Posts Tagged ‘Rafael Arnaiz Baron’

Hl. Rafael Arnaiz Baron (17)

28/03/2012

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Leben unter Deinem Kreuz (1)

13. Februar 1938 – Sonntag Septuagesima – im Alter von 26 Jahren

Guter Jesus, wie soll ich Dir sagen, o Herr, welch große Zärtlichkeit meine Seele empfindet angesichts der Milde Deiner Liebe? 

Was habe ich getan, mein Gott, dass Du mich so behandelst? Einmal fühle ich mich überschwemmt von tiefem Kummer, dann wieder erfüllt von überströmender Freude, wenn ich an Dich denke und an das, was Du mir verheisst für das Ende der Zeiten [vgl. Röm 8,18].

Womit habe ich das verdient, Herr? Heute habe ich bei der heiligen Kommunion den Trost erfahren, Deine Nähe zu spüren, obwohl mich alles zu verlassen scheint. Ich wollte, Herr, Deinem Herzen die Worte tief einprägen, die ich täglich spreche: „Lass nicht zu, Herr, dass ich mich von dir trenne!“ [Messliturgie]

Ich umfing Dein Kreuz und ging ins Kapitel… Unter Deinem Kreuz nahm ich die Nahrung, die meine schwache Natur benötigt… Unter Deinem blutüberströmten Kreuz finde ich den Trost, diese Zeilen zu schreiben… „Lass nicht zu, dass ich mich von dir trenne!“

Möge ich immer, Herr, im Schatten des harten Kreuzes stehen! Lass mich dort zu Deinen Füßen meine Zelle, mein Lager haben! Lass mich, Herr, dort meine Freude, meine Ruhe finden! Lass mich den Boden des Kalvarienberges mit meinen Tränen benetzen! Dort unter dem Kreuz möchte ich mein Gebet und meine Gewissenserforschungen verrichten.

„Lass nicht zu, Herr, dass ich mich von dir trenne!“

Welch große Freude bedeutet es, unter dem Kreuz leben zu können! Dort begegne ich Maria, dem hl. Johannes und all denen, die Dich lieben [vgl. Joh 19,25 ff]. Dort gibt es keinen Schmerz, denn angesichts des Deinen, Herr, wer wagt da zu behaupten, dass er leidet?

Dort vergisst man alles; man hat weder den Wunsch sich zu freuen, noch denkt man daran zu leiden… Beim Anblick Deiner Wunden, Herr, beherrscht nur ein Gedanke die Seele: Liebe…, ja, Liebe, um Deinen Schweiss abzutrocknen, Liebe, um Deine Wunden erträglicher zu machen, Liebe, um so viel und so ungeheuren Schmerz zu erleichtern.

„Lass nicht zu, Herr, dass ich mich von Dir trenne!“

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (14)

09/04/2011

Heute, am 9. April 2011, ist der 100. Geburtstag des spanischen Trappisten Rafael Arnaiz Baron, der am am 11. Oktober 2009 heilig gesprochen wurde. Er ist einer (der jüngste) der Patrone des Weltjugendtages in Madrid.

Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas an Diabetes verstorbene Mystiker beeindruckt vor allem durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Den folgenden Brief schrieb er von seinem Elternhaus aus an seine Tante (mit der er verabredet hatte, sich gegenseitig mit ‚Bruder‘ und ‚Schwester‘ anzureden), nachdem er ca. 2 Jahre vorher die Abtei aufgrund seiner Erkrankung  verlassen musste. Seine Rückkehr in die ‚Trapa‘ stand kurz bevor:

An seine Tante Maria, Herzogin von Maqueda, von Oviedo aus

26. November 1935 – Dienstag – im Alter von 24 Jahren

Meine liebste Schwester! Ich weiss nicht, wie ich beginnen soll. Dein Brief heute war für mich etwas, wofür ich weder Gott noch Dir genug danken kann. Er möge Dich segnen!

Ich sage Dir nur, dass ich in diesen Tagen eine Stelle aus der Sext des Offiziums betrachtet habe, die lautet: „Helft euch gegenseitig beim Tragen der Lasten. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2).

Wie tröstlich, nicht wahr? Und was machen wir? Ich weiss nicht, aber in Deinem Brief habe ich heute morgen eine ganz zarte, von Christus herrührende Liebe gesehen. Du möchtest mir helfen, mich trösten und ein wenig mein Kreuz tragen helfen; Du möchtest mein Mann aus Cyrene sein. Gepriesen sei die Liebe der Geschöpfe, die solche Dinge vollbringt! Gelobt sei der Herr, der uns ein Herz schenkt, das uns manchmal leiden, aber auch viele reine und übernatürliche Freuden erfahren lässt! Das geschieht, wenn wir Seelen begegnen, die uns derart lieben, wie du mir in Deinem Brief zeigst. Liebe Schwester, Du bist ein Engel, den mir der Herr in genau dem Augenblick schickt, da ich es am dringendsten benötige… Es soll Dir nicht sehr wichtig sein, dass ich es Dir sage, aber ich sehe es wirklich so.

Gerade jetzt, da ich dir zu schreiben beginne, komme ich vom Kloster der ‚Esclavas‘ zurück. Es ist halb sieben. Dort, vor dem Herrn und mit Deinem Brief in der Tasche, habe ich vor Freude fast geweint… Wie sehr liebst du mich, Herr! Wenn  Du wüsstest, Schwesterlein, wie glücklich ich bin! Du auch, nicht wahr?

Sieh, ich ging hin zu Jesus, um Ihm alles zu erzählen, so wie ich es immer tue, wenn ich einen Brief von Dir erhalte. Zuerst hielt ich einen Akt der Danksagung. Gott behandelt mich auf eine Weise, wie ich es nicht verdiene. Kurz und gut, warum sollte ich Dir alles nochmals aufzählen? Danach überdachte ich einige Dinge, die Du mir schreibst und von denen Du mich bittest, nicht böse darüber zu sein. Um Gottes willen, ich werde doch nicht ärgerlich darüber und habe Dir nichts zu verzeihen! Du meinst das nur. Du glaubst, dass ich so gut bin. Ich erzählte es dem Herrn, und wir lachten beide ein wenig. Ich sage es Dir in aller Einfachheit. Jesus gab mir zu verstehen, dass ich weder von Ihm noch vor Seiner Mutter etwas gewinne oder verliere durch die Meinung, die Du vielleicht von mir hast – das sei unwichtig.

Du bist wirklich ein ‚goldiges Fräuchen‘, liebe Schwester. Ich finde das ganz lustig und beneide fast Deine Treuherzigkeit. Du kannst mir mitteilen, was Du willst… Gott weiss alles, und ich erzähle Ihm schliesslich auch alles.

Als ich das heute nachmittag tat und merkte, dass der Herr mir zuhörte und auch lächelte, empfand ich plötzlich eine so grosse Freude, dass ich – hätte ich die Leute um mich herum nicht bemerkt – zu lachen angefangen hätte wie ein Irrer; mehr brauche ich Dir wohl nicht zu sagen.

Anschliessend konzentrierte ich mich sehr, und diese etwas unpassende Äusserung der Freude verwandelte sich in einen ganz grossen Frieden… Wenn Du sehen könntest, Schwester, wie gut Gott ist! Ich vergass alles: mich, Dich, alles… Jesus liebt mich so sehr, liebe Schwester! Liebe auch Du Gott ganz innig! Könntest Du doch auch diese Erfahrung machen! Nun gut…

 

Später liess Er mich merken, dass immer noch eine arme alte Frau in der Kirche war, die neben mir kniete und ganz fürchterlich anfing zu husten. Zuerst machte sie mich ungeduldig, dann aber war ich so beschämt über meine Ungeduld, dass ich die arme Frau bei der Hand nahm und sie der Jungfrau Maria vorstellte. Ich bat die Herrin, sich ihrer anzunehmen – und der Husten hörte auf. Dann betete ich für sie. Ich begann mit dem alten Frauchen neben mir, und schliesslich stellte ich alle Glaubenden unter den Schutzmantel der Gottesmutter. Hin und wieder habe ich derartige innere Anwandlungen, und ich sage Dir: dann fällt es mir schwer, stillzuhalten. Gut, versteh mich bitte recht!

Ich blieb in der Kirche, bis man mich hinauswarf (ich weiss nicht, wie man dieses Wort schreibt; verzeih meinen Fehler!) [Er schreibt ‚hecharon‘ statt ‚echaron‘, streicht das ‚h‘ aber durch.] Ich ging sehr fröhlich fort, weil ich eine Weile bei Jesus verbracht hatte, und hätte den Küster am liebsten umarmt. Wie glücklich bin ich doch, Schwesterlein! Wie sehr liebt mich Jesus!

Du, ja Du musst mir die Dinge verzeihen, die ich Dir erzähle. Aber ich möchte Dich teilnehmen lassen sowohl an meinen Freuden als – ich würde sagen – auch an meinen Leiden… Aber gut, was meine Leiden angeht, lassen wir es. Sie gehen rasch vorüber; der Herr lässt nicht zu, dass ich mich lange damit aufhalte. Er will nicht, dass ich egoistisch sei. Und wenn Du in meinen vorhergehenden Briefen eine Spur von Traurigkeit gefunden hast, verzeih mir, denn ich bin immer noch recht armselig.

Da Du mir in Deinem Brief davon sprichst, dass wir mit unserer Liebe zu Gott frohe Menschen sein müssen, konnte ich nicht anders und musste den Herrn loben mit heiliger Freude in dem Bewusstsein, dass wir Ihm gehören, im Bewusstsein darüber, dass wir von ihm brennend geliebt werden. Weg mit der Traurigkeit und mit den Sorgen! Gott, und Gott allein! Ich kann Dir sagen, dass unser Leben – wenn wir das immer so sähen – ein vorweggenommener Himmel wäre. Alles würde sich darauf beschränken, Gott zu lieben und zu wissen, dass Er uns liebt. Was würden wir dann nicht alles erreichen, nicht wahr? Uns mit den Engeln, mit den Heiligen, mit Maria vereinigen! Ja, dann könnten wir wirklich nicht stillhalten, wenn wir zum Gebet gingen. Und dann würden sich diese inneren Anwandlungen mit solcher Häufigkeit wiederholen, dass wir in einer davon… O Herr, wie lange noch belässt Du mich hier, wo ich mich dahinschleppe, Dich suche und nach Dir rufe, ohne dass das Herz entlastet würde oder zur Ruhe kommen könnte? … Es erkennt unser Elend, das uns daran hindert, uns ein für allemal an Dir zu erfreuen.

Wie egoistisch sind wir, Herr! Tu mit mir, was Du willst, nimm keine Rücksicht auf mich! Ich habe Deine Liebe nicht verdient. Aber Herr, diese Worte gibt nicht mein Herz mir ein; das Herz bittet Dich um Liebe, und dass Du es für immer nimmst und es weit machst oder es einfach zum Stillstand bringst… Herr, so ist das kein Leben. Mein Leben bist Du, und manchmal scheinst Du so fern zu sein. O mein Herr und mein Gott!

Schau, liebe Schwester, heute habe ich nichts als eines: Gott…; ich schicke Ihn Dir.

Ich möchte, dass der Brief heute weggeht. Es ist halb acht, und um halb neun wird der Briefkasten geleert. Ich möchte nämlich – auch wenn es nicht mehr als ein paar Zeilen sind -, dass Du morgen das erhältst, was ich Dir schicken möchte.

Der nächste Brief wird länger, und darin werde ich Dir sagen, was ich mir für die hl. Adventszeit vorgenommen habe. Heute abend fange ich an, Dir zu schreiben und ausführlich auf Deinen Brief zu antworten. Ich sehe in ihm tatsächlich unsere gute Mutter und dass Du sie sehr liebst.

Wie gut bist Du Schwesterchen! Gott möge es Dir lohnen.

Denk nicht daran, dass ich wieder in die ‚Trapa‘ zurückkehre… Was soll’s! Für Dich bin ich immer derselbe, meinst Du nicht?

Heute weiss ich Dir nichts mehr zu sagen. Es steckt etwas in mir, dass mich nicht lässt.

Es schickt Dir seine ungeheuer grosse Liebe Dein armer, verrückter Bruder,

Bruder Maria Rafael O.C.R.

Verzeih ihm!!

P.S. Ich schicke Dir einen Brief aus meiner ‚Trapa‘. Er sagt nichts aus, und doch sagt er mir viel… Wie gut ist Jesus! Alles ist mir ein Trost.

Heiliger Rafael Arnaiz Baron, bitte für uns und ganz besonders für die Jugend dieser Erde. Nimm uns, genau wie das ‚alte Frauchen‘ in Deinem Brief, an die Hand und stelle uns der Gottesmutter vor, damit sie uns alle unter ihren Mantel nehme, uns zu ihrem Sohn führe und ihn uns lieben lehre. Amen.

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (13)

18/02/2011

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

An seine Tante Maria, Herzogin von Maqueda, von Oviedo aus

11. November 1935 – Montag – im Alter von 24 Jahren

(TEIL 2)

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Wie einfältig bin ich, mein Gott! Wie wirst du über mich lachen, liebste Schwester! Aber das macht mir nichts aus. Ich habe mir vorgenommen, Dich dahin zu bringen, die Gottesmutter sehr zu lieben, weil ich erkenne, dass es das erste ist, was du tun musst, um heilig zu werden. Und da dir noch viel fehlt, sage ich Dir: der schnellste Weg, um anzufangen Gott zu lieben, ist der, Seine Mutter innig zu lieben. Siehst du einen anderen? Sag es mir mit aller Klarheit, so wie ich es auch Dir deutlich sage! Zeig mir meine Fehler oder wenigstens diejenigen, die Du beobachtet hast! Ich tue es auch bei Dir.

Beim Aufstieg müssen wir viele Dinge nach und nach abschleifen und andere aufgreifen, die uns zur Erklimmung des Berges der Vollkommenheit erforderlich sind. Manchmal genügen wir uns nicht selbst, um uns wirklich zu kennen, und wenn wir in den anderen nur Vollkommenheiten und Tugenden sehen und es ihnen auch noch sagen, haben wir eine falsche Liebe zu ihnen – jedenfalls kommt es mir so vor. Und was Dich und mich betrifft, sind wir so gering und so armselig und elend, dass es wirklich eine Schande ist, dass wir – mit allem, was uns Gott gegeben hat – noch nicht heilig sind.

Wie ist es nur möglich, mein Gott, so zu leben? Wie ist es möglich, so vielen Gnaden, so vielem Trost, so vielem Licht und so grosser Klarheit, wie Du uns schenkst, zu widerstehen? Sehr elende Wesen müssen wir sein, wenn Du uns, damit wir Dich ein wenig lieben, so unendlich viel geben musst. Wieviel Geduld bringst Du auf, Herr! Anderen hätte der hundertste Teil genügt von dem, was Du uns gibst, um sich Dir ganz zu schenken… Und doch: trotz unseres Widerstandes Deiner Gnade gegenüber gibst Du nicht nach und bestehst hartnäckig darauf, Dein Werk fortzusetzen und ein wenig Liebe von uns zu bekommen. Wie blind sind wir, wie schwerfällig! Wieviel Lehm und Schmutz haften an uns, die uns daran hindern, Dir entgegenzufliegen!

Aber es ist nie zu spät, mein Gott. Jetzt geben wir Dir voll und ganz das, wozu wir vorher so lange gebraucht haben, es Dir zu überlassen. Einverstanden, Tante Maria? Wie armselig sind wir, und wie sehr liebt uns Gott! Nie werden wir es ganz verstehen. Lass uns jetzt tun, was wir können, denn der Herr ist schon mit wenig zufrieden!

Bruder Rafael mit seiner Tante Maria

Heute habe ich den Herrn gefragt, ob ich Dir das alles schreiben soll. Es sieht aus, als habe Er mir zu verstehen gegeben, dass wir – wenn Er durch uns etwas in einer Seele wirken kann – grossmütig sein sollen und uns anbieten müssen und nicht das „Licht unter den Scheffel stellen“ dürfen. Ich versichere Dir, liebe Schwester, der Herr hat mir so viel Licht gegeben, dass ich nicht weiss, was ich anfangen soll. Wenn ich es nur irgendwie mitteilen könnte! Trotz allem bin ich so glücklich! Der Herr ist so gut zu mir! Tante Maria, ich habe Angst! Ich weiss nicht, was mit mir los ist!

Gut, ich will Dir nicht von mir reden. Wozu? Ich sage Dir aber, dass es mir gesundheitlich weiterhin gut geht. Jetzt passe ich besser auf mich auf. Mein Leib gehört nicht mir, sondern Gott, und wenn ich ihn in Seinen Dienst stellen will, muss er so gesund wie möglich sein, obwohl das nicht so wichtig ist. Ich zähle schon die Tage… Hier läuft alles ganz normal.

Ist Onkel Polin aus Toro zurück? Auch wenn es Dir schwerfällt, erzähl mir alles, was Euch betrifft, weil es auch mich angeht! Wie geht’s Pili? Oft denke ich an Euch alle und besonders an Dich. Nun gut, wie gross ist Gott, und was lässt Er nicht alles zu! Er wird wissen, warum.

Die Aufmerksamkeit mit dem Bildchen, das Du mir schicktest, ist eine Aufmerksamkeit Gottes. Wie gut bist Du! Ich habe nichts, was ich Dir senden könnte, es sei denn das Salve, das ich Dir versprach. Ich weiss nicht, ob Du es lesen kannst; das Bildchen ist nichts wert. P. Vicente, ein Trappist, gab es mir, als ich die Abtei verliess, damit ich die Gottesmutter nicht vergessen sollte. Jetzt, wo ich dorthin zurückkehre, ist es vielleicht Dir von Nutzen. Als ich so krank war, habe ich oft vor diesem Bild geweint und an die ‚Trapa‘ gedacht… Was will man machen? Das sind Schwächen… Gott lässt sie zu, und wer hat sie nicht?

In diesen Tagen schreibe ich Dir häufiger, und das tröstet mich sehr: auch eine Schwäche!

