Archive for the 'VALTORTA: Jungfrau Maria' Category

„Maria ist Miterlöserin“

01/01/2013

1. Januar 2013: Hochfest der Gottesmutter Maria

Benozzo Gozzoli

2. Juli [1943]

Jesus sagt: 

„Schreibe sofort, so lange Ich noch mit Leib und Blut, mit Seele und Gottheit in dir bin. Du hast daher die Fülle der Weisheit in dir.

Maria lebte gleichsam ihr Leben lang eucharistisch.

Die göttliche Mutter ist nicht anders als der göttliche Sohn. Nicht in der menschlichen Natur, nicht in der übermenschlichen Mission der Erlösung.

Der göttliche Sohn sollte den Gipfel des Schmerzes in der Losgetrenntheit vom göttlichen Vater berühren: im Garten Getsemani, am Kreuz. Das war der aufs äußerste, zu unendlicher Herbheit gesteigerte Schmerz. Die göttliche Mutter sollte die Losgetrenntheit vom Sohn in den drei Tagen meiner Grabesruhe als den Gipfel des Schmerzes durchleiden.

Da war Maria allein. Es blieben ihr nur der Glaube, die Hoffnung und die Liebe. Ich war hingegen abwesend. Das war das Schwert, das nicht nur in ihrem Herzen steckte, sondern es durchschnitt und in ihm wühlte. Einzig und allein durch den Willen des Ewigen Vaters ist sie nicht daran gestorben. Denn, ohne die Vereinigung mit ihrem Sohn und Gott zu bleiben, war für die Voll-der-Gnade eine solche Qual, dass sie, ohne diese besondere Gnade zu erhalten, daran hätte sterben müssen.

Es gibt viele geheime Seiten, die ihr nicht kennt, in dem Buch über das Leben der Allerreinsten Miterlöserin. Ich habe euch schon gesagt (*): „Die Geheimnisse Mariens sind zu rein und göttlich, als dass menschlicher Geist sie erfahren dürfte“. Ich spiele nur insoweit darauf an, als Ich in euch die Verehrung derjenigen, die im Himmel nächst Gott die Heiligste ist, vermehrt sehen möchte.

Jene so überaus schmerzensreiche Stunde in dem Meer der Bitterkeiten, welches das Leben meiner Mutter kennzeichnete, die seit dem Augenblick ihrer Empfängnis dem tiefsten Schmerz wie der höchsten Freude geweiht war, war nötig, um das zu ergänzen, was an Meiner Passion noch fehlte.

Maria ist Miterlöserin. Da alles in ihr nur wenig geringer als das in Gott ist, sollte auch ihr Schmerz so sein, dass ihm kein Schmerz einer menschlichen Kreatur jemals würde gleichkommen können.

Fahre nun fort in deinem Gebet. (…)“

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(*) Im Diktat vom 19. Juni

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

„Maria kann die Zweitgeborene des Vaters genannt werden“

„Maria muss Eva auslöschen“

„Das Heil der Welt liegt in Maria“

„Wisst ihr nicht, dass Maria mein Tempel ist?“

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Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel

14/08/2012

„Dies ist das vollkommene Werk des Schöpfers.

Dies ist, was ich mir unter allen Menschenkindern zum wahren Bild und Gleichnis schuf, die Frucht eines schöpferischen und göttlichen Meisterwerkes, das Wunder des Universums, das in einem einzigen Wesen durch die wie Gott ewige, geistige, vernunftbegabte, freie und heilige Geistseele das Göttliche vereint mit dem materiellen Geschöpf im unschuldigsten, heiligsten Fleisch, vor dem alles Lebende in den drei Reichen der Schöpfung sich verneigen muss.

Dies ist der Beweis meiner Liebe zum Menschen, für den ich ein vollkommenes Wesen und das selige Los des ewigen Lebens in meinem Reich wollte. 

Dies ist der Beweis meiner Vergebung für den Menschen, dem ich durch den Willen einer dreifachen Liebe die Wiedergutmachung und Wiederherstellung vor meinen Augen gewährt habe. 

Dies ist der mystische Prüfstein.

Dies ist das Verbindungsglied zwischen Mensch und Gott.

Dies ist sie, die die ersten Tage der Zeit wiederbringt und meinen göttlichen Augen die Freude gewährt, eine Eva zu betrachten, wie ich sie erschaffen hatte und die nun noch viel schöner und heiliger ist, denn sie ist die Mutter meines Wortes und die Märtyrerin der großen Vergebung. Um ihres unbefleckten Herzens willen, das keinen Makel, auch nicht den geringsten, kannte, öffne ich nun die Schätze des Himmels, und um ihres Hauptes willen, in dem nie der Hochmut wohnte, fasse ich meinen Glanz in einen Stirnreif und kröne sie, denn sie ist mir heilig und soll eure Königin sein!“

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. XII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Die Aufnahme Marias in den Himmel

Das Heil der Welt liegt in Maria

Die demütige und große Königin der Welt

Mariä Heimsuchung

31/05/2011

wird heute gefeiert. Hier geht’s zum entsprechenden Valtorta-Auszug. 


Jesus befragt seine Mutter über die Apostel

05/04/2011

Nun sehe ich – ungefähr zwei Stunden später – das Haus von Nazareth. Ich erkenne das Zimmer des Abschieds, zum Garten hin geöffnet, wo die Pflanzen in voller Reife stehen.

Jesus und Maria sitzen beisammen. Sie sitzen nebeneinander auf der Steinbank vor dem Hause. Es scheint, dass sie das Abendbrot bereits eingenommen haben und die anderen (ich sehe niemand) sich schon zurückgezogen haben. Mutter und Sohn erfreuen sich gegenseitig an einem innigen Gespräch. Die innere Stimme sagt mir, dass dies wohl das erste Mal ist, dass Jesus nach der Taufe, nach dem Fasten in der Wüste und besonders nach der Bildung des Apostelkollegiums in Nazareth weilt. Er erzählt der Mutter von den ersten Tagen der Verkündigung des Evangeliums, von den ersten Siegen über die Herzen. Maria hängt an den Lippen ihres Jesus.

