Posts Tagged ‘Pharisäer und Schriftgelehrte’

„Was den Menschen verunreinigt, gehört einzig und allein ihm“

02/09/2012

zum Evangelium vom 2. September 2012: Mk 7,1-8.14-15.21-23. 

„… Du bist sehr streng gewesen“, bemerkt Bartholomäus.

Jesus entgegnet: „Aber ich habe die volle Wahrheit gesagt. Es ist nicht meine Schuld, sondern ihre, wenn man gewisse Dinge sagen muss. Es ist auch Liebe meinerseits, wenn ich sie ihnen sage. Jede Pflanze, die nicht von meinem himmlischen Vater gepflanzt worden ist, muss ausgerissen werden. Die dornigen Schmarotzerpflanzen, die den Samen der heiligen Wahrheit ersticken, sind nicht von ihm gepflanzt. Es ist Liebe, menschliche Bräuche und Vorschriften auszumerzen, wenn sie den Dekalog ersticken, ihn verdrehen und unwirksam machen und es unmöglich machen, ihn zu befolgen. Es ist Liebe zu den ehrlichen Seelen, dies zu tun. Was aber die angeht,, die sich eigensinnig jedem Rat und jeder Tat der Liebe verschließen, lasst sie laufen und ihnen jene nachfolgen, die ihnen in Geist und Charakter ähnlich sind. Es sind Blinde, die andere Blinde führen, und wenn ein Blinder einen Blinden führt, kann nichts anderes geschehen, als dass sie beide in die Grube fallen. Lasst sie sich nähren von den Unreinheiten, denen sie den Namen „Reinheit“ geben. Sie können nicht noch mehr befleckt werden, denn sie tun nichts weiter, als sich dem Mutterboden anzupassen, dem sie entstammen.“

„Was du jetzt sagst, ist die Fortsetzung dessen, was du im Haus Daniels gesagt hast, nicht wahr? Nicht was von aussen eindringt, verunreinigt den Menschen, sondern was aus ihm herauskommt“, sagt Simon der Zelote nachdenklich.

„Ja“, antwortet Jesus kurz.

Nachdem er eine Zeitlang geschwiegen hat, weil der Ernst Jesu auch den überschwenglichsten Charakter dämpft, fragt Petrus: „Meister, ich, und nicht nur ich allein, habe das Gleichnis nicht recht verstanden. Erkläre es uns ein wenig. Wie kommt es, dass der Mensch nicht durch das, was in ihn eindringt, sondern durch das, was aus ihm herauskommt, verunreinigt wird? Wenn ich einen sauberen Krug nehme und schmutziges Wasser hineingieße, dann beschmutze ich ihn. Aber wenn ich aus einem vollen Krug reines Wasser auf den Boden schütte, dann beschmutze ich nicht den Krug, denn aus ihm kommt reines Wasser. Wie soll man das also verstehen?“

Jesus erwidert: „Wir sind keine Krüge, Simon! Freunde, wir sind keine Krüge. Es ist nicht alles rein im Menschen. Aber habt jetzt auch ihr den Verstand verloren? Denkt über den Grund nach, weswegen euch die Pharisäer angeklagt haben. Sie haben gesagt, dass ihr euch verunreinigt habt, weil ihr mit schmutzigen, schwitzenden, also unreinen Händen Speise zum Mund geführt habt. Aber wohin ist die Speise gegangen? Vom Mund in den Magen, von diesem in den Bauch, vom Bauch zur Kloake. Kann sie also den ganzen Körper und alles was zu ihm gehört, verunreinigen, wenn sie nur durch den Kanal fließt, der dazu bestimmt ist, das Fleisch zu nähren, dieses allein, und dann, wie es richtig ist, in einer Grube endet? Es ist nicht dies, was den Menschen verunreinigt!

