Posts Tagged ‘Pflicht’

„Wisst zu handeln wie weise Perlenhändler…“

23/07/2011

(zum Sonntags-Evangelium vom 24. Juli 2011: Mt 13,44-52)

„Meister, vor einigen Tagen hast du gesagt, dass es viele gibt, die sich von den Dingen der Welt verführen lassen. Sind es sie, die für Satan fischen?“ fragt Jakobus des Alphäus.

„Ja, mein Bruder! In diesem Gleichnis lässt sich der Mensch verführen vom vielen Geld, das viele Ergötzlichkeiten verschaffen kann, und er verliert so jegliches Recht auf den Schatz des Reiches Gottes. Wahrlich, ich sage euch, von hundert Menschen ist nur ein Drittel darum bemüht, der Versuchung des Geldes oder anderen Verführungen zu widerstehen; und von diesem Drittel versteht es nur die Hälfte, es auf heroische Weise zu tun.

Die Welt stirbt an Erstickung, weil sie sich freiwillig von den Stricken der Sünde erdrosseln lässt. Es ist besser, von allem entblößt zu sein, als törichte und blendende Reichtümer zu besitzen. Wisst zu handeln, wie weise Perlenhändler, die erfahren haben, dass irgendwo eine große, seltene Perle gefunden wurde, und sich nicht von kleinen Perlen in ihrer Werkstatt aufhalten lassen, sondern sich von allem entledigen, um diese wunderbare Perle zu erwerben.“

„Aber warum machst du selbst Unterschiede in der Mission, die du deinen Nachfolgern überträgst, und sagst uns, dass wir diese Mission als ein Geschenk Gottes halten sollen? Also müssten wir auch darauf verzichten, denn auch dies sind Brosamen im Vergleich zum Himmelreich“, sagt Bartholomäus.

„Keine Brosamen, Mittel sind es! Krumen wären es, oder besser noch, schmutzige Strohhalme, wenn sie menschlichen Zwecken im Leben dienen würden. Wer bemüht ist, einen menschlichen Gewinn aus einem solchen heiligen Posten zu ziehen, macht aus diesem einen schmutzigen Strohhalm. Aber macht daraus einen Akt des Gehorsams, eine freudige Pflicht, ein wirkliches Opfer, und es wird für euch eine wirkliche Perle sein. Die apostolische Mission ist eine vollkommene Aufopferung, wenn sie ohne Vorbehalt geübt wird, ein Martyrium und eine Glorie. Sie trieft von Tränen, Schweiss und Blut, doch sie bildet die Krone der ewigen Herrlichkeit.“

„Du weisst wirklich auf alles eine Antwort!“

„Aber habt ihr mich wirklich verstanden? Begreift ihr, was ich euch mit Vergleichen sage, die sich auf alltägliche Dinge beziehen, die aber, vom übernatürlichen Licht erleuchtet, eine Erklärung für die ewigen Dinge sind?“

„Ja, Meister!“

„Dann erinnert euch dieser Methode bei der Belehrung der Menge. Denn eines der Geheimnisse der Schriftgelehrten und der Rabbis ist das Gedächtnis. In Wahrheit sage ich euch, dass ein jeder von euch, der in der Wissenschaft vom Besitz des Himmelreiches erfahren ist, einem Familienvater gleicht, der aus seinem Schatz herausholt, was der Familie dienlich ist, indem er alte und neue Dinge zum einzigen Zweck benützt, das Wohlbefinden seiner eigenen Kinder zu fördern… Es hat aufgehört zu regnen. Lassen wir jetzt die Frauen im Frieden, und gehen wir zum alten Tobias, der dabei ist, seine geistigen Augen der Morgenröte des Jenseits zu öffnen.

Der Friede sei mit euch, Frauen!“

Auszug aus “Der Gottmensch″ Bd. IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Wir sind unnütze Knechte

03/10/2010
zum Sonntagsevangelium vom 3. Oktober 2010: Lukas 17,5-10

„… Hört. In Wahrheit sage ich euch: Niemand darf sich rühmen, daß er seine Pflicht erfüllt, und dafür eine besondere Gunst verlangen.