Sie ist magerer, viel bleicher, als habe sie in der letzten Zeit gelitten. Unter ihren Augen sind tiefe Schatten eingegraben, wie bei jemand, der viel nachgedacht und geweint hat. Doch nun ist sie glücklich und freut sich. Sie lächelt und streichelt die Hand ihres Jesus. Sie ist glücklich, ihn bei sich zu haben: von Herz zu Herz mit ihm im Schweigen des hereinbrechenden Abends.


Es muss Sommer sein, denn Jesus hat die ersten reifen Früchten des Feigenbaums gepflückt; er braucht dazu nur aufzustehen, so tief hängen sie herab. Er gibt die schönsten seiner Mutter , nachdem er sie zuvor sorgfältig geschält hat, so dass sie wie rotgestreifte Knospen aussehen in einer Blütenkrone von weissen Blütenblättern innen und violetten aussen. Er bietet der Mutter die Frucht auf seiner Handfläche an und freut sich darüber, dass sie ihr schmeckt.

Dann fragt er sie plötzlich: „Mama, du hast die Jünger gesehen. Was denkst du über sie?“

Maria, die soeben eine dritte Feige zum Mund führen wollte, schaut auf, hält in der Bewegung inne und blickt Jesus an.

„Was hältst du von ihnen, nun, da ich sie dir alle vorgeführt habe?“ fragt Jesus noch einmal.

„Ich glaube, dass sie dich lieben und dass du viel von ihnen erwarten kannst. Johannes… liebe Johannes, wie nur du lieben kannst. Er ist ein Engel. Ich bin beruhigt, wenn ich weiss, dass er bei dir ist. Auch Petrus ist gut, etwas rauh, denn er ist schon älter, aber aufrichtig und überzeugt. Auch sein Bruder. Sie lieben dich jetzt, so gut sie können. Aber sie werden dich immer mehr lieben. Auch unsere Vettern. Jetzt, da sie sich durchgerungen haben, werden sie dir treu bleiben. Doch der Mann von Kerioth… er gefällt mir nicht. Mein Sohn, sein Auge ist nicht klar und sein Herz noch weniger. Ich habe Angst vor ihm!“

„Dir gegenüber ist er voller Achtung.“

„Zuviel Respekt. Auch dir gegenüber ist er respektvoll. Doch du bist für ihn nicht der Meister, sondern der zukünftige König, von dem er sich Nutzen und Ehre verspricht. Er war ein Nichts, ein klein wenig mehr als die anderen von Kerioth. Nun hofft er, an deiner Seite eine wichtige Rolle spielen zu können; o Jesus, ich will nicht gegen die Liebe fehlen, doch ich denke, auch wenn es mir schwerfällt, dass er im Falle einer Enttäuschung versuchen würde, an deine Stelle zu treten. Er ist ehrgeizig, habsüchtig, voller Sinnlichkeit und eher dazu geneigt, Höfling eines irdischen Herrschers zu sein als dein Apostel, mein Sohn! Ich fürchte ihn.“ Und die Mutter betrachtet ihren Jesus mit angstvollen Augen in ihrem blassen Antlitz.

Jesus seufzt. Er denkt nach. Er betrachtet seine Mutter. Er lächelt ihr zu, um sie zu ermutigen. „Auch er ist notwendig, Mama. Wenn er es nicht wäre, wäre ein anderer an seiner Stelle. Meine Jüngerschaft muss die Welt darstellen, und in der Welt sind nicht alle Engel, und nicht alle sind vom Schlag des Petrus und des Andreas. Wenn ich nur Vollkommenheiten wählte, wie könnten die armen, kranken Seelen hoffen, meine Jünger zu werden? Ich bin gekommen, um das Verlorene zu retten, Mama. Johannes ist von sich aus gerettet. Doch wie viele sind es nicht!“

„Für Levi habe ich keine Angst. Er wurde gerettet, weil er sich erlösen lassen wollte. Er hat seine Sünde mit seiner Zollbank verlassen und hat seine Seele erneuert, um zu dir zu kommen. Doch Judas von Kerioth ist anders. Der Hochmut nimmt seine alte, hässliche Seele immer mehr in Besitz. Doch du weisst diese Dinge, Sohn! Warum fragst du mich? Ich kann für dich nur beten und weinen. Du bist der Meister! Auch deiner armen Mutter.“

Die Vision endet hiermit.

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band II von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

25. März: Hochfest Verkündigung des Herrn

24/03/2011

„Hingezogen, geschoben durch seine Liebe, durch deren sich ausdehnende Kraft, vollbringt Gott eine verrückte Tat. Seine Liebe wird verrückt. Er durchbricht die Hindernisse der Vernunft, die Hindernisse, die ihm die Gerechtigkeit auferlegt. Er gehorcht einem Gesetz, das uns neu erscheint: dem der Barmherzigkeit. Er wird sich zur Sünde, zum Versagen hinunter beugen. Er hatte Treue verlangt, er wird der Sünde entgegenkommen. Er wird sein Wort in diese sündige Menschheit hinein projizieren. So steigt also die göttliche, ewige Zeugung auf die Erde in das Geschöpf hinab.

Die beiden Welten, Gott selbst und das Geschöpf, waren gewissermassen getrennt geblieben und hier vereinigen sie sich in der Menschwerdung, im Gottmenschen.“ (Pater Marie-Eugène, Die Freude der Barmherzigkeit)


„Das sind die Worte des Evangelisten: Der Engel trat bei ihr ein -zweifellos bei Maria – und sagte: Sei gegrüsst, du Begnadete, der Herr ist mit dir!

