Posts Tagged ‘Sühneleiden’

Kreuzweg mit dem hl. Pfarrer von Ars (7. und 8. Station)

01/04/2011

An den Freitagen vor Ostern geben wir jeweils zwei Stationen der Kreuzweg-Betrachtung des hl. Pfarrers von Ars wieder.


Vorbereitungsgebet

Ewiger Vater, nimm hin das göttliche Blut, das Jesus Christus, dein Sohn, bei seinem Leiden vergossen hat! Im Blick auf seine Wunden, auf sein von Dornen durchbohrtes Haupt, auf sein liebendes Herz, um aller seiner Verdienste willen verzeihe den Seelen ihre Schuld und rette sie!

Göttliches Blut meines Erlösers, ich bete dich mit großer Ehrfurcht und Liebe an, um die Beleidigungen zu sühnen, welche dir so viele Menschen zufügen.

Mein Jesus, schenk mir Verzeihung und Barmherzigkeit um der Verdienste deines bitteren Leidens und deiner heiligen Wunden willen! Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

O Maria, Schmerzensmutter, drücke deines Sohnes Wunden tief in unsere Herzen ein.


VII. Station: Jesus fällt zum zweiten Male unter dem Kreuz

Christus hat die Sünden aller Menschen getragen. Was ihn erneut zu Boden wirft, sind die Wiederholungssünden, die oft begangen werden aus Schwäche, Gleichgültigkeit und Bosheit. Jesus allein weiss, was im Menschen ist. Alle will er retten mit seiner opfernden und sühnenden Liebe. Seine Lehre für uns lautet:

Du kannst mir dabei helfen, wenn du auf dem Weg nach Kalvaria mutig den Opferkelch füllst mit deinen Opfern und Leiden, damit ich ihn zum Segenskelch mache für alle, deren Heil gefährdet ist. Dazu braucht es meine Liebe und meine Gnade.

Denke oft an alle Christen in der Welt: an die Leidenden, die Verfolgten, die Verlassenen, die Flüchtlinge, die Märtyrer, die Schwerkranken und Sterbenden, die sich bemühen, mir zu dienen und mich ihrer Liebe zu versichern! Bete für sie! Biete meine Verdienste dem Vater an! Sie gehören dir. Ich habe sie mit grossen Schmerzen erkauft, habe alles für sie bezahlt und für dich verdient.

Du kennst zu wenig die Macht des Gebetes: Es ist wie ein starker Arm, der meinen Arm stützt, und ich erlaube dir, dass du mich stärkst. Dein Gebet ist der Schlüssel zur Öffnung der Schatzkammer meiner Gnaden. Je mehr du ihn benützt, desto mehr vermittelst du Gnaden an die Menschen.

VIII. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen

Weinet nicht über mich, sondern über die Sünde! Ich sprach so wegen den Henkern, die mich umgaben und die ich so gerne retten wollte. Was hätte ich nicht alles für sie getan?

Wenn ich dich leiden sehe für mich – geduldig und ergeben – nehme ich deine Leiden als Zeichen der Liebe an, so als ob die deinen meine Leiden überstiegen und so wertvoll wären, dass mein Herz sie reichlich belohnen will. Lasse mich deshalb nicht ohne Leiden sein! Sie weben gleichsam den Sündern das Gloriengewand der Gotteskindschaft.

Die mich liebenden Seelen ziehen mein Erbarmen auf sich, sie sind meine Gehilfen an der Rettung der Welt. Deine Sehnsucht sei, mein Herz zu trösten, das von Bitterkeit erfüllt ist. Biete meinem Vater meine Verdienste an, um die Sünden der Menschen zu sühnen! Zu wenige bedienen sich ihrer. Dir stehen sie zur Verfügung. Benütze sie eifrigst und vermittle Ströme der Gnaden aus meinen heiligen Wunden denen, die krank sind an Seele und Leib!


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Kreuzweg von Sr. Josefa Menendez


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Hl. Rafael Arnaiz Baron (11)

27/01/2011

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.


Die folgenden Zeilen schrieb Bruder Rafael, nachdem er seine ‚Trapa‘, die Zisterzienserabtei, ungefähr anderthalb Jahre vorher wegen seiner Diabetes verlassen musste.

Kleines Album (oder Heft)

Seite 1: Ich bitte Gott und die heiligste Jungfrau, dass die Worte dieses Heftes dazu dienen mögen, meiner Seele in schweren Zeiten des Lebens Mut zu machen und sie dem Herrn näherzubringen.

Sie mögen mir einmal zum Trost dienen, dann wieder zur Meditation. Ich möchte in ihnen eine Hilfe finden, um besser zu werden, mich mehr und mehr von der Welt zu lösen und näher bei Gott zu sein.

Seite 11: Jesus, ich sehe andere leiden und leide selbst; ich sehe weinen und weine… Hilf, dass ich mein Blut lasse, und heile durch mich die Leiden derer, die um mich sind!

(Torrelodones, 27.8.1935)

Seite 6: Herr, wenn ich – um Dich zu lieben – das Kreuz brauche, dann schick es mir, denn ich sehe deutlich, dass ich Dich mehr liebe, je mehr Kreuz ich zu tragen habe! Du weisst ja, dass meine einzige Beschäftigung auf Erden die ist, Dich zu lieben, und je mehr ich Dich liebe, um so mehr Freude mach ich Dir. Heiligste Jungfrau, du lenktest meine Schritte in die ‚Trapa‘, damit ich lernte, Deinen Sohn zu lieben. Hilf mir in meinem Vorsatz, Ihn täglich inniger zu lieben! Wie wenig bescheiden bin ich! Welche Ansprüche erhebe ich!

Seite 8: Herr, schau auf Deinen Diener Rafael! … Du weisst, dass sein Leben und seine ganze Seele Dir gehören. Er hat sie Dir einmal übergeben, und Du, als Eigentümer und Herr, nahmst sie an. Du sahest, dass sie nicht vollkommen war, und wolltest sie läutern. Was ich Dir gab, war alles, was ich besass. Aber alles, was ich hatte, waren Sünden, Elend und Unvollkommenheiten, und das war Deiner nicht würdig.

Willst Du mich durch Opfer läutern? Opfere mich, Herr! Willst Du mein Leiden? Nimm es, Herr! Ich will Deinem göttlichen Handeln kein Hindernis in den Weg legen. Aber, Herr, vergiss mich nicht! Sieh, ich bin armselig und könnte es allein nicht aushalten. Gut, Herr, nimm keine Rücksicht auf mich und tu, was Du willst! Ich will mich nur darum bemühen, keine Hindernisse aufzubauen, und an mir geschehen lassen… Ausserdem ist das so einfach und so wohltuend!

Herr, mit jedem Tag, der vergeht, erkenne ich besser, was ich zu tun habe, um mich zu heiligen. Früher glaubte ich, dass ich – ich Armseliger! – derjenige war, der die Tugend übte und dass ich, wenn ich etwas Gutes tat, es aus mir selbst vollbrachte. Aber nein, Herr, das ist es nicht! Alles Gute kommt von Dir. Daher ist es das Beste, in meinem Leben Dich wirken zu lassen. Ich überlasse mich ganz Dir. Nicht einmal den Wunsch, gut zu sein, möchte ich haben, wenn es nicht auch Dein Wunsch ist. Ich will gar nichts. Ich will für die Welt ein Nichts sein. Ich möchte ganz Dein sein. Sogar meine Sünden gebe ich Dir, denn sie sind das Letzte, was mir bleibt und nur mir gehört.

Bist du zufrieden, Herr? – Ich bin’s.

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Der Kreuzweg: 13. und 14. Station

02/04/2010

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13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur  heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. (Joh 19,38)

Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten, wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen. (Jes 53,8)

„Betrachtet, mit welcher Barmherzigkeit dieser gerechte Mann Meinen leblosen Körper vom Kreuz abnimmt und ihn in den Schoß Meiner betrübten Mutter legt. Sie küßt ihn, betet ihn an, und ihre Tränen fallen auf Mein Antlitz und Meine Glieder. Dann übergibt sie ihn an diejenigen, die ihn einbalsamieren und zur Grabstätte tragen werden.