Judas hat daran erinnert, daß ihr mir alles gegeben habt, und daß ich deshalb die Pflicht habe, euch zufriedenzustellen. Aber hört. Unter euch sind Fischer und Grundbesitzer; mehr als einer von euch hat eine Werkstatt, und der Zelote hatte seinen Diener. Nun gut. Wenn die Schiffsjungen oder die Männer, die euch im Olivenhain, im Weinberg, auf den Feldern, in den Werkstätten oder einfach als treue Diener im Haus und bei Tisch geholfen haben, ihre Arbeit beendet hatten, seid ihr dann vielleicht hingegangen, sie zu bedienen?

Ist es nicht so in allen Häusern und bei allen Aufgaben? Wer sagt zu seinem Knecht, der die Schafe hütet, den Acker pflügt oder in der Werkstatt beschäftigt ist, nach getaner Arbeit: ‚Setz dich sofort zu Tisch‘? Niemand. Wenn er vom Feld zurückkommt oder nach der Arbeit sein Werkzeug niedergelegt hat, dann sagt jeder Hausherr: ‚Bereite mir das Essen, reinige dich und bediene mich mit reinem Gewand und umgegürteten Lenden, während ich esse und trinke. Nachher wirst du essen und trinken.‘

Man kann dies nicht als Hartherzigkeit bezeichnen, denn der Diener muß dem Herrn dienen; und der Herr ist ihm nicht verpflichtet, denn der Knecht hat das getan, was der Herr ihm am Morgen aufgetragen hatte. Wenn es auch wahr ist, daß der Hausherr verpflichtet ist, mit seinem Knecht menschlich umzugehen, so hat der Knecht doch die Pflicht, nicht arbeitsscheu und anspruchsvoll zu sein, sondern zum Wohl des Herrn mitzuarbeiten, der ihn kleidet und ihm zu essen gibt. Würdet ihr es ertragen, wenn eure Schiffsjungen, eure Bauern, Arbeiter oder Hausknechte euch sagen würden: ‚Bediene mich jetzt, da ich für dich gearbeitet habe‘? Ich glaube nicht.

So auch ihr. Im Hinblick auf das, was ihr getan habt und in Zukunft tun werdet, um mein Werk fortzusetzen und weiterhin eurem Meister zu dienen, müßt ihr immer sagen – denn ihr werdet auch sehen, daß ihr immer weniger getan habt, als recht gewesen wäre, um euch für all das Gute, das ihr von Gott empfangen habt, dankbar zu erweisen: ‚Wir sind unnütze Knechte, denn wir haben nicht mehr getan, als unsere Pflicht.‘ Wenn ihr so denkt, werdet ihr sehen, daß weder Anmaßung noch Mißmut in euch aufkommen, und ihr werdet gerecht handeln.“

Luca Signorelli

Jesus schweigt. Alle denken über das Gesagte nach. Petrus stößt Johannes mit dem Ellbogen an, der nachdenklich seine himmelblauen Augen auf das Wasser geheftet hat, das im Mondschein von Dunkelblau in Silberblau übergeht, und fragt: „Frage ihn, wann einer mehr als seine Pflicht tut. Ich möchte so weit kommen, daß ich mehr tue, als meine Pflicht ist…“

„Auch ich, Simon. Ich habe gerade daran gedacht“, antwortet Johannes mit einem lieblichen Lächeln auf den Lippen und fragt ganz klar: „Meister, sage mir: Ist es dem Menschen, deinem Knecht, nie gegeben, mehr zu tun, als seine Pflicht ist, um dir dadurch zu beweisen, daß er dich wirklich sehr liebt?“

„Kind, Gott hat dir so viel gegeben, daß nach dem Maß der Gerechtigkeit all dein Heroismus immer noch wenig wäre. Aber der Herr ist so gut, daß er das, was ihr ihm gebt, nicht mit seinem unendlichen Maß mißt. Er mißt es mit dem begrenzten Maß der menschlichen Fähigkeiten. Und wenn er sieht, daß ihr rückhaltslos großzügig, in vollem, überströmendem Maß gegeben habt, dann sagt er: ‚Dieser mein Knecht hat mir mehr gegeben, als es seine Pflicht war, daher werde ich ihm auch einen übernatürlichen Lohn geben.‘ „

„Oh! Wie glücklich ich bin! Ich will dir in überströmendem Maß geben, um dieses überreichlichen Lohnes teilhaft zu werden!“ ruft Petrus aus.

„Ja, du wirst es mir geben. Ihr werdet es mir geben. Alle die, die Wahrheit und das Licht lieben, werden es mir geben, und mit mir übernatürlich glücklich sein.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band VII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR),www.mariavaltorta.com,dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch