„Komm her, Simon des Jonas.“

„Ich habe Angst!“

„Komm her und sei nicht länger feige.“

„Ich bin nicht würdig, in deine Nähe zu kommen!“

„Komm her! Was hat die Mutter dir gesagt? ‚Wenn du ihn nicht auf diesem Schweißtuch ansiehst, wirst du nie mehr den Mut haben, ihn anzusehen.‘ O törichter Mensch! Hat dir dieses Antlitz mit seinem schmerzerfüllten Blick nicht gesagt, dass ich dich verstanden und dir verziehen habe? Und ich habe euch dieses Linnen doch zum Trost und zur Führung gegeben, um meine Verzeihung und meinen Segen mitzuteilen… Was hat Satan euch angetan, dass ihr so blind geworden seid? Nun sage ich dir: Wenn du mich jetzt nicht anschaust, da ich über meine Herrlichkeit um eurer Schwäche willen noch einen Schleier breite, dann wirst du niemals ohne Furcht vor deinen Herrn treten können. Und was wird dir dann geschehen? Aus Anmaßung hast du gesündigt. Willst du nun aus Starrköpfigkeit noch einmal sündigen? Komm, sage ich dir.“

Petrus rutscht auf den Knien zwischen dem Tisch und den Sitzen und bedeckt sein tränennasses Gesicht mit den Händen. Als er zu Füßen Jesu anhält, legt dieser ihm die Hand aufs Haupt. Und Petrus ergreift diese Hand, küsst sie und schluchzt dabei hemmungslos. Er kann nur immer wieder bitten: „Verzeihung! Verzeihung!“

Jesus befreit sich aus dieser Klammer, legt seine Hand unter das Kinn des Apostels und zwingt ihn, den Kopf zu erheben. Er schaut mit seinen leuchtenden, gütigen Augen in die geröteten, brennenden, von Reue gequälten Augen, und es scheint, als wolle er mit diesem Blick die Seele des Petrus durchbohren. Dann sagt er: „Nimm die Schmach des Judas von mir. Küsse mich, wo er mich geküsst hat. Wasche mit deinem Kuss das Mal des Verrats ab.“

Petrus hebt das Haupt, während Jesus sich noch tiefer beugt, und berührt mit den Lippen die Wange… Dann legt er seinen Kopf auf Jesu Knie und bleibt so… wie ein großes Kind, das böse gewesen ist und dem man verziehen hat. 

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. XII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Die Verklärung Jesu auf dem Tabor

03/03/2012

Hier geht es zur Valtorta-Vision zum zweiten Fastensonntag 2012: Markus 9,2-10

Jesus betet in der Nacht

04/02/2012

zum Sonntagsevangelium vom 5. Februar 2012: Markus 1,29-39

Ich sehe, wie Jesus das Haus des Petrus in Kapharnaum verläßt und bemüht ist, dabei möglichst wenig Aufsehen zu machen. Ich verstehe, dass er dort übernachtet hat, um seinen Petrus zufriedenzustellen.

Es ist noch tiefe Nacht, und der Himmel ist voller Sterne. Der See spiegelt ihren Glanz nur schwach wider, und man würde das stille Gewässer wohl nicht bemerken, wäre nicht der Wellenschlag am kiesigen Strand, der die Aufmerksamkeit darauf lenkt. Jesus verschließt die Türe, betrachtet den Himmel, den See, die Straße. Er überlegt, dann geht er nicht den See entlang, sondern in Richtung der Ortschaft, biegt jedoch davor zu den Feldern ab und erreicht auf einem kleinen Feldweg einen Olivenhain. In diesem grünen Frieden sinkt Jesus auf die Knie, um zu beten.

Er betet inbrünstig. Zuerst kniend, dann, wie gestärkt, aufrechtstehend, immer wieder den Blick zum Himmel erhebend. Unter dem schwachen Leuchten des aufsteigenden Tages sieht sein Antlitz noch vergeistigter aus. Er betet und lächelt nun, während er zuvor schwer geseufzt hat, als trüge er eine tödliche Last. Er betet mit ausgebreiteten Armen und gleicht einem lebendigen Kreuz, hochgewachsen und engelhaft, wie er ist: ein Anblick der Güte und Milde. Es sieht aus, als ob er die ganze Landschaft segnen würde, den beginnenden Tag, die erlöschenden Sterne und den See, der langsam sichtbar wird.

„Meister, wir haben dich so gesucht! Wir haben die Türe verschlossen vorgefunden, als wir vom Fischfang zurückgekehrt sind und haben gedacht, dass du weggegangen bist. Wir konnten dich nicht finden. Endlich hat uns ein Bauer gesagt, der seine Körbe zum Markt fuhr und uns nach dir „Jesus, Jesus…“ rufen hörte: „Ruft ihr den Meister, der zu den Scharen spricht? Er ist diesen Feldweg gegangen, dem Hügel zu. Er muss im Ölgarten des Michäas sein, denn dorthin geht er öfters. Ich habe ihn dort schon andere Male gesehen.“ Er hatte recht. Warum bist du so früh fortgegangen, Meister? Warum hast du dich nicht ausgeruht? War das Bett nicht bequem?“ Petrus, der Jesus endlich gefunden hat, sagt dies alles in einem Atemzug.

„Nein, Petrus, das Bett ist gut, und der Raum ist schön. Doch ich bin gewohnt, dies öfters zu tun, um meinen Geist zu erheben und mich mit dem Vater zu vereinigen. Das Gebet ist eine Kraft für uns selbst und für die anderen. Durch das Gebet erreicht man alles. Wenn die erbetene Gnade vom Vater auch nicht immer gewährt wird, so darf man daraus nicht schließen, es sei ein Mangel an Liebe seitens des Vaters.

Man muss vielmehr immer davon überzeugt sein, dass es gemäß einer göttlichen Ordnung geschieht, die das Geschick eines jeden Menschen zu dessen eigenem Wohle leitet. Immer aber gibt das Gebet Frieden und seelisches Gleichgewicht, um vielen auf uns zukommenden Dingen entgegentreten zu können, ohne vom heiligen Wege abzukommen. Es kommt leicht vor, Petrus, du weißt es, dass die Umgebung den Geist verdunkelt und das Herz beunruhigt. Wie kann aber ein verdunkelter Geist und ein unruhiges Herz Gottes Stimme vernehmen?“

„Das ist wahr. Doch wir verstehen es nicht zu beten. Wir können nicht so schöne Worte sagen wie du.“

„Sagt das, was ihr könnt und wie ihr es könnt! Es sind nicht die Worte, sondern die Beweggründe, die sie begleiten, die dem Vater wohlgefällig sind.“

„Wir möchten so beten, wie du betest.“

„Ich werde euch auch beten lehren. …“ (…)

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. II von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Im Vaterunser ist die ganze Vollkommenheit eines Gebetes vorhanden

Das Gleichnis vom König, der seinem Sohn die Hochzeit bereitet

09/10/2011

zum Sonntags-Evangelium vom 9. Oktober 2011: Mt 22,1-14

„… Die Verbündeten, die Freunde, die Großen seines Volkes hat Gott wirklich durch seine Diener eingeladen, und er wird sie immer dringender einladen, je näher die Stunde der Hochzeit rückt. Aber sie werden die Einladung nicht annehmen, denn sie sind falsche Verbündete, falsche Freunde und nur dem Namen nach Große; denn Niederträchtigkeit steckt in ihnen.“

Jesus läßt seine Stimme immer mehr anschwellen; seine Augen sind wahre Lichtbündel im Schein des Feuers, das für ihn und die Zuhörer angezündet worden ist, um den Abend zu erhellen, da der im letzten Viertel stehende Mond erst spät aufgeht. „Ja, Niederträchtigkeit steckt in ihnen, und daher verstehen sie nicht, dass es eine Pflicht und eine Ehre für sie ist, der Einladung des Königs zu folgen.

Hochmut, Härte und Fleischeslust bilden ein Bollwerk in ihren Herzen. Und – Unglückliche, die sie sind! – sie hassen mich und wollen daher nicht zur Hochzeit kommen. Sie wollen nicht kommen. Sie ziehen der Hochzeit schmutzige Verbindungen mit der Politik, schmieriges Geld und schmutzige Sinnenlust vor. Sie ziehen die schmählichen Berechnungen, Verschwörungen, heimtückische Verschwörungen, die Täuschung und das Verbrechen vor.

Dies alles verurteile ich im Namen Gottes. Und gerade deshalb hasst man die Stimme, die spricht, und die Feste, zu welchen sie einlädt. In diesem Volk werden Henker der Diener Gottes, der Propheten gesucht. Die Propheten waren die Diener Gottes bis jetzt; meine Jünger sind die Diener von jetzt an. In diesem Volk werden Spötter gesucht, die sagen: „Ja, wir kommen“, während sie im Innern denken: „Nie und nimmer.“ Das geschieht in Israel.

Damit der Sohn eine würdige Hochzeitsfeier habe, schickt der König des Himmels seine Diener an die Wegkreuzungen, um jene einzuladen, die keine Freunde, keine Vornehmen und keine Verbündeten sind, sondern einfaches, vorüberziehendes Volk. Durch meine Hand, die Hand des Sohnes und Dieners Gottes, ist schon mit der Ernte begonnen worden.

Wer es auch sein mag, kann kommen… Es sind ihrer schon gekommen. Ich helfe ihnen, sich rein und schön für das Hochzeitsfest zu machen. Aber es sind Menschen darunter, die zu ihrem Unglück von der Hochherzigkeit Gottes Wohlgerüche und königliche Gewänder annehmen, um sich selbst erscheinen zu lassen, was sie nicht sind: als reich und würdig; sie missbrauchen die Güte, um in unwürdiger Weise zu verführen und zu verdienen… Individuen mit niederträchtiger Seele in den Fängen des abstoßenden Polyps der Laster. Sie unterschlagen wohlriechende Essenzen und Gewänder, um unerlaubten Gewinn daraus zu ziehen und sie nicht für die Hochzeit des Königssohnes, sondern für ihre Hochzeit mit dem Satan zu verwenden.

Dies alles wird geschehen, denn viele sind berufen, aber nur wenige, die in der Berufung auszuharren verstehen, auserwählt. 

Es wird aber auch geschehen, dass diese Hyänen, die das Aas der lebendigen Nahrung vorziehen, zur Strafe aus dem Festsaal in die Finsternis des ewigen Sumpfes geworfen werden, in welchem Satan bei jedem Sieg über eine Seele sein schreckliches Gelächter ausstößt, und in dem auf ewig das Klagen der Verzweiflung der Törichten ertönt, die dem Bösen folgten statt der Güte, die sie gerufen hatte.

 


Erhebt euch und lasst uns zur Ruhe gehen. Ich segne euch alle, ihr Bewohner von Bethanien, alle. Ich segne euch und schenke euch meinen Frieden. Und ich segne besonders dich, Lazarus, mein Freund, und dich, Martha. Ich segne meine alten und meine neuen Jünger, die ich in die Welt sende, um zur Hochzeit des Königs einzuladen. Kniet euch alle nieder, ich will euch segnen.

Petrus, sag das Gebet, das ich euch gelehrt habe; sage es hier, an meiner Seite stehend, denn so muss es von dem gesagt werden, der von Gott dazu bestimmt ist.“

Die ganze Versammlung kniet nieder im Heu. Nur Jesus steht in seinem Leinenkleid groß und schön da, Petrus neben ihm, ist aufgeregt, beinahe zitternd. Er betet mit seiner nicht schönen, aber männlichen Stimme langsam, aus Angst, einen Fehler zu machen: „Vater unser…“

Man hört vereinzelt Schluchzen… von Männern, von Frauen… 

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

29. Juli: Gedenktag Hl. Martha

28/07/2011

Der heldenhafte Mut der Martha

Ich sehe die Stadt Dora nicht. Die Sonne geht unter, und die Wanderer sind auf dem Weg nach Caesarea. Den Aufenthalt in Dora habe ich nicht gesehen. Vielleicht war es ein Aufenthalt ohne bedeutendes Ereignis. Das Meer scheint in Flammen zu stehen.Es spiegelt die Röte des Himmels wieder, ein unwirkliches Rot, so intensiv ist es. Es sieht aus, als wäre Blut über das Himmelsgewölbe gegossen worden.

Es ist noch warm, doch die Meeresluft macht diese Wärme erträglich. Sie wandern am Ufer entlang, um der Hitze des trockenen Bodens zu entfliehen, und einige haben sich der Sandalen entledigt und die Gewänder geschürzt, um im Wasser gehen zu können. Petrus erklärt: „Wenn nicht die Jüngerinnen da wären, würde ich mich ausziehen und bis zum Hals im Wasser gehen.“

Doch er muss heraus, denn Magdalena, die mit den anderen vorausgegangen war, kehrt zurück und sagt: „Meister, ich kenne diese Gegend. Siehst du, dort, wo das Meer einen gelblichen Streifen in seinem Blau hat, mündet ein Fluss, auch in der Sommerszeit, und man muss wissen, wie man ihn durchwatet…“

„Wir haben schon viele durchwatet! Er wird doch nicht so gross sein wie der Nil. Wir werden auch durch diesen kommen“, sagt Petrus.

„Es ist nicht der Nil. Aber in seinen Gewässern und an seinen Ufern leben gefährliche Wassertiere. Man muss sehr vorsichtig sein und darf nicht barfuss gehen, um nicht verletzt zu werden.“

„Oh! Welche denn? Vielleicht Ungeheuer?“

„Ja, so ist es, Simon! Es sind Krokodile; kleine zwar, aber sie genügen, um dich für eine gute Weile am Gehen zu hindern.“

„Und was tun sie hier?“

„Sie sind für den Kult hergebracht worden, als die Phönizier hier herrschten, glaub ich. Sie sind hier geblieben und wurden immer kleiner, aber nicht weniger agressiv, seit man sie aus den Tempeln in das schlammige Wasser brachte. Jetzt sind es große Eidechsen mit scharfen Zähnen! Die Römer kommen zu Jagdpartien und verschiedenen Belustigungen hierher… Auch ich bin mit ihnen hier gewesen. Alles dient dazu, sich die Zeit zu vertreiben. Ausserdem sind die Häute schön, und sie werden für viele Zwecke verwendet. Erlaubt mir daher, dass ich meine Erfahrung nütze und euch führe.“

„Gut! Ich möchte sie aber gerne sehen…“ sagt Petrus.