Trat bei ihr ein? Aber wo ein? Es muss, denke ich, in der Verborgenheit ihres einfachen Zimmerchens gewesen sein, wo sie sich, hinter verschlossener Tür aufhielt, um zu ihrem Vater im Himmel zu beten. Es ist die Eigenart der Engel, sich bei jenen aufzuhalten, die beten und die Gesellschaft jener zu lieben, die ihre reinen Hände zum Himmel erheben und mit Freude bringen sie Gott, im lieblichen Duft, das Sühneopfer ihrer heiligen Inbrunst dar.“ (Hl Bernard von Clairvaux, Super Missus)


Die (so wunderschöne) Valtorta-Vision zur Verkündigung des Herrn findet ihr hier

11. Februar: Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes

10/02/2011

Maria Valtorta hat am 4. Februar 1944 eine Vision von der Erscheinung von Lourdes:

(…) Dann taucht aus dem Licht meine süße Herrin, die ich so liebe, auf, die himmlische Mama, die ich nun so gut kenne. Sie lächelt mit ihrem Lilienantlitz, mit ihrem liebenden und keuschen Blick. Sie ist ganz in Weiß gekleidet, so wie ich sie im Paradies (*) geschaut habe, trägt aber eine lange Gürtelschärpe aus leuchtender, himmelblauer Seide, die in der Taille unter dem Herzen geknotet ist und fast bis auf den Saum des sehr langen Gewandes fällt, aus dem die zarten und rosigen Fußspitzen hervorschauen. Zwei Rosen stecken an dem Saum des Gewandes über den Füßen, zwei wundervolle Rosen, die wie aus Goldfiligran gestochen aussehen. Ein langer leichter und doch undurchsichtiger Schleier bedeckt sie vom Kopf bis zu den Füßen. Über den gefalteten Händen hängt ein langer Rosenkranz, der wie aus goldgefassten Perlen zu sein scheint. Es schien mir der vollständige Rosenkranz mit seinen 15 Gesätzen zu sein.

Ich vergaß Ihnen zu sagen, dass in dem Augenblick, als das Licht in der Felsspalte aufleuchtete, die Zweige des Rosenstrauches zu Füßen und längs der rechten Seite der Höhlung sich bewegten, als ob ein Windstoß seine dornigen Zweige und die darin verbliebenen, unter dem Frost eingeschrumpften, wie verrostet aussehenden rot-grünlichen Blätter gebeugt hätte.

Maria lächelt, ohne zu sprechen in dem Nimbus ihres goldenen Lichtes, das sie in dem Gewand und der Farbe ihrer Hände, ihres Halses und des so reinen, wenig älter als mädchenhaften Gesichtes noch schneeiger erscheinen lässt. Man würde ihr Alter höchstens auf zwanzig Jahre schätzen. Maria steigt zu der Öffnung der Felsspalte herab, bis an deren Rand. Ich sehe ihren leicht wiegenden Schritt, wie ich ihn schon andere Male kennen gelernt habe, als ich sie gehen sah; der charakteristische Schritt von jemand, der in absatzlosen Sandalen zu gehen gewohnt ist. Am Rand der Öffnung angelangt, bleibt sie genau über dem Rosenstrauch stehen.

Maria macht ein Kreuzzeichen über sich. Sie lehrt mich, wie man das Kreuzzeichen macht. Man muss sich schämen, wenn man bedenkt, wie wir das tun! Der Engel der Paradiesvision hat mich das „Ave Maria“ zu sprechen gelehrt. Maria lehrt mich nun: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu sprechen.

Sie löst nun die zum Gebet gefalteten Hände von einander, legt die linke auf ihr Herz, und berührt mit der vom Rosenkranz freien rechten ihre Stirn und, zum Himmel aufblickend, die Brust, die Schultern, um dann beim „Amen“ das Haupt zu neigen und die Hände wieder wie vordem zu falten. Dann lächelt sie wiederum. Vorher, als sie sich bezeichnete, war sie weder ernst, noch lächelnd: sie war ganz in Gott versunken.

Die Geste machte sie sehr weit ausladend und langsam. Nicht im entferntesten vergleichbar mit den unseren, die so aussehen … als ob wir Fliegen fortscheuchen wollten, und die auch in den Worten verstümmelt sind.

Dann beginnt sie, die Rosenkranzperlen durch ihre Finger gleiten zu lassen. Ganz langsam sagt sie mit lauter Stimme, wobei sie das Haupt wie zu einer Verbeugung neigt, das „Gloria Patri“. Während ich die „Ave“ und die „Paternoster“ spreche. lächelt sie schweigend. Der Wind bewegt ab und zu die Enden ihrer Seidenschärpe. Ein leichter Windhauch. (…)

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(*) Am 10. Januar

Mehr über die Erscheinung von Lourdes

Auszug aus “Die Hefte 1944” von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch


2. Februar: Fest der Darstellung des Herrn

01/02/2011

(…) Maria steigt vom Esel, nahe der Pforte, wo sich eine Art Stallung für Lasttiere befindet. Ich sage Stallung; aber es ist eine Art Schuppen, besser ein Wetterdach, wo Stroh gestreut ist und Pflöcke mit Ringen angebracht sind, an denen man die Vierfüßler anbinden kann. Joseph gibt einem jungen Mann einige Münzen für etwas Heu, holt in einem Wasserschlauch aus einem einfachen Ziehbrunnen in einem Winkel Wasser und tränkt den Esel.

Dann begibt er sich wieder zu Maria, und beide betreten den Tempelbereich. Sie wenden sich einem mit Säulenhallen umgebenen Hof zu, wo die Verkäufer sind, die Jesus später energisch geißeln wird; Verkäufer von Turteltauben und Lämmern sowie die Geldwechsler. Joseph kauft zwei weiße Täubchen. Geld wechselt er nicht. Offenbar hat er schon, was er braucht.