Wenn es euch gegenüber den Anstrengungen, die ihr gegen eure menschliche Natur ertragen müßt, an Mut fehlt – Ich sage es euch nochmals -, so wart ihr nicht bereit, auf irdische Genüsse zu verzichten, euch das ewige Leben zu verdienen und andere Menschen ebenfalls zur ewigen Glückseligkeit zu führen.“ (Jesus an Sr. Josefa Menendez, 1923)

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

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14. Station: Der Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt

Es kam auch Nikodemus, der früher auch einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe war, setzten sie Jesus dort bei. (Joh 19,39-42)

Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, bei den Verbrechern seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat und kein trügerisches Wort in seinem Munde war. (Jes 53,9)

Jesus an Sr. Josesfa Menendez im Jahr 1923: „Betrachtet die Zärtlichkeit, mit der man Mich ins Grab legt. Es ist ein neues Grab ohne die geringste Verunreinigung.

Bemüht euch, ein durch Liebe angeregtes Zartgefühl zu entwickeln, damit euer Herz rein und bereit sei, Mich mit zärtlicher, starker, lauterer Liebe, mit beständiger und großzügiger Liebe zu begraben.

Betet jetzt Meine heiligen Wunden an und sprecht das Miserere“:

Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! Wasch meine Schuld von mir ab, und mach mich rein von meiner Sünde! Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen. Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was dir mißfällt. So behältst du recht mit deinem Urteil, rein stehst du da als Richter. Denn ich bin in Schuld geboren; in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.

Lauterer Sinn im Verborgenen gefällt dir, im Geheimen lehrst du mich Weisheit. Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee. Sättige mich mit Entzücken und Freude! Jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast. Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, tilge all meine Frevel! Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist! Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! Mach mich wieder froh mit deinem Heil; mit einem willigen Geist rüste mich aus!

Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege, und die Sünder kehren um zu dir. Befrei mich von Blutschuld, Herr, du Gott meines Heiles, dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit. Herr, öffne mir die Lippen, und mein Mund wird deinen Ruhm verkünden. Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie dir geben; an Brandopfern hast du kein Gefallen. Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.

Ewiger Vater,
wir opfern Dir das göttliche Blut,
das Dein Sohn Jesus Christus während Seiner schmerzhaften Passion vergossen hat.
Durch Seine Wunden,
durch Sein mit Dornen durchbohrtes Haupt,
durch Sein göttliches Herz
und durch all Seine Verdienste
vergib uns Sündern und rette uns.
Göttliches Blut unseres Erlösers,
mit Ehrfurcht und unendlicher Liebe beten wir Dich an,
um Genugtuung für die Beleidigungen und Schmähungen der Menschen zu leisten. Amen.

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Die Geißelung unseres Herrn Jesus Christus

01/04/2010

„Kreuzige ihn! Kreuzige ihn! Er muß sterben! Du schützt die Verbrecher! Heide! Auch du bist ein Teufel!“

Die Menge kommt näher, und die erste Reihe der Soldaten wankt unter dem Aufprall und kann die Lanzen nicht gebrauchen. Doch die zweite Reihe kommt eine Stufe herunter, legt die Speere ein und befreit die Gefährten.

„Er soll gegeißelt werden“, befiehlt Pilatus einem der Centurionen.

„Wann?“

„Wann du willst… damit es ein Ende hat. Ich bin sehr verärgert. Geh!“

Jesus wird von vier Soldaten in den Hof hinter dem Atrium geführt, der einen Boden aus buntem Marmor hat und in dessen Mitte eine hohe Säule steht, ähnlich denen des Portikus. Daran befindet sich etwa drei Meter über dem Boden eine eiserne Querstange, die in einem Ring endet. An diesen wird Jesus mit über den Kopf erhobenen Händen gebunden, nachdem er sich entkleidet hat. Er hat jetzt nur noch eine kurze Leinenhose und Sandalen an. Die an den Gelenken zusammengebundenen Hände werden hinaufgezogen bis zu dem Ring, so dass er trotz seiner Größe den Boden nur noch mit den Fußspitzen berührt… Schon diese Stellung muss eine Tortur sein.

Ich habe irgendwo gelesen, dass die Säule niedrig gewesen sei und Jesus gebückt stehen musste. Mag sein. Ich sehe es so und sage es so.

Hinter Jesus stellt sich einer mit einem Henkergesicht reinsten hebräischen Profils. Vor Jesus ein anderer mit demselben Aussehen. Sie haben eine Geißel aus sieben Lederriemen, die an einem Griff befestigt sind und in einem Hämmerchen aus Blei enden. Rhythmisch , als wäre es eine Übung, fangen sie an zu schlagen. Der eine von vorne, der andere von hinten, so dass der Körper Jesu ringsum von Schlägen getroffen wird. Die vier Soldaten, denen man ihn übergeben hat, machen gleichgültig mit drei anderen Soldaten, die noch dazugekommen sind, ein Würfelspiel.

W. Bouguereau: Die Geisselung unseres Herrn Jesus Christus

 

Die Stimmen der Spieler vermischen sich mit dem Geräusch der Geißeln, die wie Schlangen zischen und sich dann anhören wie Steine, die auf das straff gespannte Leder einer Trommel fallen, wenn sie den armen schlanken Körper von der Farbe alten Elfenbeins treffen. Zuerst hinterlassen sie rosarote Streifen, die immer dunkler und schließlich violett werden, dann bilden sich dunkelblaue, blutgefüllte Schwellungen, die aufreißen und am ganzen Körper Blut fließen lassen. Sie schlagen hauptsächlich auf den Oberkörper und den Unterleib, aber auch Beine, Arme und sogar den Kopf lassen sie nicht aus, damit kein schmerzfreies Fleckchen Haut übrigbleibt.

Und keine Klage… Wenn der Strick ihn nicht halten würde, würde er zu Boden fallen. Aber er fällt nicht und er stöhnt nicht. Nur der Kopf sinkt ihm auf die Brust nach so vielen Schlägen, als wenn er ohnmächtig geworden wäre.

„Halt! Hört auf! Er muss noch lebendig hingerichtet werden!“ höhnt ein Soldat.

Die beiden Henker halten ein und trocknen sich den Schweiß ab.

„Wir sind völlig erledigt“, sagen sie. „Gebt uns den Lohn, damit wir trinken und uns erholen können.“

„Hängen sollte man euch! Doch nehmt…“ und ein Decurio wirft jedem der beiden eine große Münze zu.

„Ihr habt eure Pflicht getan. Er gleicht einem Mosaik. Titus, sag, war dieser Mensch wirklich die Liebe des Alexander? Dann wollen wir ihn benachrichtigen, damit er Trauer tragen kann. Binden wir ihn jetzt los.“

Sie binden Jesus los, und dieser sinkt wie tot zu Boden. Sie lassen ihn liegen und stoßen ihn nur ab und zu mit den Stiefeln an, um zu sehen, ob er klagt.

Aber er schweigt.

„Ob er tot ist? Wäre es möglich? Er ist jung und ein Handwerker, hat man mir gesagt… aber er gleicht einer zarten Dame…“

„Lass mich nur machen“, sagt ein Soldat. Er setzt ihn auf und lehnt ihn mit dem Rücken an die Säule. Wo er gelegen ist, sind Blutlachen… Dann geht der Soldat zu einem Brunnen, der unter dem Tor plätschert, füllt einen Eimer mit Wasser und schüttet es über den Kopf und den Körper Jesu. „So, den Blumen tut das Wasser gut.“

Jesus seufzt tief und will aufstehen, aber noch bleibt er mit geschlossenen Augen sitzen.

„Oh! Gut! Auf, Schöner! Eine Dame wartet auf dich!…“

Aber vergebens stemmt Jesus die Hände auf den Boden, um aufzustehen.

„Los, rasch! Bist du schwach? Hier ist eine Erfrischung“, grinst ein anderer Soldat. Mit dem Schaft seiner Hellebarde versetzt er Jesus einen Schlag ins Gesicht und trifft ihn zwischen dem rechten Jochbogen und der Nase, die zu bluten beginnt.

Jesus öffnet die Augen und blickt um sich. Ein verschleierter Blick. Er schaut den Soldaten an, der ihn geschlagen hat, wischt sich mit der Hand das Blut ab und stellt sich mit grosser Mühe auf die Füße.

„Zieh dich an. Es ist nicht anständig, so herumzustehen, Schamloser!“ Alle umringen Jesus und lachen.

Jesus gehorcht wortlos. Aber während er sich bückt – und nur er weiß, was er dabei leidet, zerschlagen wie er ist und mit Wunden, die sich durch die Anspannung der Haut noch weiter öffnen, und blutgefüllten Schwellungen, die aufbrechen – gibt ein Soldat den Kleidern einen Tritt und zerstreut sie. Und jedesmal, wenn Jesus sich nach ihnen bücken will, nachdem er sie wankend erreicht hat, stößt oder wirft ein Soldat sie in eine andere Richtung. Jesus, der furchtbar leidet, sagt nichts und versucht sie zu holen, während die Soldaten obszöne Späße über ihn machen.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die Todesangst unseres Herrn Jesus Christus in Gethsemane

31/03/2010

Er betet wieder stehend, mit zum Kreuz ausgebreiteten Armen. Dann kniet er nieder wie zuvor, neigt das Gesicht über die kleinen Blümchen, denkt… schweigt. Dann beginnt er laut zu seufzen und zu schluchzen. Fast liegt er am Boden, so weit neigt er sich zurück, und ruft den Vater. Immer flehender, immer angstvoller…

„Oh!“ sagt er. „Zu bitter ist dieser Kelch! Ich kann nicht! Ich kann nicht! Es geht über meine Kräfte. Alles konnte ich! Aber dies nicht… Nimm ihn von mir, Vater, von deinem Sohn! Erbarme dich meiner!… Was habe ich getan? Womit habe ich dies verdient?“ Dann beruhigt er sich und sagt: „Mein Vater, höre nicht auf meine Worte, wenn sie erbitten, was gegen deinen Willen ist. Denke nicht daran, dass ich dein Sohn bin, sondern nur daran, dass ich dein Diener bin. Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“

Einige Zeit bleibt er so. Dann stößt er einen gedämpften Schrei aus und erhebt sein von Schmerz zerwühltes Gesicht. Nur einen Augenblick, dann fällt er zu Boden, das Gesicht zur Erde, und bleibt so liegen. Ein Bild des Elends, der Mensch, auf dem die Sünden der ganzen Welt lasten, den die ganze Gerechtigkeit des Vaters trifft, auf den sich die Finsternis herabsenkt, die Trostlosigkeit, die Bitterkeit, und das Furchtbare, Furchtbare, Allerfurchtbarste, das Verlassensein von Gott, während Satan quält… Es ist das Ersticken der Seele, das lebendig Begrabensein in diesem Kerker, der die Welt ist, wenn man die Verbindung zwischen Gott und uns nicht mehr fühlt. Man fühlt sich in Ketten, geknebelt, gesteinigt sogar von den eigenen Gebeten, die scharf und sengend auf uns zurückfallen. Man stößt an den verschlossenen Himmel, den weder die Stimme noch die Blicke unserer Angst durchdringen, man fühlt sich als „Waise“ Gottes. Es ist Wahnsinn, Todesangst, der Zweifel, sich bisher getäuscht zu haben, es ist die Überzeugung, von Gott verworfen zu sein, verdammt zu sein. Es ist die Hölle!… (…)

Jesus stöhnt unter Röcheln und Todesseufzern: „Nichts!… Nichts!… Fort!… Der Wille des Vaters! Dieser! Nur dieser allein… Dein Wille, Vater, dein Wille, nicht meiner… Es ist nutzlos! Ich habe nur einen Herrn: den allerheiligsten Gott. Nur ein Gesetz: den Gehorsam. Nur eine Liebe: die Erlösung… Nein. Ich habe keine Mutter mehr. Ich habe kein Leben mehr. Ich habe keine Göttlichkeit mehr. Ich habe keine Aufgabe mehr. Vergeblich versuchst du mich, Dämon, mit der Mutter, mit dem Leben, mit meiner Göttlichkeit und meiner Mission. Meine Mutter ist die Menschheit, und ich liebe sie so sehr, dass ich für sie sterben werde. Das Leben gebe ich dem zurück, der es mir gegeben hat und es nun von mir verlangt, dem höchsten Herrn alles Lebenden. Die Göttlichkeit bestätige ich, da ich zu dieser Sühne fähig bin. Die Mission vollende ich durch meinen Tod. Nichts habe ich mehr. Ich kann nur noch den Willen des Herrn, meines Gottes, tun. Weiche Satan! Ich habe es das erste und das zweite Mal gesagt. Ich sage es zum dritten Mal: ‚Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.‘ Weiche Satan! Ich gehöre Gott!“

Dann sagt er nur noch keuchend: „Gott! Gott! Gott!“ Bei jedem Schlag seines Herzens ruft er ihn, und es scheint, als quelle bei jedem dieser Schläge Blut hervor. Der über den Schultern gespannte Stoff seines Gewandes wird nass und ist nun wieder dunkel, trotz des Mondes, der alles in sein helles Licht taucht.

Francisco de Goya: Christus am Ölberg

 

Da erscheint eine noch größere Helligkeit über seinem Haupt, etwa einen Meter über ihm, eine so lebhafte Helligkeit, dass auch der Darniederliegende sie durch die Wellen seines schon blutgetränkten Haares und durch den Schleier des Blutes vor seinen Augen bemerkt. Er hebt den Kopf… Der Mond beleuchtet sein armes Antlitz, und stärker noch leuchtet das dem bläulichen Diamanten, der Venus ähnliche Licht des Engels. Und nun erkennt man die ganze furchtbare Todesangst an dem Blut, das aus allen Poren dringt. Brauen, Haar, Bart sind voll Blut, getränkt von Blut. Blut fließt von den Schläfen, Blut dringt aus den Adern am Hals, Blut tropft von den Händen, und als er die Hände dem Engelslicht entgegenstreckt und die weiten Ärmel bis zum Ellenbogen zurückgleiten, sind auch die Unterarme Christi voll Blut. In seinem Gesicht hinterlassen die Tränen zwei helle Bahnen auf der roten Maske.

Jesus legt den Mantel ab und trocknet Hände, Antlitz, Hals und Arme. Aber er fährt fort, Blut zu schwitzen. Immer wieder drückt er das Tuch auf sein Antlitz, hält es eine Weile darauf, und jedesmal, wenn er eine andere Stelle nimmt, sieht man deutlich die Spuren auf dem dunkelroten Stoff, denn da sie nass sind, erscheinen sie schwarz. Das Gras am Boden ist von Blut gerötet.

Jesus ist einer Ohnmacht nahe. Er öffnet das Gewand am Hals, als wäre er am Ersticken. Er führt die Hand zum Herzen und dann zum Haupt und bewegt sie vor seinem Antlitz, als wolle er sich Luft zufächeln; sein Mund ist leicht geöffnet. Er kriecht zu dem Fels, mehr dem Rand des Hanges zu, und lehnt sich mit dem Rücken an den Stein. Seine Arme hängen herunter, und das Haupt hängt auf die Brust, fast als wäre er schon tot. Er rührt sich nicht mehr.

Das Licht des Engels nimmt ganz langsam ab. Dann scheint es sich im Mondschein aufzulösen. Jesus öffnet die Augen wieder. Mit Mühe hebt er das Haupt und blickt um sich. Er ist allein. Aber er leidet jetzt weniger. Er streckt eine Hand aus, zieht den Mantel an sich, der im Gras liegengeblieben ist, und trocknet sich wieder das Antlitz, die Hände, den Hals, den Bart und die Haare. Er nimmt ein großes, ganz taunasses Blatt, das gerade dort am Rand des Hanges wächst, säubert sich damit, wäscht sich Gesicht und Hände und trocknet sie. Das wiederholt er mehrmals mit anderen Blättern, bis alle Spuren seines furchtbaren Schweisses getilgt sind. Nur das Gewand ist noch befleckt, besonders an den Schultern, in den Beugen der Ellbogen, am Hals, am Gürtel und an den Knien. Er betrachtet es und schüttelt den Kopf. Dann schaut er auch den Mantel an und da er sieht, dass er zu sehr befleckt ist, faltet er ihn und legt ihn auf den Stein, dort auf den Sims, neben die Blümchen.

In seiner Schwäche dreht er sich mit Mühe um, kniet nieder und betet, das Haupt auf den Mantel gelegt, auf dem bereits die Hände ruhen. Dann stützt er sich auf den Stein und steht auf. Leicht wankend begibt er sich zu den Jüngern. Sein Antlitz ist totenbleich, aber nicht mehr verstört. Es ist ein Antlitz voll göttlicher Schönheit, obwohl blutleer und trauriger denn je.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Der Kreuzweg: 11. und 12. Station

25/03/2010

An den 7 Freitagen bis Ostern rufen wir jeweils zwei Stationen des Kreuzweges in Erinnerung.

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11. Station: Jesus wird an das Kreuz genagelt

Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links. (Lk 23,33)

Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. (Jes 53,7)

„Am Gipfel des Kalvarienberges angekommen, dort, wo Ich dem Tod preisgegeben werde, breiten sie Mich aus und nageln Mich auf das Kreuz. Ich besitze nichts mehr, nicht einmal die Freiheit, eine Hand oder einen Fuß zu bewegen. Es sind aber nicht die Nägel, die Mich so binden, sondern es ist die Liebe. Deswegen kommt weder ein Seufzer noch eine Klage über Meine Lippen…

Wenn auch ihr auf das Kreuz genagelt seid, so klagt nicht und murrt nicht, wenn diese gesegneten Nägel eure Hände und Füße aufreißen, sondern kommt zu Mir und küßt Meine Wunden. Dann werdet ihr neue Kraft bekommen.“ (Jesus an Sr. Menendez, 1923)

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

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12. Station: Jesus stirbt am Kreuz

Und in der neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eloï, Eloï, lema sabachtani?, das heisst übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Hört, er ruft nach Elija! Einer lief hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. Dabei sagte er: Lasst uns doch sehen, ob Elija kommt und ihn herabnimmt. Jesus aber schrie laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. (Mk 15,34-37)

Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? (Jes 53,8)

„Das Kreuz war Meine Gefährtin auf dem Weg nach Golgatha, und auf dem Kreuz hauchte Ich mein Leben aus…

Ihr, die ihr das Kreuz als untrennbare Gefährtin in eurem Leben getragen habt, glaubt Mir, daß das Kreuz d a s Tor sein wird zum ewigen Leben. Deshalb umarmt es und liebt es wie den kostbarsten Schatz!“ (Jesus an Sr. Josefa Menendez, 1923)

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

Ewiger Vater,
wir opfern Dir das göttliche Blut,
das Dein Sohn Jesus Christus während Seiner schmerzhaften Passion vergossen hat.
Durch Seine Wunden,
durch Sein mit Dornen durchbohrtes Haupt,
durch Sein göttliches Herz
und durch all Seine Verdienste
vergib uns Sündern und rette uns.
Göttliches Blut unseres Erlösers,
mit Ehrfurcht und unendlicher Liebe beten wir Dich an,
um Genugtuung für die Beleidigungen und Schmähungen der Menschen zu leisten.

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