„Vielleicht werden wir eines der Tiere sehen, obgleich sie durch die Jagd fast ausgerottet sind.“

Sie verlassen das Ufer und gehen landeinwärts, bis sie auf halber Strecke zwischen Hügeln und Meer eine Hauptstraße finden. Auf dieser gelangen sie bald zu einer stark gewölbten Brücke, die über einen kleinen Fluss führt, der zwar ein breites Flussbett hat, doch zur Zeit nur in der Mitte ein wenig Wasser führt. Schilf und Rohrpflanzen, die jetzt im Sommer halb verbrannt sind, bilden in anderen Jahreszeiten kleine Inselchen im Wasser. An den Ufern wachsen Sträucher und dichtbelaubte Bäume.

So sehr sie auch Ausschau halten, sie sehen kein einziges Tier, und viele sind darüber enttäuscht. Aber als sie die Brücke schon fast überschritten haben, deren einziger Bogen sehr hoch ist, vielleicht um in den Regenzeiten nicht von den Fluten überschwemmt zu werden – ein starker, möglicherweise römischer Bau – stösst Martha einen schrillen Schrei aus und fährt entsetzt zurück. Eine übergroße Eidechse, viel mehr scheint es nicht zu sein, jedoch mit dem klassischen Krokodilkopf, ist dabei, die Straße zu überqueren und stellt sich nun tot.

„Hab keine Angst!“ ruft Magdalena. „Wenn man sie sieht, besteht keine Gefahr. Schlimm ist es, wenn sie verborgen sind und man unversehens auf sie tritt.“

Doch Martha hält sich vorsichtigerweise zurück. Auch Susanna scherzt nicht… Maria des Alphäus ist mutiger bei aller Vorsicht, und da sie von ihren Söhnen begleitet wird, geht sie etwas näher heran, um das hässliche Tier zu sehen. Die Apostel sind nicht gerade ängstlich; sie schauen und machen ihre Bemerkungen über das Untier, das sich herablässt, langsam den Kopf zu wenden, um sich von vorne ansehen zu lassen. Aber nun beginnt es sich zu bewegen und scheint auf die Störenfriede zukommen zu wollen. Ein neuer Schrei Marthas, die, von Susanna und Maria des Kleophas gefolgt, in den Hintergrund flieht. Maria Magdalena ergreift einen Stein und wirft ihn auf das Tier, das, an der Seite getroffen, auf dem Kiesweg davonläuft und im Wasser verschwindet.

„Komm her, du Angsthase. Es ist weggerannt“, sagt sie zu ihrer Schwester. Die Frauen kommen näher.

„Es ist wirklich hässlich“, bemerkt Petrus.

„Ist es wahr, Meister, dass man ihnen einst Menschenopfer vorgeworfen hat?“ will Iskariot wissen.

„Es galt als heiliges Tier und stellte eine Gottheit dar, und so wie wir unserem Gott ein Opfer darbringen, so machten es auch die armen Götzendiener in ihrer irrigen Auffassung.“

„Aber jetzt wohl nicht mehr?“ fragt Susanna.

„Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass es in heidnischen Gegenden noch geschieht“, sagt Johannes von Endor.

„Mein Gott, aber sie opfern ihnen wohl Tote?“

„Nein! Sie werden ihnen lebendig vorgeworfen. Mädchen und Kinder besonders. Die Erstlinge des Volkes! Das wenigstens habe ich gelesen“, antwortet wiederum Johannes von Endor den Frauen, die sich entsetzt ansehen.

„Ich würde schon vor Schrecken sterben, wenn ich mich ihnen nähern müsste“, sagt Martha.

„Wirklich? Aber dies hier ist nichts im Vergleich zu einem echten Krokodil, das mindestens dreimal länger und breiter ist.“

„Und auch hungriger. Dieses hier war sicher schon satt von Schlangen und Hasen.“

„Barmherzigkeit! Auch Schlangen! Wohin hast du uns nur geführt, Herr!“, jammert Martha, die so erschrocken ist, dass eine unwiderstehliche Heiterkeit alle erfasst.

Ermatheus, der die ganze Zeit über geschwiegen hat, sagt: „Du brauchst keine Angst zu haben. Es genügt, Lärm zu machen, und sie laufen alle weg. Ich habe Erfahrung. Ich bin öfters in Unterägypten gewesen.“

Sie gehen weiter und klatschen in die Hände oder schlagen gegen die Baumstämme, bis die gefährliche Stelle überwunden ist.

Martha hat sich Jesus genähert und fragt mehrmals: „Aber gibt es nun wirklich keine mehr?“

Jesus blickt sie an und schüttelt lächelnd den Kopf; er beruhigt sie: „Die Ebene von Saron ist nur Schönheit, und wir haben sie jetzt erreicht. Aber heute haben die Jüngerinnen mich wirklich überrascht. Ich verstehe nicht, warum du so furchtbar bist.“

„Das weiss ich auch nicht. Aber alles, was kriecht und schleicht, erschreckt mich. Mir ist, als ob ich die Kälte dieser sicherlich schleimigen Tiere auf meiner Haut fühle. Und ich frage mich, warum es sie überhaupt gibt. Sind sie denn notwendig?“

„Das müsste man den fragen, der sie erschaffen hat. Aber glaube mir, wenn er sie gemacht hat, dann ist das ein Zeichen dafür, dass sie zu etwas gut sind, und wenn sie auch nur dazu dienten, den heldenhaften Mut der Martha zu bestätigen“, sagt Jesus mit einem schelmischen Augenzwinkern.

„Oh, Herr, du scherzest mit mir und du hast recht. Aber ich habe einfach Angst und werde mich nie überwinden können.“

„Das werden wir noch sehen… Was bewegt sich dort vorne im Gebüsch?“ fragt Jesus und schaut aufmerksam nach vorne auf ein Dorngestrüpp und sonstige Sträucher mit langen Zweigen, die an einem Mauerwerk mit Kaktuspflanzen emporklettern.

„Noch ein Krokodil, Herr…?“ jammert Martha entsetzt.

Aber das Rascheln wird lauter, und das menschliche Gesicht einer Frau kommt zum Vorschein. (…)

Auszug aus “Der Gottmensch″ Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Novene zur hl. Martha mit Erläuterung der provenzalischen Tradition, in der die hl. Martha ein Untier bezähmt

Die Samariterin Fotinai

27/03/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 27. März 2011: Johannes 4,5-42)

„Ich bleibe hier. Geht in die Stadt und kauft, was wir für die Mahlzeit benötigen. Wir werden hier essen.“

„Sollen wir alle gehen?“

„Ja, Johannes. Es ist gut, wenn ihr alle miteinander geht.“

„Du bleibst allein?… Es sind Samariter…“

„Sie werden nicht die Schlimmsten unter den Feinden Christi sein. Geht, geht nur. Während ich hier auf euch warte, will ich für euch und für sie beten.“

Die Jünger gehen schweren Herzens davon; drei- oder viermal drehen sie sich nach Jesus um und betrachten ihn, wie er auf einem kleinen sonnenbeschienenen Mäuerchen sitzt, das sich in der Nähe des breiten, niedrigen Randes eines Brunnens befindet; eines großen Brunnens, fast einer Zisterne gleich, so breit ist er. Im Sommer ist er von den großen, jetzt kahlen Bäumen beschattet. Das Wasser des Brunnens kann man nicht sehen, doch zeigen kleine Pfützen und Abdrücke der abgestellten Krüge auf dem Erdboden rundherum, dass Wasser geschöpft worden ist. Jesus ist in seine Gedanken vertieft. Er hat die gewohnte Haltung angenommen: die Ellbogen auf die Knie gestützt und die nach vorne gerichteten Hände gefaltet, den Oberkörper leicht gebeugt und das Haupt zur Erde geneigt. Er spürt die wärmende Sonne und lässt den Mantel vom Kopf und den Schultern gleiten, hält ihn aber doch zusammengefaltet auf seinem Schoß.


