Posts Tagged ‘Sünde’

„Es genügt nicht, das Böse nicht zu tun; man darf auch nicht begehren, es zu tun“ (1)

27/07/2010

Der Traum der Valtorta

Es war im fortgeschrittenen Frühling des Jahres 1916 – auch nach so vielen Jahren erinnere ich mich noch genau an das Datum –, es war in der Nacht vom 17. zum 18. Juni (Maria Valtorta war damals 19 Jahre alt, Anm. d. Red.). Ich machte eine furchtbare Zeit der Verzweiflung und Begierde durch… Von allen Frömmigkeitsübungen hatte ich, glaube ich, einzig die Kommunion am ersten Freitag des Monats beibehalten. Meine Seele war vergiftet und rebellisch. Stellen Sie sich vor, ob ich da noch Gott im Sinn haben konnte. Nein, was mich betrifft, war keinerlei Vorbereitung auf diesen Traum da. Ich war vielmehr am anderen Ufer, weit entfernt von Gott.

Maria Valtorta mit 15 Jahren

Maria Valtorta fünfzehnjährig (mit Genehmigung des Centro Editoriale Valtortiano)

Im Traum sah ich eine schöne Landschaft. Über die grünen Wiesen strich ein milder leichter Wind, so daß die winzigen Grashalme wogten und die vielfarbigen Blumen einander küßten. Da und dort standen einige Bäume, die wie Riesen wirkten, die miteinander redeten. Ein bläulicher Fluß mit niederen Ufern und ruhigen Wassern teilte die schöne Landschaft in zwei Teile. In der Ferne verloren sich die Hügel… Ich bin mir heute wie damals sicher, daß ich während meiner vielen Reisen durch ganz Italien nie einen solchen Ort gesehen habe. Ich lief über das smaragdgrüne Gras und bückte mich, um Blumen zu pflücken.

Plötzlich sah ich an meiner Seite einen jungen Mann. Er war wunderschön, groß, von dunklem Teint, mit gekräuseltem Haar, sehr dunklen Augen, die wie Sterne strahlten, und einem vollen, lächelnden Mund. Er war mit einer Tunika bekleidet, die bis zum Boden reichte, und schien mir ein Orientale zu sein, so zwischen Beduine und antikem Römer. Er kam immer näher zu mir heran und erkundigte sich höflich, was ich täte. Schließlich begann auch er, Blumen für mich zu pflücken. So schöne hatte ich noch nie gesehen, denn kaum berührte er etwas, so wurde es wunderschön. Es machte mir Freude, mit ihm zu sprechen und ihn in meiner Nähe zu haben. Er war so schön und freundlich!… Er war geradezu verführerisch, und ich war glücklich, ihm begegnet zu sein.

Doch – doch da tauchten im Hintergrund, fast am Horizont, auf der anderen Seite des Flusses, drei Personen auf. Auch sie trugen ein locker herabfallendes Gewand und einen Mantel. Sie schritten rasch und doch mit großer Würde auf uns zu. Ich betrachtete sie wie bezaubert, denn es ging etwas Geheimnisvolles von ihnen aus, das zunahm, je mehr sie sich uns näherten.


Der schöne junge Mann an meiner Seite sagte mir: „Nicht hinschauen, komm weg!“ und legte mir eine Hand auf die Schulter, um seinen Willen durchzusetzen. Ich erhob den Kopf, um ihn anzuschauen, denn er war viel größer als ich, und ich war verblüfft über die Veränderung seiner Gesichtszüge. Ein aus Angst und Zorn gemischter Ausdruck hatte sich auf seinem Gesicht ausgebreitet und es entstellt. Ich erschrak fast und antwortete, indem ich versuchte, mich aus seinem Griff zu befreien: „Laß mich sehen, dann komme ich mit.“ Aber der Jüngling, der immer unruhiger wurde, wiederholte: „Komm weg, komm weg. Diese drei sind dir feindlich gesinnt und wollen dir Böses tun.“ Ich erwiderte: „Das ist nicht möglich! Sie haben zu gute Gesichter.“

Nun konnte man bereits die Gesichtszüge der drei unterscheiden. Einer war ein älterer Mann mit einem strengen Gesicht, eher aus dem Volk. Er trug einen mehr grau als schwarzen Bart, der ihm Wangen und Kinn bedeckte und nur die kräftigen Backenknochen freiließ, die von einigen leichten Falten gefurcht waren.

Die Haare waren ziemlich kurz geschnitten, aber nicht so, wie sie die Männer jetzt tragen, ein Mittelding zwischen längerem und zeitgenössischem Schnitt. Seine sehr lebhaften und strengen Augen wanderten immer von mir zu seinem Gefährten in der Mitte, mit dem er sich angeregt unterhielt. Der andere war ein Jüngling im Alter von ungefähr zwanzig, höchstens fünfundzwanzig Jahren. Während der erste ein graues Gewand und einen tabakbraunen Mantel anhatte, trug der zweite ein rotes Gewand mit einem etwas dunkleren Mantel derselben Farbe. Letzterer war ziemlich groß und schlank, hatte ein sehr schönes, bartloses Gesicht mit einem frischen, rosigen Teint, sehr sanfte, gütige, hellblaue Augen und fahlblondes Haar, das bis zum Hals reichte und leicht gewellt war. Auch er sprach mit dem in der Mitte, aber mit großer Gelassenheit, und betrachtete mich voller Mitleid.

(weiter zu Teil 2)

Auszug aus der Autobiographie von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch

 

Angriff auf die Kirche aus ihrem Inneren heraus

17/05/2010

Die katholische Kirche ist in großer Bedrängnis. Der aufgebauschte Missbrauchsskandal wird nun zunehmend von diversen Priestern, Bischöfen und Kardinälen genutzt, um innerkirchlich abzurechnen und verquere und unkatholische Ansichten in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

So hat Kardinal Schönborn letztens gefordert, die Kirche müsse sich der Homosexualität öffnen und wiederverheiratete Geschiedene sollen zum Altarsakrament zugelassen werden.