Was den Menschen verunreinigt, gehört einzig und allein ihm; es wird nur von seinem Ich gezeugt und geboren. Mit anderen Worten: was er im Herzen hat und was vom Herzen auf die Lippen und in den Kopf steigt, verdirbt das Denken und das Wort und verunreinigt den ganzen Menschen. Aus dem Herzen kommen die bösen Gedanken, Morde und Ehebrüche, Unzucht, Diebstähle, Lügen und Gotteslästerungen. Aus dem Herzen kommen Geiz, Wollust, Hochmut, Neid, Hass, Gier und sündhafter Müßiggang. Aus dem Herzen kommt die treibende Kraft für alle Handlungen, und wenn das Herz böse ist, dann werden auch die Handlungen böse sein wie das Herz. Alle Handlungen: von der Götzendienerei bis zur üblen Nachrede… Alle diese schlechten Dinge, die aus dem Innern des Menschen herauskommen, verunreinigen ihn, nicht das Essen mit ungewaschenen Händen. Die Wissenschaft Gottes ist nicht Schmutz, nicht Schlamm, den jeder mit Füßen tritt. Sie ist vielmehr etwas Erhabenes, das in den Gefilden der Sterne wohnt und von dort mit Lichtstrahlen herabkommt, um die Gerechten zu belehren. Daher solltet wenigstens ihr sie nicht vom Himmel herabzerren, um sie im Schlamm zu entwürdigen… Geht nun zur Ruhe. Ich will ins Freie gehen und beten.“

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

 

„Ich habe ihn verherrlicht, und ich werde ihn wieder verherrlichen“

25/03/2012

zum 5. Fastensonntag 2012: Johannes 12,20-33:

(…) Philippus stellt sich auf die Fußspitzen, um zu sehen, ob er irgendeinen Apostel in der Nähe des Herrn entdeckt. Er sieht Andreas und schreit, nachdem er ihn mit Namen gerufen hat: „Hier sind Heiden, die den Meister grüßen möchten. Frage ihn, ob er für sie Zeit hat.“

Andreas, der sich einige Meter von Jesus in der Menge befindet, drängt sich energisch, unter großzügigem Einsatz der Ellbogen, durch und schreit: „Macht Platz! Macht Platz, sage ich euch. Ich muss zum Meister!“

Schließlich schafft er es und teilt ihm den Wunsch der Heiden mit.

„Führe sie in die Ecke dort. Ich komme zu ihnen.“

Und als Jesus versucht, sich durch die Leute zu drängen, helfen ihm Johannes, der mit Petrus zurückgekommen ist, Petrus selbst, Judas Thaddäus, Jakobus des Zebedäus und Thomas, der seine Verwandten in der Menge gefunden hat und sie nun verlässt.

Nun ist Jesus bei den Heiden, die ihm huldigen.

„Der Friede sei mit euch. Was wollt ihr von mir?“

„Wir wollen dich sehen, dich sprechen. Deine Worte haben uns beunruhigt. Wir wollten schon lange mit dir sprechen, um dir zu sagen, dass deine Worte uns sehr beeindrucken. Aber wir wollten einen geeigneten Moment abwarten. Heute… Du sprichst von Tod… Wir fürchten, dich nicht mehr sprechen zu können, wenn wir es nicht sofort tun. Aber ist es denn möglich, dass die Hebräer ihren besten Sohn töten? Wir sind Heiden, und deine Hand hat uns nichts Gutes getan. Dein Wort war uns unbekannt. Wir hatten nur Unbestimmtes über dich gehört. Wir haben dich nie gesehen, waren nie in deiner Nähe. Und doch, du siehst es! Wir verehren dich. Die ganze Welt ehrt dich mit uns.“

„Ja, die Stunde ist gekommen, da der Menschensohn verherrlicht werden muss, von den Menschen und den Seelen.“

Nun drängen sich die Leute wieder um Jesus. Aber mit dem Unterschied, dass in der ersten Reihe die Heiden sind und dahinter die anderen.