Jesus hebt das Haupt und lächelt einer Schar rauflustiger Spatzen zu, die sich um eine am Brunnen verlorene Brotkrume streiten. Doch die Spatzen werden durch das Erscheinen einer Frau aufgeschreckt und fliegen davon. Die Frau hält mit der linken Hand einen leeren Krug am Henkel, während sie mit der rechten überrascht den Schleier zur Seite schiebt, um zu sehen, wer der Mann ist, der dort sitzt. Jesus lächelt der Frau zu, die um die 35-40 Jahre alt und hochgewachsen ist und markante, doch schöne Gesichtszüge hat. Ein Menschenschlag, den wir als spanisch bezeichnen möchten, wegen ihrer fahlen, olivfarbenen Haut, den gewölbten und leuchtenden Lippen, ihren geradezu übermäßig großen und schwarzen Augen unter den sehr dichten Augenbrauen und den rabenschwarzen Zöpfen, die durch den leichten Schleier hindurchscheinen. Auch die etwas üppigen Körperformen sind typisch orientalisch, wie bei den Araberinnen.

Die Frau trägt ein buntgestreiftes Kleid, welches in der Taille eng zusammengezogen ist und an den molligen Hüften und der vollen Brust eng anliegt und dann in einer Art loser Falten bis zum Boden reicht. Viele Ringe und Armbänder schmücken ihre fleischigen, braunen Hände, und unter den leinenen Unterärmeln kommen ihre mit Armbändern geschmückten Handgelenke hervor. Am Halse trägt sie eine schwere Kette, von der Medaillen, ich möchte fast sagen Amulette, da sie so verschiedenförmig sind, herabhängen, während der reiche Ohrschmuck bis zum Halse reicht und unter dem Schleier glitzert.

„Der Friede sei mit dir, Frau. Willst du mir zu trinken geben? Ich habe einen weiten Weg hinter mir und bin durstig.“

„Aber bist denn nicht ein Jude? Und du bittest mich, eine Samariterin, um Wasser? Was soll denn das bedeuten? Ist unsere Ehre wieder hergestellt, oder seid ihr gar in Verfall geraten? Es muss schon ein großes Ereignis stattgefunden haben, wenn ein Jude höflich zu einer Samariterin spricht. Eigentlich sollte ich dir antworten: ‚Ich gebe dir nichts, um an dir alle Beleidigungen zu rächen, die uns die Juden seit Jahrhunderten zufügen.‘ „

„Du hast recht. Etwas Großes hat sich ereignet, und dadurch haben sich viele Dinge geändert, und mehr noch: werden sich ändern. Gott hat der Welt ein großes Geschenk gemacht, und dadurch hat sich vieles geändert. Wenn du dieses Geschenk kennen würdest und wüsstest, wer zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken‘, dann hättest du ihn vielleicht selbst um Wasser gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“

„Lebendiges Wasser gibt es in unterirdischen Quellen. In diesem Brunnen ist solches, doch er gehört uns“, entgegnet die Frau spöttisch und rechthaberisch.

„Das Wasser kommt von Gott, so wie auch die Güte, das Leben und alles von einem einzigen Gott kommt, Frau. Alle Menschen sind von Gott erschaffen worden: Samariter wie Juden. Ist dies nicht der Brunnen Jakobs, und ist Jakob nicht der Stammvater unseres Geschlechtes? (*) Wenn später ein Irrtum das Volk geteilt hat, so bleibt der Ursprung doch derselbe.“

„Ein Irrtum unsererseits, nicht wahr?“ fragt die Frau herausfordernd.

„Weder unsererseits noch eurerseits. Es war der Fehler eines Menschen, der Liebe und Gerechtigkeit aus den Augen verloren hatte. Ich beleidige weder dich noch dein Geschlecht, warum verhältst du dich also feindselig mir gegenüber?“

„Du bist der erste Jude, den ich so reden höre. Die anderen… Der Brunnen, ja, es ist der Brunnen Jakobs, und er hat so reichlich klares Wasser, dass wir von Sichar ihn allen anderen Brunnen vorziehen. Doch er ist sehr tief, und du hast weder Krug noch einen Schlauch. Wie könntest du für mich lebendiges Wasser schöpfen? Bist du vielleicht mehr als Jakob, unser heiliger Patriarch, der diese reiche Quelle für sich, seine Kinder und seine Herden gefunden und sie uns als Geschenk und zu seinem Gedächtnis hinterlassen hat?“

„Das stimmt! Doch wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. Ich hingegen habe ein Wasser, das bei dem, der es trinkt, keinen Durst mehr aufkommen lässt. Doch es gehört mir allein. Und ich werde es denen geben, die mich darum bitten. Wahrlich, ich sage dir, wer dieses Wasser besitzt, das ich ihm geben werde, wird immer von ihm durchströmt werden und nie mehr Durst leiden, weil mein Wasser in ihm zur sicheren ewigen Quelle werden wird.“


„Wie? Ich verstehe dich nicht. Bist du ein Magier? Wie kann ein Mensch zu einem Brunnen werden? Das Kamel trinkt und schafft sich Wasservorräte in seinem geräumigen Bauch. Doch dann verbraucht es das Wasser, und es genügt nicht für das ganze Leben. Du aber sagst, dass dein Wasser für das ganze Leben reicht?“

„Mehr noch: es wird bis zum ewigen Leben fliessen. Es wird in denen, die es getrunken haben, bis zum ewigen Leben fliessen und aus ihm wird ewiges Leben spriessen, weil es eine Quelle des Heils ist.“

„Gib mir von diesem Wasser, wenn du es wirklich besitzest. Es ermüdet mich, bis hierher zu kommen. Ich werde so keinen Durst mehr haben und werde nie krank oder alt werden.“

„Nur das ermüdet dich? Nichts anderes? Hast du nur das Bedürfnis, für deinen armseligen Leib von diesem Wasser zu schöpfen? Überlege, es gibt etwas, das mehr wert ist als der Körper. Es ist die Seele. Jakob gab sich und den Seinen nicht nur das Wasser dieser Erde, sondern er war auch darum besorgt, sich und den anderen die Heiligkeit, nämlich das Wasser Gottes, zu vermitteln.“

„Ihr nennt uns Heiden… Wenn das, was ihr sagt, wahr ist, dann können wir nicht heilig sein…“ Die Frau hat den unverschämten, ironischen Ton in der Stimme verloren und zeigt sich nun unterwürfig und leicht verwirrt.

„Auch ein Heide kann tugendhaft sein, und Gott, der gerecht ist, wird ihn für seine guten Werke belohnen. Es wird keine vollkommene Belohnung sein, doch kann ich dir sagen, dass Gott auf einen Heiden ohne Schuld mit weniger Strenge blickt als auf einen Gläubigen in schwerer Schuld. Warum kommt ihr also nicht zum wahren Gott, wenn ihr doch wisst, dass ihr ohne Schuld seid? Wie heißest du?“

„Fotinai.“

„Gut, Fotinai, antworte mir. Schmerzt es dich, dass du nicht zur Heiligkeit streben kannst, weil du, wie du sagst, Heidin bist, weil du, wie ich behaupte, noch immer von den Nebeln eines alten Irrtums umgeben bist?“

„Ja, es schmerzt mich.“

„Warum lebst du dann nicht wenigstens als tugendhafte Heidin?“

„Herr!…“

„Ja. Kannst du es leugnen? Hole deinen Mann und komme mit ihm hierher zurück.“

„Ich habe keinen Gatten…“ Die Frau wird immer verwirrter.

„Das stimmt, du hast keinen Gatten. Fünf Männer hast du gehabt, und nun hast du einen bei dir, der nicht dein Mann ist. War dies nötig? Auch deine Religion rät nicht zur Unzucht. Auch ihr habt die zehn Gebote. Warum also führst du ein solches Leben, Fotinai? Belastet es dich nicht, allen zu gehören, anstatt die ehrsame Gattin eines einzigen zu sein? Fürchtest du nicht deinen Lebensabend, an dem du allein mit deinen schmerzlichen Erinnerungen sein wirst, mit deinen Ängsten, mit deinem Bedauern? Ja, auch mit diesem: Angst vor Gott und den Schreckensbildern! Wo sind deine Kinder?“

Die Frau senkt ihr Haupt tief und schweigt.

„Du hast sie nicht auf dieser Erde, aber ihre kleinen Seelen, denen du es verwehrt hast, das Licht der Welt zu erblicken, werden dich ohne Unterlass anklagen. Schmuck, schöne Kleider… ein prächtiges Haus… eine reichhaltige Tafel… Ja! Aber daneben Leere, Tränen und innere Trostlosigkeit. Du bist ein unglücklicher Mensch, Fotinai. Nur durch aufrichtige Reue, die Vergebung Gottes und mit ihr auch die Verzeihung deiner Geschöpfe kannst du wieder reich werden.“

„Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist und ich schäme mich…“

„Doch vor dem Vater im Himmel hast du dich nicht geschämt, als du Böses tatest? Weine nicht aus Beschämung vor den Menschen… Komm her, neben mich, Fotinai, ich werde dir von Gott erzählen. Vielleicht wusstest du zu wenig von ihm, und sicherlich hast du deshalb so viele Fehler begangen. Wenn du den wahren Gott gekannt hättest, dann hättest du dich nicht so entwürdigt. Er hätte dir zugesprochen und dir geholfen…“


„Herr, unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet. Ihr sagt, dass man nur in Jerusalem anbeten soll. Doch du sagst, es gibt nur einen Gott. Hilf mir zu verstehen, wo und wie ich es tun soll…“

„Frau, glaube mir. Es naht die Stunde, da man den Vater weder auf dem Berge von Samaria noch in Jerusalem anbeten wird. Ihr betet den an, den ihr nicht kennt. Wir beten den an, den wir kennen, denn das Heil geht aus den Juden hervor. Erinnerst du dich an die Worte des Propheten? Doch es kommt die Stunde, vielmehr, sie hat schon begonnen, da die wahren Verehrer Gottes den Vater im Geiste und in der Wahrheit anbeten werden, und zwar nicht im alten, sondern nach einem neuen Ritus, bei dem es keine Opfertiere mehr geben wird, sondern das ewige Opfer, die sich im Feuer der Liebe verzehrende, unversehrte Opfergabe. Die Verehrung Gottes wird sich in diesem geistigen Reich in geistiger Weise vollziehen und von denen verstanden werden, welche fähig sind, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Gott ist Geist. Wer ihn anbetet, muss ihn in geistiger Weise anbeten.“

„Du sprichst heilige Worte. Ich weiß, denn auch wir wissen einiges, dass die Ankunft des Messias bevorsteht. Er wird auch „Christus“ genannt. Er wird uns alles lehren, wenn er da ist. Hier in der Nähe lebt jener, den sie seinen Vorläufer nennen, und viele gehen zu ihm, um ihn anzuhören. Aber er ist so streng!… Du bist gütig… und die armseligen Menschen fürchten dich nicht. Ich glaube, dass Christus gütig sein wird. Sie nennen ihn den Friedensfürst.  Werden wir noch lange auf ihn warten müssen?“

„Ich habe dir gesagt, dass seine Zeit schon da ist.“

„Wie kannst du das wissen? Bist du vielleicht sein Jünger? Der Vorläufer hat viele Jünger. Auch Christus wird sie haben.“

„Ich, der ich zu dir spreche, bin Christus Jesus.“

„Du!… Oh!…“ Die Frau, die sich neben Jesus niedergelassen hatte, springt auf und will fliehen.

„Warum fliehst du, Frau?“

„Weil ich davor erschauere, bei dir zu verweilen. Du bist heilig…“

„Ich bin der Retter. Ich bin hierhergekommen – aus freiem Willen – da ich wußte, dass deine Seele des Umherirrens müde ist. Deine „Speise“ ekelt dich an… Ich bin gekommen, dir eine neue Speise zu geben, die Ekel und Überdruss von dir nehmen wird… Doch da kommen meine Jünger, die Brot für mich geholt haben. Doch ich bin schon gesättigt, da ich dir die ersten Brosamen deiner Erlösung geben konnte.“

Die Jünger werfen der Frau mehr oder weniger diskrete, verstohlene Blicke zu, doch keiner sagt ein Wort. Sie geht davon, ohne weiter an das Wasser und den Krug zu denken.

„Hier sind wir, Meister“, sagt Petrus. „Sie haben uns gut behandelt. Da sind Käse, frisches Brot, Oliven und Äpfel. Nimm, was du willst. Die Frau hat gut daran getan, den Krug zurückzulassen. Damit wird es schneller gehen als mit unseren kleinen Wasserbeuteln. Zuerst trinken wir, dann füllen wir sie auf. So brauchen wir die Samariter um nichts anderes zu bitten, nicht einmal darum, zu ihren Brunnen gehen zu dürfen. Isst du nicht? Ich wollte Fisch für dich kaufen, habe aber keinen gefunden. Vielleicht hättest du ihn vorgezogen. Du bist müde und bleich.“

„Ich habe eine Speise, die ihr nicht kennt. Sie wird mir als Nahrung dienen und mich sehr erquicken.“

Die Jünger schauen sich fragend an.

Jesus antwortet auf ihr stummes Fragen: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und das Werk zu Ende zu führen, von dem er wünscht, dass ich es vollende. …“

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(*) S. Geschichte Jakobs in Gen 25,19-37,36; 45,16-50,14. Jakob, dem Gott den Namen Israel gab, wurde zum Oberhaupt des israelitischen Stammes. S. Gen 32,23-31. Er erwarb sich ein Grundstück bei Sichem, schlug dort sein Zelt auf und baute einen Altar. In der Genesis deutet nichts darauf hin, dass dort ein Brunnen war, es lässt sich jedoch vermuten, dass es einen gab, da Jakob sich dort während einiger Zeit niederliess. Sichem heißt auf Aramäisch Sichar.

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


6. August: Fest der Verklärung des Herrn

05/08/2010
(zum Evangelium nach Lukas 9,28-36)

Nach einer kurzen Rast im Schatten einer Baumgruppe, sicher wegen Petrus, den der Aufstieg sichtlich ermüdet hat, beginnt Jesus weiter aufzusteigen. Er geht fast bis zum Gipfel, dorthin, wo sich ein mit Gras bewachsenes Plateau befindet, das im Halbkreis von einigen Bäumen begrenzt wird.

„Ruht euch aus, Freunde. Ich will dorthin gehen, um zu beten“, sagt Jesus indem er auf einen großen Felsblock zeigt, der nicht gegen den Abhang, sondern nach innen, dem Gipfel zu, emporragt.

Jesus kniet auf der Wiese nieder und lehnt Hände und Haupt an den Felsblock, dieselbe Haltung, die er später beim Gebet in Gethsemane einnehmen wird. Die Sonne bescheint ihn nicht, da der Gipfel ihn vor ihr schützt, doch der übrige Rasenplatz ist sehr sonnig, außer dem schattigen Rand mit den Bäumen, unter welchen sich die Apostel niedergelassen haben.

Petrus löst seine Sandalen, schüttelt Staub und Steinchen ab und bleibt barfuß, mit seinen müden Füßen im frischen Gras, halb ausgestreckt liegen, wobei er den Kopf auf einem Büschel ruhen lässt, das etwas höher aus dem Gras ragt und eine Art Polster bildet.

Jakobus tut es ihm nach. Doch, um es sich bequemer zu machen, sucht er nach einem Baumstumpf, auf den er seinen Mantel legt, um sich darauf zu stützen.

Johannes bleibt sitzen und beobachtet den Meister. Aber die Ruhe des Ortes, das frische Lüftchen, die Stille und die Müdigkeit überwältigen auch ihn, und sein Kopf sinkt auf die Brust und seine Augen fallen zu. Keiner von den dreien schläft tief, sie sind nur von der sommerlichen Schläfrigkeit wie betäubt.

Doch plötzlich werden sie durch eine Lichtfülle geweckt, die so lebendig erstrahlt, daß selbst die Sonne in ihr entschwindet; sie dringt bis zum Grün der Bäume und Sträucher, so sie sich niedergelassen haben.

Erstaunt öffnen sie ihre Augen und sehen Jesus verklärt. Jesus ist genau so, wie ich ihn in den Visionen des Paradieses schaue, natürlich ohne die Wundmale und ohne das Siegeszeichen des Kreuzes. Aber die Majestät seines Antlitzes und seiner Gestalt ist dieselbe, er strahlt wie im Himmel und trägt dasselbe Gewand wie dort, das sich aus einem dunkelroten in ein diamantenes, perlglänzendes immaterielles Gewebe verwandelt hat. Sein Antlitz ist eine Sonne, die stärker leuchtet als Sterne, und seine Augen strahlen wie Saphire. Er scheint noch stattlicher zu sein, als habe die Verklärung seine Gestalt anwachsen lassen. Ich kann nicht sagen, ob die Lichtfülle, die den ganzen Platz in phosphoreszierendes Licht taucht, ihm entströmt, oder ob sich sein eigenes Licht mit dem vermischt, das sich vom All und vom Paradies auf seinen Herrn ausgießt. Ich weiss nur, dass es etwas Unbeschreibliches ist.

Jesus steht jetzt aufrecht da, vielmehr, er schwebt über der Erde, denn zwischen ihm und dem Grün des Bodens ist eine Lichtwolke, ein Zwischenraum aus lauter Licht, auf dem er zu stehen scheint. Doch ist es so lebendig, daß ich mich auch täuschen könnte, und das Verschwinden des Grüns unter den Füßen Jesu könnte auch hervorgerufen sein durch dieses intensive Licht, das vibriert und wogt, wie man es oft bei großen Feuern sieht, blendend weiße Wogen. Jesus steht da, mit zum Himmel erhobenem Antlitz, und lächelt einer Vision zu, die ihn verzückt.

Die Apostel geraten beinahe in Angst und rufen ihm zu, denn er scheint nicht mehr ihr Meister zu sein, so erhaben verklärt und verwandelt ist er.

„Meister, Meister“, rufen sie leise und ängstlich.

Doch er hört sie nicht.

„Er ist in Ekstase“, sagt Petrus zitternd. „Was sieht er wohl?“

Die drei haben sich erhoben und möchten sich Jesus nähern, aber sie wagen es nicht.

Das Licht wird noch stärker durch zwei Flammen, die vom Himmel zu beiden Seiten Jesu herabkommen. Auf der Höhe der Ebene öffnet sich ihr Schleier, und es erscheinen zwei majestätische, strahlende Gestalten. Die eine ist älter, mit einem strengen, ernsten Blick und einem langen zweigeteilten Bart. Von seiner Stirne gehen zwei Lichthörner aus, die ihn mir als Moses anzeigen. Die andere Gestalt ist hager, bärtig und behaart, ungefähr wie der Täufer, dem er in Gestalt, Magerkeit und Strenge des Blickes ähnlich sieht. Während das Licht von Moses weiß ist, wie das von Jesus, besonders die Strahlen, die von der Stirn ausgehen, ist das Licht, das Elias ausströmt, sonnig, wie das einer lebendigen Flamme.

Die beiden Propheten stehen voller Ehrfurcht zu beiden Seiten ihres fleischgewordenen Gottes, und obwohl er in familiärem Ton mit ihnen spricht, verharren sie in ihrer ehrfurchtsvollen Haltung. Ich verstehe keines der gesprochenen Worte.

Die drei Apostel fallen zitternd auf die Knie und halten die Hände vors Gesicht. Sie möchten hinschauen, aber sie fürchten sich. Endlich sagt Petrus: „Meister, Meister, höre mich an!“ Jesus wendet sich Petrus zu und lächelt, so daß dieser Mut faßt und sagt: „Es ist schön, mit dir, Moses und Elias hier zu sein. Wenn du willst machen wir drei Zelte, für dich, für Moses und für Elias, und bleiben hier, um euch zu dienen…“

Jesus schaut ihn abermals an und lächelt noch ausdrücklicher. Dann schaut er auch Johannes und Jakobus an. Ein Blick, der die beiden mit Liebe umfängt! Auch Moses und Elias schauen die drei an und ihre Augen leuchten wie Blitze. Es müssen Strahlen sein, welche die Herzen durchdringen.

Die Apostel wagen kein Wort mehr zu sagen. Verängstigt schweigen sie und scheinen vor Verwunderung wie betäubt zu sein. Doch als ein Schleier, der weder ein Nebel, noch eine Wolke und auch kein Strahl ist, die drei Verklärten einhüllt und hinter einem noch helleren Lichtschirm verbirgt, und eine mächtige, wohlklingende Stimme die Luft erfüllt, fallen die drei zu Boden und verbergen das Antlitz im Gras.

„Das ist mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. Auf ihn sollt ihr hören!“

Petrus hat, als er sich mit dem Gesicht voran zu Boden geworfen hat, ausgerufen: „Erbarmen mit mir Sünder! Die Herrlichkeit Gottes steigt herab!“ Jakobus gibt keinen Lauf von sich. Johannes flüstert mit einem Seufzer, als wäre er nahe dran, ohnmächtig zu werden: „Der Herr spricht!“

Keiner wagt seinen Kopf zu heben, selbst als es ganz still ist, und sie bemerken daher nicht, wie das natürliche Sonnenlicht zurückkehrt, in welchem Jesus in seinem roten Gewand wieder wie gewohnt erscheint. Lächelnd schreitet er auf sie zu, berührt und schüttelt sie und ruft sie beim Namen.

„Steht auf, ich bin es. Fürchtet euch nicht“, sagt er, denn die drei wagen nicht, ihre Augen zu erheben und flehen um Barmherzigkeit für ihre Sünden, da sie fürchten, daß es der Engel des Herrn ist, der sie dem Allerhöchsten zeigen will.

„So erhebt euch doch. Ich gebiete es euch“, wiederholt Jesus mit machtvoller Stimme. Sie schauen auf und sehen Jesus, der ihnen zulächelt.

„Oh, Meister, mein Gott!“ ruft Petrus aus. „Wie wird es uns noch möglich sein, fortan an deiner Seite zu leben, da wir deine Herrlichkeit geschaut haben? Wie werden wir unter den Menschen leben können, wir sündigen Menschen, nun, da wir die Stimme Gottes gehört haben?“

„Ihr werdet an meiner Seite leben müssen und meine Herrlichkeit schauen bis zum Ende. Seid dessen würdig, denn die Zeit ist nahe. Gehorcht meinem Vater und eurem Vater. Nun wollen wir zu den Menschen zurückkehren, denn ich bin gekommen, um unter ihnen zu sein und sie Gott zuzuführen. Laßt uns gehen. Seid im Gedenken an diese Stunde heilig, stark und treu. Ihr werdet einst teilhaben an meiner vollkommenen Herrlichkeit. Aber sprecht jetzt mit niemandem über das, was ihr gesehen habt. Auch nicht mit den Gefährten. Wenn der Menschensohn einst von den Toten auferstanden und in die Herrlichkeit des Vaters zurückgekehrt sein wird, dann werdet ihr sprechen, denn dann wird man, um an meinem Reich teilzuhaben, glauben müssen.“

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band VI) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Meine durch die eigenen Priester aus den Angeln gehobene Kirche!“

19/05/2010

Auszug aus einer Rede Jesu vor den Aposteln und Jüngern in der Zeit zwischen seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt:

„… Wehe, dreimal wehe, wenn es keine wahren Priester mehr geben wird, um die letzten Christen zu trösten, so wie es sie für die ersten Christen geben wird. Wahrlich, die letzte Verfolgung wird furchtbar sein, da es keine Verfolgung durch Menschen, sondern durch die Söhne Satans und ihre Anhänger sein wird. Priester? Mehr als Priester werden jene der letzten Stunde sein müssen, so furchtbar wird die Verfolgung durch die Horden des Antichrist sein. Gleich dem in Linnen gekleideten Mann, der so heilig ist, daß er an der Seite des Herrn steht in der Vision des Ezechiel, müssen sie unermüdlich in ihrer Vollkommenheit ein Tau auf die Seelen der wenigen Gläubigen zeichnen, damit die Flammen der Hölle diese Zeichen nicht auslöschen. Priester? Engel! Engel, die das mit dem Weihrauch ihrer Tugenden gefüllte Weihrauchfaß schwingen, um die Luft von den Miasmen Satans zu reinigen. Engel? Mehr als Engel: andere Christusse, andere Ichs, damit die Gläubigen der letzten Zeit ausharren können bis ans Ende.

Das werden sie sein müssen. Doch das künftige Gute und Böse hat seine Wurzel in der Gegenwart. Die Lawinen beginnen mit einer Schneeflocke. Ein unreiner, unwürdiger, häretischer, untreuer, ungläubiger, lauer oder kalter, erloschener, kraftloser, unzüchtiger Priester verursacht hundertmal mehr Schaden als ein einfacher Gläubiger, der dieselben Sünden begeht, und zieht viele andere nach sich in die Sünde. Die Nachlässigkeit im Priesteramt, die Annahme unreiner Lehren, der Egoismus, die Gier und die Unzucht im Priesterstand, ihr wißt, wo sie enden: im Gottesmord. Der Sohn Gottes kann zwar nicht mehr getötet werden in späteren Jahrhunderten, aber der Glaube an Gott, die Vorstellung von Gott. Und so wird ein Gottesmord begangen, der noch viel weniger gutzumachen ist, da keine Auferstehung folgt. Oh, man kann ihn begehen, ja. Ich sehe… Man wird ihn begehen können wegen der vielen Judasse von Kerioth der künftigen Jahrhunderte. Schrecklich…!

Meine durch die eigenen Priester aus den Angeln gehobene Kirche! Ich stütze sie mit Hilfe der Sühnopfer. Und sie, die Priester, die nur das Gewand, aber nicht die Seele des Priesters haben, tragen dazu bei, die von der höllischen Schlange aufgerührten Wellen noch höher gegen dein Schiff schlagen zu lassen, o Petrus. Steh auf! Erhebe dich! Übermittle diesen Befehl deinen Nachfolgern: „Hand ans Steuer! Stoße die Schiffbrüchigen zurück, die Schiffbruch erleiden wollen und auch das Schiff Gottes versenken wollen.“ Bestrafe, aber rette, und fahre weiter. Sei streng, denn die Strafe für die Piraten ist gerecht. Verteidige den Schatz des Glaubens. Halte hoch die Lampe über die aufgebrachten Wellen wie einen Leuchtturm, damit alle, die deinem Schiff folgen, sehen und nicht untergehen. Hirte und Seemann dieser furchtbaren Zeiten, sammle, leite und halte mein Evangelium hoch, denn in ihm und in keiner anderen Wissenschaft liegt das Heil.(…)

Dein Kompaß sei das Evangelium. In ihm ist das Leben und das Heil. Und alles steht in ihm geschrieben. Jeder Artikel des heiligen Gesetzbuches, jede Antwort auf die vielfältigen Fragen bezüglich der Seele ist in ihm enthalten. Und sorge dafür, daß Priester und Gläubige nicht davon abweichen. Sorge dafür, daß keine Zweifel aufkommen, dass nichts verändert, nichts ersetzt wird durch Sophistereien. Das Evangelium bin ich selbst, von der Geburt bis zum Tod. Im Evangelium ist Gott. Denn in ihm offenbaren sich die Werke des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das Evangelium ist Liebe. Ich habe gesagt: Mein Wort ist Leben.“ Ich habe gesagt: „Gott ist die Liebe.“ Daher sollen die Völker mein Wort kennen und Liebe, also Gott, in sich haben, um das Reich Gottes zu besitzen. Denn wer nicht in Gott ist, der hat das Leben nicht in sich. Und wer das Wort des Vaters nicht aufnimmt, kann nicht eins sein mit dem Vater, mit mir und mit dem Heiligen Geist im Himmel, und er kann auch nicht zu dem einen Schafstall gehören, der so heilig ist, wie ich es will. Er wird keine Rebe am Weinstock sein, denn wer mein Wort ganz oder teilweise ablehnt, ist ein Glied, durch das der Saft des Lebens nicht mehr fließt. Mein Wort ist der Saft, der nährt, wachsen und Früchte bringen läßt…“

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Simon des Jonas, liebst du mich?“

17/04/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 18. April 2010: Joh 21,1-19)


„Ihr dort im Boot, habt ihr nichts zu essen?“ Die Männerstimme kommt vom Ufer. Eine Stimme, die auffahren läßt.