Margot Käßmann wurde an Christi Himmelfahrt erlaubt, im Herzen des katholischen Bistums München, im Liebfrauendom (!), u.a. zu behaupten, die Pille sei ein „Geschenk Gottes“ und fördere die „Liebe ohne Angst“. Nach diesen provokanten und mit der katholischen Lehre unvereinbaren Äußerungen geschah… gar nichts! Der zuständige Erzbischof Marx ließ keinen Pieps verlauten und von Erzbischof Zollitsch kam die lahme und nichtssagende „Entgegnung“, die Pille sei von Menschen gemacht. Kein Wort zur Notwendigkeit von Reinheit und Keuschheit in unserer dekadenten, sexualisierten Gesellschaft, kein Wort dazu, dass die Pille kindstötend wirken kann, nichts.

Der Petersdom (Foto: M. Möller)

Im Wort zum (gestrigen) Sonntag verbreitet derweil der Rottenburger Priester Michael Broch ungehindert seine Sicht der Dinge über den Äther. Er fragt sich, zu welchen tiefgreifenden Reformen „aus dem Geiste Jesu“ die katholische Kirche nun fähig ist und hofft, „dass das von zölibatären Männern beherrschte System Kirche sich öffnet für demokratische Strukturen, sich öffnet für die Gleichstellung von Frau und Mann in allen Bereichen. Dass die Kirche offen, bescheiden, mitfühlend gerade auch auf die Menschen zugeht, die anders leben, als es offiziell- kirchlichen Vorstellungen entspricht. Ich denke an wiederverheiratete Geschiedene oder an homosexuelle Partnerschaften.“ Gleichzeitig spricht er der katholischen Kirche ab, die Hüterin der Wahrheit, der Leib Christi zu sein: „Und die Wahrheit besitzt niemand, keine Kirche, keine Religion.“

Dieser Priester, von dem man sich fragen muss, wieso er eigentlich in der katholischen Kirche ist, ist seit diesem Jahr neuer Geistlicher Direktor des Instituts zur Förderung des Publizistischen Nachwuchses (ifp) in München, einer Journalistenschule katholischer Trägerschaft! Erzbischof Zollitsch beglückwünschte ihn persönlich und schrieb, er sei sicher, dass die Bischofskonferenz in Broch einen „überzeugenden Kandidaten“ gefunden habe. Das verheißt nichts Gutes für den katholischen Journalistennachwuchs, dessen offizielle Journalistenschmiede somit von liberalen Relativisten unterwandert und beeinflusst wird, während der echte katholische Journalismus in immer grössere Bedrängnis gerät und ins Ausland, sozusagen in den Untergrund gedrängt wird (siehe die Mitteilung der Seite „katholisches.info).

Auch der Hamburger Weihbischof Jaschke biegt sich seinen eigenen Kathechismus zurecht: Wenn es ihr Gewissen zulässt und sie sich ehrfürchtig verhalten, sind auch Nicht-Katholiken zur Kommunion eingeladen, sagt er und setzt sich damit eiskalt über die geltenden Richtlinien zur Vorraussetzung des Kommunionempfanges hinweg.

„Die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Innern. Die Sünde existiert im Innern der Kirche», hat der Papst letzte Woche während einer Pressekonferenz gesagt. Man gewinnt den Eindruck, als meine er damit nicht nur den Missbrauchsskandal, sondern den grossen satanischen Angriff auf die katholische Kirche aus ihrem Inneren heraus, den wir zur Zeit erleben.

„Der Schuldigen weise ich den Weg der Rettung“

22/03/2010

(Erklärungen Jesu zur Episode „Jesus, die Pharisäer und die Ehebrecherin“ – Entsprechung im Johannesevangelium: 8,1-11)

Jesus spricht:

„Was mich verletzt hat, war der Mangel an Liebe und Aufrichtigkeit der Ankläger. Nicht dass ihre Anklage falsch gewesen wäre, die Frau war wirklich schuldig. Aber sie waren unaufrichtig und taten, als ob sie Ärgernis nähmen an einer Sünde, die sie selbst tausendmal begangen hatten und die nur wegen ihrer größeren Schlauheit und weil sie mehr Glück gehabt hatten, unbekannt geblieben war. Die Frau war bei ihrer ersten Sünde weniger schlau und hatte nicht viel Glück. Aber keiner ihrer Ankläger und Anklägerinnen – denn auch die Frauen, die zwar ihre Stimmen nicht zur Anklage erhoben, beschuldigten sie in ihrem Herzen – war frei von Schuld.

Ehebrecher ist, wer die Tat begeht, aber auch, wer mit seinem ganzen Sein danach verlangt. Unzucht begeht sowohl der, der sündigt, als auch der, der zu sündigen begehrt. Es genügt nicht, das Böse nicht zu tun, man darf auch nicht danach begehren.

Wer sich sinnlichen Gedanken hingibt und sinnliche Gefühle durch Lektüre und durch vorsätzlich und aus ungesunder Gewohnheit gesuchte Schauspiele erregt, ist ebenso unrein wie der, der sich tatsächlich schuldig macht. Ich wage zu sagen: er ist noch schuldiger; denn er verstößt mit seinen Gedanken gegen die Natur, nicht nur gegen die Sittlichkeit. Ich spreche nicht von dem, der wirklich naturwidrige Akte begeht. Die einzige Entschuldigung für einen solchen wäre eine organische oder psychische Krankheit. Wer aber diese Entschuldigung nicht hat, steht um zehn Stufen tiefer als das schmutzigste Tier. Damit einer gerecht urteilen kann, muss er selbst frei von Schuld sein.

Bezüglich der wichtigsten Vorraussetzungen für einen Richter verweise ich euch auf die früheren Diktate.

Mir waren die Herzen jener Pharisäer und Schriftgelehrten nicht unbekannt, ebenso wie die der anderen, die sich ihnen angeschlossen hatten, um gegen die Schuldige loszuziehen. Sünder gegen Gott und gegen den Nächsten waren sie, schuldig gegenüber der Religion, schuldig gegenüber den Eltern und den Nächsten, schuldig vor allem auch, und am häufigsten, gegenüber ihren Frauen. Wenn ich durch ein Wunder ihrem Blut befohlen hätte, ihre Sünden auf ihre Stirn zu schreiben, dann hätte unter den vielen Anklagen die des tatsächlichen oder gedanklichen Ehebrechers vorgeherrscht. Ich habe gesagt: „Was aus dem Herzen des Menschen kommt, ist es, was den Menschen befleckt.“ Abgesehen von mir selbst war dort niemand unter den Richtern, der ein reines Herz gehabt hätte.

Unaufrichtig und lieblos waren sie. Nicht einmal ihre eigene Ähnlichkeit mit ihr in bezug auf die Begierlichkeit, konnte sie zur Barmherzigkeit bewegen. Ich, der ich als einziger Abscheu hätte empfinden müssen, übte Liebe gegenüber dieser gedemütigten Frau. Erinnert euch jedoch daran: Je besser einer ist, desto barmherziger ist er mit den Schuldigen. Nicht die Sünde selbst entschuldigt er, das nicht, aber er bedauert die Schwachen, die der Sünde nicht widerstehen konnten.

Der Mensch! Oh! Leichter als ein schwaches Rohr und eine feine Zaunwinde gibt er der Versuchung nach und klammert sich an Dinge, von denen er Trost und Stütze erhofft.

Oft kommt es ja gerade beim schwachen Geschlecht zur Sünde, weil man Trost zu finden sucht. Daher sage ich, wer es seiner Frau oder auch der eigenen Tochter an Liebe fehlen lässt, ist zu neunzig Prozent an der Sünde seiner Frau oder seiner Tochter schuld und wird an ihrer Stelle Rechenschaft dafür ablegen müssen. Sowohl die übertriebene Liebesbezeigung, die zur törichten Sklaverei eines Mannes gegenüber der Frau oder eines Vaters gegenüber der Tochter führt, als auch die Vernachlässigung, oder schlimmer die Sünde der sinnlichen Lust, die den Mann zu fremder Liebe treibt und die Eltern zu anderen Interessen als die der Erziehung ihrer Kinder, sind der Ursprung der Hurerei und des Ehebruchs, und daher verurteile ich sie. Ihr seid vernunftbegabte Wesen, die von einem göttlichen Gesetz oder von einem Sittengesetz geleitet werden. Sich zu einer wilden oder tierischen Lebensweise zu erniedrigen, müsste eurem Hochmut verabscheuenswert erscheinen. Aber den Stolz, der in diesem Falle sogar nützlich wäre, habt ihr nur für ganz andere Dinge.

Ich habe Petrus und Johannes auf verschiedene Art angeschaut, denn dem ersten, einem Mann,  wollte ich sagen: „Petrus, fehle auch du nicht gegen die Liebe und die Aufrichtigkeit.“ Außerdem wollte ich ihm als meinem zukünftigen Hohenpriester sagen: „Erinnere dich dieser Stunde und urteile in Zukunft wie dein Meister.“ Dem anderen hingegen, einem Jüngling mit der Seele eines Kindes, wollte ich sagen: „Du kannst urteilen und urteilst nicht, weil du ein Herz wie das meine hast. Danke, Geliebter, der du so sehr mein eigen bist, dass du mein zweites Ich geworden bist.“ Ich habe beide fortgeschickt, bevor ich die Frau rief, um ihre Demütigung nicht zu vermehren durch die Anwesenheit zweier Zeugen.

Lernt, ihr Menschen ohne Barmherzigkeit: Wie schuldbeladen einer auch sein mag, soll er doch immer mit Achtung und Liebe behandelt werden. Freut euch nicht über seine Demütigung. Zieht nicht über ihn her, nicht einmal mit neugierigen Blicken. Erbarmen, Erbarmen für den, der gefallen ist!

Der Schuldigen weise ich den Weg zur Rettung: Die Rückkehr nach Hause, das demütige Bitten um Verzeihung und das Erlangen der Verzeihung durch ein rechtschaffenes Leben. Sie soll nicht mehr den Versuchungen des Fleisches nachgeben und die Güte Gottes und der Menschen nicht missbrauchen, um nicht durch eine zweifache oder vielfache Sünde noch schwerer büssen zu müssen als bisher. Gott verzeiht, und er verzeiht, weil er die Güte ist. Aber der Mensch weiß nicht zweimal zu verzeihen, obwohl ich gesagt habe: „Verzeih deinem Bruder siebenmal siebzigmal.“

Ich gebe ihr nicht den Frieden und den Segen, weil ich bei ihr noch nicht die entschiedene Absage an die Sünde gefunden habe, die erforderlich ist, um Verzeihung zu erlangen. In ihrem Fleisch und leider auch in ihrem Herzen herrscht nicht die Abscheu vor der Sünde. Maria von Magdala hatte, als sie mein Wort begriff, Abscheu vor der Sünde und war zu mir gekommen mit dem unbeugsamen Willen, ein anderer Mensch zu werden. In dieser Frau jedoch schwankten die Stimmen des Fleisches und des Geistes noch. Sie konnte in der Verwirrung der Stunde noch die Axt an den Wurzelstock des Fleisches legen und ihn ausreißen, um befreit von ihrer Last sehnsüchtig dem Reiche Gottes entgegenzugehen; befreit von dem, was zum Untergang führt, und bereichert mit dem, was Rettung bedeutet.

Willst du wissen, ob sie später gerettet wurde? Nicht für alle bin ich der Erlöser gewesen. Für alle wollte ich es sein, und doch war ich es nicht, denn nicht alle sehnten sich danach, gerettet zu werden. Und das ist einer der furchtbarsten Pfeile gewesen, die mein Herz durchbohrten in der Agonie von Gethsemane. (…)“

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band IX) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch

Jesus, die Pharisäer und die Ehebrecherin

18/03/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 21. März 2010: Joh 8,1-11)

Ich sehe die Umfassungsmauer des Tempels von innen, also einen der vielen Höfe, die von Säulenhallen umgeben sind. Ich sehe auch Jesus, der ganz in den Mantel gehüllt ist, den er über seinem Gewand trägt, das nicht weiß, sondern dunkelrot ist und aus einem schweren wollenen Gewebe zu sein scheint. Jesus spricht von viel Volk umgeben.

Ich würde sagen, daß es ein Wintertag ist, denn ich sehe alle in dicke Mäntel gehüllt. Es muß sehr kalt sein, denn anstatt stillzustehen, gehen alle rasch hin und her, als wollten sie sich auf diese Weise erwärmen. Es bläst auch ein starker Wind, der die Mäntel bewegt und den Staub in den Höfen aufwirbelt.

Die Gruppe, die sich um Jesus drängt und die als einzige stillsteht, während alle anderen, die sich um diesen oder jenen Meister scharen, hin- und hergehen, teilt sich nun, um einen kleinen Trupp heftig gestikulierender Schriftgelehrter und Pharisäer vorbeizulassen, die giftiger sind als je zuvor. Sie sprühen Gift aus ihren Augen, ihrer Gesichtsfarbe und ihrem Mund. Welche Vipern! Sie führen, oder vielmehr schleifen eine Frau von etwa dreißig Jahren mit wüstem Haar und ungeordneter Kleidung mit sich, die aussieht, als sei sie mißhandelt worden, und die jetzt weint. Vor Jesus werfen sie sie zu Boden, als wäre sie ein Haufen Lumpen oder ein toter Balg. Dort bleibt sie zusammengekauert liegen, das Gesicht auf den Armen, die es verbergen und gleichzeitig ein Kissen auf dem Boden bilden.

„Meister, diese wurde auf frischer Tat ertappt, als sie Ehebruch beging. Ihr Gemahl liebte sie und ließ es ihr an nichts fehlen. Sie war Königin in ihrem Haus, aber sie betrog ihn, weil sie eine undankbare, lasterhafte Sünderin ist, die ihr Haus entehrt. Eine Ehebrecherin ist sie, und als solche muß sie gesteinigt werden. Moses hat es befohlen. In seinem Gesetz gebietet er, daß Frauen, wie sie, wie unreine Tiere gesteinigt werden müssen. Und unrein sind sie, denn sie mißbrauchen das Vertrauen ihres Mannes, der sie liebt und für sie sorgt, und wie das immer durstige Erdreich sind sie unersättlich in ihrem Verlangen nach Wollust. Schlimmer als Huren sind sie, denn ohne durch die Not gezwungen zu sein, geben sie sich hin, um ihre Begierde zu sättigen. Sie sind ansteckend in ihrer Verkommenheit und müssen zum Tode verurteilt werden. Moses hat es befohlen. Und du, Meister, was sagst du dazu?“

Jesus hat bei der stürmischen Ankunft der Pharisäer aufgehört zu sprechen. Er schaut die armselige Meute mit seinen durchdringenden Augen an, senkt dann den Blick auf die zu seinen Füßen liegende, gedemütigte Frau und schweigt.

Er beugt sich nieder, ohne sich von seinem Sitz zu erheben, und schreibt mit einem Finger auf den vom Wind mit Staub bedeckten Boden der Säulenhalle. Sie reden, und er schreibt.

 

Christus und die Ehebrecherin (E. Signol)

„Meister, wir sprechen mit dir. Höre uns zu. Antworte uns. Hast du nicht verstanden? Diese Frau ist beim Ehebruch ertappt worden, in ihrem eigenen Haus, im Ehebett ihres Mannes. Sie hat es mit ihrer Unzucht beschmutzt.“

Jesus schreibt.

„Der Mann ist blöde! Seht ihr nicht, daß er nichts versteht und Zeichen in den Staub schreibt wie ein armer Irrer?“

„Meister, um deines guten Namens willen, sprich. Deine Weisheit antworte auf unsere Frage. Wir wiederholen dir: Dieser Frau hat es an nichts gefehlt. Sie hatte Kleider, Nahrung, Liebe und sie hat ihren Mann betrogen…“

Jesus schreibt.

„Sie hat ihren Mann belogen, der ihr vertraute. Mit lügnerischem Mund hat sie ihn gegrüßt und mit einem Lächeln zur Türe begleitet, und dann hat sie die geheime Türe geöffnet und ihren Liebhaber eingelassen. Und während der Gatte abwesend war, um für sie zu arbeiten, hat sie sich wie ein unreines Tier in ihrer Wollust gewälzt.“

„Meister, sie hat das Gesetz entheiligt, nicht nur das Ehebett. Sie ist eine Rebellin, eine Schänderin, eine Gotteslästerin.“

Jesus schreibt. Er schreibt, verwischt das Geschriebene wieder mit seinen Sandalen und schreibt dann daneben weiter, während er sich langsam um sich selbst dreht, um noch mehr Platz zum Schreiben zu finden. Er gleicht einem spielenden Kind; doch das was er nacheinander geschrieben hat, sind nicht die Worte eines Spiels. Er hat geschrieben: „Wucherer… Lügner… unehrerbietiger Sohn… Ehebrecher… Mörder… Gesetzesschänder… Usurpator… Dieb… Unzüchtiger… unwürdiger Gatte und Vater… Gotteslästerer… Rebell gegen Gott…“, und immer neue Worte schreibt er, während immer neue Ankläger reden.

„Aber nun höre doch endlich, Meister! Gib ein Urteil ab. Die Frau muß gerichtet werden. Sie darf mit der Last ihrer Sünden nicht die Erde beflecken. Ihr Atem ist ein Gifthauch, der die Herzen verwirrt.“

Jesus erhebt sich. Barmherzigkeit! Welch ein Antlitz! Flammende Blitze, die auf die Ankläger fallen. Er scheint noch stattlicher als sonst, mit hocherhobenem Haupt. Er gleicht einem König auf seinem Thron, so streng und feierlich ist er. Sein Mantel ist ihm von seiner Schulter geglitten und bildet eine kleine Schleppe hinter ihm. Aber er kümmert sich nicht darum.

Mit unbeweglichem Antlitz, ohne den leisesten Schatten eines Lächelns um Mund und Augen, richtet er seinen Blick auf die Menge, die zurückweicht wie vor zwei spitzen Klingen. Er schaut einen nach dem anderen fest an, mit prüfender Intensität, die Furcht einflößt. Die, die er so angesehen hat, versuchen sich in der Menge zu verbergen. So wird der Kreis immer größer und löst sich auf, wie von einer geheimen Kraft gesprengt.

Endlich spricht er: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie.“ Seine Stimme gleicht dem Donner, begleitet von den noch lebhafteren Blitzen seiner Augen. Jesus, die Arme vor der Brust gekreuzt, steht aufrecht da wie ein Richter, der wartet. Sein Blick läßt ihnen keine Ruhe. Er forscht, durchdringt, klagt an.

Zuerst einer, dann zwei, dann fünf und schließlich in Grüppchen entfernen sich die Anwesenden mit gesenktem Haupt. Nicht nur die Schriftgelehrten und die Pharisäer, sondern auch die, die sich schon zuvor um Jesus geschart hatten, und andere, die nähergetreten waren, um seine Ansicht und die Verurteilung zu hören, und die zusammen mit den übrigen die Schuldige beschimpft und ihre Steinigung gefordert hatten.

Jesus bleibt allein mit Petrus und Johannes zurück. Die anderen Apostel sehe ich nicht.

Jesus hat wieder begonnen zu schreiben, während die Ankläger geflohen sind, und nun schreibt er: „Pharisäer… Nattern… Gräber voller Unrat… Lügner… Verräter… Feinde Gottes… Beleidiger seines Wortes… „

Als der ganze Hof sich geleert hat und ein großes Schweigen eingetreten ist, hört man nur noch das Rauschen des Windes und das Plätschern eines Brünnleins in einer Ecke. Da erhebt Jesus sein Haupt und schaut sich um. Sein Antlitz ist nun ruhig, traurig, aber nicht mehr erzürnt. Er blickt Petrus kurz an, der sich etwas entfernt und an eine Säule gelehnt hat, und dann Johannes, der fast hinter ihm steht und ihn mit seinen liebevollen Augen anschaut. Der Schatten eines Lächelns gleitet über das Antlitz Jesu, als er Petrus ansieht, und als er den Blick auf Johannes richtet, wird es lebhafter. Zwei verschiedene Lächeln.

Dann betrachtet er die Frau, die immer noch weinend zu seinen Füßen liegt. Er beobachtet sie. Sie richtet sich auf und bringt ihr Gewand in Ordnung, als wolle sie sich auf den Weg machen. Jesus gibt den beiden Aposteln einen Wink, sich zum Ausgang zu begeben.

Als sie allein sind, ruft er die Frau: „Frau, höre mir zu. Schau mich an.“ Er wiederholt seinen Befehl, da sie nicht wagt, ihr Haupt zu erheben. „Frau, wir sind allein. Schau mich an.“

Die Unglückliche erhebt ihr Gesicht, auf das Tränen und Staub eine Maske der Demütigung gezeichnet haben.

„Frau, wo sind deine Ankläger?“ Jesus spricht leise, mit mitleidigem Ernst. Sein Antlitz und sein Körper neigen sich leicht über dieses Elend auf dem Boden, und mit Augen voll des Erbarmens und der Aufmunterung fragt er: „Hat dich niemand verurteilt?“

Die Frau antwortet zwischen zwei Seufzern: „Niemand, Meister.“

„Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige nicht mehr. Geh  nach Hause und bitte Gott und den Betrogenen um Verzeihung. Mißbrauche nicht die Güte des Herrn. Geh.“

Er hilft der Frau aufzustehen, indem er ihre Hand nimmt. Aber er segnet sie nicht und sagt auch nicht den Friedensgruß. Er sieht sie fortgehen mit geneigtem Haupt und etwas wankend unter dem Gewicht ihrer Schande, und als sie verschwunden ist, geht auch er mit den beiden Jüngern.

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band IX) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch

Erklärungen Jesu zur vorstehenden Episode

Das Gleichnis vom guten Landmann (Feigenbaum)

06/03/2010
(zum Sonntags-Evangelium vom 7. März 2010: Lukas 13,1-9)

„(…) Eines Tages wird das, was ich gesät habe, aufgehen. Man darf sich nicht von den ersten Niederlagen entmutigen lassen. Hört dieses Gleichnis. Es könnte den Titel tragen: Das Gleichnis vom guten Landmann.

Ein reicher Mann hatte einen großen und schönen Weinberg, in dem auch Feigenbäume verschiedener Güte waren. Die Arbeiten im Weinberg besorgte einer seiner Knechte mit viel Erfahrung als Winzer und im Beschneiden der Obstbäume, der seine Pflicht in Liebe zu seinem Herrn und zu den Pflanzen erfüllte. Alle Jahre ging der Reiche in der schönsten Jahreszeit mehrmals in seinen Weinberg, um das Heranreifen der Weintrauben und der Feigen zu betrachten und um sie zu genießen, indem er sie mit eigenen Händen von den Pflanzen pflückte.

Eines Tages kam er zu einem besonders edlen Feigenbaum, dem einzigen Baum dieser Art im Weinberg. Wie in den beiden letzten Jahren, fand er ihn auch jetzt wieder voller Blätter, aber ohne Früchte. Er rief den Winzer herbei und sagte: ‚Es sind nun schon drei Jahre, daß ich komme und an diesem Feigenbaum Früchte suche, jedoch nur Laub vorfinde. Ich sehe nun, daß dieser Baum nie mehr Früchte tragen wird. Haue ihn um. Es ist zwecklos, daß er hier den Platz beansprucht und deine Zeit verschwendet, um schließlich doch nichts hervorzubringen. Säge ihn ab, verbrenne ihn, grabe seine Wurzeln aus und setze an die Stelle einen neuen Baum; in einigen Jahren wird er Früchte bringen.‘

 

Jan Luyken – Das Gleichnis vom Feigenbaum

Der Winzer, der geduldig und liebevoll war, antwortete: ‚Du hast recht, aber laß mich ihn noch ein Jahr pflegen. Ich werde ihn nicht absägen, sondern vielmehr mit noch größerer Sorgfalt den Boden um ihn herum auflockern, ihn düngen und bewässern. Vielleicht wird dann doch noch Früchte tragen. Wenn er nach diesem letzten Versuch keine Früchte tragen sollte, werde ich deinen Wunsch erfüllen und ihn umhauen.‘

Chorazim ist der Feigenbaum, der keine Früchte trägt; ich bin der gute Gärtner, und ihr seid der ungeduldige Reiche. Laßt den guten Gärtner wirken!“

„Gut! Aber du hast dein Gleichnis nicht beendet. Hat der Feigenbaum dann im nächsten Jahr Früchte getragen?“ fragt der Zelote.

„Er hat keine Früchte getragen und ist umgehauen worden. Aber der Gärtner konnte eine noch junge kräftige Pflanze mit gutem Gewissen fällen, denn er hatte seine Pflicht getan. Auch ich will gerechtfertigt sein hinsichtlich derer, an die ich die Axt anlegen werde, um sie aus meinem Weinberg zu entfernen, wo es unfruchtbare und giftige Pflanzen, Schlangennester, Parasiten und Schädlinge gibt, welche den Jüngern schaden oder sie gar verderben, oder auch ungerufen, mit ihren bösartigen Wurzeln und widerspenstig gegen jede Veredelung, in meinen Weinberg eindringen, um sich dort zu vermehren. Sie haben sich nur eingeschlichen, um auszukundschaften, anzuschwärzen und mein Feld unfruchtbar zu machen. Diese werde ich ausrotten, nachdem ich alles versucht habe, um sie zu bekehren.

Vorerst jedoch, bevor ich die Axt zur Hand nehme, ergreife ich das Messer und die Baumschere und beschneide und veredle… Oh, es wird eine harte Arbeit sein, sowohl für mich, der sie ausführt, als auch für jene, an denen sie vorgenommen wird. Aber es muss geschehen, damit man im Himmel sagen kann: ‚Alles hat er getan, doch sie sind immer unfruchtbarer und bösartiger geworden, je mehr er sie bewässerte und veredelte, je mehr er das Erdreich auflockerte und düngte, mit Schweiß und Tränen, mit Mühen und Blut…‘ Nun sind wir im Dorf angekommen. Geht alle voraus und fragt nach einer Unterkunft. Du, Judas von Kerioth, bleibe bei mir!“

Sie bleiben und gehen im Halbdunkel des Abends schweigend nebeneinander.

Schließlich sagt Jesus, so als rede er mit sich selbst: „Und doch, auch wenn man bei Gott in Ungnade gefallen ist, weil man sich gegen sein Gesetz gehandelt hat, kann man immer noch zurückkehren und das werden, was man vorher war, wenn man der Sünde entsagt…“

Judas sagt nichts.

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band VI) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die heilige Fastenzeit (2)

18/02/2010

Ebenso wie die Kirche unter dem Namen Fasten aller Werke christlicher Abtötung begreift, so versteht sie unter dem Namen Gebet alle frommen Übungen, mit welchen sich die Seele an Gott wendet. Der häufige Besuch der Kirche, die tägliche Beiwohnung der heiligen Messe, fromme Lesungen, Betrachtungen über die Heilswahrheiten und das bittere Leiden und Sterben des Erlösers, Gewissenserforschung, der Besuch der Fastenpredigten und vor allem der Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares, das sind die wichtigsten Mittel, wodurch die Gläubigen dem Herrn die Huldigung des Gebetes darbringen können. Das Almosen umfaßt alle Werke der Barmherzigkeit gegen den Nächsten (…).

Ein Mittel, um uns der Früchte des Fastens zu versichern, ist der Geist der Zürückgezogenheit und der Trennung von der Welt. Die Bräuche dieser heiligen Zeit sollen sich in allem von dem übrigen Teil des Jahres unterscheiden; sonst würde der heilsame Eindruck, welchen wir in dem Augenblick empfangen, da die Kirche uns mit dem Kreuz von Asche bezeichnete, in wenigen Tagen verwischt sein. Der Christ soll daher die eiteln Vergnügungen, die weltlichen Unterhaltungen und Zusammenkünfte abbrechen.

Zum wahrhaften Fasten gehört auch die Flucht vor der Sünde, die Unterdrückung der bösen Neigungen, der Eifer im Gebete, Tränen und Zerknirschung und die Sorge für die Armen (…). Alle haben die Pflicht, sich ein geistiges Fasten aufzuerlegen, welches in Änderung des Lebens, Flucht vor der Sünde, Streben nach allen guten Werken besteht. Vereinige das wenige, was du dir während der heiligen Fastenzeit zu tun vornimmst, mit allem, was das Haupt aller Büßer während seines 40tägigen Fastens für uns getan.

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tägliche Gewissenserforschung

Die heilige Fastenzeit (1)

15/02/2010

Auszug aus dem Missale Romanum von 1910, erschienen in der Herder’schen Verlagsbuchhandlung, Freiburg:

Mit dem Namen Fastenzeit bezeichnet die Kirche die 40tägige Vorbereitung auf Ostern. Die Einsetzung dieser feierlichen, durch das Beispiel Jesu Christi geheiligten Zeit, reicht bis in die Anfänge des Christentums hinauf und rührt nach dem Hl. Hieronymus, Leo dem Großen usw. schon von den Aposteln her. Sie ist eine vor allen andern der Buße gewidmete Zeit, welche hauptsächlich in der Übung des Fastens zum Ausdruck kommt, d.h. jener freiwilligen Enthaltung von Speisen, die der Mensch zur Sühne seiner Sünden sich auferlegt.

Die Zahl der 40 Tage, welche die heilige Fastenzeit dauert, ist bedeutungsvoll. 40 Tage und 40 Nächte regnete es bei der Sündflut; 40 Jahre irrten die Israeliten in der Wüste umher; 40 Tage fastete Moses, ehe er sich Gott auf dem Sinai, und ebensolang Elias, als er sich dem Herrn auf dem Berg Horeb nahte; 40 Tage und 40 Nächte fastete der Sohn Gottes. (…)

Die Wüste in Judäa (Foto D. Shankbone)

Der Mensch ist Sünder, darum ist auch die Sühne notwendig, die er mit Hilfe der unschätzbaren Verdienste Christi leisten kann. „Wenn ihr nicht Buße tut“, sprach der Heiland selbst, „so werdet ihr alle gleicherweise zu Grunde gehen“ (Lk 13,3). Die Buße besteht aber in der Zerknirschung des Herzens und in der Abtötung des Leibes; der Mensch, aus Leib und Seele zusammengesetzt, kann nicht mit dem einen Teile Gott die schuldige Huldigung darbringen, mit dem anderen aber nicht; es wäre keine rechte Buße, wenn nicht die innerlichen Gefühle der Reue auch in äußeren Bußwerken zu Tage träten, wie auch der Heiland sich damit nicht begnügt, bloß innerlich über unsere Sünden zu seufzen.

Da der Leib als Werkzeug der Sünde ebenfalls der Sünde gedient, so muß er auch mitbüßen, und es wäre eitle Selbsttäuschung, wollte man die körperliche Abtötung für überflüssig halten. (…) So wollen wir denn entschlossen den heiligen Pfad betreten, welchen die Kirche uns eröffnet. Wir wollen unser Fasten noch durch die beiden anderen Mittel, die Gott uns in der Heiligen Schrift vorstellt, Gebet und Almosen, befruchten.

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„Wehe euch!“

14/02/2010
(zum Sonntags-Evangelium vom 14. Februar 2010: Lukas 6,17.20-26.)

Jesus fährt fort:

„Ich habe gesagt, daß man dem Gesetz treu sein, demütig und barmherzig sein soll, daß man nicht nur die Menschen seines eigenen Geblütes lieben soll, sondern auch jene, die wie wir Menschen und somit unsere Brüder sind. Ich habe euch gesagt, daß Vergebung besser ist als Groll, daß Nachsicht besser ist als Unerbittlichkeit. Nun aber sage ich euch, daß man nicht verurteilen darf, wenn man nicht selbst frei von der Sünde ist, die man verurteilen will. Macht es nicht wie die Schriftgelehrten und wie die Pharisäer, die streng mit allen, aber nicht mit sich selbst sind, die unrein nennen, was äußerlich ist und nur das Äußere verunreinigen kann, und dann in tiefster Brust, im Herzen, der Unreinheit Raum gewähren.

Gustave Doré: Die Bergpredigt

Gott ist nicht mit den Unreinen, denn die Unreinheit zerstört, was Gottes Eigentum ist: die Seele, und besonders die Seelen der Kinder, der auf der Erde verstreuten Engel. Wehe allen, die ihnen mit der Rohheit dämonischer Bestien die Flügel ausreißen, diese Himmelsblumen in den Schmutz ziehen und in ihnen den Lebensgenuss wecken! Wehe! Es wäre besser, sie würden vom Blitz getroffen verbrennen, als einer solchen Sünde zu verfallen!

Wehe euch Reichen und Genießern! Gerade unter euch gärt die größte Unreinheit, der Müßiggang und Geld als Bett und Polster dienen. Ihr seid jetzt überfüttert. Bis an die Kehle reicht euch die Begehrlichkeit und würgt euch. Aber einst werdet ihr einen Hunger kennenlernen, einen schrecklichen, unersättlichen Hunger, der nicht gelindert werden kann und ewig dauert! Jetzt seid ihr reich. Wieviel Gutes könntet ihr mit eurem Reichtum tun! Aber ihr benützt ihn zum Bösen, sowohl für euch als auch für die anderen. Eines Tages werdet ihr eine entsetzliche Armut kennenlernen, und sie wird kein Ende nehmen. Nun lacht ihr. Ihr wähnt zu triumphieren, doch eure Tränen werden die Pfuhle der Hölle (Gehenna) füllen, und sie werden endlos fließen.“

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band III) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die Bekehrung des Augustinus (5)

03/12/2009

Daher kehrte ich eiligst auf den Platz zurück, wo Alypius sass; denn dort hatte ich die Briefe des Apostels liegen lassen, als ich aufgestanden war. Ich griff nach ihnen, öffnete sie und las für mich das Kapitel auf das zuerst meine Augen fielen: „Nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Zank und Neid; sondern ziehet den Herrn Jesum Christum an und pfleget nicht des Fleisches in seinen Lüsten.“ Ich wollte nicht weiter lesen, es war auch nicht nötig; denn bei dem Schlusse dieses Satzes strömte das Licht der Sicherheit in mein Herz ein, und alle Zweifel der Finsternis verschwanden.

Dann legte ich den Finger oder ein anderes Zeichen auf die Stelle, schloss das Buch und machte mit bereits ruhiger Miene dem Alypius Mitteilung von dem Vorfalle. Er aber tat mir kund, was in ihm vorging und was ich natürlich nicht wusste, auf folgende Weise. Er bat, die Stelle einsehen zu dürfen; ich zeigte sie ihm, und er las noch über meine Stelle hinaus. Was folgte, wusste ich nicht. Es folgte aber: „Des Schwachen aber im Glauben nehmet euch an“. Dies bezog jener, wie er mir eröffnete, auf sich. Durch diese Ermahnung wurde er nur noch bestärkt; ohne Zaudern und Unruhe trat er meinem Entschlusse und meinen guten Vorsätzen bei; entsprachen sie doch so ganz seinen Sitten, in denen er sich schon längst zu seinem grössten Vorteile von mir unterschied.

Dann gingen wir zur Mutter und erzählten ihr; gross war ihre Freude. Wir erzählten ihr, wie es sich zugetragen: sie jubelte und triumphierte und pries dich, der du die Macht hast, mehr zu tun, als was wir bitten oder verstehen; sah sie doch, dass du mir weit mehr gegeben, als sie in ihrem Jammer und ihrem tränenreichen Seufzen für mich zu erbitten pflegte.

Denn du hast mich zu dir bekehrt, so dass ich nun auch kein Weib mehr begehrte noch sonst etwas, worauf die Hoffnung dieser Welt gerichtet ist. Ich stand nunmehr mit ihr auf dem Richtscheite des Glaubens, auf dem du mich ihr vor so vielen Jahren gezeigt hattest, „Und du hast ihre Trauer in Freude umgekehrt“ und zwar in weit reicherem Masse, als sie selbst es gewollt hatte, und ihre Freude war viel köstlicher und keuscher, als wenn sie sie in leiblichen Enkeln gesucht hätte.

Quelle: Hl. Augustinus (354-430 n. Chr.): „Bekenntnisse“, Buch 8

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Sandro Botticelli - Der Heilige Augustinus

Der Fernsehsender BR-alpha zeigt am 25. und 26. Dezember 2009 um 20.15 Uhr die auf Anregung des Papstes entstandene Verfilmung des Lebens des Hl. Augustinus,  näheres siehe HIER.

„Maria kann die Zweitgeborene des Vaters genannt werden“

29/08/2009

„Gott besaß mich zu Beginn seiner Werke“ (Spr 8,22)

Jesus sagt: „Heute schreibe nur dies! Die Reinheit hat einen solchen Wert, dass der Schoß einer Frau den Unerfassbaren nur umfassen konnte, weil sie die höchste Reinheit besaß, die ein Geschöpf Gottes haben kann.

Die Allerheiligste Dreifaltigkeit stieg mit ihren Vollkommenheiten herab, wohnte mit ihrem unendlichen Sein in einem kleinen Raum – ohne dadurch von ihrer Unendlichkeit zu verlieren – und offenbarte sich mit ihren charakteristischen Eigenschaften:

Der Vater wiederum als Schöpfer, wie am sechsten Tage. Er schuf eine wahre „Tochter“, seiner würdig und ihm ähnlich. Der Stempel Gottes war in Maria eingeprägt, so klar und scharf, dass er nur im Erstgeborenen des Vaters (Röm 8, 29) vollkommener war. Maria kann die „Zweitgeborene“ des Vaters genannt werden, weil sie wegen der verliehenen und bewusst bewahrten Vollkommenheit, wegen der Würde als Braut und Mutter Gottes und als Königin des Himmels die Zweite nach dem Sohn des Vaters ist; die Zweite im ewigen Gedanken des Vaters, der von Ewigkeit her an ihr Wohlgefallen fand.

Der Sohn, der auch für sie „der Sohn“ war, lehrte sie – durch den geheimnisvollen Eingriff der Gnade – seine Wahrheit und Weisheit, als er noch ein Keim war, der in ihrem Schoß heranwuchs.

Der Heilige Geist erscheint den Menschen in einem vorweggenommenen, verlängerten Pfingstfest als Liebe in „der, die er liebte“; als Trost durch die Frucht ihres Schoßes; als Heiligung durch die Mutterschaft des Heiligen.

Raphael: Conestabile Madonna

Raphael: Conestabile Madonna

Um sich den Menschen in einer neuen und vollkommenen Weise zu offenbaren, welche das Zeitalter der Erlösung einleitet, wählte Gott nicht einen Stern des Himmels zu seinem Thron oder den Palast eines mächtigen Herrschers; auch nahm er nicht die Flügel der Engel zum Schemel seiner Füße. Vielmehr wollte er einen Schoß ohne Makel. (…)“

Auszug aus dem Band “Der Gottmensch Bd I″ von Maria Valtorta, mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.

Aufnahme Marias in den Himmel

Maria muss Eva auslöschen