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Christen werden „Kakerlaken“ genannt

09/10/2010

Veranstaltung mit „Kirche in Not“ im Europäischen Parlament über Christenverfolgung

Über die schwierige Lage der Christen im Vorfeld des Referendums über die mögliche Teilung des Sudan hat Bischof Edward Hiiboro Kussala aus der Diözese Tombura-Yambio bei einer Veranstaltung des Europäischen Parlaments in Brüssel gesprochen. Die Christen, die vorrangig im Süden des Sudan lebten, würden in den muslimisch geprägten nördlichen Landesteilen kaum beachtet und sogar als Kakerlaken bezeichnet, so Kussala.

Bei der internationalen Tagung über die weltweite Christenverfolgung, bei der auch das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ vertreten war, sagte er, dass derzeit nicht absehbar sei, wie das Referendum ausgehen könnte: das Ergebnis könnte einerseits Frieden bringen, andererseits aber auch die Stabilität der Region gefährden und einen Krieg auslösen.

Veranstalter der Tagung im Europäischen Parlament in Brüssel waren die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE), die Europäischen Konservativen und Reformisten (ECR) sowie die Europäische Volkspartei (EVP). Berthold Pelster, Menschenrechtsexperte des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“, stellte zu Beginn vor rund 100 Zuhörern im vollbesetzten größten Sitzungssaal des Hauses die Arbeit des Hilfswerks vor und schilderte in einem Impulsreferat die schwierige Lage der Christen in China, Indien und Pakistan.

Neben Bischof Kussala berichteten drei weitere Vertreter aus Staaten, in denen die Einschränkung der Religionsfreiheit besonders gravierend ist, aus erster Hand über die Situation der Christen in ihrem Land. Eindringlich riefen sie in ihren Referaten die internationale Gemeinschaft zur Unterstützung der christlichen Minderheiten in ihren Heimatländern auf.

zerstörte Kirche im Irak

Louis Sako, Erzbischof von Kirkuk (Irak), befürchtet das langsame Aussterben des Christentums in seinem Heimatland, da hunderttausende Christen wegen der andauernden Übergriffe durch radikale Islamisten das Land bereits verlassen hätten. In den vergangenen sieben Jahren seien über 50 Kirchen zum Teil zerstört, drei Priester und ein Bischof entführt und 900 unschuldige Christen getötet worden, berichtete er. Den von den USA geführten alliierten Truppen warf er vor, dass deren Einmarsch im Irak ein großes Desaster für die irakischen Familien gewesen sei. Derzeit sei die Lage chaotisch und von Angst geprägt. Christen müssten sich nach seiner Ansicht entweder für die Auswanderung entscheiden oder sich damit abfinden, Bürger zweiter Klasse zu sein. Bischof Sako sprach sich für den Verbleib der Truppen aus, aber wünschte sich klare und präzise Pläne der internationalen Gemeinschaft.

Dr. T. M. Joseph, Vorsitzender des Newman College im südwestindischen Staat Kerala, erhofft sich mehr Rechte für die Dalits, die keiner hinduistischen Kaste angehören und von höheren Kasten ausgebeutet würden. Unter den Dalits befänden sich viele Christen. Radikale Hindu-Gruppierungen hätten in der Vergangenheit christliche Dörfer angegriffen. Doch der Staat unternehme nichts gegen diese Ungerechtigkeit, so Joseph. Im Sommer 2008 kam es zum Beispiel zu blutigen Übergriffen auf Kirchen und kirchliche Einrichtungen, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben kamen.

Das kommunistisch regierte Vietnam gehe derzeit gewalttätig gegen Christen vor, berichtete Kok Ksor, Präsident der Bergvolk-Stiftung. Er berichtete von Überfällen von Regierungstruppen im Juli und August dieses Jahres auf über 200 Dörfer in Vietnam, in denen viele Christen lebten. Menschen seien verschleppt und ins Gefängnis gebracht worden, manche seien spurlos verschwunden. Obwohl in der vietnamesischen Verfassung die Religionsfreiheit festgeschrieben sei, gehe die Regierung weiterhin gegen die christlichen Bergvölker vor, so Ksor.

