Posts Tagged ‘Seligkeit’

„Seid vollkommen wie Mein himmlischer Vater“

20/02/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 20. Februar 2011: Matthäus 5,38-48)

„(…) Die weit verbreitete Unkenntnis unter den Gläubigen ruft falsche Vorstellungen über das Abbild Gottes hervor. Es ist kein physisches Abbild. Gott, der Geist, hat weder ein Gesicht, noch eine Gestalt oder Körperbildung. Vielmehr trägt der Mensch das Abbild dessen an sich, was der Schöpfergott sich von ihm vorgestellt hat.

Der Allmächtige und Unendliche hatte gewiss nicht nötig, den Menschen in einer Jahrhunderte langen Evolution aus den Vierhändern (Affen) zu gewinnen. Der Vierhänder war von dem Augenblick seiner Erschaffung an Vierhänder und machte seine ersten Sprünge auf den Bäumen des irdischen Paradieses. Der Mensch war hingegen Mensch von dem Augenblick an, da Gott ihn aus dem Schlamm erschaffen (1) und ihm – was Er bei keinem anderen Geschaffenen tat – den Geist in sein Angesicht gehaucht hatte.

Chagall: Erschaffung des Menschen

Die Gottähnlichkeit besteht also in diesem übernatürlichen, unkörperlichen, ewigen Geist, den ihr in euch habt. In diesen engen, vorläufigen Kerker eingeschlossen, wie es der Geist als ein Atom des unendlichen Gottesgeistes ist, erwartet und ersehnt er die Wiedervereinigung mit seiner göttlichen Quelle, mit der er Freiheit, Freude, Frieden, Licht, Liebe und Ewigkeit teilen möchte.

Das Bild besteht hingegen auch dort fort, wo es keine (Gott)ähnlichkeit mehr gibt. Denn in seinem körperlichen Aussehen bleibt der Mensch in den Augen der Menschen das, was er ist, wenn er auch in den Augen Gottes und der übernatürlichen Himmelsbewohner und einiger weniger irdischer Auserwählter sein neues Dämonenaussehen annimmt. Sein wahres Aussehen, seitdem die Todsünde ihn der Gottähnlichkeit beraubt, weil sein Geist in ihm das Leben verloren hat.

Der Mensch, der durch Schuld die Gnade verloren hat, ist nur noch ein Grab, in dem der tote Geist verwest. Wenn deshalb bei der Auferstehung des Fleisches auch alle Menschen ein gleiches körperliches Aussehen haben werden, so werden sie unter einander doch gänzlich verschieden sein. Halbgöttlich werden die Seligen aussehen, dämonisch die Verdammten. Das, was insgeheim in ihrem Gewissen war, wird dann nach außen dringen. Ein furchtbares Wiedererkennen!

Der Mensch wird Gott umso ähnlicher, je mehr er in der Gnade lebt und diese, die für sich genommen schon unendlich ist, durch die Verdienste seines heiligmäßigen Lebens vermehrt. Es gilt, sich anzustrengen, um die Vollkommenheit der Gottähnlichkeit zu erreichen. Ihr werdet sie niemals ganz erreichen, denn das Geschöpf kann dem Schöpfer nicht gleichen; ihr dürft euch aber, soweit es euch gewährt wird, dieser übernatürlichen Schönheit annähern.

Ich habe gesagt: „Seid vollkommen wie Mein himmlischer Vater“. (2) Ich habe euch keine Grenze der Vervollkommnung gesetzt. Je mehr ihr euch anstrengt, diese Vollkommenheit zu erlangen, desto mehr fallen die Scheidewände des Menschlichen wie eine von siegreichen Kräften erstürmte Mauer, vermindert sich die Distanz, nimmt der Ausblick zu und mit ihm die Fähigkeit, Gott zu verstehen und Ihn zu erkennen.

Aber es gilt, mit allen euren Kräften nach dieser Vollkommenheit zu streben, mit all eurer Hochherzigkeit. Ohne nach dem, was man erlässt, „zurückzuschauen“. (3) Ohne jemals anzuhalten. Ohne zu ermüden. Der Lohn rechtfertigt das Heldentum, denn der Lohn ist das Eintauchen in den Genuss der göttlichen Liebe, und Gott damit so zu besitzen, wir ihr Ihn im Himmel besitzen werdet.

O selige Vereinigung und wunderbarer Besitz! Sie gehören euch, ihr getreuen Kinder! Kommt doch, und sättigt euch daran!“

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(1) Vgl. Gen 2,7

(2) Vgl. Mt 5,48

(3) Vgl. Lk 9,62

Auszug aus “Die Hefte 1944″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Eure Wissenschaft ist Mir ein Abscheu“

Die Armen im Geiste

30/01/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 30. Januar 2011: Matthäus 5,1-12)

19. Juli [1944]

Jesus sagt:

“ (…) Die große Kategorie der „Armen im Geiste“, die Ich als erste aufgezählt habe – Ich könnte nämlich auch sagen, dass ohne eine solche Freiheit des Geistes über alle Annehmlichkeiten des Lebens die übrigen Tugenden, durch die man die Seligkeiten erlangt, nicht zu gewinnen sind – diese große Kategorie teilt und unterteilt sich in viele Formen.


Demut des Denkens, das nicht geschwollen daher kommt und sich als ein Superdenken proklamiert, sondern das Geschenk Gottes in Anerkennung seines Göttlichen Ursprungs zum Guten benutzt. Allein dafür.

Hochherzigkeit in den Anhänglichkeiten, und diesen zu entsagen wissen, um Gottes Willen zu folgen. Sogar dem Leben entsagen zu wissen. Das animalische Geschöpf hält dieses ja für den wahrsten und instinktiv festzuhaltendsten Reichtum. Meine Märtyrer sind in dieser Hinsicht alle hochherzig gewesen; ihr Geist hat arm zu werden verstanden, um „reich“ an dem einzigen ewigen Reichtum: an Gott, zu werden.

Rechtschaffenheit hinsichtlich der Liebe zu den eigenen Dingen. Es ist Pflicht, sie als Zeugnis der göttlichen Vorsehung uns gegenüber zu schätzen. Ich habe bereits in früheren Diktaten darüber gesprochen. Sie jedoch nicht mehr als Gott und Seinen Willen selbst zu lieben, sie nicht so zu lieben, dass man Gott flucht, wenn Menschenhand sie diesem entwindet.

Und schließlich wiederhole ich noch einmal: Freiheit von der Sklaverei des Geldes.

Das sind also die verschiedenen Formen der geistigen Armut, von denen Ich sagte, dass sie gerechter Weise das Himmelreich erhalten werden. Alle die labilen Reichtümer des menschlichen Lebens soll man mit Füssen treten, um die ewigen zu erhalten. Die Erde mit dem trügerischen Geschmack ihrer Früchte, die süß an der Oberfläche, aber bitter in ihrem Innern sind, auf den letzten Platz verweisen und an der Eroberung des Himmels arbeiten. Ach! Dort gibt es keine Früchte von täuschender Würze. Dort gibt es nur die unaussprechliche Frucht des Gottesgenusses. (…) „

Auszug aus “Die Hefte 1944″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com,dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Auszug aus „Der Gottmensch“: Die Seligpreisungen


Die Seligpreisungen

31/10/2009
(Entsprechung zum Sonntags-Evangelium vom 1. November 09: Mt 5, 1-12)

Jesus geht durch den Talgrund und steigt etwas höher die Wiese empor, lehnt sich an die Felswand und beginnt zu sprechen:

Carl Bloch: Die Bergpredigt

« … Wie gewinnt man Gott und sein Reich auf einem leichteren Weg als dem mühsamen Pfad des Sinai? » fragt ihr. Es gibt keinen anderen Weg. Nur dieser ist es. Doch lasst ihn uns betrachten, nicht in der Farbe der Drohung, sondern in jener der Liebe. Sagen wir nicht: « Wehe, wenn ich das nicht tue! » während man aus Angst, der Sünde nicht wiederstehen zu können, furchtsam erzittert. Sagen wir: « Selig, wenn ich dies tue »; und schwingen wir uns mit übernatürlicher Freude jubelnd empor, um diese Seligkeiten zu erreichen, die der Befolgung des Gesetzes entspringen, und wie Rosenblüten aus einem Dornenstrauch hervorwachsen.

Selig, wenn ich arm im Geiste bin, denn mein ist das Himmelreich!

Selig, wenn ich sanftmütig bin, denn ich werde das Land erben!

Selig, wenn ich mich nicht gegen den Schmerz auflehne, denn ich werde getröstet werden!

Selig, wenn ich mehr hungere und dürste nach Gerechtigkeit als nach Brot und Wein, um mein Fleisch zu sättigen, denn die Gerechtigkeit wird mich sättigen!

Selig, wenn ich Barmherzigkeit übe, denn ich werde göttliche Barmherzigkeit erfahren!

Selig, wenn ich reinen Herzens bin, denn Gott wird sich über mein reines Herz neigen, und ich werde Gott schauen!

Selig, wenn ich den Geist des Friedens in mir habe, denn ich werde Kind Gottes genannt werden; denn im Frieden ist Liebe, und Gott ist Liebe und er liebt jene, die ihm ähnlich sind.

Selig, wenn ich um der Gerechtigkeit willen verfolgt werde, denn Gott, mein Vater, wird mir als Belohnung für die irdischen Verfolgungen das Himmelreich geben.

Selig, wenn ich geschmäht und verleumdet werde, weil ich dein Kind bin, o Gott! Nicht Trostlosigkeit sondern Freude wird mir daraus erwachsen, denn so werde ich deinen besten Dienern, den Propheten, gleich, die aus demselben Grund verfolgt wurden. Ich glaube beharrlich, dass ich mit ihnen einst an der erhabenen, ewigen Belohnung teilhaben werde: am Himmel, der mein sein wird. »

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band III  von Maria Valtorta, mit  der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.