Joseph und Maria begeben sich nun zu einer Seitentür, zu der acht Stufen führen – wie mir scheint, ist dies vor allen Türen der Fall -, so dass sich der Kubus des Tempels etwas über dem normalen Boden erhebt. Dieser Tür folgt eine grosse Vorhalle, wie bei den Eingängen unserer großstädtischen Häuser; hier ist sie aber viel geräumiger und voller Schmuck. In ihr befinden sich rechts und links zwei Altäre oder zwei rechteckige Konstruktionen, deren Zweck ich vorläufig noch nicht einsehe. Es sind niedrige Wannen, denn der äußere Rand erhebt sich einige Zentimeter über die innere Fläche. Ein Priester eilt herbei; ich weiss nicht, ob Joseph ihn gerufen hat. Maria überreicht ihm die beiden Täubchen als Reinigungsopfer. Und ich wende, da ich das Los der Täubchen kenne, den Blick anderswohin. Ich betrachte die Ornamente des schweren Portals, der Decke, des Vorhofs. Nun scheint mir, dass der Priester Maria mit Wasser besprengt. Es muss wohl Wasser sein, denn ich sehe keine Flecken auf dem Gewand Marias. Sie hat dem Priester zusammen mit den Täubchen eine Anzahl Geldstücke gegeben (ich hatte vergessen, es zu sagen) und tritt nun mit Joseph und in Begleitung des Priesters in das eigentliche Tempelgebäude ein.

Ich schaue nach allen Seiten. Sie befinden sich in einem reich geschmückten Raum. Skulpturen, wie Engelsköpfe und Palmen und Verzierungen, laufen den Säulen, Wänden und der Decke entlang. Licht tritt ein durch merkwürdig lange, schmale Fenster, natürlich ohne Glas, die schräg die Wände durchbrechen. Ich nehme an, dass sie so gebaut worden sind, um das Eindringen des Regens zu verhindern.

Maria geht bis zu einer bestimmten Stelle. Dann bleibt sie stehen. Einige Meter vor ihr sind weitere Stufen, und über diesen erhebt sich eine Art Altar, und jenseits davon schliesst sich ein weiteres Gebäude an. Ich glaubte, schon im Tempel zu sein; in Wirklichkeit aber befinde ich mich in einem Bau, der den wahren und eigentlichen Tempel, das Allerheiligste, umgibt, in das, wie mir scheint, niemand außer dem Priester eintreten darf. Was ich für den Tempel hielt, ist nur eine geschlossene Vorhalle, die von drei Seiten den Tempel umschliesst, in dem sich der Tabernakel befindet. Ich weiss nicht, ob ich mich gut ausgedrückt habe, da ich weder Architekt noch Ingenieur bin.

Maria opfert das Kind, das nun aufgewacht ist und die unschuldigen Äuglein mit dem erstaunten Blick eines nur wenige Tage alten Kindes zum Priester hinwendet. Dieser nimmt es und hebt es mit ausgestreckten und zum Tempel hingewandten Armen empor, während er sich an den altarähnlichen Aufbau lehnt.

Der Ritus ist beendet. Das Kind wird der Mutter zurückgegeben, und der Priester geht fort. Neugieriges Volk steht da umher. Zwischen ihm macht sich ein gebeugter, hinkender Greis Platz, der sich auf seinen Stab stützt. Er muss sehr alt sein; ich schätze ihn über achtzig. Er nähert sich Maria und bittet sie, ihm für einen Augenblick den Kleinen zu geben. Lächelnd erfüllt Maria seinen Wunsch.


Simeon, von dem ich immer glaubte, dass er zur Klasse der Priester gehöre, der aber nur ein einfacher Gläubiger ist, wenigstens dem Gewand nach zu urteilen, nimmt ihn entgegen und küßt ihn. Jesus lächelt ihm zu, mit dem unsicheren Gesichtsausdruck, der den Säuglingen eigen ist. Es scheint, als beobachte er ihn neugierig; den der Alte weint und lacht zu gleicher Zeit, und die in die Falten fliessenden Tränen bilden ein Glitzerwerk und fallen dann auf den langen weissen Bart, nach dem Jesus seine Händchen ausstreckt. Jesus ist noch das Kindlein, das von allem angezogen wird, was sich bewegt, und alles anfassen möchte, um es besser anschauen zu können. Joseph und Maria lächeln, ebenso wie die Anwesenden, die die Schönheit des Kleinen loben.

Ich höre die Worte des heiligen Alten und bemerke den erstaunten Ausdruck Josephs (Lk 2,20-32) und die Rührung Marias und der kleinen Menge, die teils erstaunt und bewegt ist, teils bei den Worten des Greises in ein Gelächter ausbricht. Es sind auch bärtige Männer da und aufgeblasene Mitglieder des Synedriums, die den Kopf schütteln und mit ironischem Mitleid auf Simeon schauen. Sie glauben wohl, er habe infolge des Alters den Verstand verloren.

Das Lächeln Marias schwindet, und eine starke Blässe tritt in ihr Antlitz, als Simeon ihr das Leiden ankündigt (Lk 2, 34-35). Obwohl sie davon weiss, durchbohren die Worte ihre Seele. Maria nähert sich Joseph, um Trost zu finden und drückt in ihrem Schmerz das Kind an die Brust. Wie eine dürstende Seele trinkt sie die Worte der Anna des Phanuel in sich hinein, die sich als Frau ihres Schmerzes erbarmt und ihr verheißt, dass der Ewige ihr die Stunde der Leiden mit übernatürlicher Kraft lindern werde. „Frau! Dem, der seinem Volk den Erlöser geschenkt hat, wird die Macht nicht fehlen, seinen Engel auszusenden, damit er dir in deinem Leid beistehe. Die Hilfe des Herrn hat den grossen Frauen Israels nie gefehlt, und du bist viel grösser als Judith und Rachel (Judith 13; Richt 4, 17-23). Unser Gott wird dir ein Herz aus lauterem Gold geben, damit es dem Meer der Schmerzen gewachsen sei; denn du bist die größte Frau der Schöpfung, die Mutter. Und du, Kindlein, gedenke meiner in der Stunde deiner Sendung!“

Hier endet die Vision.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band I von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


26. Dezember: Fest der Heiligen Familie

25/12/2010

Die Heilige Familie in Ägypten

Eine liebliche Vision von der Heiligen Familie. Der Ort befindet sich in Ägypten; darüber besteht kein Zweifel, denn ich sehe die Wüste und eine Pyramide.

Ich sehe ein Häuschen, das aus einem weissen Erdgeschoß besteht. Ein armes Haus sehr armer Leute. Seine Mauern sind kaum verputzt und mit einer schwachen Kalkschicht bestrichen. Das Häuschen hat zwei nebeneinanderliegende Türen, die in die zwei einzigen Räume führen, in die ich vorerst nicht eintrete. Das Häuschen steht auf einem sandigen Boden, der von einem Schilfrohrhag eingezäunt ist. Nur ein schwacher Schutz gegen Diebe; er kann wohl höchstens Hunde oder umherirrende Katzen abwehren. Wer möchte auch dort etwas stehlen, wo offenbar keine Spur von Reichtum zu finden ist?

Um den Zaun etwas solider und weniger armselig erscheinen zu lassen, hat man an ihm eine einfache Ackerwinde emporklettern lassen. Nur auf der einen Seite ist ein blühender Jasminstrauch und ein Rosenstock von der allergewöhnlichsten Sorte. Das kleine Stück Land innerhalb des Rohrzauns ist sorgfältig bebaut. Trotz des trockenen und mageren Geländes ist ein kleines Gärtchen angelegt worden. Ich sehe das bescheidene Grün der wenigen Beete unter einem Baum mit hohem Stamm, dessen Namen ich nicht kenne; dieser gibt dem der Sonne sehr ausgesetzten Gelände und dem Häuschen etwas Schatten. An dem Baumstamm ist eine schwarzweiße Ziege angebunden, die Blätter von Zweigen, die auf dem Boden liegen, abreißt und wiederkäut.


Im Schatten des Baumes, auf einer am Boden ausgebreiteten Matte, sitzt das Jesuskind. Es scheint mir zwei, höchstens zweieinhalb Jahre alt zu sein. Es spielt mit einigen geschnitzten Figuren, die Schäfchen oder Pferdchen darstellen, und mit einigen hellen Holzspänen, die weniger geringelt sind als seine goldenen Locken. Mit den Patschhändchen versucht es, Hobelspäne um den Hals seiner Tierchen zu legen.

Das Jesuskind ist brav und lächelt. Ein wunderschöner Anblick! Ein Köpfchen voller goldener, sehr dichter Locken. Die Haut hell und zart gerötet; lebhafte, strahlende, tiefblaue Augen. Der Ausdruck ist natürlich nicht der frühere, aber an der Farbe der Augen erkenne ich meinen Jesus: zwei dunkle, überaus schöne Saphire. Es trägt eine Art langes weißes Hemdchen, das sicher als Tunika dient. Die Ärmel reichen bis zu den Ellbogen. Er ist zurzeit barfuß. Die Sandälchen liegen auf der Matte, und auch sie dienen dem Kind als Spielzeug; es legt seine Tiere auf die Sohle und zieht an den Nesteln des Sandälchens, als wäre es ein kleines Fuhrwerk. Es sind sehr einfache Sandälchen: eine Sohle und zwei Nesteln, von denen eine an der Spitze, die andere an der Ferse befestigt ist. Die an der Spitze teilt sich an einem bestimmten Punkt, und ein Teil geht durch die Öse des Riemens an der Ferse, um sich dann mit dem anderen Teil verflechten zu lassen und auf dem Rist des Fußes einen Ring zu bilden.

In geringer Entfernung, ebenfalls im Schatten des Baumes, sitzt die Muttergottes. Sie webt an einem einfachen Webstuhl und überwacht das Kind. Ich sehe, wie die feinen, weissen Hände das Weberschiffchen hin-und herbewegen; ihr mit Sandalen bekleideter Fuß tritt das Pedal. Sie trägt eine malvenfarbige Tunika: rötlich-violett wie gewisse Amethyste. Sie ist barhaupt, und so kann ich erkennen, dass ihre auf dem Haupt gescheitelten blonden Haare einfach gekämmt, zu zwei Zöpfen geflochten und am Nacken zu einem zierlichen Knoten zusammengefasst sind. Sie trägt lange, fast enge Ärmel. Sie hat keinen anderen Schmuck als ihre Schönheit und ihren lieblichen Gesichtsausdruck. Die Farbe des Gesichtes, der Haare, der Augen und die Gesichtsform sind so, wie ich sie immer sehe. Hier scheint sie sehr jung, höchstens zwanzig Jahre alt.

Auf einmal erhebt sie sich, beugt sich über das Kind, legt ihm die Sandälchen an und schnürt sie mit Sorgfalt. Dann liebkost sie es und küßt es auf das Köpfchen und die Äuglein. Das Jesuskind lallt etwas, und sie antwortet; aber ich verstehe die Worte nicht. Dann kehrt sie zu ihrem Webstuhl zurück, breitet über Leinwand und Gestell ein Tuch aus, nimmt den Schemel, auf dem sie gesessen hat, und trägt ihn ins Haus. Das Knäblein folgt ihr mit dem Blick, ohne sich zu ängstigen, weil sie es allein läßt.

Man sieht, dass die Arbeit beendet ist und der Abend hereinbricht. Tatsächlich senkt sich die Sonne über die nackte Landschaft, und ein wahrer Feuerbrand zieht am Himmel hinter der fernen Pyramide auf.

Maria erscheint wieder; sie nimmt Jesus bei der Hand und lässt ihn von seiner Strohmatte aufstehen. Das Kind gehorcht ohne Widerstand, während die Mutter das Spielzeug und die Matte zusammenrafft und ins Haus trägt. Es trippelt auf seinen wie gedrechselten Beinchen zur kleinen Ziege und wirft ihr die Ärmchen um den Hals. Die Ziege meckert und streift ihr Mäulchen an der Schulter Jesu.

Maria kommt wieder. Jetzt hat sie einen langen Schleier auf dem Haupt und einen Krug in der Hand. Sie nimmt Jesus beim Händchen, und beide gehen um das Häuslein herum auf die Vorderseite.

Ich folge ihnen mit meinen Augen und bewundere die Anmut des Bildes. Die Muttergottes bemisst ihren Schritt nach dem des Kindes, und das Kind trippelt an ihrer Seite. Ich sehe die rosigen Fersen, die mit der den Kinderschritten eigenen Grazie sich erheben und im Sand des Pfades aufsetzen. Es fällt mir auf, dass seine Tunika nicht bis zu den Füssen, sondern nur bis zur Mitte der Waden reicht. Sie ist sehr reinlich, sehr einfach und wird um die Lenden von einer ebenfalls weissen Kordel festgehalten.

Ich sehe, dass vor dem Haus der Zaun von einer einfachen Gartentür unterbrochen wird, die Maria öffnet, um auf den Weg hinauszutreten. Ein armseliger Weg am Rand einer Stadt oder eines Dorfes, was es auch immer sein mag, dort, wo es auf dem sandigen Boden endet; noch ein anderes Häuschen steht hier, arm wie das ihrige, mit einem kleinen Garten. Ich sehe niemanden. Maria schaut zur Ortsmitte hin, nicht zum Land, als ob sie jemanden erwarte; dann geht sie auf eine Quelle oder einen Brunnen zu, der  zehn, zwanzig Meter weit entfernt und von einigen schattigen Palmen umgeben ist. Ich sehe, dass der Boden dort auch grüne Gräser aufweist.

Ich sehe einen Mann des Weges kommen; er ist nicht sehr gross, aber kräftig. Ich erkenne in ihm Joseph. Er lächelt; er ist jünger als zu dem Zeitpunkt, da ich ihn in der Paradiesesvision sah. Er scheint höchstens vierzig Jahre zu zählen. Haut und Barthaare sind dicht und schwarz, die Haut etwas gebräunt, die Augen dunkel. Er hat ein ehrliches und ansprechendes Gesicht und einen Blick, der Vertrauen einflösst. Sobald er Jesus und Maria sieht, beschleunigt er seine Schritte. Auf der linken Schulter trägt er eine Säge und eine Art Hobel, und in der Hand hält er andere Werkzeuge seines Handwerks, die den heutigen ähnlich sind. Es scheint, dass er von einer Arbeit heimkehrt, die er in irgendeinem Haus geleistet hat.

Sein Gewand hat die Farbe zwischen nuss- und haselnussbraun; es ist nicht sehr lang; es endet ein gutes Stück über den Knöcheln, und die Ärmel reichen bis zu den Ellbogen. Um die Lenden trägt er einen Ledergurt, wie mir scheint; ein wahres Arbeitergewand. An den Füssen Sandalen, die um die Knöchel geschnürt sind.

Maria lächelt, das Kind gibt Freudenschreie von sich und streckt das freie Ärmchen aus. Bei der Begegnung der drei beugt sich Joseph über das Kind und gibt ihm eine Frucht, offenbar einen Apfel, nach Farbe und Form zu schliessen. Dann hält er ihm die Arme entgegen, und das Kind verlässt die Mutter und stürzt sich in Josephs Arme, neigt das Köpfchen zum Hals Josephs, küsst ihn und wird von ihm geküsst. Eine Szene voll zärtlicher Anmut.

Ich vergaß zu sagen, dass Maria bereitwillig die Arbeitswerkzeuge Josephs übernommen hat, um ihn für die Umarmung des Kindes frei zu machen.

Joseph erhebt sich wieder; er hatte sich bis zur Höhe Jesu niedergebeugt. Nun nimmt er mit der linken Hand seine Werkzeuge wieder und hält auf dem rechten Arm den kleinen Jesus fest an seine starke Brust. Er nähert sich dem Haus, während Maria zur Quelle geht, um ihren Krug mit Wasser zu füllen. Nachdem er in die Umzäunung des Hauses eingetreten ist, stellt Joseph das Knäblein zu Boden, nimmt den Webstuhl Marias und trägt ihn ins Haus; dann melkt er die Ziege. Und Jesus beobachtet aufmerksam jede Handlung, auch wie die Ziege in ihren kleinen Stall auf einer Seite des Hauses gebracht wird.

Der Abend sinkt hernieder. Ich sehe, wie das Rot des Sonnenuntergangs auf dem Sand in Violett übergeht; die Luft scheint vor Wärme zu zittern, und die Pyramide wird dunkler.

Joseph geht in das Haus, in ein Zimmer, das zugleich Werkstatt, Küche und Esszimmer ist. Es scheint, dass das andere Zimmer als Schlafraum dient. Aber dort sehe ich nicht hinein. Hier ist eine niedrige brennende Feuerstelle, dort eine Hobelbank, ein kleiner Tisch, ein Schemel, ein Gestell mit Geschirr und zwei Öllampen. In einem Winkel steht der Webstuhl.

Es herrscht sehr gute Ordnung und Reinlichkeit. Eine arme, aber äusserst saubere Wohnung.

Folgende Beobachtung mache ich immer wieder: Bei allen Visionen, die das menschliche Leben Jesu betreffen, habe ich bemerkt, dass sowohl Jesus als auch Maria, Joseph und ebenso Johannes immer ordentlich und reinlich sind in ihren Kleidern und in der Haarpflege. Bescheidene Gewänder und einfache Frisur, aber eine Reinlichkeit, die sie vornehm erscheinen lässt.

Maria kommt mit ihrem Krug zurück, und die Tür wird von der plötzlich hereinbrechenden Dämmerung geschlossen. Der Raum wird von einer Lampe erhellt, die Joseph angezündet und auf eine Bank gestellt hat. Dort hat er wieder begonnen, an kleinen Holzstücken zu basteln, während Maria das Abendbrot bereitet. Auch das Feuer erhellt den Raum.

Die Händchen auf die Bank gestützt und das Köpfchen nach oben gerichtet, beobachtet Jesus, was Joseph tut. Dann setzen sie sich nach einem Gebet zu Tisch. Sie machen natürlich nicht das Kreuzzeichen, aber sie beten. Joseph betet vor, und Maria antwortet. Ich verstehe nichts. Es muss ein Psalm sein. Aber es ist eine Sprache, die mir völlig unbekannt ist.