Zum Abschluss stellte die COMECE eine Stellungnahme zur Religionsfreiheit vor, dass die europäischen Institutionen bei ihren Auslandsbeziehungen auch die Förderung der Religionsfreiheit im Blick haben sollten. In den nächsten Wochen soll dazu eine schriftliche Erklärung im Plenum des Europäischen Parlaments vorgelegt werden.

Berthold Pelster lobte die Veranstaltung zur Christenverfolgung im Haus des Europäischen Parlaments als gehaltvoll und gut organisiert. Das große und parteiübergreifende Interesse zeige die Brisanz des Themas. Eindrücklich hätten die Referenten aus den besonders betroffenen Staaten ihre Situation geschildert.

(Quelle: Kirche in Not)

Hilferuf aus dem Südsudan: Bischof Kussala befürchtet Völkermord

27/04/2010
Im Süden des Sudan befürchten Kirchenvertreter nach der gestrigen Bekanntgabe der Wahlergebnisse eine Welle der Gewalt. In einem Schreiben an das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ warnte der Bischof der südsudanesischen Diözese Tombura-Yambio, Edward Hiiboro Kussala, sogar vor einem „Völkermord“.

Grund für die drohende Gewalt seien nach Angaben Kussalas Unstimmigkeiten beim Ablauf der Wahlen, die bei vielen Bevölkerungsgruppen das Gefühl geweckt hätten, übervorteilt worden zu sein. Die Verzögerung der Bekanntgabe des Wahlergebnisses und fehlende Transparenz bei der Auszählung habe diese Ängste in der Bevölkerung noch weiter geschürt.Bischof Kussala schrieb, er habe seit dem Beginn der Wahlen am 11. April beobachtet, dass „tief verwurzelte Feindschaften“ zwischen den Ethnien im Südsudan nicht wie erhofft auf eine „konstruktive und politische Art“ gelöst werden konnten. Er befürchtet nun, dass sich die Streitigkeiten deshalb erneut in Gewalt entladen und rief seine Landsleute zur Besonnenheit auf.

Flüchtlinge im Südsudan

Vor allem mit Blick auf die Volksabstimmung über die Unabhängigkeit des Südsudan im kommenden Januar kritisierte Bischof Kussala, dass wichtige Fragen der Wähler noch nicht ausreichend von den politischen Parteien thematisiert worden seien. Ungeklärte Fragen in Bezug auf die Unabhängigkeit seien zum Beispiel die Grenzziehung zwischen dem zukünftigen Nord- und Südsudan sowie die Aufteilung der reichen Erdölerträge zwischen beiden Regionen und die Regelung der Wirtschaftsbeziehungen.

Der Bischof rief wegen all dieser ungelösten Fragen zum Dialog auf und betonte, dass die Wahlen trotz aller Unstimmigkeiten in Anbetracht der schwierigen Verhältnisse im Südsudan „recht gut“ umgesetzt worden seien. Er appellierte an die internationale Gemeinschaft, weiter „auf dem Weg zur Demokratie an der Seite des Sudan zu bleiben“. Er schrieb: „Lasst uns hoffen, dass die Vernunft siegen wird und dass die friedfertigen Kräfte in unserem Land in der Lage sein werden, das drohende Unheil abzuwenden.“

„Kirche in Not“ ruft seine Unterstützer zum Gebet für den Frieden im Sudan auf und bittet um Spenden für den Aufbau von Pfarr- und Ausbildungszentren im Süden des Landes:

Online:
https://www.kirche-in-not.de/spenden-online.html

Spendenkonto:
KIRCHE IN NOT
Kto.-Nr.: 215 2002
BLZ: 750 903 00
LIGA Bank München

Website Kirche in Not HIER