Posts Tagged ‘Toleranz’

Sie sind Katholik, Herr Bundespräsident?

30/06/2010

Gestatten: Dr. Christian Wulff, frischgewählter Bundespräsident, Katholik. Geschieden, in zweiter Ehe verheiratet. Zwei Kinder mit zwei Frauen. Patchwork- Familienvater. Religiös tolerant, er beruft die erste türkischstämmige muslimische Ministerin Deutschlands in sein niedersächsisches Kabinett.

Sozialministerin Özkan, die noch vor ihrer Vereidigung mit der Forderung nach Abschaffung der Kruzifixe in Schulen Akzente setzt. In einem Beschwichtigungsschreiben an besorgte Bürger lobt Wulff Özkan als „ideale Brückenbauerin … zwischen Christen und unseren muslimischen Mitbürgern“. Das Kreuz sei für sie „Symbol der Toleranz des christlichen Glaubens gegenüber anderen Religionen“.

Gegenüber Bild am Sonntag kritisiert Wulff kürzlich den Zölibat als zu hohe Anforderung des Priesteramtes und fordert intensiveren Diskurs über die Zulassung von Frauen für kirchliche Ämter.

Der Bundespräsident, ein Katholik? Gut für Deutschland! Wenn er denn die Lehre der Kirche beherzigen würde. Herr Wulff hingegen demonstriert einen Katholizismus eigener Definition, der sich kaum vom weltlichen Zeitgeist aus religiöser Indifferenz und selbstgedrucktem Moralkatalog unterscheidet. Wir empfehlen dem Bundespräsidenten dringend einen Glaubenskurs, das tägliche Rosenkranzgebet, und Lektüre der Bücher Maria Valtortas!

Briefwechsel mit den Domherren (3)

11/03/2010

von Lomitas

Sehr geehrter Herr Weihbischof,

zunächst einmal vielen Dank für Ihre Antwort. Wir waren nicht sicher, ob überhaupt eine Antwort kommen würde und waren daher umso angenehmer überrascht, als dann Ihr Brief kam.

Fürbitte für Brückenbau-Austausch im interreligiösen Bereich: Feindschaft, glaube ich, besteht eigentlich nicht, das wäre schlimm. Aber Austausch ist nur möglich, wenn die eigenen Standpunkte klar sind und auch ganz klar vertreten werden. Austausch wäre vielleicht ganz gut, aber heutzutage wo aufgrund des Wohlstandes den Kirchen die Leute weglaufen, erscheinen mir diese Art des Austausches fast schon Art Torschlusspanik zu sein.

Eigentlich sehe ich keinen Sinn in einer Ökumene, die ja fast nur auf Kosten der katholischen Kirche gehen kann. Die Gefahr sehe ich in dem Verlust einiger über 2000 Jahre bewährter katholischer Traditionen: Eucharistie in jeder Messe, Sakramente (Beichtgelegenheit) Zölibat, keine Frauen als Priester/Bischöfe – alles Werte, die jetzt überall andauernd angeprangert werden. Aus genau diesen Werten bezog die katholische K. ihre Kraft damals, wie auch jetzt. Und in dem Maße wie die katholische Kirche immer mehr unter Beschuß kommt, sehe ich Fürbitten, die von „Brückenbau“ handeln, eher kritisch.

Hl. Petrus u. Hl. Paulus (G. Reni)

Denn die einzige apostolische Nachfolge ist seit Petrus in der „Einen“ katholischen Kirche geschehen. Sonst hätte Jesus den Luther beauftragt. Wünschen würde ich mir etwas mehr katholisches Selbstbewusstsein. Toleranz ist gut, aber nicht auf Kosten von Aushöhlung der eigenen Identität. Austausch kann ich persönlich mir nur auf finanzieller Ebene vorstellen, Spenden für Arme, soziale Einrichtungen vielleicht.

Ich empfinde die Vorbereitung, die Konsekrierung als einen großen Spannungsbogen, der in der Austeilung der Hostie ihren Höhepunkt findet. Der Friedensgruß genau vor der Kommunion schwächt diesen Bogen empfindlich. Mir persönlich ist es unangenehm jedem wildfremden Menschen die Hand zu geben, aufgrund einer kirchlichen Ordnung. Wir waren in NRW bei Menden in einer Messe, bei der es keinen Friedensgruß gab: die Konzentration blieb bei Besuchern, wie auch den durchführenden Priestern während der gesamten Zeremonie erhalten. Das fühlt sich ganz anders an.

Die musikalische Begleitung mittels Gitarre mutet mir schon eher als „Volksinstrument“ an, auch wenn es mittlerweile zum kirchenmusikalischen Repertoire gehört, klingt es in dem ehrwürdigen 1000jährigen Dom nicht „standesgemäß“. Da klingt die Orgel doch schon ganz anders, um zwischen „Himmel und Erde“ zu vermitteln.

Zur Ministrantin möchte ich noch sagen, daß es auch mir auffällt, das sie „geschwächt“ (nicht bei sich selber) wirkt, womöglich nimmt sie Medikamente? Das ist heutzutage leider keine Seltenheit mehr, wie ich in meiner direkten Umgebung erleben muß. Manchmal ist aber eine klare Position auch hilfreicher für so ein Mädchen, als das Nachgeben „um des lieben Friedens Willen“.

Anbringen möchte ich noch, daß mir manche Begebenheiten der Geschichte in der Tat nicht so bekannt sind, bzw. Begriffe wie Gabenbereitung sind vermutlich falsch gewählt. Selbst bin ich erst seit knapp 2 Jahren in der katholischen Kirche angekommen. Daher kenne ich manche Entwicklungen oder Pfarrer aus der Vergangenheit nicht so, sondern betrachte nur, was sich mir hier bietet. Daß inzwischen die in meinem ersten Brief von mir kritisierte evangelisch geschiedene Bischöfin schon wieder aus dem Amt ist, das hätt ich so nicht gedacht. So schnell kann es gehen!!

Aber es stimmt mich traurig, das die katholische Kirche, die über Jahrtausende die Lehre Christi aufrecht erhalten hat, so dermaßen angegriffen wird. Ganz zu schweigen von den inzwischen bekannt gewordenen Missbrauchs- und Vertuschungspraktiken in manchen Klöstern. Womöglich muß sie wirklich das Leiden und Sterben Christi durchleben… Und vielleicht ist es ja so, das ein Neu-Katholik ohne überheblich sein zu wollen, manche Dinge noch mit klareren Augen sieht, als diejenigen, die schon von Geburt an katholisch waren, aber leider sich dieser Kirche (inzwischen) nicht mehr zugehörig fühlen.

In diesem Sinne und nochmals mit vielen Dank für Ihre Antwort,

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Schweiz verbietet Minarettbau

30/11/2009

Die Schweiz hat entschieden – gegen den Bau von Minaretten. Minarette sind Türme an oder neben einer Moschee, von denen die Muslime zum Gebet gerufen werden. Sie stellen außerdem ein Symbol politischer Macht dar. Das Abstimmungsergebnis war eindeutig: 59 % der Stimmen haben sich für das Verbot ausgesprochen. Die Stimmenverteilung zeugt jedoch von einer gespaltenen Meinung im Land: mit Ausnahme von Basel stimmten sämtliche deutschsprachigen und die katholischen Kantone für das Verbot. Die Westschweizer Kantone Neuenburg, Waadt und Genf stimmten dagegen.

Mit der Minarett-Abstimmung hat die Schweiz ein prekäres Thema angeschnitten: die vielbeschworene Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Im christlich geprägten Abendland, in dem die christliche Tradition und ihre Werte leider immer weiter an Bedeutung verlieren, erschallt der Ruf nach Toleranz ungeniert laut, und meist wird ihm Folge geleistet. Politische Korrektheit und religiöser Relativismus sind längst an die Stelle der demütigen Akzeptanz einer absoluten, der christlich-katholischen Wahrheit getreten. Ein gefährlicher Weg, der beschritten wird.

Außer Acht wird in der Toleranzdebatte nämlich gelassen, dass der Islam, für dessen ungehinderte Ausübung und Manifestation in christlichen Ländern sich so vehement eingesetzt wird, selbst ja alles andere als tolerant gegenüber Andersgläubigen ist. Von den weltweit über 200 Millionen Christen, die verfolgt werden, erfährt der Großteil Repressalien und Gewaltattacken in islamischen Ländern (siehe Open Doors‘ World Watch List). Der Glaubensabfall vom Islam kann gemäß Scharia mit strengen Repressalien bis hin zu lebenslanger Haft und Todesstrafe geahndet werden.

Der Präsident des päpstlichen Migrantenrates, Erzbischof Antonio Maria Veglio argumentiert, man dürfe die Religionsausübung einer Minderheit auch dann nicht einschränken, selbst wenn diese in ihren Heimatländern Andersgläubige unterdrücke, man solle ihr sozusagen mit gutem Beispiel vorangehen. Doch diese Haltung führt in eine Sackgasse, aus der es nicht leicht sein wird, wieder hinaus zu gelangen. Es muss unseren nach wie vor mehrheitlich christlichen Ländern wieder oberstes Anliegen werden, die eigene Religion und Tradition selbstbewusst zu verteidigen und jene, die sie unverhohlen angreifen und zu zerstören trachten, in ihre Schranken zu weisen!

Die Schweizer Bischofskonferenz zeigte sich über das Ergebnis der Abstimmung besorgt, da „das Bauverbot für Minarette das gute Zusammenleben der Religionen und Kulturen nicht fördert, sondern diesem im Gegenteil schadet.“ Weiter wird befürchtet, dass das Verbot „den bedrängten und verfolgten Christen in islamischen Ländern nichts nützen wird und der Glaubwürdigkeit ihres Engagements in diesen Ländern schadet.“

Angesichts solcher Aussagen drängt sich die Frage auf, ob und inwieweit die Erlaubnis des Baus von Minaretten in christlichen Ländern den verfolgten Christen in islamischen Ländern denn in ihrer bedrohlichen Lage helfen würde. Die Antwort liegt klar auf der Hand: Nein, das wäre sicher keine Hilfe! Es würde sich vielmehr als Zeichen der Duldung jener Unterdrückung deuten lassen.

Das Schweizer Abstimmungsergebnis mag sich angesichts dieses weltumspannenden Konfliktes wie ein Tropfen auf heißem Stein ausmachen, doch es hat ein Signal gesetzt, dessen Strahlkraft hoffentlich eine ganze Weile anhalten wird.