„Aber wenn dies die Stunde deiner Verherrlichung ist, dann wirst du nicht sterben, wie du sagst, oder wie wir es verstanden haben. Denn auf diese Art zu sterben, ist keine Verherrlichung. Wie kannst du die Welt unter deinem Szepter verherrlichen, wenn du vorher stirbst? Wenn dein Arm im Tod erstarrt, wie kann er dann triumphieren und die Völker versammeln?“

„Indem ich sterbe, gebe ich das Leben. Indem ich sterbe, baue ich auf. Indem ich sterbe, schaffe ich das neue Volk. Im Opfer erringt man den Sieg. Wahrlich, ich sage euch, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es unfruchtbar. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben liebt, wird es verlieren. Wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es für das ewige Leben bewahren. Daher muss ich sterben, um allen, die mir nachfolgen und der Wahrheit dienen, dieses ewige Leben zu schenken. Wer mir dienen will, komme: Die Plätze in meinem Reich sind nicht diesem oder jenem Volk vorbehalten. Jeder, der mir dienen will, komme und folge mir. Und wo ich bin, wird auch mein Diener sein. Und wer mir dient, wird meinen Vater ehren, den einen, wahren Gott, den Herrn des Himmels und der Erde, den Schöpfer alles dessen, was ist; er ist Geist, Wort, Liebe, Leben, Weg, Wahrheit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, der Eine und doch Dreieine, der Dreieine und doch Eine, der einzige, wahre Gott. Doch nun ist meine Seele erschüttert. Soll ich vielleicht sagen: Vater, errette mich vor dieser Stunde? Nein. Denn dazu bin ich gekommen: diese Stunde zu erleben. Und daher sage ich: Vater, verherrliche deinen Namen.“

 

Jesus breitet die Arme in Kreuzform aus, ein purpurrotes Kreuz vor dem weissen Marmor des Portikus, erhebt das Antlitz, opfert sich betend auf und erhebt seine Seele zum Vater. 

Und eine Stimme, mächtiger als der Donner, eine unwirkliche Stimme insofern, dass sie keiner menschlichen Stimme gleicht und doch von allen gut verstanden wird, erfüllt den ganzen heiteren Himmel dieses herrlichen Apriltages, tönt gewaltiger als die Akkorde einer riesigen, wunderbar klingenden Orgel und verkündet: „Ich habe ihn verherrlicht, und ich werde ihn wieder verherrlichen.“

Die Leute haben Angst bekommen. Diese so mächtige Stimme, die die Erde und alles auf ihr erzittern lässt, diese geheimnisvolle Stimme unbekannten Ursprungs, die so verschieden ist von allen anderen, diese Stimme, die alles erfüllt, von Norden bis Süden, von Osten bis Westen, erschreckt die Hebräer und versetzt die Heiden in Staunen. Erstere werfen sich, so weit sie können, zu Boden und flüstern zitternd: „Nun werden wir sterben. Wir haben die Stimme des Himmels vernommen. Ein Engel hat zu ihm gesprochen.“ Und sie schlagen sich an die Brust in Erwartung des Todes. Die anderen rufen: “ Ein Donnern! Ein Tosen! Fliehen wir! Die Erde grollt! Sie hat gebebt!“ Aber die Flucht ist unmöglich bei dem Andrang derer, die außerhalb der Tempelmauer gewesen sind und nun herein wollen und schreien: „Erbarmen! Schnell. Dies ist ein heiliger Ort. Der Berg, auf dem der Altar Gottes steht, wird nicht bersten.“ Jeder bleibt deshalb, wo er ist, wo ihn die Menge und der Schrecken festhält.

Priester, Schriftgelehrte, Pharisäer, Leviten und die Tempelwachen, die irgendwo im Labyrinth des Tempels waren, eilen auf die Terrassen. Sie sind erregt und verstört, aber keiner von ihnen geht zu den Leuten in die Vorhöfe außer Gamaliel und sein Sohn. Jesus sieht in vorübergehen in seinem ganz weissen, in der Sonne leuchtenden Leinengewand. (…)

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch