Posts Tagged ‘Schöpfung’

Jesus spricht zu den Aposteln über die verschiedenen Arten der Liebe (2)

23/01/2012

(zurück zu Teil 1)

„… Die Liebe des Menschen, besonders der Frau zum Kind, hat den Ursprung im Befehl Gottes, der zu Adam und Eva sagte, nachdem er sie gesegnet und festgestellt hatte, dass er ‚Gutes getan‘ hatte an seinem fernen sechsten Tage, dem ersten sechsten Tage der Schöpfung: ‚Wachst und mehrt euch und erfüllt die Erde…‘

Ich kenne deine unausgeprochene Entgegnung und antworte dir sofort wie folgt: Da in der Schöpfung vor dem Sündenfall alles durch Liebe geregelt und auf die Liebe gegründet war, wäre diese Vermehrung der Kinder eine heilige, mächtige und vollkommene Liebe gewesen. Und Gott hat sie dem Menschen als erstes Gebot gegeben: ‚Wachst, mehrt euch.‘ Liebt also nach mir eure Söhne! Die Liebe, wie sie heute ist, die jetzige Art, Kinder zu zeugen, gab es damals noch nicht. Der Mann liebte die Frau, und die Frau liebte den Mann auf natürliche Weise, nicht gemäß der Natur, wie ihr Menschen sie versteht, sondern gemäß der Natur der Kinder Gottes, also übernatürlicherweise.

Selige erste Tage der Liebe zwischen den beiden, die Geschwister waren, da sie denselben Vater hatten, und die doch auch Gatten waren und sich in der Liebe wie mit unschuldigen Augen von Zwillingen in der Wiege ansahen. Der Mann empfand väterliche Liebe für die Gefährtin: ‚Bein von seinem Bein und Fleisch von seinem Fleisch‘, so wie es der Sohn von seinem Vater ist; und die Frau kannte die Freude, Tochter zu sein, also beschützt von einer gar hohen Liebe; denn sie spürte, dass sie etwas in sich hatte vom herrlichen Mann, den sie mit Unschuld und engelhafter Leidenschaft in den schönen Gärten Edens liebte!

In der Ordnung der von Gott seinen geliebten Kleinen mit einem Lächeln gegebenen Gebote fügt sich das Gebot hinzu, das Adam, der durch die Gnade mit einer Intelligenz begabt wurde, die nur von der Intelligenz Gottes übertroffen wurde, selbst bestätigte in Bezug auf seine Gefährtin und in ihr für alle Frauen: den Ratschluss Gottes, der sich deutlich im klaren Spiegel des Geistes Adams widerspiegelte und im Gedanken und Wort aufblühte: ‚Der Mann verläßt seinen Vater und seine Mutter und vereinigt sich mit seiner Gattin, und die beiden werden nur ein Fleisch sein.‘

Wenn nicht die drei Säulen der genannten Arten der Liebe wären, gäbe es eine Nächstenliebe? Nein! Es könnte keine geben. Die Liebe zu Gott macht Gott zum Freund und lehrt die Liebe. Wer Gott nicht liebt, der gut ist, kann seinen Nächsten nicht lieben, der meist fehlerhaft ist. Wenn es keine Gatten- und Elternliebe auf der Welt gäbe, dann gäbe es keinen Nächsten, denn der Nächste ist das Kind, das von den Menschen geboren wird. Bist du nun überzeugt?“

„Ja, Meister. Ich hatte nicht darüber nachgedacht.“

„Es ist nicht einfach, zu den Quellen vorzudringen. Der Mensch ist seit Jahrtausenden im Schlamm eingesunken, und diese Quellen entspringen nur in den Höhen! Die erste Quelle entspringt auf einem Abgrund von Höhe: Gott! Ich aber will euch an der Hand nehmen und zu den Quellen geleiten. Ich weiß, wo sie sind…“

„Und die anderen Liebesarten?“ fragen Simon der Zelote und der Mann aus Endor gleichzeitig.

„Die erste der zweiten Reihe ist die Nächstenliebe. In Wirklichkeit handelt es sich um die Liebe vierten Grades. Dann kommt die Liebe zur Wissenschaft, und darauf die Liebe zur Arbeit.“

„Sind das alle?“

„Das sind alle.“

„Aber es gibt noch viele andere Arten der Liebe“, ruft Iskariot aus.

„Nein, es gibt andere Gelüste. Das sind keine Liebesarten. Sie sind gegen die Liebe. Sie leugnen Gott, sie leugnen den Menschen. Es kann sich also nicht um Liebe handeln, denn sie sind ihr Gegenteil, also Hass.“ (…)

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Schwere Kost in Überlänge – The Tree of Life

09/06/2011

Der Regisseur Terrence Malick ist dafür bekannt, dass er nur selten einen Film dreht. Die wenigen Filme werden dafür länger und länger. Doch die Rechnung geht nicht auf. Konnte man beim Antikriegsfilm „Der schmale Grat“ noch klaren Handlungssträngen folgen, verzichtet Malick in seinem Spätwerk „The Tree of Life“ fast völlig auf (chrono)logische Nachvollziehbarkeit. Das Geäst dieses Films rankt wild durch das Gemüt des Zuschauers und lässt ihn verstört zurück. Was haben Dinosaurier mit einer Familie der 50er-Jahre zu tun? Nun, sie lebten am selben Fluss.  

Der Film möchte eine religiöse Dimension öffnen, doch er traut sich nicht, die Religion beim Namen zu nennen. Immer wieder wird nach Gott gefragt: Wer bist du? Was sind wir für dich? Warum lässt du zu, dass wir leiden? Der Film zelebriert religiöses Analphabetentum. Er will sich einerseits christlich zeigen und doch nicht die Universalität religiöser Indifferenz aufgeben. Und wieder geht die Rechnung nicht auf. Denn dass all die Antworten, nach denen er fragt, im christlichen Glauben, insbesondere im katholischen, gegeben sind, ignoriert er einfach. Haben wir nicht das Antlitz Gottes geschaut? Hat Gott nicht unter uns gewohnt und für uns gelitten bis zum Tod? Man wünscht den verlorenen Figuren in Malicks Film die Kenntnis von Jesus und seiner Mutter Maria. Man wünscht, dass sie insbesondere dem kleinen Hauptdarsteller zur Seite stehen mögen. Aber er bleibt allein in seiner Verzweiflung und betet vor seinem Bett kniend zu jenem ihm trotz seiner christlichen Erziehung so unbekannten Gott. 

Die Reflexionen der verschiedenen Filmfiguren über Gott werden meist hinterlegt durch Bilder, die geradezu höllisch anmuten. Bilder von astralen Nebeln, Sonneneruptionen, Schwefelquellen, Lavaströmen. Dazu sakrale Musik, die zwar Gänsehaut verursacht, aber begleitet wird vom Gefühl der Trostlosigkeit angesichts dieses unpersönlichen Gottes der Naturgewalten, der eher an den Gott des Islam erinnert. Hoch oben, fern unseres Verständnisses und vor allem fern allen Verständnisses für uns. 

In der Mitte des Films, nach einer Exkursion zu Urknall, Amöben und Dinosauriern, gibt es so etwas wie eine Handlung. Diese Kindheitsgeschichte hat in der Tat etwas Anrührendes. Man fühlt mit dem ältesten Sohn der Familie mit, wie er unter dem autoritären Vater leidet, den Konflikt der Eltern als inneren Zwiespalt mit sich selbst auszutragen versucht (Vater. Mutter. Ewig ringt ihr in mir. Und nie hört ihr auf.), oder ihm in der Rivalität mit dem jüngeren Bruder freien Lauf lässt und sich an dessen späteren Tod wohl mitschuldig fühlt. Jener Bruder ist die einzige Filmfigur, die wirkt, als habe sie ein intuitives Gottvertrauen inne, das im selbstvergessenen Gitarrenspiel, in der Malerei zum Ausdruck kommt. Im Gegenzug will es trotz aller Bemühungen nicht gelingen, die Mutter als tief gläubig darzustellen. Sie bleibt in ihrer Schönheit oberflächlich wie ein Model. Selbst Brad Pitt als desillusionierter Familienvater zeigt da mehr Profil.

Kaum hat man sich an die introspektive Erzählweise gewöhnt, taucht auf der Leinwand wieder jener Nebel auf, und uns entfährt ein Stoßgebet: bitte, nicht die Dinosaurier! Nein, sie bleiben uns diesmal erspart. Stattdessen gibt es Bilder von Planeten, von Felsen, von Hochhausfassaden, bevor alle Darsteller in einem bunten Reigen an einem Strand umherspazieren. So stellt man sich den Himmel nicht vor. 

Und dann, wenn man sich bange fragt, was der Regisseur einem noch zumuten will, entlässt uns der Film in den Abend. Ein preisgekröntes Werk. Gott sei Dank, es ist überstanden.

The Tree of Life. Ab 16. Juni in deutschen Kinos

Vision der hl. Hildegard von Bingen

16/03/2011

(… aus dem 12. Jahrhundert wohlgemerkt!)

„Und ich hörte, wie sich die vier Elemente mit einem wilden Geschrei bei Gott beklagten: ‚Wir können nicht mehr laufen und unsere Arbeit nach unserem Auftrag erfüllen, denn die Menschen kehren uns mit ihren schlechten Taten wie in einer Mühle von unten nach oben. Wir stinken schon wie die Pest und vergehen vor Hunger nach Gerechtigkeit. Der Mensch ist ein Rebell. Er liegt quer zur Schöpfung. Er zerreißt die Schöpfung in ihre Einzelteile und vergisst seinen Schöpfer und hat keine Freude mehr an der Schöpfung.‘ Gott aber antwortet ihnen:

‚Mit meinem Besen will ich euch reinigen und die Menschen so lange heimsuchen, bis sie sich wieder zu mir wenden. Mit den Qualen derer, die euch verunreinigt haben, will ich euch reinigen, sooft ihr besudelt werdet. Doch nun stinken alle Winde wie Moder, und die Luft ist verschmutzt, sodass die Menschen nicht einmal mehr wagen, den Mund aufzumachen. Seht ihr mich denn nicht mehr bei Tag und bei Nacht? Seht ihr mich denn nicht, wenn ihr sät und die Saat aufgeht? Jedes andere Geschöpf erkennt seinen Schöpfer, nur der Mensch ist ein Rebell!'“

Hildegard v. Bingen: Der Kosmosmensch

„Ihr folgt den Stimmen der Unordnung“

„Ihr folgt den Stimmen der Unordnung“

27/02/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 27. Februar 2011: Matthäus 6,24-34)

Jesus sagt:

„(…) [Der Schöpfer Gott] hat nicht allein die Gräser der Wiesen erschaffen. Nicht allein die Kornerträge der Felder. Nicht allein die Weinstöcke und die Ölbäume, nicht allein die Obstbäume und -sträucher. Er hat vielmehr dieses und jenes geschaffen und dazu die freudespendenden Gewächse, die Blumen, die nützlichen Gewächse, die euch Holz für die Häuser spenden, die Heilpflanzen, die euch die notwendigen Säfte zur Heilung von Krankheiten spenden.

Er hat nicht allein die friedlichen Wiederkäuer geschaffen, sondern auch die geschwinden Pferde. Nicht allein die Vögel, sondern auch die Fische. Nicht allein die leicht zähmbaren Tiere, sondern auch die, welche in ihrem Wildleben für die Reinigung der Felder und Wälder nützlich sind. Auch die Schlange, die verfluchte, mit viel Gift ausgestattete Schlange, ist ja wegen des Giftes, das manche peinvollen Krankheiten heilt, nützlich.

Und alle diese Arten gehorchen aus dem Grunde, aus dem sie erschaffen wurden, dem Befehl, der ihnen erteilt worden war. Angefangen von der Sonne bis zum kleinen Mückchen gibt es keines, das da sagt: „Ich will das tun, was mir beliebt“. Nein, mit ihren Stimmen der Wärme, wenn sie Sterne sind, ihren Säften, wenn sie Pflanzen sind, ihren Lauten, wenn sie Tiere sind, und mit ihrem ruckartigen Schnellen, wenn sie lautlose Tiere wie die Fische sind, sagen sie: „Ja, unser Schöpfer, hier sind wir. Für diesen Zweck hast Du uns erschaffen, und so tun wir dieses zu Deiner Ehre“.

Bedenkt doch, ihr Menschen, was geschähe, wenn die Erde als ungeheurer Meteor sich dagegen auflehnen würde, nicht mehr auf der ihr angewiesenen Bahn in den Himmeln zu laufen? Dann würde eine Hemisphäre verbrennen, und die andere vereisen. Auf der einen wäre ewige Finsternis und deshalb wegen der Dunkelheit und dem Frost Tod aller Lebewesen und Vegetation. Auf der anderen wäre ewiges Licht und Hitze und deshalb wegen des Übermaßes an Leben und Hitze Tod allen Lebens.

Bedenkt doch, ihr Menschen, was es wäre, wenn die Schafe keine Wolle, die Kühe keine Milch, die Bäume keine Frucht mehr gäben, und so fort. Und dass auch, wenn Tiere, Pflanzen und Sterne eurem Beispiel folgen würden, ein Chaos euch in unvorstellbares Grauen stürzen würde, wo doch alles, außer euch, in der gottgegebenen Ordnung fortschreitet.


Ebenso wie der Schöpfer dafür vorsorgt, sorgt Er auch hinsichtlich der Menschheit vor. Seine hochheilige Einsicht weiß, dass für das Wohlergehen der Erde so und so viele Denker, so und so viele Wissenschaftler, so und so viele Krieger, so und so viele Arbeiter, und hinsichtlich der Temperamente, so und so viele Wagemutige, so und so viele Sanftmütige, so und so viele Aktive und so und so viele Kontemplative notwendig sind. Und so fort.

Die Seelen beenden ihre Frist, einen Körper zu beleben und kehren zu Gott zurück, um je nach ihren Verdiensten ihrer Bestimmung zugeführt zu werden. Gott erschafft neue Seelen, um die Anzahl der Geschöpfe, die die Erde bevölkern sollen, aufrecht zu erhalten. Das ist die erste Operation göttlicher Ordnung. Die zweite ist die, je nach der von Ihm erkannten Notwendigkeit, um der Harmonie im Menschengeschlecht willen eine besondere Kategorie zahlreicher als eine andere zu erschaffen, damit eines dem anderen wie bei ineinander greifenden Zahnrädern diene und so das riesige Werk reibungs- und schadlos laufen kann.

So wirkt Gott. Und wenn ihr so in der Ordnung gehorchtet, würde alles vorwärts gehen. Aber ihr lehnt euch dagegen auf.

Wer von euch ist mit seinem Los zufrieden? Keiner. Wenigstens sehr wenige. Immer unruhig, von den Leidenschaften beherrscht, gottvergessen oder sehr lau in der Gottesverehrung, folgt ihr den Stimmen der Unordnung und schafft die Unordnung. (…)“

Auszug aus “Die Hefte 1944″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Vision der Hildegard von Bingen