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Pakistan: „Mit Gottes Gnade halten wir durch“

12/03/2011

Eine Meldung von Kirche in Not:

Nach der Ermordung des pakistanischen Ministers für Minderheiten, Shabaz Bhatti, sehen die Christen in Pakistan ihre Zukunft düster. Der Erzbischof von Lahore, Lawrence Saldanha, sagte gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“, mit Bhatti seien die Christen eines „großen Führers“ beraubt worden. Die Stimmung unter den Gläubigen beschrieb er als „eingeschüchtert, unterdrückt und depressiv“. Ein neuer „starker Mann“ sei für die Christen nicht in Sicht. Der Anschlag auf Bhatti habe gezeigt, wie sehr religiöse Parteien die Oberhand über eine „sehr schwache“ Regierung gewonnen hätten, betonte Saldanha.

Erzbischof Lawrence Saldanha

Die 2,5 Millionen Christen Pakistans seien nun verstärkt der Gewalt und Einschüchterung durch Muslime ausgesetzt, deren Denkweise sich zunehmend im extremistischen Islam verankert sehe. „Die Christen Pakistans fühlen sich wie Bürger zweiter Klasse. Wir dürfen uns nicht einmal zu Wort melden!“ kritisierte Saldanha. Mit Minderheitenminister Bhatti und dem Gouverneur von Punjab, Salman Taseer, seien nun in kurzer Zeit zwei der wortgewaltigsten Gegner der pakistanischen Anti-Blasphemiegesetze von Fanatikern ermordet worden, beklagte der Erzbischof.

Das Anti-Blasphemiegesetz sieht die Todesstrafe oder lebenslange Haft für die Schmähung des islamischen Propheten Mohammed sowie des Korans vor. Es wird nach Aussage Saldanhas oft gegen Christen instrumentalisiert und von Denunzianten missbraucht, um ihnen missliebige Personen aus dem Weg zu räumen.

Die Sicherheitsvorkehrungen für christliche Gebäude in Pakistan sind deutlich verstärkt worden. Nach den Worten von Erzbischof Saldanha gleiche seine Kathedrale in Lahore inzwischen „Fort Knox“. „Die Polizei hat Kameras, Betonbarrieren, Sandsäcke und Mauern um das Gotteshaus errichtet“, berichtet er.

Saldanha betonte: „Unsere Gläubigen sind widerstandsfähig und entschlossen. Seit Jahrhunderten werden sie unterdrückt und leiden. Aber mit Gottes Gnade halten wir durch!“ Dringend gebraucht würden mutige Menschen, die den Opfern der Gewalt helfen, und dafür sorgen, dass die Christen in Pakistan frei von Angst und ohne die Bedrohung weiterer Angriffe leben könnten.

Um solche Menschen heranzuziehen, unterstützt „Kirche in Not“ Erzbischof Saldanha seit Jahren bei der Ausbildung von Priestern, Ordensleuten und Laien. Das Hilfswerk ruft seine Unterstützer zum Gebet für die Christen in Pakistan auf und bittet um Spenden für die Mut machende Ausbildungs- und Versöhnungsarbeit der Kirche im Land.

Online spenden:
https://www.kirche-in-not.de/spenden-online.html

Spendenkonto:
KIRCHE IN NOT
Kennwort: „Pakistan“
Kto.-Nr.: 215 2002
BLZ: 750 903 00
LIGA Bank München

Blasphemie-Gesetz: Mörder wird als Held gefeiert

11/01/2011

Nachdem letzte Woche Salman Taseer, der pakistanische Gouverneur des Punjab, der sich gegen das Blasphemie-Gesetz und für die Begnadigung der Christin Asia Bibi eingesetzt hatte, von seinem eigenen Leibwächter (!) getötet worden ist, berichtet asianews, dass derzeit in Pakistan Beifallskundgebungen für den Mörder (und Verräter) stattfinden.

Salman Taseer

Während am Sonntag die pakistanischen Christen des Ermordeten in der Messe gedachten und für ihn beteten, demonstrierten rund 50.000  aufgebrachte und teilweise mit Stöcken bewaffnete Menschen in Karachi gegen eine Änderung des Blasphemie-Gesetzes. Die während der Kundgebung auftretenden Redner hetzten die Menge weiter auf, indem sie sagten, der Gouverneur sei selbst für seinen Mord verantwortlich und das Blasphemie-Gesetz sei göttlich und niemand dürfe es ändern. Gleichzeitig riefen sie zu weiteren Kundgebungen auf.

Papst Benedikt XVI hat gestern in seiner Neujahrsansprache zu dem beim beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Corps das Blasphemie-Gesetz besonders erwähnt und die pakistanischen, Verantwortungsträger erneut aufgefordert, „die nötigen Anstrengungen zu unternehmen, es aufzuheben, um so mehr, da es offensichtlich als Vorwand dient, um Ungerechtigkeit und Gewalt gegen die religiösen Minderheiten zu provozieren“.

Für die inhaftierte Christin Asia Bibi gibt es bisher keinen weiteren Hoffnungsschimmer. Da ein Selbstmordattentat auf das Gefängnis befürchtet wird, wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, was aber – wie im Fall Taseer erneut bewiesen – keinerlei Garantie für ihr Überleben bedeutet.