Gut, ich höre auf. Heute habe ich überhaupt keine Zeit. In einem der nächsten Briefe erzähle ich Dir von meinem Leben zu Hause und von dem, was ich tue, damit wir dann unsere Gebetszeiten aufeinander abstimmen können. Für heute verabschiede ich mich. Antworte mir, auch wenn es nur mit zwei Zeilen ist. Tust Du es?

Nimm an die riesengroße Liebe zu Dir von Deinem

Bruder Maria Rafael

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (12)

15/02/2011

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.


Im November 1935, zwei Monate vor seiner Rückkehr in die Trapa, beginnt eine regelmässige Korrespondenz zwischen Rafael, der sich seit eineinhalb Jahren zur Heilung der Diabetes in Oviedo im Haus seiner Eltern aufhält und seiner Tante Maria in Avila, mit der er ausgemacht hat, sich ‚Bruder‘ bzw. ‚Schwester‘ zu nennen.

An seine Tante Maria, Herzogin von Maqueda, von Oviedo aus

11. November 1935 – Montag – im Alter von 24 Jahren

Meine liebste Schwester! Wie viele Dinge vergaß ich vor ein paar Tagen trotz des langen Briefes! In Wirklichkeit sagte ich Dir gar nichts. Es stimmt, dass unsere Worte zu armselig sind, um manches auszudrücken, und dass wir unfähig zu allem sind. Nun ist es aber ebenso eine Tatsache, dass es unter uns auch nicht nötig ist, meinst Du nicht?

Heute oder morgen erwarte ich Deinen Brief, in dem Du mir viel „dummes Zeug und Einfältigkeiten“ schreibst … Wenn Du wüßtest, wie oft ich Deinen Brief gelesen habe! Du machst mir so viel Mut zum Fortsetzen meines Weges! Wie gut ist der Herr! Wie einfach sind Seine Wege! Es sieht aus, als warte Er darauf, daß wir in Schwierigkeiten geraten, um uns eine Hand hinzuhalten und uns Seine Hilfe anzubieten. Siehst Du das auch so?

Weißt Du was? Es scheint mir, daß Dich der Herr erhört hat; Deine Liebe ist nicht umsonst. Ich habe großen inneren Frieden, und mein Ungestüm hat sich etwas gelegt; zumindest habe ich es in eine Bahn gelenkt. Und Dir, wie geht’s Dir? Bestimmt liebst Du Maria jetzt mehr; ist es nicht so? Hat sie Dir nicht geholfen? Teil mir alles mit! Das hilft mir sehr.

Du sagst an einer Stelle Deines Briefes, wo Du von Maria sprichst, daß Du zu ihren Füßen gekniet hast und daß Du das Salve nicht vergißt. Beides ist sehr gut, aber es ist wenig. Ich muß mit Dir schimpfen. Verzeih mir, aber wir sind so verblieben, daß ich nicht Dein Neffe, sondern Dein Bruder bin! Und wenn ich mich darauf berufe, dann sage ich Dir, daß Dir die Briefe besser gelängen, wenn Du in ihnen mehr von der Jungfrau Maria redetest… Sieh, Schwesterchen, nimm dies nicht als Belehrung;  aber als ich anfing, Maria zu lieben, nahm ich mir vor, nichts und niemandem zu schreiben, ohne Maria wenigstens einmal zu erwähnen… Und ich habe mir angewöhnt, mich ihr immer anzuempfehlen, bevor ich zu schreiben beginne. Dann suche ich in meinen Gedanken auch stets nach einer günstigen Gelegenheit, um aus irgendeinem Grund von ihr zu sprechen, und schließlich – wenn ich fertig bin – danke ich ihr für alles, besonders dafür, mir erlaubt zu haben, so kühn zu sein, um… Gut, Du verstehst mich schon!

Die Gottesmutter liebt Dich sehr? Darüber mußt Du vor Jesus, ihrem göttlichen Sohn, Rede und Antwort stehen. Alles, was wir für sie und durch sie tun, ist wenig.

Ich erlaube mir, Dir diese Dinge zu sagen, weil ich versprach, Dir zu helfen. Sieh darin keine Überheblichkeit, sondern meine Liebe zu Dir und meinen Wunsch, daß Du sie sehr liebst, weil Dich dann Gott mehr liebt und Du Ihn! Der hl. Bernhard sagt, daß wir alles durch die Vermittlung Mariens erhalten, und das stimmt.

Wie sollten wir nicht heilig werden, mein Gott, wenn Du uns auf Erden durch so viele gottverbundene Seelen hilfst und vom Himmel aus mit Maria! Entsprechen wir hin und wieder dieser Tatsache? Ich glaube, ja. Jetzt versuchen wir es jedenfalls, meinst Du nicht? Du wirst schon sehen, wie gut das geht. Mit der heiligsten Jungfrau gehen wir, egal wohin. Vergiß das nicht, und bitte sie darum! Ich flehe sie auch für Dich an, und Du wirst sehen, wie sie mich erhört. Sie liebt mich sehr: meine Berufung gehört ihr, und ihr habe ich sie zu verdanken.

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (11)

27/01/2011

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.


Die folgenden Zeilen schrieb Bruder Rafael, nachdem er seine ‚Trapa‘, die Zisterzienserabtei, ungefähr anderthalb Jahre vorher wegen seiner Diabetes verlassen musste.

Kleines Album (oder Heft)

Seite 1: Ich bitte Gott und die heiligste Jungfrau, dass die Worte dieses Heftes dazu dienen mögen, meiner Seele in schweren Zeiten des Lebens Mut zu machen und sie dem Herrn näherzubringen.

Sie mögen mir einmal zum Trost dienen, dann wieder zur Meditation. Ich möchte in ihnen eine Hilfe finden, um besser zu werden, mich mehr und mehr von der Welt zu lösen und näher bei Gott zu sein.

Seite 11: Jesus, ich sehe andere leiden und leide selbst; ich sehe weinen und weine… Hilf, dass ich mein Blut lasse, und heile durch mich die Leiden derer, die um mich sind!

(Torrelodones, 27.8.1935)

Seite 6: Herr, wenn ich – um Dich zu lieben – das Kreuz brauche, dann schick es mir, denn ich sehe deutlich, dass ich Dich mehr liebe, je mehr Kreuz ich zu tragen habe! Du weisst ja, dass meine einzige Beschäftigung auf Erden die ist, Dich zu lieben, und je mehr ich Dich liebe, um so mehr Freude mach ich Dir. Heiligste Jungfrau, du lenktest meine Schritte in die ‚Trapa‘, damit ich lernte, Deinen Sohn zu lieben. Hilf mir in meinem Vorsatz, Ihn täglich inniger zu lieben! Wie wenig bescheiden bin ich! Welche Ansprüche erhebe ich!

Seite 8: Herr, schau auf Deinen Diener Rafael! … Du weisst, dass sein Leben und seine ganze Seele Dir gehören. Er hat sie Dir einmal übergeben, und Du, als Eigentümer und Herr, nahmst sie an. Du sahest, dass sie nicht vollkommen war, und wolltest sie läutern. Was ich Dir gab, war alles, was ich besass. Aber alles, was ich hatte, waren Sünden, Elend und Unvollkommenheiten, und das war Deiner nicht würdig.

Willst Du mich durch Opfer läutern? Opfere mich, Herr! Willst Du mein Leiden? Nimm es, Herr! Ich will Deinem göttlichen Handeln kein Hindernis in den Weg legen. Aber, Herr, vergiss mich nicht! Sieh, ich bin armselig und könnte es allein nicht aushalten. Gut, Herr, nimm keine Rücksicht auf mich und tu, was Du willst! Ich will mich nur darum bemühen, keine Hindernisse aufzubauen, und an mir geschehen lassen… Ausserdem ist das so einfach und so wohltuend!

Herr, mit jedem Tag, der vergeht, erkenne ich besser, was ich zu tun habe, um mich zu heiligen. Früher glaubte ich, dass ich – ich Armseliger! – derjenige war, der die Tugend übte und dass ich, wenn ich etwas Gutes tat, es aus mir selbst vollbrachte. Aber nein, Herr, das ist es nicht! Alles Gute kommt von Dir. Daher ist es das Beste, in meinem Leben Dich wirken zu lassen. Ich überlasse mich ganz Dir. Nicht einmal den Wunsch, gut zu sein, möchte ich haben, wenn es nicht auch Dein Wunsch ist. Ich will gar nichts. Ich will für die Welt ein Nichts sein. Ich möchte ganz Dein sein. Sogar meine Sünden gebe ich Dir, denn sie sind das Letzte, was mir bleibt und nur mir gehört.

Bist du zufrieden, Herr? – Ich bin’s.

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (10)

22/12/2010

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.


An seine Tante Maria, Herzogin von Maqueda, von Oviedo aus

23. Juli 1934 – Montag – im Alter von 23 Jahren

(…) Wenn Du wüsstest, wie beschämt ich war, dass ich über so lange Zeit die Jungfrau Maria nicht wirklich verehrt hatte! Das Kleine Offizium reicht nicht aus, auch nicht der Rosenkranz, noch eine halbe Million Novenen. Man muss sie sehr, sehr lieben; man muss ihr alles erzählen, ihr alles anvertrauen. Sie ist eine wahre Mutter.

Und ich bin der Meinung, dass wir – nehmt es wirklich als eine Äusserung von mir und daher als nicht so wichtig -, je mehr wir die Jungfrau lieben, ohne es selbst zu bemerken, Gott mehr lieben; mit anderen Worten: unsere Liebe zu Gott nimmt in dem Maß zu , wie unsere Hingabe an die heiligste Jungfrau wächst. Und das ist ganz normal: wie sollte man die Mutter lieben und nicht auch ihren Sohn? Unmöglich! Und was sollte Gott uns versagen, wenn wir Ihn auf die Fürsprache Mariens darum bitten? Nichts…

Sein erstes Wunder wirkte Jesus auf die Bitten Mariens hin, und ich stelle mir ihr Gesicht vor, wie sie Jesus anschaut und Ihm sagt: „Sie haben keinen Wein mehr“ [Joh 2,3]. Es ist eines der Wunder, das mich am stärksten berührt, weil Maria dabei vermittelt. (…)

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (9)

16/12/2010

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Apologie eines Trappisten (Manuskript). Oviedo

19. September 1934 – Mittwoch – im Alter von 23 Jahren

(…) wie schwer fällt es mir jetzt, wo ich in der Welt lebe und da ich Trappist bin, den Eindruck zu schildern, den ich habe. Er ist so anders und so vielfältig… Es gibt so viele Anlässe, die mir Stoff zur Meditation bieten. Jetzt befinde ich mich schon mehrere Monate ausserhalb meiner Abtei… Ich sehe, beobachte und schweige, aber in meiner Seele und in meinem Geist, der seit einiger Zeit sehr sensibel ist, gibt es neue Eindrücke ohne Ende. Häufig, ohne dass ich es will, vergleiche ich mein Leben als Zisterziensernovize mit dem Leben um mich herum. Es ist so anders in allem: in der Art und Weise zu handeln, zu denken, eine Meinung zu äussern. Die Interessen sind nicht dieselben. Es sieht aus, als sei Gott fern. Jedenfalls scheint es mir so, auch wenn es nicht zutrifft. Aber Gott entfernt sich nicht; es sind die Menschen, die dermaßen mit ihren armseligen Interessen beschäftigt sind, dass sie ihn allmählich vergessen. Gott ist für sie eine Angelegenheit zweiter Klasse, und das ist sehr schmerzlich!

Heute ging ich aus dem Haus, als es anfing dunkel zu werden. Ich durchlief die großen Straßen der Stadt, und etwas betäubt vom Wirrwarr des Menschengewühls, der Autos und der Lichter, lenkte ich meine Schritte zu dem Ort, nach dem sich mein Geist sehnte…: zum Haus Gottes. Es war wie ausgestorben. Eine fromme Frau murmelte Gebete vor einem schlecht erleuchteten Altar, eine weitere Gruppe von Frauen tuschelte heimlich neben einem Beichtstuhl, und der Herr, Gott der Schöpfung, Richter der Lebenden und der Toten, weilte im Tabernakel, von den Menschen vergessen…

Das beschämte mich, denn ich bin Mensch und daher Sünder, und obwohl ich die Beleidigungen des alleingelassenen Tabernakels wiedergutmachen möchte, sehe ich mich nicht in der Lage, es zu tun. Es ist schon reichlich viel, dass Gott mich vor sich treten läßt. Was kann ich tun, ich Unglücklicher, wenn ich der Erste bin, der seine Sohnespflichten einem solch guten Vater gegenüber nicht erfüllt? Mein Gebet ist so schwach und kraftlos, dass ich nicht weiß, ob es bei Gott ankommt. Und doch höre ich nicht auf, mich an Ihn zu wenden.

Im Frieden und in der Stille des Gotteshauses überließ sich meine Seele Gott. In meinem Geist sah ich alles Elend und alles Leid der Menschen vorüberziehen, ihren Haß und ihre Kämpfe. Ich dachte, dass die Menschen glücklicher wären, wenn sie diesen Gott, der sich unter der Gestalt von ein wenig Brot verbirgt, nicht so allein ließen, aber sie wollen nicht…

Da überkam mich Traurigkeit. Warum sollte ich es nicht bekennen? Vielleicht waren meine Sinne beeinflußt von dem grauen Nachmittag in dieser feuchten Stadt. Vielleicht war es meine Seele, die meine eigenen Sünden und die meiner Mitmenschen sah; ich weiß es nicht. Aber meine Traurigkeit wurde größer in jener Einsamkeit des Gotteshauses. Ich erinnerte mich an den Palmengesang in der ‚Trapa‘, sah meine Brüder, die Mönche, vor Gott singen und mich getrennt von ihnen und einsam. Ich sah mich ohne Kraft und schwach in meiner Liebe zu Gott. Ich möchte gern heilig sein und kann es nicht. (…)


„Ihr, die ich so oft um eure Hilfe für die armen Kinder und allen Verlassenen ersucht habe, erlaubt mir heute, euch um eure Aufmerksamkeit und Mithilfe zu Gunsten des Verlassensten aller Armen zu bitten: dem Allerheiligsten Sakrament. Ich bitte euch um eine Liebesspende für Jesus in seinem Heiligsten Sakrament …, um der Liebe der Unbefleckten Jungfrau und dieses verlassenen Herzens willen, bitte ich euch, zu Marien dieser verlassenen Tabernakel zu werden.“

(Sel. Manuel Gonzalez Garcia (1877-1940), Gründer der Eucharistischen Missionsschwestern von Nazareth)

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (8)

08/11/2010

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Hl. Rafael Arnaiz Baron

 

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An Rosa Calvo von Oviedo aus (Teil 2)

Ich schicke Dir zwei Fotos aus der Zeit vor meinem Klostereintritt… Ich schicke sie Dir, nicht weil Dich meine armselige Person interessieren könnte, sondern damit Du sie zwischen Deine Papiere steckst und – wenn Du wieder auf sie stößt – dem Herrn sagst: „Herr, dieser hier – in dieser ‚Aufmachung‘ und mit diesem Schnurrbart – ließ alles zurück, um Dir zum Kalvarienberg hinauf zu folgen. Ich bitte Dich nicht darum, daß Du ihn erhörst, da er es nicht verdient, aber Herr, schau ihn hin und wieder mit Erbarmen an!“ Wenn Du dem Herrn das ab und zu sagst, bin ich vollauf zufrieden, Tante Rosa.

Ich sage Dir nicht, daß Du mir schreiben sollst, weil ich weiß, daß Du sehr schlecht siehst. Fühl Dich mir gegenüber zu nichts verpflichtet! Und wenn ich Dir schreibe, ist es, weil es mich von innen heraus dazu drängt und weiter nichts.

Sag Oma und Tante Maria, daß ich ihnen bald schreibe, um ihnen wieder Nachricht über Merceditas zu geben. Das arme Mädchen! Auch sie liebt der Herr sehr. Aber gut, wen liebt Gott nicht? Es ist nicht zu fassen, daß wir es nicht merken, uns mit so vielen Dingen beschäftigen und abmühen und einen so guten Gott hingegen vergessen!

Ich versichere Dir, daß nach einer Zeit in der ‚Trapa‘, wo sich alles um Jesus und die Jungfrau Maria dreht, wo man in Gemeinschaft lebt mit Menschen, die die Welt und ihre Trübsal vergessen haben, und deren einziges Streben darin besteht, heilig zu werden, und nachdem man sich ihrem Lebensstil angepaßt hat, mit ihnen auf dem rauhen Pfad des hl. Benedikt kämpft – gut, das mit dem ‚rauh‘ sagt man so; mir kommt es nicht so schlimm vor -, nun also, was ich Dir sagen wollte: nachdem man erkannt hat, daß alles, wirklich alles darauf ausgerichtet ist, Gott die größere Ehre zu geben und man dann sieht, daß der Welt die Absichten des Herrn fremd sind… Es schmerzt, Tante Rosa, wenn man bemerkt, wie blind die Menschen sind.

Aber was können wir tun? Ich bin nicht der Ansicht, daß die Menschen schlecht sind. Ich habe alle gern, und es tut mir weh, wenn ich sehe, wie die Menschheit leidet, wo sie doch das Mittel zur Behebung allen Übels in so unmittelbarer Nähe hat. Es würde genügen, ein wenig nach oben zu schauen. Wie viele Tränen würden im Blick auf Jesus getrocknet! Wieviel Trost im Leid erfahren! Aber wohin man auch schaut: es gibt Haß unter den Menschen. Alle oder fast alle sind beschäftigt mit niederträchtigem und elendem Streben nach Gewinn, ohne die Augen zu Gott zu erheben, so als existiere Er für sie nicht und als würde Er sie nicht eines Tages richten. Das ist sehr traurig! Muß man Trappist sein, um das zu begreifen? Nein, man muß es nicht, um über all diese Menschen zu weinen. Der Trappist sieht es vielleicht deutlicher, so wie ich es jetzt sehe. Aber es genügt, nur einen Schimmer des göttlichen Lichtes zu erblicken, um es zu erkennen und die große Finsternis zu sehen, die in der Welt herrscht. Du siehst das auch, nicht wahr, Tante Rosa? Aber gut, ich weiß nicht, warum ich Dir das alles sage; vielleicht, weil es tief in mir sitzt. Und wenn es stimmt, daß wir Gott lieben, muß es uns schmerzen, wenn wir so viele Menschen sehen, die ihn nicht einmal kennen.

Das ist das Apostolat des Trappisten: für die bitten, die nicht beten, und Gott lieben, weil sie Ihn nicht lieben. Und wenn Dir jemand sagt, die Ordensleute seien Egoisten und würden nur an ihre eigene Rettung denken, dann sag ihnen, daß Du einen Trappisten kennst, der für sich selbst um nichts bittet, und daß er sein Leben Gott geweiht hat, um so viele Beleidigungen, die Gott zugefügt werden, wiedergutzumachen.

Gut, Tante Rosa, ich will nicht lästig werden. Möge Gott mich bald in meine ‚Trapa‘ zurückführen, damit ich von neuem meine Hacke ergreifen und dort im Schweigen, und ohne daß die Welt es bemerkt, wieder für alle bitten kann, auch für die Lotterieverkäuferin von Toro, für jene arme Frau, die Du kennst, mit ihrem weißen Haar, mit ihren so schlechten Augen, mit ziemlich vielen Jahren auf dem Rücken und – so glaube ich – mit reichlich viel Liebe zu Gott.

Nimm also alle Liebe entgegen von Deinem Bruder

Rafael

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (5)

19/10/2010

Hl. Rafael Arnaiz BaronAm 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.


[Den nachfolgenden Brief schrieb er wieder von zu Hause aus, nachdem er die Abtei aufgrund seiner plötzlichen Erkrankung verlassen musste.]

An P. Marcelo Leon, Novizenmeister, von Oviedo aus (Teil 1)

11. Juni 1934 – Montag – im Alter von 23 Jahren

Ehrwürdiger Pater Marcelo Leon.

Lieber Pater Magister! Entschuldigen Sie bitte, daß es so lange gedauert hat, bis ich Ihnen jetzt endlich schreibe, um Ihnen Nachricht über meinen Gesundheitszustand zu geben; aber einem Kranken kann man diesen kleinen Fehler verzeihen.

Es geht mir weiterhin besser, wenn auch sehr langsam, aber nach und nach komme ich wieder zu Kräften. In den letzten Tagen konnte ich den Herrn empfangen. Ich kann natürlich nicht zu Fuß gehen – trotz der kurzen Entfernung zwischen der Kirche und meinem Elternhaus. Heute Nachmittag werde ich erstmals wieder eine Spazierfahrt mit dem Auto machen.

Ich muß weiterhin einen strengen Diätplan einhalten; die Mengen werden peinlich genau abgewogen, um die Menge an Kohlenhydraten zu kennen, die mein Organismus zuläßt, und um sie mit der an Insulin abzustimmen, die man mir verabreicht. Täglich wird mein Urin zweimal untersucht. Ich bekomme drei Insulinspritzen – auch diese täglich. Ich versichere Ihnen, Pater, daß ich mehr Hunger habe als in der Fastenzeit.

Der Arzt sagt, daß ich den ganzen Sommer so verbringen muß, daß ich aber wieder gesund werde… Das wünsche ich mir auch, um in meine Abtei zurückkehren zu können, auch wenn eine Zeit vergehen wird, bis ich den Speiseplan der ‚Trapa‘ wieder einhalten kann. Bis dahin liegt alles in Gottes Hand. Er ist es, der die Lösung bringen kann, und ich bin in Seinen Händen.

Mein seelischer Zustand ist wechselhaft. Das Ganze kam so plötzlich und so schnell, daß ich tagelang wie benommen war, nicht wußte, was in mir vorging, und wie betäubt lebte. Die Veränderung in meinem Leben ist so radikal, daß es nicht anders sein könnte. Ich glaubte, Gott nähme mich zu sich in den Himmel, aber es sieht so aus, als sei der Augenblick meiner Befreiung noch nicht gekommen und als wolle Er mich noch eine Weile länger hier auf Erden haben. Sein Wille geschehe und nicht der meine!

Als ich in die ‚Trapa‘ eintrat, übergab ich ihm alles, was ich war, und alles, was ich besaß: meine Seele und meinen Leib… Meine Hingabe war absolut und vollständig. Daher ist es ganz recht, daß Gott jetzt mit mir tut, was Er meint und was Ihm gefällt, ohne daß von meiner Seite auch nur eine Klage oder irgendeine Art von Auflehnung dagegen käme.

Gott ist unumschränkt mein Herr, und ich bin Sein Diener, der gehorcht und schweigt. Manchmal frage ich mich: Was will Gott von mir? Aber David sagt: Was ist der Mensch, um Gottes Absichten zu erkennnen? [vgl. Ps 8] Daher ist es das Beste, man schließt die Augen und läßt sich von Ihm leiten, denn Er weiß, was gut für uns ist.

Ich war allzu glücklich in der ‚Trapa‘. Die Prüfung, die Er von mir verlangt, ist hart, aber mit Seiner Hilfe wird es weitergehen. Hier oder dort oder sonstwo werde ich voranschreiten ohne umzukehren. Ich habe die Hand an den Pflug gelegt und kann nicht zurückschauen [vgl. Lk 9,62].

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (3)

27/09/2010

Hl. Rafael Arnaiz BaronAm 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

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An seine Eltern von San Isidro de Duenas aus (Teil 1)

1. April 1934 – Ostersonntag – im Alter von 22 Jahren

Liebste Eltern! Ich kann mir denken, daß Ihr ungeduldig auf meinen Brief wartet, den ich Euch zu Beginn der Fastenzeit versprach. Alles kommt und alles geht vorüber.

Heute, am Ostersonntag, hat mich Pater Magister gerufen, mir Papier gegeben und gesagt, ich solle Euch schreiben. Ich brauche Euch nicht zu sagen, mit welcher Freude ich in diesem Fall gehorche. Und ohne weitere Vorrede als ein Ave Maria – damit Gott meine Worte lenke – erzähle ich Euch, was ich in den letzten 40 Tagen getan habe.

Das ist schnell gesagt, denn da es darum geht, Jesus in der Wüste nachzufolgen, habe ich in diesen 40 Tagen gefastet, gebetet und Buße getan und sonst nichts – damit hatte ich auch genug zu tun. Und glaubt nur ja nicht, daß zu dieser Zeit des liturgischen Jahres viele lange und traurige Gesichter zu sehen sind aufgrund des Fastens, nichts davon! Man hat zwar Hunger, aber den erträgt man mit Freude, weil man ihn für Gott aushält. Und ich kann Euch versichern, daß ich nie fröhlicher vom Tisch aufgestanden bin als an einigen Freitagen, nachdem ich nichts als Brot und Wasser zu mir genommen hatte.

Es stimmt, daß die Fastenzeit in einer ‚Trapa‘ sehr hart ist, aber sie ist auszuhalten, und für den, der es nicht glaubt: hier bin ich und lebe noch, um Gott mit jedem Tag mehr und mehr zu loben. Die Finsternis ist verschwunden, die Trauer hat sich in Jubel und Freude gewandelt, der König des Himmels wird von allen Engeln gepriesen, und ein stürmisches ‚Halleluja‘ erklingt bis ans Ende der Erde, hinausgerufen von der katholischen Kirche. Ich bin stolz darauf, ein Sohn der Kirche zu sein und auch mein Gotteslob von hier, aus dem Chor einer ‚Trapa‘, erschallen zu lassen.

Alles findet seine Vergeltung im Himmel und manchmal auch auf der Erde. Pater Abt hat uns, die Gemeinschaft, heute mit einer ‚Zulage‘ beim Mittagessen dafür belohnt, daß der Gesang in diesen Tagen so gut war: es gab zwei Spiegeleier und eine Tasse Kaffee. Ihr seht, auch in der ‚Trapa‘ gibt es manchmal etwas Besonderes … Die zwei Spiegeleier haben mir köstlich geschmeckt. (…)

Dieser Tage mußte ich von einer erhöhten Stelle der Kirche aus einige Lesungen der Matutin vorsingen, und ich sage Euch: noch nie habe ich mich in einer solchen Bedrängnis gefühlt. Meine Stimme war zittrig, und ich fing mit Tönen an, die entweder zu hoch oder zu tief waren. Als ich die Stufen hinaufstieg, stolperte ich auch noch über den Mantel … Kurz und gut, es war eine richtige Katastrophe, aber daran kann man nichts ändern. Als ich mich um drei Uhr früh auf einer Kanzel sah und von oben alle Glatzen und kahlgeschorenen Köpfe der Mönche beherrschte, tanzten mir die Buchstaben des Lektionats vor den Augen; plötzlich vergaß ich die Aussprache des Lateins und kam überhaupt nicht mehr zurecht.

Ich war auch ‚Kirchendiener‘, d. h. ‚Kerzenlöscher‘. Das ist ein Dienst, der mir zusagt. Außerdem – glaubt mir! – ist er von Bedeutung, denn hier in der ‚Trapa‘ ist jede Zeremonie sehr wichtig, und um ein Licht anzuzünden oder auszumachen, muß man alle Vorschriften beachten, die die Regeln des Ordens vorschreiben. Sogar die Schritte, die Minuten und die Verbeugungen sind gezählt.

In der Kirche verhalten wir uns immer sehr feierlich. Da wird aus gar keinem Grund gesprochen, da werden keine Zeichen gegeben; man geht langsam, ohne Lärm; es werden tiefe Verbeugungen gemacht vor dem Herrn im Tabernakel. In einem Wort: man tut das, was der göttliche Kult sein soll und erfordert. Mich begeistert das, denn Ihr wißt gut, daß ich nie ein Freund von Vertraulichkeiten war und am wenigsten noch in der Kirche. Man kann sagen, daß sich die Trappisten einzig und allein für Gott heranbilden. Sie schulen zuerst ihre Seele, aber anschließend auch ihren Leib und ihr Verhalten. Und es ist nicht so, daß ich meinen Orden über irgend jemand anderen loben möchte, aber man kann sagen, daß – was die Feier des Kultes angeht – der Trappist der Vornehmste ist. Wie gern hätte ich es gesehen, wenn Ihr die Feierlichkeiten der Karwoche hättet miterleben können! Die unbedeutendsten Kleinigkeiten sind mathematisch genau geregelt, und das ist die einzige Form, kein Durcheinander zu stiften.

Kurz und gut, dieses Leben ist so anders als das, was ich bisher gefühlt habe, daß Ihr es Euch nicht vorstellen könnt, auch wenn ich Euch noch so viel erzählte … Alle Einzelheiten meines Lebens stehen im Buch des ‚Usus‘, das Ihr zu Hause habt. Bis hierher das, was sich auf das Äußere bezieht … In bezug auf meine Seele, was soll ich Euch da sagen? Gott liebt mich so sehr! Ich habe einen so tiefen Frieden in der Seele, daß ich unfähig bin, ihn zu beschreiben. Mit jedem Tag preise ich Gott mehr, weil Er mich unter so vielen auserwählt hat, ohne daß ich es verdient hätte.

Welch ganz andere Vorstellung haben die Menschen von einer ‚Trapa‘! Wie viele mag es geben, die mich bedauern und sogar über meine Lebensweise erschrecken, ohne überhaupt zu ahnen, daß im Verzicht auf sich selbst und in der Hingabe an Gott das einzige enthalten ist, was das Leben lebenswert macht, und das ist der Friede in Gott! (…)

Die größte Freude bereitet der Gedanke, daß dieser Friede ewig sein wird; denn wenn ich sterbe, wird er nur noch größer, und das in einem Ausmaß, das ich nicht erahnen kann. Die Liebe der Geschöpfe endet mit dem Tod. Der Wunsch nach menschlicher Anerkennung hört mit dem Tod auf, und die weltlichen Geschäfte lösen sich mit dem Tod in Nichts auf. Nur die Gottesliebe wird größer mit dem Tod. Das heißt: was ich habe, das habe ich für immer; das sagt mir der Glaube. Hingegen ist das, was ich in der Welt zurückgelassen habe, nur Leihgabe für einige Jahre – und danach nichts!

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