Posts Tagged ‘Stammzellenforschung’

abgründe der woche

04/09/2010

+++   totale überwachung (I) : europäischer gerichtshof für menschenrechte entscheidet zugunsten heimlicher überwachung von verdächtigen per gps-peilgerät + dies sei legitim, wenn es um die nationale sicherheit gehe und stelle keinen verstoss gegen das ‚recht auf achtung des privatlebens’ dar   +++   totale überwachung (II) : us-gericht entscheidet wenige tage zuvor ebenfalls, dass bürger im verdachtsfalle heimlich per gps überwacht werden dürfen + strafverfolger dürfen ohne durchsuchungsbefehl grundstücke betreten und z.b. gps-peilsender an autos anbringen   +++   tierschutz vs. menschenschutz : eu erwägt, tierversuche stark einzuschränken + kommission comece der eu-bischofskonferenz fürchtet nun stattdessen erweiterung der versuche an menschlichen embryonen   +++   babys per mausklick : israelisches unternehmen hat sich auf vermittlung von leihmutterdiensten spezialisiert + eizellen und spermien werden nach genetischen wunschkriterien eingekauft, die im labor erzeugten eingefrorenen embryonen in indien einer leihmutter eingepflanzt + „fertiges“ baby dann nach geburt zur abholung bereit + häufig genutzt von schwulen eltern in spe   +++   irregeleitet : kässmann-nachfolger im vorsitz der ekd nikolaus schneider glaubt nicht an jungfrauengeburt jesu + schneider äusserte in einem interview, die entsprechende aussage im glaubensbekenntnis sei für den glauben „nicht entscheidend“ + schneider berief sich auf alternatives deutungsmodell, nach dem der evangelist markus angeblich der ansicht war, jesus sei von gott erst bei seiner taufe „adoptiert“ worden   +++

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Papst trifft Obama

11/07/2009

Sicher hätte die neue Enzyklika „Caritas in Veritate“ mit ihrem aktuellen Bezug zu dem am G8-Gipfel diskutierten globalen Themen wie Hunger- und Armutsbekämpfung genügend Diskussionsstoff geboten für jene 35 Minuten, die der US-Präsident beim Katholischen Kirchenoberhaupt verbrachte. Was diese Aspekte anbetrifft, fällt es leicht, einer Meinung zu sein.

Die Kontroversen zwischen der Kirche und der neuen US-Regierung sind von wahrhaft substantieller Art: bezüglich Stammzellenforschung und Abtreibungen wird sich so einfach kein Konsens finden lassen, da die Kirche fest ihren Standpunkt vertritt und der Papst ihn unbeirrt nach außen kommuniziert.

Um sich hierüber einig zu werden, müsste Präsident Obama das Leben ungeborener Kinder vom Moment der Empfängnis an, als mit Ehrfurcht zu betrachtendes Gottesgeschenk anerkennen. Bislang bewegt er sich aber lieber in der Grauzone ethischer Erwägungen, wann menschliches Leben so zu nennen sei, die Antwort darauf unterliegt der individuellen Gewissensentscheidung.

George W. Bush mag in vielerlei Hinsicht äußerst zweifelhaft gehandelt haben – in diesem Punkt hat er Obama einiges voraus.

Wenn Obama laut Vatikan-Sprecher Lombardi zugesichert habe, er werde versuchen, die Zahl der Abtreibungen zu reduzieren, stellt sich eine andere ebenso grundsätzliche Frage: wie er denn dieses Ziel zu erreichen gedenkt? Leider wohl kaum, indem er Enthaltsamkeit als einzig angemessene und absolut sichere Verhütungsmethode verkündet.

Benedikt XVI. zeigte sich gewohnt langmütig und hoffnungsvoll: er überreichte den Obamas neben der neuen Enzyklika das Vatikan-Dokument „Dignitas Personae“ zur Bioethik und versprach, sie in sein Gebet einzuschließen.

Wann ist ein Mensch ein Mensch?

09/07/2009

Die Debatte um Stammzellenforschung mittels Opferung menschlichen Lebens hält an und zeigt auf, dass dies keineswegs ein Thema ist, das sich durch naturwissenschaftliche Rechtfertigungsversuche und legislative Maßnahmen vom Tisch fegen lässt. Als der neue US-Präsident Anfang März der Stammzellenforschung an menschlichen Embryonen uneingeschränkte staatliche Förderung zusprach, regte sich lautstark Protest aus christlichen Kreisen (tagesschau.de).

Die kritischen Stimmen verstummen nicht, da Barack Hussein Obama weiter auf diesem Kurs fährt. Leichtfertig verspielt er seine Glaubwürdigkeit, in dem er einerseits von sich behauptet, Christ zu sein, sich gleichzeitig aber als Abtreibungsbefürworter bekennt und Organisationen, die diese durchführen und propagieren, mit öffentlichen Geldern unterstützen lässt. Überaus bizarr erscheint in diesem Licht, dass er trotz einer 65 000 Unterschriften starken Petition, von der größten katholischen Universität der Vereinigten Staaten die Ehrendoktorwürde verliehen bekam, im Anschluß an eine Rede, in der er seine ‚Pro-Choice‘-Haltung zur Abtreibung erneut herausstellte (tagesspiegel.de).

Es heißt „ein bisschen schwanger gibt es nicht“. Dieser Zustand ist absolut und kompromisslos. Vom Moment der Empfängnis an besteht die Schwangerschaft und existiert somit ein lebendiges menschliches Wesen. Jene, die vom Menschen als beseeltes Wesen ausgehen, müssen sich in Konsequenz die Frage stellen, wann die Seele in den Menschen gelangt. Die Seele ist der essentielle Teil des Menschen, sein unsterblicher geistiger Teil. Ist es hier nicht die logischste und rationalste aller Überlegungen, den Zeitpunkt der Empfängnis als Moment der ‚ganzheitlichen‘ Menschwerdung zu begreifen?

Ebenso wenig wie „ein bisschen schwanger“ gibt es „ein bisschen Mensch“. Daran ändert auch nichts, wenn der wenige Tage oder Wochen alte ungeborene Mensch als ‚Embryo‘ bezeichnet wird, um ihn zu anonymisieren, ihm die Persönlichkeit abzusprechen, oder sei es nur, um das eigene Schuldbewusstsein wegzuwischen.

Wenn also Barack Obama Richtlinien zur Stammzellenforschung erarbeiten lässt, nach denen zwar keine menschlichen Wesen zu diesem Zweck ‚hergestellt‘ werden dürfen, sondern nur solche ‚verwendet‘, die „gespendet, überschüssig und nicht brauchbar“ seien (zenit.org), geht er einen Kompromiss ein, wo es keinen geben kann. Gerne spricht er von „Respekt und Toleranz“, empfindet selbst offenbar aber keinen Respekt vor dem menschlichen Leben, und zeigt, trotz angeblicher Gläubigkeit, keine Ehrfurcht vor der alleinigen Macht des Schöpfers, Leben zu geben oder zu nehmen. Es stellt sich die Frage, wie lange die Amerikaner und mit ihnen die Weltöffentlichkeit den hohlen Lippenbekenntnissen dieses Präsidenten noch zujubeln.