Dann setzen sie sich an den Tisch, auf dem jetzt die Lampe steht. Maria hat Jesus auf dem Schoß und gibt ihm Ziegenmilch zu trinken, in welche sie Brotstückchen eintunkt, die sie von runden Brotscheiben abgebrochen hat. Die Kruste des Brotes ist dunkel, aber auch die Krume. Das Brot ist aus Roggen- oder Gerstenmehl hergestellt, jedenfalls enthält es viel Kleie und ist grau. Dann setzt Maria Jesus neben sich auf ein Sesselchen und bringt gekochtes Gemüse auf den Tisch; es scheint mir gekocht und angemacht zu sein, wie wir es zu tun pflegen. Nachdem Joseph sich bedient hat, isst auch Maria davon. Jesus knabbert ruhig an seinem Apfel und lächelt, wobei seine weissen Zähnchen sichtbar werden. Die Mahlzeit endet mit Oliven oder Datteln; ich bin mir nicht sicher; für Oliven sind sie zu hell und für Datteln zu hart; Wein fehlt. Ein Nachtmahl armer Leute. Aber der Raum strahlt einen grossen Frieden aus; der Anblick eines prunkvollen Königspalastes könnte mir keinen so tiefen Eindruck vermitteln. Und welch eine Harmonie!

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band I von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

8. September: Fest Mariä Geburt

07/09/2010

„Das Heil der Welt liegt in Maria“

4. Juli 1943

Jesus sagt:

„Die Eucharistie ist Mein Blut und Mein Fleisch. Aber habt ihr je bedacht, dass dieses Blut und dieser Leib von dem Blut und der Milch Mariens gebildet wurden?

Sie, die Allerreinste, die in ihrem Schoße den Himmel empfing und das göttliche Wort des Vaters nach der göttlichen Hochzeit mit dem Heiligen Geist mit der unbefleckten Weiße ihres Fleisches umkleidete, hat sich nicht darauf beschränkt, den Heiland auf die Welt zu bringen. Sie hat Ihn mit ihrer Muttermilch genährt. Daher saugt auch ihr Menschen, die ihr euch von Mir nährt, die Milch Mariens, die zu Meinem Blut wurde, in euch auf.

Die jungfräuliche Milch. Wie könnt ihr denn so häufig Sklaven des Fleisches bleiben, wo doch zusammen mit Meinem Blut jene unbefleckte Milch in euch herabfliesst? Das ist, als ob ein Springbrunnen himmlischer Reinheit seine Fluten in euch ergösse. Und ihr verbleibt davon nicht gereinigt? Wie könnt ihr so sein, wenn in euch die Milch der Jungfrau und das Blut des Erlösers zirkuliert? Wenn ihr zu Meinem Tisch hintretet, ist es so, als ob ihr euren Mund an die keusche Brust der himmlischen Mutter legtet.

Denkt doch daran, ihr Kinder, die ihr Uns so wenig liebt. Ich bin froh, dass ihr an jener Brust, die Mich genährt hat, saugt. Aber ich möchte, dass in euch das Leben sich aufbaut wie bei Kindern, die an der Mutterbrust genährt werden. Ich möchte, dass ihr wachst und kräftig werdet. Die Milch der Amme überträgt außer dem physischen Leben auch sittliche Neigungen. Wie könnt ihr also, die ihr an dieser reinsten Brust genährt werdet, nicht auch geistige Ähnlichkeit von Maria annehmen? Sie drückt euch an ihr Herz, so abgezehrt, krank und schmutzig ihr auch seid. Sie reinigt euch, nährt euch und trägt euch zu ihrem Erstgeborenen, denn sie möchte, dass ihr Ihn liebt.

Ohne die Fürsorge Mariens und die Gebete Mariens würde es die menschliche Rasse nicht mehr geben. Ich würde sie auslöschen, denn eure Lebensweise hat die Tiefe des Bösen erreicht, und die göttliche Gerechtigkeit ist verletzt, die göttliche Geduld erschöpft, und die Bestrafung steht euch bevor. Aber da ist Maria, die sie mit ihrem Mantel abhält, und wenn Ich auch mit einem einzigen Blick das Paradies auf die Knie niederfallen und die Gestirne erzittern lassen kann, so vermag Ich nichts gegen meine Mutter.

Ich bin ihr Gott, aber Ich bin immer auch ihr kleines Kind. An diesem Herzen habe Ich in meinem ersten Kindesschlummer und im letzten meines Todes geruht, und von diesem Herzen kenne Ich alle Geheimnisse. Ich weiß also, dass es der Mutter des Menschengeschlechtes, seiner wahren Mutter, die unaufhörlich hofft, euch zu ihrem göttlichen Sohn führen zu können, ein durchdringender Schmerz wäre, euch zu strafen.

Ich bin ihr Gott, aber Sie ist meine Mutter. Und Ich, der Ich in allem vollkommen bin, bin euch auch darin Lehrmeister: in der Liebe zur Mutter. Dem, der in der Welt noch glaubt, sage Ich: „Das Heil der Welt liegt in Maria.“

 

Fra Angelico

Wenn ihr wüsstet, wie Gott sich angesichts der immer steigenden Flut der von euch begangenen Verbrechen, o ihr Gottesmörder, Brudermörder, Gesetzesübertreter, Hurer, Ehebrecher, Diebe, und ihr, die ihr zu einem einzigen Lasterpfuhl geworden seid, in Seine Tiefe zurückzieht, würdet Ihr erzittern. Aber ihr seid Toren geworden.

Zuerst war Ich die Brücke zwischen Erde und Himmel. Aber wahrhaftig, angesichts eurer Hartnäckigkeit im Bösen zieht Christus sich wie damals von Jerusalem zurück, denn „die Stunde ist noch nicht gekommen“, und in Erwartung dieser Stunde überlässt Christus euch eurem Bösen, damit ihr es bis zum Äußersten vollbringt.

Nun bleibt als einzige Brücke Maria. Aber wenn ihr auch Sie verachtet, werdet ihr zerschmettert werden. Ich lasse nicht zu, dass Diejenige herabgesetzt wird, in die der Heilige Geist hinabstieg, um Mich, den Sohn Gottes und Heiland der Welt zu erzeugen.“

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

O Jesus, Du bist die kaum erblühte Blume.
Ich betrachte Dich in Deinem ersten Erwachen;
O Jesus, Du bist die entzückende Rose,
Die frische Knospe, anmutig und rot.
Die reinen Arme Deiner geliebten Mutter
Bilden Dir eine Wiege, einen königlichen Thron.
Deine sanfte Sonne ist der Leib Mariens,
Und Dein Tau ist die jungfräuliche Milch.

Mein Geliebter, mein kleiner göttlicher Bruder,
In Deinem Blick erkenne ich die Zukunft,
Bald wirst Du für mich Deine Mutter verlassen,
Schon drängt Dich die Liebe zum Leiden!
Aber auf dem Kreuz, o entfaltete Blume!
Ich erkenne Deinen morgendlichen Duft;
Ich erkenne die Perlen Mariens,
Dein göttliches Blut ist die jungfräuliche Milch!

Dieser Tau ist im Heiligtum,
Auch der Engel wollte davon trinken;
Gott sein erhabenes Gebet aufopfernd,
sagt er wie Johannes; „Seht, hier ist Er!“
Ja, hier ist das zur Hostie gemachte Wort,
Ewiger Priester, priesterliches Lamm!
Der Sohn Gottes ist der Sohn Mariens …
Das Brot der Engel ist die jungfräuliche Milch!

 

Der Seraph ernährt sich vom Ruhm,
Von der reinen Liebe und vom vollkommenen Glück;
Ich, schwaches Kind, sehe in der Monstranz,
Nur die Farbe, die Gestalt der Milch.
Die Milch aber passt mit der Kindheit zusammen,
Die Liebe des göttlichen Herzens ist unvergleichlich …
O zärtliche Liebe, unergründliche Macht!
Die weisse Hostie ist die jungfräuliche Milch!

(Gedicht der Hl. Therese vom Kinde Jesus und dem Heiligen Antlitz, 2. Februar 1893)

Maria kann die Zweitgeborene des Vaters genannt werden

Die heilige Jungfrau Maria ist das vollkommene Werk des Schöpfers

Mariä Heimsuchung

14/08/2010

(Lukas 1, 39-56)

Anstelle Saras erscheint oben an der Treppe an der Hausseite eine sehr betagte Frau voller Runzeln und mit sehr ergrautem Haar, das früher wohl tiefschwarz gewesen sein muss; denn sie hat noch schwarze Wimpern und Augenbrauen. Einen eigenartigen Kontrast zu ihrem offenbaren Alter bildet die trotz des weiten Gewandes sichtbare Schwangerschaft. Sie blickt nach unten, indem sie die Hand zum Schutz gegen die Sonne vor die Augen hält. Da erkennt sie Maria, hebt die Arme mit einem freudigen und erstaunten Ausruf zum Himmel und eilt, so gut sie kann, Maria entgegen. Auch Maria, die sonst in ihren Bewegungen immer ruhig ist, läuft nun schnell wie ein junges Reh und erreicht den Treppenabsatz gleichzeitig mit Elisabeth. Maria umarmt mit lebhafter Herzlichkeit die Base, die bei ihrem Anblick Freudentränen weint.

Sie bleiben einen Augenblick umschlungen, dann löst sich Elisabeth von der Umarmung mit einem: „Ah!“, einem Gemisch von Schmerz und Freude, und legt die Hände auf ihren schwangeren Mutterschoss. Sie neigt ihr Antlitz, das abwechselnd erbleicht und errötet. Maria und der Diener strecken ihre Hände aus, um sie zu stützen, denn sie wankt, als fühle sie sich übel. Aber nachdem sie eine Weile wie in sich gesammelt geblieben ist, erhebt sie ihr Gesicht so strahlend, dass sie ganz verjüngt erscheint; lächelnd und mit einer Ehrfurcht, als erblicke sie einen Engel, verneigt sie sich tief und sagt:

„Du bist gebenedeit unter den Frauen! Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! Wie habe ich es verdient, dass zu mir, deiner Dienerin, die Mutter meines Herrn kommt? Sieh: Beim Ton deiner Stimme jubelte das Knäblein in meinem Schoss, und als ich dich umarmte, hat der Geist der Herrn erhabene Wahrheiten zu meinem Herzen gesprochen. Selig bist du, weil du geglaubt hast, dass bei Gott auch das möglich sei, was dem menschlichen Verstand unmöglich erscheint! Gebenedeit bist du, denn durch deinen Glauben lässt du die Verheissungen in Erfüllung gehen, die der Herr dir gegeben und die von den Propheten für diese Zeit vorausgesagt worden sind! Gebenedeit bist du, weil du meinem Sohn die Heiligkeit gebracht hast; denn ich fühle, dass er aufhüpft wie ein fröhliches Zicklein in meinem Schoss; denn er fühlt sich befreit von der Last der Schuld und dazu berufen, der Vorläufer zu sein, der geheiligt ist vor der Erlösung durch den Heiligen, der in dir heranwächst!“

Maria ruft nun unter Tränen, die wie Perlen aus den Augen zum lächelnden Mund herabfliessen, und mit zum Himmel erhobenem Blick und Händen, in einer Körperhaltung, die später so oft ihr Jesus annehmen wird: „Hochpreise meine Seele den Herrn“, und fährt fort mit dem Lobgesang, so wie er uns überliefert ist. Zum Schluss, beim Vers: „Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen usw.“, kreuzt sie die Hände über der Brust und verneigt sich bis zur Erde, in die Anbetung Gottes versunken.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band I von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


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Der Lobgesang Marias: Magnificat

Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und läßt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.