Sie zucken die Achseln und antworten laut: „Nein!“ Dann sagen sie zueinander: „Man könnte glauben, ihn zu hören…!“

„Werft die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.“

Rechts, das bedeutet zur Seemitte hin. Sie werfen etwas verwundert das Netz aus, und bald darauf neigt sich das Boot durch den Zug und das Gewicht des Netzes.

„Aber das ist doch der Herr!“ ruft Johannes.

„Der Herr, sagst du?“ fragt Petrus.

„Hast du noch Zweifel?“ Es schien uns seine Stimme zu sein, aber das hier ist der Beweis. Schau dir das Netz an! Wie damals! Er ist es, sage ich dir! Oh, mein Jesus! Wo bist du?“

Alle bemühen sich, mit ihren Blicken die Nebelschleier zu durchdringen, nachdem sie das Netz gut befestigt haben, um es in Schlepp zu nehmen; denn es ist zu gefährlich, es ins Boot zu ziehen. Und so rudern sie zum Ufer. Doch dann muß Thomas das Ruder des Petrus übernehmen, der rasch und ungestüm seine Tunika über die kurze Hose zieht, die seine einzige Bekleidung war, ebenso wie die aller anderen außer Bartholomäus. Petrus springt in den See, teilt mit kräftigen Armen das stille Wasser, schwimmt dem Boot voraus und setzt als erster den Fuß auf das verlassene Ufer, wo auf zwei Steinen im Schutz eines Dorngestrüpps ein Reisigfeuer flackert. Und dort, neben dem Feuer, steht Jesus und lächelt sanft.

„Herr! Herr!“ Petrus keucht schwer vor Erregung und bringt kein weiteres Wort heraus. Da er von Wasser trieft, wagt er nicht einmal, das Gewand seines Jesus zu berühren. In der nassen Tunika, die ihm am Rücken klebt, wirft er sich anbetend in den Sand.

Das Boot knirscht auf dem Kies und steht still. Alle sind aufgesprungen und ganz aufgeregt vor Freude…

„Bringt die Fische her. Das Feuer ist bereit. Kommt und eßt“, gebietet Jesus.

Petrus eilt zur Barke und hilft, das Netz herauszuziehen. Er nimmt aus dem zappelnden Haufen drei große Fische, schlägt sie an den Bootsrand, um sie zu töten, und weidet sie dann mit seinem Messer aus. Aber seine Hände zittern. Oh, nicht vor Kälte! Er wäscht die Fische, bringt sie zum Feuer, legt sie darauf und gibt auf sie acht, während sie braten. Die anderen beten den Herrn an, in gewisser Entfernung und, wie immer, etwas furchtsam, seit er so göttlich und mächtig auferstanden ist.

„Hier ist Brot. Ihr habt die ganze Nacht gearbeitet und seid müde. Nun werdet ihr euch stärken. Sind die Fische bereit, Petrus?“

„Ja, mein Herr“, sagt Petrus mit einer Stimme, die noch rauher als sonst klingt. Er beugt sich über das Feuer und trocknet sich die Augen, aus denen es tropft, so als müßte er wegen des Rauches weinen, der auch die Kehle reizt. Aber der Rauch ist nicht die Ursache der Tränen und der rauhen Stimme… Er bringt den Fisch, den er auf ein haariges Blatt gelegt hat, anscheinend ein Kürbisblatt, das ihm Andreas gegeben hat, nachdem er es zuvor im See gewaschen hat.

Jesus dankt und segnet, bricht das Brot, zerlegt die Fische und teilt sie in acht Stücke. Er kostet ebenfalls etwas davon. Sie essen mit einer Ehrfurcht, mit der sie ein Ritual vollziehen würden. Jesus sieht ihnen zu und lächelt. Aber auch er schweigt, bis er schließlich fragt: „Wo sind die anderen?“

„Auf dem Berg, wie du gesagt hast. Wir sind fischen gegangen, weil wir kein Geld mehr haben und den Jüngern nicht zur Last fallen wollen…“

„Gut. Aber von jetzt an sollt ihr Apostel auf dem Berg bleiben und beten und durch euer Beispiel die Jünger erbauen. Schickt sie zum Fischfang. Für euch ist es besser, daß ihr dort im Gebet  verharrt und jene anhört, die euren Rat brauchen oder kommen, um euch Nachrichten zu bringen. Haltet die Jünger eng beisammen. Ich werde bald kommen.“

„Wir werden es tun, Herr.“

„Ist Margziam nicht bei dir?“

„Du hast nicht gesagt, daß ich ihn sofort kommen lassen darf.“

„Laß ihn kommen. Sein Gehorsam ist beendet.“

„Ich werde ihn kommen lassen, Herr.“

Schweigen. Dann hebt Jesus, der mit leicht geneigtem Haupt nachdenklich dagestanden ist, den Kopf und richtet seinen Blick auf Petrus. Er schaut ihn an mit dem Blick der Stunden seiner größten Wunder und Macht. Petrus schreckt fast ängstlich zusammen und weicht ein wenig zurück… Aber Jesus legt ihm eine Hand auf die Schulter, hält ihn fest mit energischem Griff und fragt ihn: „Simon des Jonas, liebst du mich?“

„Gewiß, Herr! Du weißt, daß ich dich liebe“, antwortet Petrus mit Nachdruck.

„Weide meine Lämmer… Simon des Jonas, liebst du mich?“

„Ja, mein Herr. Und du weißt, daß ich dich liebe.“ Die Stimme ist nicht mehr so selbstsicher, eher etwas erstaunt über die Wiederholung dieser Frage.

„Weide meine Lämmer… Simon des Jonas, liebst du mich?“

„Herr, Du weißt alles… Du weißt, daß ich dich liebe…“ Die Stimme des Petrus zittert, obwohl er seiner Liebe sicher ist; aber er hat das Gefühl, daß Jesus nicht überzeugt ist.

„Weide meine Schafe. Das dreimalige Bekenntnis deiner Liebe hat deine dreimalige Verleugnung getilgt. Du bist ganz rein, Simon des Jonas, und ich sage dir: Bekleide dich mit dem Gewand des Oberhirten und trage die Heiligkeit des Herrn in meine Herde. Gürte dein Gewand um die Mitte und trage es gegürtet, bis auch du vom Hirten zum Lamm wirst. Wahrlich, ich sage dir, als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und bist gegangen, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Jetzt aber bin ich es, der dir sagt: ‚Gürte dich und folge mir auf meinem Weg.‘ Steh auf und komm.“

 

A. Carracci: Domine, quo vadis?

Jesus steht auf, und auch Petrus erhebt sich, und sie gehen ans Ufer, während die anderen das Feuer löschen, indem sie es mit Sand ersticken. Aber Johannes folgt Jesus, nachdem er die Brotreste gesammelt hat. Petrus, der die Schritte hört, dreht den Kopf. Er sieht Johannes, zeigt auf ihn und fragt Jesus: „Und was wird mit diesem geschehen?“

„Wenn ich will, daß er bleibt, bis ich wiederkomme, was kümmert dich das? Du, folge mir nach.“

Sie sind am Ufer. Petrus möchte noch sprechen; die Majestät Jesu und die gehörten Worte halten ihn davon ab. Er kniet nieder, ebenso die anderen, und betet an. Jesus segnet sie und entläßt sie. Sie besteigen das Boot und entfernen sich rudernd. Jesus schaut ihnen nach.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch