Posts Tagged ‘Sünde’

„Glaubt an die Liebe Gottes“

09/03/2013

zum 4. Fastensonntag 2013: Laetare: 15,1-3.11-32

Um den böswilligen Nachstellungen des jüdischen Synedriums zu entkommen, hat sich Jesus in die Nähe von Jericho mit den Aposteln in eine einfache Hütte, die sonst den Landarbeitern des Lazarus als Unterkunft dient, zurückgezogen. Täglich kommen mehr Menschen mit dem Wunsch nach seelischer und körperlicher Heilung. So auch eine Mutter mit ihrem gelähmten kleinen Knaben, der von einem Herodianer mit seinem Pferdewagen umgefahren wurde und seitdem nur noch unter starken Schmerzen auf dem Rücken liegen kann. Jesus nimmt das Kind, das unbedingt bei ihm sein will, auf die Knie und unterrichtet die Zuhörer darüber, wie wichtig die Sabbatruhe ist und wie die wahre Heiligung des Feiertages sein soll:

„… Die Heiligung des Sabbats, also die körperliche Ruhe, ist eine Scheinhandlung, wenn sie nicht gepaart ist mit einer inneren, seelischen, heiligen Arbeit ehrlicher Selbsterforschung, einer demütigen Selbsterkenntnis seiner eigenen Erbärmlichkeit, einem ernsthaften Vorsatz, sich während der kommenden Woche besser zu verhalten.

Ihr werdet sagen: „Doch wenn man dann von neuem in die Sünde fällt?“ Was würdet ihr von einem Kinde halten, das, weil es gefallen ist, keinen Schritt mehr machen wollte, um nicht wieder zu fallen? Dass es ein Dummkopf ist, dass es sich nicht zu schämen braucht wegen seiner Unsicherheit beim Gehen, denn alle sind wir unsicher gewesen, als wir noch klein waren, und dass unser Vater uns deswegen doch geliebt hat. Wer erinnert sich nicht, wie uns das Umfallen eine Flut mütterlicher Küsse und väterlicher Liebkosungen eintrug?

verlorener Sohn

Dasselbe tut unser allergütigster Vater, der im Himmel ist. Er neigt sich über seinen Kleinen, der am Boden weint, und sagt: „Weine nicht! Ich werde dich aufheben. Das nächste Mal wirst du vorsichtiger sein. Komm in meine Arme. Da wird alles Weh vergehen, und du wirst gestärkt, geheilt und glücklich daraus hervorgehen.“ Das sagt unser Vater, der im Himmel ist. Das sage ich euch. Wenn es euch gelingen würde, den Glauben an den Vater zu haben, würde euch alles gelingen. Einen Glauben, gebt acht, wie jener eines Kindes! Das Kind hält alles für möglich. Es fragt nicht, ob und wie etwas geschehen kann. Es ermisst die Tragweite eines Geschehens nicht. Es glaubt dem, der in ihm Vertrauen erweckt, und tut, was er ihm sagt. Seid wie die Kinder vor dem Allerhöchsten. Wie liebt er diese verirrten Engelchen, welche die Schönheit der Erde sind! Genauso liebt er die Seelen, die einfach, gut und rein sind wie ein Kind.

Wollt ihr den Glauben eines Kindes sehen, um zu lernen, wie man Vertrauen haben muss? Seht! Ihr alle habt den Kleinen bemitleidet, den ich hier an meiner Brust halte und der, entgegen den Aussagen der Ärzte und der Mutter, beim Sitzen auf meinem Schoß nicht geweint hat. Seht ihr? Das Kind tat schon längere Zeit nichts anderes, als Tag und Nacht zu weinen, ohne Ruhe zu finden; hier weint es nicht. Es ist friedlich an meinem Herzen eingeschlafen. Ich habe es gefragt: „Willst du in meine Arme kommen?“ Es hat geantwortet: „Ja“, ohne an seinen elenden Zustand zu denken, an den möglichen Schmerz, den es infolge einer Bewegung hätte empfinden können. Es hat in meinem Antlitz Liebe gesehen und „Ja“ gesagt und ist gekommen. Es hat keinen Schmerz mehr empfunden. Es hat sich darüber gefreut, hier oben zu sein, alles sehen zu können, auf einen weichen Körper gesetzt zu werden und nicht mehr auf dem harten Brett liegen zu müssen. Es hat gelächelt, gespielt und ist mit einer Locke meiner Haare in den kleinen Händen eingeschlafen. Nun will ich das Kind mit einem Kuss wecken…“ und Jesus küsst das Kind auf die braunen Härchen, und es erwacht mit einem Lächeln.

„Wie heißt du?“

„Johannes.“

„Höre, Johannes, willst du gehen? Willst du zu deiner Mutter gehen und ihr sagen: ‚Der Messias segnet dich deines Glaubens wegen?‘ „

„Ja, ja“, und der Kleine klatscht in die Händchen und fragt: „Du machst, dass ich gehen kann? Auf die Wiesen? Ohne das harte Brett? Ohne die Ärzte, die mir weh tun?“

„Nicht mehr, nie mehr!“

„Oh, wie ich dich liebe!“, und das Kind wirft seine Ärmchen um den Hals Jesu und küsst ihn, und um ihn noch besser küssen zu können, kniet es mit einem Ruck auf die Knie Jesu, und eine Menge unschuldiger Küsse fällt auf Stirn, Augen und Wangen Jesu.

Jesus mit Kind

Das Kind, mit seinen anhin gebrochenen Knochen, bemerkt in seiner Freude nicht einmal, dass es sich bewegen kann. Aber der Schrei der Mutter und der Menge wecken es auf, und es blickt erstaunt um sich. Seine großen unschuldigen Augen im abgemagerten Gesichtlein schauen fragend. Immer noch auf den Knien, sein rechtes Ärmchen um den Hals Jesu gelegt, fragt es vertrauensvoll, indem es auf die aufgeregten Menschen und auf die Mutter im Hintergrund zeigt, die in einem fort: „Johannes, Jesus, Johannes, Jesus!“ ruft, „warum schreien die Leute und die Mutter? Was haben sie denn? Bist du Jesus?“

„Ich bin es. Die Leute schreien, weil sie froh sind, dass du wieder gehen kannst. Leb wohl, kleiner Johannes.“ Jesus küsst und segnet das Kind. „Geh zu deiner Mutter und sei lieb!“

Das Kind rutscht selbstsicher von den Knien Jesu, rennt zur Mutter, wirft sich ihr an den Hals und sagt: „Jesus segnet dich. Warum weinst du?“

Als die Leute sich beruhigt haben, ruft Jesus laut: „Macht es wie der kleine Johannes, ihr, die ihr in Sünde fallt und euch verletzt. Glaubt an die Liebe Gottes. Der Friede sei mit euch!“

Während sich die Hosannarufe der Menge mit dem glücklichen Weinen der Mutter vermengen, verlässt Jesus, von den Seinen geschützt, den Raum.

Das ist das Ende.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

„Kommt doch, arme Kinder, kommt zu Mir“

Das Wunder am gelähmten Kinde

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Das Gesetz Gottes dreht sich ganz und gar um die Liebe: um die Gottes- und die Nächstenliebe

04/11/2012

zum Evangelium vom 4. November 2012: Mk 12,28b-34

21. Oktober [1943]

Jesus sagt:

„(…) Im ersten Gebot gebiete ich euch mit aller Feierlichkeit, die die Würde meiner göttlichen Natur gegenüber eurer Nichtigkeit erfordert, verehrungsvolle Liebe: „Ich bin der Herr, dein Gott“.

Allzu oft vergesst ihr das, o ihr Menschen, die ihr euch Götter glaubt, und wenn der Geist in euch nicht von der Gnade belebt ist, seid ihr doch nichts anderes als Staub und Fäulnis, Lebewesen, die ihrer Tierheit lediglich die Gerissenheit der von dem TIER besessenen Intelligenz beigesellen, die euch tierische Werke, ja, schlimmere als tierische, vollbringen lässt: dämonische.

Sagt euch am Morgen und am Abend, sagt euch am Mittag und zur Mitternacht, sagt euch, wenn ihr esst, wenn ihr trinkt, wenn ihr schlafen geht, wenn ihr erwacht, wenn ihr arbeitet, wenn ihr ruht, sagt euch, wenn ihr liebt, wenn ihr Freundschaften schließt, sagt euch, wenn ihr befehlt und wenn ihr gehorcht, sagt euch immer: „Ich bin nicht Gott. Speise und Trank und Schlaf sind nicht Gott. Die Arbeit, die Ruhe, die Beschäftigungen, die Werke des Genies sind nicht Gott. Die Frau, oder schlimmer: die Frauen sind nicht Gott. Die Freundschaften sind nicht Gott. Die Vorgesetzten sind nicht Gott.

Einer nur ist Gott: Er ist mein Herr, der mir das Leben gegeben hat, damit ich damit das ewige unsterbliche Leben verdiene, der mir Kleider, Speisen, Wohnung gegeben hat, damit ich mir damit den Lebensunterhalt verdiene, die Genialität, damit ich bezeuge, König der Erde zu sein, der mir Liebesfähigkeit gegeben hat und Geschöpfe, die ich ‚in Heiligkeit‘, nicht aber in Begierlichkeit lieben darf, der mir Vollmacht und Autorität verliehen hat, damit ich sie zum Mittel der Heiligung und nicht der Verdammnis mache. Ich darf ihm ähnlich werden, denn Er hat gesagt: ‚Ihr seid Götter‘, freilich nur, wenn ich Sein göttliches Leben, das heißt, Seine Liebe lebe. Einer nur ist Gott: Ich bin Sein Kind und Untergebener, der Erbe Seines Königreiches. Wenn ich jedoch fahnenflüchtig und zum Verräter werde, wenn ich mir ein eigenes Reich schaffe, in dem ich auf menschliche Weise König und Gott sein will, verliere ich das wahre Königreich, und meine Bestimmung des Gotteskindes verfällt und sinkt herab auf die des Satanskindes, da man nicht gleichzeitig dem Egoismus und der Liebe dienen kann, und der, welcher dem Ersteren dient, dem Feind Gottes dient und die göttliche Liebe, das heißt Gott, verliert.“

Entfernt all die falschen Götter aus eurem Sinn und eurem Herzen, die ihr dort inthronisiert habt, angefangen von dem Gott des Schlammes, der ihr selbst seid, wenn ihr nicht in Mir lebt. Bedenkt, was ihr Mir schuldet für all das, was Ich euch gegeben habe – und Ich hätte euch noch mehr gegeben, wenn ihr nicht eurem Gott durch eure Lebensweise die Hände gebunden hättet – für das alltägliche und das ewige Leben. Für dieses hat Gott euch Seinen eigenen Sohn hingegeben, der wie ein fleckenloses Lamm hingeopfert werden und mit Seinem Blut eure Schuld abwaschen sollte und so nicht, wie zu den Zeiten des Mose, die Schuld der Väter bis in die vierte Generation auf die Söhne der Sünder als „die, die Mich hassen“ zurückfalle, denn die Sünde ist Beleidigung Gottes, und wer beleidigt, hasst.

Errichtet keine Altäre für falsche Götter. Stellt auf den lebendigen Altar eures Herzens – und nicht so sehr auf die steinernen Altäre – einzig und allein euren Herrgott. Ihm sollt ihr dienen und Ihm einen wahren Kult der Liebe, der Liebe, nur der Liebe darbringen, ach, ihr Kinder, die ihr nicht zu lieben wisst, die ihr nur und immer nur Lippengebete zu murmeln wisst, bloße Worte, nicht aber eure Liebe zum Gebet macht, zu dem einzigen, das Gott wohlgefällt.

Denkt daran, dass ein wahrer Herzschlag der Liebe, der wie eine Weihrauchwolke aus den Flammen eures in Mich verliebten Herzens aufsteigt, für Mich einen unendlich viel größeren Wert hat als tausend und abertausend Gebete und Zeremonien, die mit lauem oder kaltem Herzen verrichtet werden. Ihr zieht Meine Barmherzigkeit durch eure Liebe auf euch. Wenn ihr wüsstet, wie tätig und groß Meine Barmherzigkeit für den ist, der Mich liebt! Sie ist eine Woge, die über euch hinflutet und jeden Flecken von euch abwäscht. Sie schenkt euch eine schneeweiße Stola, um in die heilige Stadt des Himmels einzutreten, in der die Liebe des Lammes, das sich für euch hingeopfert hat, als Sonne strahlt. (…)“

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Die in die Flammen des Fegefeuers getauchten Seelen leiden einzig und allein aus Liebe

Jesus und die Jünger nach der ersten wunderbaren Brotvermehrung (Teil 2)

28/07/2012

zum Evangelium vom 29. Juli 2012: Johannes 6, 1-15

(zurück zu Teil 1 der Vision: Die erste wunderbare Brotvermehrung)

„Nehmt euren Teil und gebt auch mir ein wenig davon. Wir wollen die Speise Gottes essen.“

Sie essen Brot und Fisch, jeder entsprechend seinem Hunger… Indessen tauschen die gesättigten Menschen ihre Meinungen aus. Auch jene in der Nähe Jesu getrauen sich nun zu sprechen und betrachten dabei Margziam, der mit den Kindern lacht und seinen Fisch fertig isst. 

„Meister“, fragt der Schriftgelehrte, „warum hat das Kind sofort das Gewicht gespürt und wir nicht? Ich habe auch hineingegriffen. Es waren nur ein paar Brotbrocken und ein einziges Stücklein Fisch darin. Ich habe die Schwere erst gespürt beim Gang zu den Leuten. Aber wenn es das Gewicht von dem gehabt hätte, was ich austeilte, wären zwei Maulesel nötig gewesen, um den Korb, nein, einen mit Nahrungsmitteln beladenen Wagen zu ziehen. Anfangs war ich sparsam… dann fing ich an zu geben, zu geben, und um nicht ungerecht zu sein, ging ich zu den ersten zurück und gab ihnen nochmals; denn sie hatten das erste Mal nur wenig bekommen. Und doch hat es gereicht.“

„Auch ich habe gespürt, wie der Korb schwerer wurde, während ich hinging; ich habe sofort viel gegeben, denn ich verstand, dass du ein Wunder gewirkt hattest“, sagt Johannes.

„Ich hingegen habe mich zunächst hingesetzt und den Korb in den Schoß geleert, um zu sehen… Ich habe viele Brote gesehen. Da bin ich gegangen“, sagt Manaen.

„Ich habe sie gezählt, denn ich wollte mich nicht blamieren. Es waren fünfzig Brotstückchen. Ich habe zu mir gesagt: „Ich will sie an fünfzig Personen austeilen und dann zurückkehren.“ Ich habe gezählt. Doch bei fünfzig angekommen, war das Gewicht immer noch das gleiche. Da habe ich nachgesehen. Es waren immer noch viele darin. So bin ich gegangen und habe an Hunderte verteilt. Doch es wurden nie weniger“, sagt Bartholomäus.

„Ich, ich muss gestehen, dass ich nicht geglaubt habe. Ich habe die Brotbrocken und das Fischstück in die Hand genommen, sie angesehen und bei mir gesagt: ‚Was soll das? Jesus will einen Scherz machen…!‘ Ich stand hinter einem Baum und schaute auf ihn und auf die Stücklein und hoffte, dass sie sicher vermehren würden, und zweifelte zugleich daran. Aber es blieben immer dieselben. Ich wollte schon zurückkehren, als Matthäus vorbeikam und sagte: ‚Hast du gesehen, wie schön sie sind?‘ ‚Was denn?‘ habe ich gefragt. ‚Nun, die Brote und die Fischlein…‘ ‚Bist du denn verrückt? Ich sehe nur Brotbrocken.‘ ‚Geh und teil sie mit Vertrauen aus und du wirst sehen.‘ Ich habe die wenigen Brocken in den Korb zurückgelegt und bin zögernd weitergegangen… Und dann… Verzeih mir, Jesus, denn ich bin ein Sünder!“ sagt Thomas.

„Nein, du bist ein Weltmensch. Du denkst weltlich.“

„Auch ich, Herr. So sehr, dass ich dachte, ihnen zum Brot noch ein Geldstück zu geben, damit sie anderswo essen könnten. Ich glaubte, dir helfen zu können, einen besseren Eindruck zu machen“, sagt Iskariot. „Wie bin ich also – wie Thomas – oder noch schlimmer?“

„Noch viel mehr als Thomas, du bist weltlich.“

„Und doch wollte ich, um des Himmels willen, Almosen geben! Es war mein eigenes Geld…“

„Almosen für dich selbst und deinen Hochmut. Und Almosen für Gott. Doch er bedarf ihrer nicht. Almosen für deinen Hochmut sind Sünde, kein Verdienst.“

Judas neigt das Haupt und schweigt.

„Ich habe geglaubt, dass ich diesen Bissen Fisch und diese Bröcklein Brot noch kleiner machen müsste, damit sie genügen könnten. Aber ich habe nicht daran gezweifelt, dass sie ihrem Nährwert und ihrer Anzahl nach ausreichen könnten. Ein Tropfen Wasser, von dir gegeben, kann nahrhafter sein als eine volle Mahlzeit“, sagt der Zelote.

„Und was habt ihr gedacht?“ fragt Petrus die Vettern Jesu.

„Wir haben uns an Kana erinnert… und haben nicht gezweifelt“, sagt Judas ernst.

„Und du, Jakobus, mein Bruder, dachtest du nur daran?“

„Nein! Ich dachte, es könnte eines der Sakramente sein, von denen du zu mir gesprochen hattest… Ist es so, oder irre ich mich?“

Jesus lächelt: „Es ist so, und ist doch nicht so. Mit der Wahrheit vom Nährwert eines Tropfen Wassers, von der Simon sprach, muss der Gedanke an eine spätere Gestalt verbunden werden. Doch jetzt ist es noch kein Sakrament.“

Der Schriftgelehrte betrachtet ein Brotstückchen in seiner Hand.

„Was machst du damit?“

„Ein… Andenken.“

„Auch ich behalte eines. Ich werde es in einem kleinen Säcklein Margziam an den Hals hängen“, sagt Petrus.

„Ich will es meiner Mutter bringen“, sagt Johannes.

„Wir, wir haben alles aufgegessen…“ sagen die anderen beschämt.

„Steht auf! Geht noch einmal mit den Körben herum und sammelt die Reste ein. Sucht die Ärmsten aus dem Volk heraus und bringt sie, zusammen mit den Körben, zu mir. Dann geht ihr alle, ihr, meine Jünger, zu den Booten und fahrt auf den See hinaus, zur Ebene von Genesareth. Ich will die Leute entlassen, nachdem ich die Ärmsten beschenkt habe, und euch dann einholen.“

Die Apostel gehorchen… und kehren mit zwölf gefüllten Körben zurück. Es folgen ihnen etwa dreissig Bettler oder sehr elende Menschen.

„Gut so. Geht nun.“

Die Apostel und die Jünger des Johannes verabschieden sich von Manaen und gehen etwas widerstrebend weg, weil sie Jesus verlassen müssen. Doch sie gehorchen. Manaen wartet noch mit Jesus, bis die Menge sich im letzten Tageslicht nach den Dörfern aufmacht oder eine Schlafstätte im hohen trockenen Schilf sucht. Dann nimmt er Abschied. Vor ihm, ja sogar als einer der ersten, ist der Schriftgelehrte weggegangen; denn er ist mit seinem Söhnchen den Aposteln gefolgt.

Nachdem alle gegangen oder schon in Schlaf gesunken sind, erhebt sich Jesus, segnet die Schlafenden, und langsamen Schrittes geht er zum See auf die Halbinsel von Tarichäa zu, die sich einige Meter über dem Wasserspiegel erhebt, als wäre sie ein Stück eines in den See geschobenen Hügels. Und an seinem Fuss angelangt, steigt er, ohne in die Stadt hineinzugehen, sondern sie umgehend, auf die kleine Erhebung, setzt sich auf einen spitzen Felsvorsprung nieder und betet im Angesicht des Himmels und im Schein der klaren Mondnacht.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

 

Der Aussätzige bei Chorazim wird geheilt

12/02/2012

zum Sonntagsevangelium v. 12.Februar 2012: Markus 1,40-45

(…)

„Bist du es, Abel?“

„Ich bin es.“

„Komm, der Meister erwartet dich hier unter dem Nußbaum!“

Der Aussätzige kriecht aus dem Graben und rutscht mühsam die Böschung hinauf bis zur Wiese. Jesus steht dort, mit dem Rücken an einen sehr hohen Nußbaum gelehnt, und erwartet ihn. 

„Meister, Messias, Heiliger, habe Erbarmen mit mir!“ ruft der Aussätzige aus und wirft sich im Grase Jesu zu Füßen. Das Gesicht noch auf dem Erdboden, ruft er noch einmal: „O mein Herr! Wenn du willst, kannst du mich rein machen!“ Dann richtet er sich auf und kniend hebt er dich knochendürren Arme mit den verkrüppelten Händen hoch und zeigt das verwüstete Gesicht… Die Tränen rinnen ihm über die Wangen und die wunden Lippen.

Jesus betrachtet ihn voller Erbarmen. Er betrachtet diese Menschenlarve, die zerstört ist durch die schreckliche Krankheit. Nur eine wahre Nächstenliebe erträgt ihre Nähe, so abstoßend und stinkend ist sie.

Doch siehe, Jesus streckt ihm eine schöne, gesunde Hand entgegen, seine rechte Hand, wie um den Armen zu streicheln.

Dieser jedoch wirft sich zurück auf die Fersen und schreit: „Berühre mich nicht! Habe Erbarmen mit dir!“

Doch Jesus macht einen Schritt vorwärts. Feierlich, voller Güte und Milde legt er seine Hand auf das vom Aussatz zerfressene Haupt und sagt mit ruhiger, liebevoller, doch auch machtvoller Stimme: „Ich will! Sei rein!“

Die Hand bleibt einige Augenblicke auf dem armen Haupt. „Steh auf, geh zum Priester und erfülle, was das Gesetz vorschreibt! Erzähle nicht, was ich dir getan habe. Bleibe nur gut! Sündige nie wieder! Ich segne dich.“

„O Herr! Abel! Du bist ganz gesund!“ ruft Samuel, der die Verwandlung des Freundes beobachtet hat, freudig aus.

„Ja, er ist gesund. Durch seinen Glauben hat er es verdient. Lebe wohl! Der Friede sei mit dir!“

„Meister! Meister! Meister! Ich gehe nicht weg von dir! Ich kann mich nicht von dir trennen!“

„Tue, was das Gesetz vorschreibt! Dann sehen wir uns wieder. Zum zweiten Mal komme mein Segen über dich!“

Jesus geht und gibt Samuel ein Zeichen, dass er bleiben soll. Die beiden Freunde weinen vor Freude, während sie im Mondschein zum letzten Mal in die Unglückshöhle zurückkehren. 

Die Vision endet hier.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. II von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Augustinus – Kindheit und Jugend

08/11/2011

„Vor dir ist niemand sündenrein“

Erhöre mich, o Gott! Wehe über uns sündige Menschen! So spricht der Mensch, und du erbarmst dich seiner, weil du ihn, aber nicht die Sünde in ihm geschaffen hast. Wer erinnert mich wieder an die Sünden meiner Kindheit? Denn vor dir ist niemand sündenrein, auch das Kind nicht, das nur einen Tag auf der Welt gelebt hat. Wer erinnert mich (an meine Sünden, die ich damals begangen)? Jedes beliebige Kindlein, an dem ich das sehe, was meinem Gedächtnis entflohen? Wie sündigte ich also damals? Etwa, weil ich schreiend nach der Mutterbrust verlangte? Denn täte ich jetzt dasselbe, wenn auch nicht nach der Mutterbrust, so doch nach einer meinem Alter entsprechenden Speise gierig verlangend, würde mich da nicht mit vollem Rechte spottender Tadel treffen? Damals tat ich also Tadelnswertes; aber da ich den Tadel nicht verstehen konnte, war es gegen Herkommen und Vernunft, mich zu tadeln.

Zwar legen wir derartiges, wenn wir älter werden, ab und entfernen es. Denn nie sah ich einen Verständigen, der beim Sondern des Guten vom Schlechten auch das Gute mit preisgibt. Oder galt es seinerzeit auch für gut, mit Tränen das zu begehren, was mir, wäre es mir gewährt worden, zum Schaden gereicht hätte? Oder denen zu zürnen, die mir nicht untergeben waren, freien und älteren Leuten, oder den Eltern und vielen, die bei größerer Einsicht unserem Eigenwillen nicht willig Folge leisteten, ihnen mit Schlagen und Stoßen möglichst zu schaden, weil sie dem kindlichen Eigensinn ohne Schaden für uns nicht gehorchen konnten? So ist nur die Schwäche der kindlichen Gliedmaßen unschuldig, nicht die Kindesseele.

Foto: © Jessica Lucia, Flickr Creative Commons

Mit eigenen Augen beobachtete ich ein zorniges Kind; noch konnte es nicht sprechen und doch sah es bleich mit feindseligbitterem Blick auf seinen Milchbruder. Doch das weiß jeder. Mutter und Ammen sagen, daß sich das gäbe und durch irgendwelche Mittel verlöre. Ist es aber etwa auch Unschuld an der Quelle, die reichlich, ja überreichlich eine Fülle von Milch hervorströmen läßt, den der Hilfe so bedürftigen Bruder nicht zu dulden, der doch nur durch dies eine Nahrungsmittel sein Leben fristen kann? Doch man erträgt es in blinder Zärtlichkeit, nicht als ob es geringfügig oder von gar keiner Bedeutung wäre, sondern weil es sich mit den Jahren verlieren wird. Fände man dasselbe freilich bei einem älteren Menschen, so würde man es nicht mit dem Gleichmute ertragen wie in diesem Falle.

Du, mein Gott und Herr, der du dem Kinde Leben und Leib gabst, den du, wie wir sehen, ausstattetest mit den Sinnen, den du aus Gliedern zusammenfügtest und mit Schönheit schmücktest und dem du alle Triebe eines lebenden Wesens zur Erhaltung seines unversehrten Daseins eingepflanzt hast, dein Wille gebeut mir, dich dafür zu preisen und dir zu danken und deinem Namen, du Höchster, zu lobsingen, weil du bist der allmächtige und gütige Gott, auch wenn du nur das geschaffen, was niemand anders schaffen kann denn du allein, dem alles Dasein sein Sein verdankt, du Schönster, der du alles schön geschaffen rund alles ordnest nach deinem Gesetz.

Dieses Alter also, o Herr, von dessen Durchleben ich keine Ahnung habe, das ich nur nach anderer Glaubwürdigkeit und andern Kindern gefolgert habe, mag ich, obgleich diese Schlüsse vollen Glauben verdienen, kaum zu dem Leben rechnen, das ich in dieser Zeitlichkeit lebe. Denn der dunkle Schleier der Vergessenheit ruht darüber, gerade wie über jenem Leben, das ich verbracht in meiner Mutter Leibe. Doch wenn ich aus sündlichem Samen gezeuget und meine Mutter mich in Sünden empfangen hat, wo, mein Herr und Gott, o sage es mir, ich flehe dich an, wo oder wann war dein Knecht sündlos? Doch lassen wir jene Zeit, ist mir ja von ihr in meiner Erinnerung keine Spur zurückgeblieben.

Quelle: Hl. Augustinus (354-430 n. Chr.): „Bekenntnisse“, Buch 1

Die Bekehrung des Augustinus

Johannes der Täufer, „ein Großer des Reiches Gottes“ (2)

12/12/2010

(zurück zu Teil 1 des Auszugs)

Zum Sonntags-Evangelium vom 12. Dezember 2010: Mat 11,2-11

„(…) Johannes hat den Weg bereitet, wie es seine Aufgabe war. Was habt ihr in der Wüste gesucht? Ein Schilfrohr, das jeder Wind hin- und herbewegt? Was seid ihr hingegangen, zu sehen? Einen Menschen in weichlichen Kleidern? Aber diese wohnen in den Palästen der Könige, eingehüllt in weiche Gewänder, von tausend Dienern und Schmeichlern umgeben, und sind selbst nur Schmeichler eines armen Menschen. Hier ist einer von diesen. Fragt ihn, ob er nicht Abscheu vor dem Leben am Hof empfindet und Bewunderung für den rauhen und einsamen Felsen, auf den Blitze und Hagelkörner fallen und um den Winde brausen, die ihn zerschmettern wollen, während er aufrecht dasteht und sich mit allen Kräften zum Himmel erhebt und die Freude der Höhe predigt, erhaben und aufstrebend wie eine Flamme, die zum Himmel steigt.

Das ist Johannes! So sieht ihn Manaen; denn er hat die Wahrheit des Lebens und des Todes begriffen und sieht die Größe dort, wo sie wirklich ist, auch wenn sie sich unter dem Anschein der Rauheit verbirgt.

Und ihr, was habt ihr in Johannes gesehen, als ihr in aufgesucht habt? Einen Propheten? Einen Heiligen? Ich sage es euch: er ist mehr als ein Prophet. Er ist mehr als viele Heilige; denn er ist es, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, damit er deinen Weg dir bereite.“


Engel! Bedenkt dies! Ihr wißt, daß die Engel reine Geister sind – von Gott geschaffen nach seinem geistigen Bild – als eine Verbindung zwischen dem Menschen: der Vollkommenheit des Himmels und der Erde, dem Schöpfer des geistigen und irdischen Reiches.

Im Menschen, auch im heiligsten, sind es immer Fleisch und Blut, die einen Abgrund zwischen ihm und Gott schaffen. Und der Abgrund wird immer tiefer durch die Sünde, die auch belastet, was geistig im Menschen ist. Da erschafft Gott die Engel, Geschöpfe, die die höchste Stufe der Schöpfungsleiter erreichen, so wie die Mineralien ihre Grundlage bilden; die Mineralien, der Staub aus dem die Erde besteht, die anorganische Materie im allgemeinen. Reine Spiegel des göttlichen Gedankens, willensbegabte Flammen, wirkend durch die Liebe, bereit zu verstehen und zu handeln, frei im Wollen wie wir, aber in einer ganz heiligen Weise, die keine Auflehnung und keine Sünde kennt: das sind die Engel, die Anbeter Gottes, seine Boten bei den Menschen, unsere Beschützer, die Spender des Lichtes, das sie umkleidet, und des Feuers, das sie anbetend aufnehmen.

Johannes wird in der Sprache der Propheten „Engel“ genannt. Ich aber sage euch: Unter den von der Frau Geborenen ist keiner größer als Johannes der Täufer. Und doch wird der Kleinste im Himmelreich großer sein als er, der Mensch. Denn ein jeder im Reich des Himmels ist Sohn Gottes und nicht Sohn einer Frau. Strebt daher alle danach, Bewohner des Reiches zu werden.(…)“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com,dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


Papst zur Kondombenutzung

22/11/2010

So, Christkönigssonntag ist vorbei, dann schreiben wir auch mal etwas zu der Kondomgeschichte. Als erstes: wer ist dafür zuständig, dass dieser Auszug im Osservatore Romano veröffentlicht worden ist? Wer suchte den Auszug aus, wer erteilte die Genehmigung für diesen Vorabdruck? Und das ausgerechnet zu Christkönig?

Es war doch von vornherein klar, dass eine Aussage des Papstes zu diesem Thema – und erst recht eine aus dem „halbprivaten“ noch unveröffentlichten Interviewbuch von Peter Seewald – in den Medien grosse Beachtung finden würde. Vorauszusehen war auch, dass in den Medien verbreitete, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate ein Eigenleben entwickeln und die ursprüngliche Intention verfälschen würden. Und ebenso ist damit zu rechnen, dass sich ein grosser Teil der Menschen überhaupt nicht genau mit dem Kontext beschäftigen, sondern oberflächlich registrieren wird, dass der Papst/ die katholische Kirche anscheinend jetzt Kondombenutzung befürwortet. Das alles sieht nach abgekartetem Spiel aus und verstärkt den Eindruck, dass in den wichtigen Kommunikations-Schlüsselpositionen des Vatikans Leute sitzen, die bewusst und zielstrebig antikatholische Arbeit leisten (siehe Williamson-Affäre).


Festzuhalten ist erstens, dass der Papst nirgends Kondombenutzung zur Empfängnisverhütung befürwortet hat (und sicher auch niemals befürworten wird). In besagtem Interview geht es um Aids und der Papst bekräftigt hier – genau wie während seiner Afrikareise- , dass Kondome das Aidsproblem nicht lösen können, sondern der gesamte Umgang mit der Sexualität („eine Art Droge“) verändert werden muss. Weiter sagt er: „Es mag begründete Einzelfälle geben, etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann, ein erstes Stück Verantwortung, um wieder ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will.“

Festzuhalten ist zweitens, dass der Papst hier nicht die Benutzung von Kondomen für alle Aidskranken propagiert, sondern er spricht von einer Art Übergangslösung, einem vorübergehenden Hilfsmittel auf dem Weg zu einer moralischen und verantwortlichen Lebensweise in einem krassen Fall, wo eine grosse Unordnung herrscht, weiteres Schlimmes vermieden und Lichts ins Dunkel des Bewusstseins fallen soll. Er zeigt, dass er eben kein weltfremder, abgehobener Moralist ist, sondern sehr wohl weiss, wie schwer eine echte Umkehr für unsere schwache menschliche Natur ist und dass diese in den meisten Fällen schrittweise stattfindet.

Dass sündhafte Menschen in der katholischen Kirche auf Milde, Mitgefühl und Unterstützung auf dem Weg der Umkehr treffen, ist jedenfalls für uns nichts Neues, sondern selbst so erlebt und im Übrigen im Neuen Testament immer wieder eindrücklich bezeugt. Auch spricht die Tatsache, dass die katholische Kirche „als einzige Institution ganz nah und ganz konkret bei den Menschen, präventiv, erziehend, helfend, ratend, begleitend“ wie der Papst sagt, in der Aidsbekämpfung tätig ist, ja wohl für sich! Keine andere Institution behandelt so viele Aidskranke. „Die Kirche tut mehr als die anderen, weil sie nicht nur von der Tribüne der Zeitung aus redet, sondern den Schwestern, den Brüdern vor Ort hilft“, so der Papst und recht hat er.

Wir hoffen, dass die schlechten Absichten der Kirchenfeinde durch Gottes Eingreifen in etwas Gutes umgewandelt werden, wie etwa eine Steigerung der Verkaufszahlen des übermorgen erscheinenden Buches, ein grösseres Verständnis für die katholische Lehre und die Aussagen des Papstes, dringend anstehende Veränderungen in den für die Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Abteilungen im Vatikan usw.


Harvard-Studie bestätigt Papst-Position zu Aids

2. November: Allerseelen

02/11/2010

Die in die Flammen des Fegefeuers getauchten Seelen leiden einzig und allein aus Liebe

17. Oktober [1943]

Jesus sagt:

„(…) Wenn sie [Anm: die Seelen] dann in den Reinigungsort eingetaucht sind, werden sie den sühnenden Flammen ausgesetzt. 

Soweit sagen diejenigen, die über den Reinigungsort sprechen, das Rechte. Worin sie jedoch nicht Recht haben, ist, dass sie jenen Flammen verschiedene Namen geben wollen.

Sie sind ein göttlicher Liebesbrand. Sie reinigen, indem sie die Seelen vor Liebe entbrennen lassen. Sie verleihen göttliche Liebe, weil sie nämlich dann, wenn die Seele in den Flammen die in ihrem Erdenleben nicht geübte Liebe erreicht hat, daraus befreit wird und sich im Himmel der göttlichen Liebe verbindet.

Diese Lehre kommt dir anders als die bekannte vor, nicht wahr? Bedenke aber:

Was wünscht der Eine und Dreifaltige Gott für die von Ihm erschaffenen Seelen? Das Gute.

Welche Gefühle hegt der für das Geschöpf, der das Gute für es erwünscht? Gefühle der Liebe.

Welches ist das erste und zweite Gebot, die zwei wichtigsten, von denen ich sagte, dass es keine größeren gebe und diese der Schlüssel zum ewigen Leben seien? Es ist das Liebesgebot: „Liebe Gott mit allen deinen Kräften; liebe den Nächsten wie dich selbst“.

Was habe Ich euch durch Meinen und den Mund der Propheten und Heiligen unendlich oft gesagt? Dass die Liebe die größte Absolution ist. Die Liebe verzehrt die Schuld und die Schwächen des Menschen, denn der, der liebt, lebt in Gott, und wenn er in Gott lebt, sündigt er wenig, und wenn er sündigt, bereut er das sofort, und der Reumütige erfährt die Vergebung des Allerhöchsten.

Worin haben sich die Seelen [im Fegefeuer] verfehlt? In der Gottesliebe. Hätten sie viel geliebt, hätten sie wenige und leichte Sünden begangen, die eurer Schwachheit und Unvollkommenheit zuzuschreiben sind. Die Seelen hätten sich jedoch nie in einem bewussten Beharren auch in den lässlichen Sünden versteift. Sie wären eifrig darum bemüht gewesen, ihren göttlichen Liebhaber nicht zu betrüben, und angesichts ihres guten Willens hätte der göttliche Liebhaber ihnen auch ihre lässlichen Sünden verziehen.


Wie macht man auf Erden eine Schuld wieder gut? Man sühnt sie, und wenn man irgend kann, durch das selbe Mittel, mit dem man sie begangen hat. Wer Schaden angerichtet hat, soll wiedererstatten, was er gewaltsam weggenommen hat. Wer verleumdet hat, soll die Verleumdung zurückziehen, und so weiter.

Wenn das schon die armselige menschliche Justiz verlangt, wie sollte dann die heilige göttliche Gerechtigkeit darauf verzichten? Und welches Mittel wird Gott anwenden, um die Wiedergutmachung zu erlangen? Sich Selbst, das heißt, die göttliche Liebe, und wird auch vom Sünder Liebe verlangen.

Dieser Gott, den ihr beleidigt habt, der euch doch so väterlich liebt, der sich mit seinen Geschöpfen verbinden will, hält euch dazu an, diese Verbindung durch Ihn Selbst zu erlangen.

Alles dreht sich um den Angelpunkt der göttlichen Liebe, Maria, außer für die wahren „Toten“: die Verdammten. Für diese „Toten“ ist auch die göttliche Liebe gestorben. Für die drei Reiche – das von Materie beschwerte: die Erde; dasjenige, das die Schwere der Materie abgestreift hat, nicht jedoch das Gewicht der Sünde: das Purgatorium; und schließlich jenes, dessen Bewohner die von jeder Last befreite geistige Natur mit ihrem himmlischen Vater teilen – ist die göttliche Liebe der alleinige Beweggrund. Indem ihr auf Erden liebt, arbeitet ihr für den Himmel. Indem ihr im Purgatorium liebt, erobert ihr den Himmel, den ihr im Leben nicht zu verdienen wusstet. Indem ihr im Paradies liebt, genießt ihr den Himmel.

Eine Seele, die im Fegefeuer ist, tut nichts anderes als zu lieben, nachzudenken und im Licht der göttlichen Liebe zu bereuen; es ist ja die Liebe, die für sie diese Flammen angezündet hat, die ihr jedoch zu ihrer Bestrafung Gott verbergen.

Darin besteht die Qual. Die Seele erinnert sich an die Gottesschau, die ihr bei ihrem Einzelgericht zuteil wurde. Sie nimmt die Erinnerung daran mit, und da allein schon der kurze Augenblick der Gottesschau eine Seligkeit ist, die alles Geschaffene übertrifft, ist die Seele begierig, diese Seligkeit wieder zu genießen. Diese Erinnerung an Gott und der Lichtstrahl, in den sie bei ihrem Erscheinen vor Gott getaucht wurde, bewirken, dass die Seele die von ihr begangenen Verfehlungen gegen ihr höchstes Gut in ihrem ganzen Umfang „einsieht“, und in dieser „Einsicht“ besteht die Pein ihrer Reinigung, zusammen mit der Erkenntnis, dass sie sich selbst freiwillig den Besitz des Himmels und die Vereinigung mit Gott auf Jahre oder Jahrhunderte hinaus versagt hat.

Die Liebe und die Gewissheit, die göttliche Liebe beleidigt zu haben, sind die Qualen der in der Reinigung Befindlichen. Je mehr eine Seele sich im Leben verfehlt hat, desto mehr ist sie von einem „grauen Star“ befallen, der ihr das Erwecken der vollkommenen Liebesreue, jener ersten Wirkkraft ihrer Reinigung und ihres Eintritts in das Reich Gottes, erschwert. Je mehr eine Seele sie durch die Sünde niedergehalten hat, desto mehr wird die Liebe in ihrer Lebendigkeit beschwert und behindert. Je mehr sie sich allmählich durch die Macht der göttlichen Liebe reinigt, beschleunigt sich ihre Auferstehung zur Liebe und schließlich ihre Eroberung der göttlichen Liebe, die in dem Augenblick, in dem ihre Sühneleistung zu Ende geht, vollständig ist, und sie nach Erreichen der Vollkommenheit der Liebe in die Stadt Gottes eingelassen wird.

Viele Gebete sind nötig, damit die Seelen, die, um die himmlischen Freuden zu erlangen, leiden, geschwind diese vollkommene Liebe erreichen, welche sie losspricht und sie Mir vereint. Eure Gebete, eure Fürbitten sind andererseits Verstärkungen jenes Liebesfeuers. Sie verstärken die Glut. Aber – o selige Qual! – sie verstärken ebenso die Liebesfähigkeit. Sie beschleunigen den Reinigungsprozess. Sie heben jene in dieses Feuer getauchten Seelen auf eine immer höhere Stufe. Sie bringen sie an die Schwelle des göttlichen Lichtes. Sie öffnen schließlich die Pforten des göttlichen Lichtes und führen die Seele in den Himmel.


Einer jeden solchen von eurer Liebe bewirkten Operation zu Gunsten derer, die euch in das zweite Leben vorausgegangen sind, korrespondiert ein Aufschwung der Gegenliebe zu euch. Der Liebe Gottes, die euch dankt, dass ihr euch um Seine sühnenden Kinder kümmert, sowie der Liebe der Büßenden, die euch danken, dass ihr euch dafür einsetzt, sie in den Genuß Gottes zu bringen.

Eure teuren Angehörigen lieben euch nie so sehr wie nach dem irdischen Tod, denn ihre Liebe ist von da an in das göttliche Licht getaucht, und in diesem Licht verstehen sie, wie ihr sie liebt und wie sie euch hätten lieben sollen.

Sie dürfen euch keine Worte mehr sagen, die eure Vergebung erbitten und Liebe schenken. Aber sie sagen sie Mir für euch, und Ich trage euch die Worte eurer Toten zu, die euch nunmehr so zu sehen und zu lieben verstehen, wie es recht ist. Ich trage sie euch zusammen mit ihrer Bitte um Liebe und mit ihrem Segen zu. Beides ist schon vom Fegefeuer aus gültig, da es ihnen bereits von der in ihnen erglühten und sie reinigenden Liebe eingegeben wurde. Ihre Bitte erreicht dann die vollkommene Gültigkeit, wenn sie, schon befreit, euch auf der Schwell des ewigen Lebens entgegenkommen werden, oder sich euch vereinen, falls ihr ihnen ins Reich der göttlichen Liebe vorausgegangen seid. (…)

Auszug aus “Die Hefte 1943“ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Gebet für die Verstorbenen (Diktat Jesu an Maria Valtorta)

Vaterunser für die Verstorbenen nach der hl. Mechthild

Litanei für die Verstorbenen u. zum Trost der armen Seelen

Ablass zu Allerseelen

Gedenktafel der armen Seelen


„Bemüht euch, durch die enge Pforte einzutreten“

21/08/2010
(zum Sonntagsevangelium v. 22. August 2010: Lukas 13,22-30)

„… Wer Christus verfolgt und ihn verleugnet, wer nicht nach dem lebt, was er lehrt, wird keinen Anteil haben an seinem Reich“, sagt Thomas mit seiner mächtigen Stimme.

Einer zieht ihn am Ärmel, zeigt auf Jesus und fragt: „Ist er sehr streng?“

„Nein! Im Gegenteil, er ist zu gut.“

„Was meinst du, werde ich gerettet werden? Ich gehöre nicht zu den Jüngern. Aber du weißt, wie ich bin und wie ich immer an das geglaubt habe, was du mir gesagt hast. Aber mehr als das bin ich nicht imstand zu tun. Was genau muß ich tun, außer dem, was ich schon tue, um gerettet zu werden?“

„Frage ihn selbst. Er hat eine viel weichere Hand und ein sanfteres Urteil als ich.“

Der Mann wagt sich vor. Er sagt: „Meister, ich beachte das Gesetz, und seit Thomas mir deine Worte wiederholt hat, versuche ich, noch besser danach zu leben. Aber ich bin nicht sehr großzügig. Ich tue das, was ich unbedingt tun muß. Ich meide die Sünde, weil ich mich vor der Hölle fürchte. Aber ich liebe meine Bequemlichkeiten… Ich bekenne, daß ich darauf achte, nicht zu sündigen, aber es darf mich keine allzu große Anstrengung kosten. Wenn ich so handle, werde ich dann gerettet werden?“

„Du wirst gerettet werden. Aber warum so kleinlich sein mit Gott, der so großmütig ist? Warum erstrebst du mehr schlecht als recht die Rettung und strebst nicht nach großer Heiligkeit, die den ewigen Frieden sofort schenkt? Auf, Mann! Sei hochherzig mit deiner eigenen Seele!“

Der Mann sagt demütig: „Ich werde darüber nachdenken, Herr! Ich werde nachdenken. Ich fühle, daß du recht hast und daß ich meiner Seele unrecht tue,  wenn ich sie einer langen Reinigung unterwerfe, bevor sie zum Frieden gelangt.“

„Bravo! Dieser Gedanke ist schon der Beginn der Vervollkommnung.“

Ein anderer von Rama fragt: „Herr, werden es nur wenige sein, die gerettet werden?“

„Wenn der Mensch Achtung vor sich selbst und liebevolle Ehrfurcht vor Gott hätte, dann würden alle Menschen gerettet werden, wie Gott es wünscht! Aber der Mensch handelt nicht so. In seiner Torheit gibt er sich mit Flittergold ab, anstatt echtes Gold zu erwerben. Seid großzügig im Streben nach dem Guten. Kostet euch das etwas? Gerade darin liegt das Verdienst. Bemüht euch, durch die enge Pforte einzutreten, denn die andere, die weitgeöffnete geschmückte Pforte, ist eine Verführung Satans, um euch auf Abwege zu führen.

Demutspforte, Eingang zur Geburtskirche in Bethlehem

Die Himmelspforte ist eng, niedrig, kahl und schmucklos. Um hindurchzukommen, muß man beweglich, unbelastet, ohne Prunk und ohne Hang zur Materie sein. Ihr müßt geistig sein, um es zu schaffen, andernfalls werdet ihr, wenn einst die Stunde des Todes schlägt, nicht hindurchkommen. In Wahrheit wird man dann viele sehen, die einzutreten versuchen, aber es nicht können, weil sie mit materiellen Dingen überlastet sind, mit weltlichem Prunk geziert, verhärtet durch eine Kruste von Sünden, unfähig sich zu beugen wegen des Hochmuts, der ihr Rückgrat versteift.

Und dann wird der Herr des Reiches kommen und das Tor schließen, und diejenigen, die nicht zur rechten Zeit hindurchgehen konnten, werden vor dem Eingang stehen, anklopfen und schreien: „Herr, öffne uns! Auch wir sind da.“ Aber er wird sagen: „Wahrlich, ich kenne euch nicht, noch weiß ich woher ihr kommt.“ Und sie: „Aber wie? Erinnerst du dich nicht an uns? Wir haben doch mit dir getrunken und gegessen, und dir zugehört, als du auf unsren Plätzen lehrtest.“ Aber er wird antworten: „Wahrlich, ich kenne euch nicht. Je länger ich euch anschaue, desto mehr scheint ihr mir gesättigt zu sein mit dem, was ich als unreine Speise bezeichnet habe. Wahrlich, je mehr ich euch durchforsche, desto mehr erkenne ich, daß ihr nicht von meiner Familie seid. Wahrlich, jetzt erkenne ich, wessen Kinder und Untergebene ihr seid: die des anderen.

Ihr habt Satan zum Vater und das Fleisch zur Mutter, als Amme den Hochmut, als Knecht den Haß, als Schatz die Sünde und als Perlen die Laster. In euren Herzen steht geschrieben: ‚Selbstsucht‘, und eure Hände sind beschmutzt vom Raub an euren Brüdern. Fort von hier! Weichet von mir, ihr alle, die ihr Werkzeuge der Bosheit seid.“


Und dann, während aus der Tiefe der Himmel in strahlender Herrlichkeit Abraham, Isaak, Jakob und alle Propheten und Gerechten des Reiches Gottes erscheinen werden, werden jene, die keine Liebe gehabt, sondern nur Egoismus gekannt haben, die kein Opfer auf sich genommen, sondern sich ihrer eigenen Weichlichkeit ergeben haben, weit fortgejagt, verbannt werden an jenen Ort, wo ewiges Klagen herrscht und es nichts als Schrecken gibt.

Doch die glorreich Auferstandenen, die von Osten und Westen, von Norden und Süden gekommen sind, werden sich versammeln an der Hochzeitstafel des Lammes, des Königs des Reiches Gottes. Und dann wird es sich zeigen, daß viele, die als die „Geringsten“ im Heer der Erde galten, die Ersten sein werden unter den Bewohnern des Reiches. Und man wird auch sehen, daß nicht alle Mächtigen Israels Mächtige im Himmel sind und daß nicht alle der von Christus zu seinem Dienste Erwählten es verdient haben, zum Hochzeitsmahl geladen zu werden. Vielmehr werden viele, die als die „Ersten“ angesehen wurden, nicht einmal die „Letzten“ sein. Denn viele sind berufen, aber nur wenige imstand, aus ihrer Erwählung eine wahre Ehre zu machen.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Es genügt nicht, das Böse nicht zu tun; man darf auch nicht begehren, es zu tun“ (2)

29/07/2010

Der Traum der Valtorta (Fortsetzung; zurück zu Teil 1 HIER)

Der Mittlere, der mich mehr als alle anderen anzog, überragte seine beiden Gefährten um eine Hals- und eine Kopflänge. Er trug einen weißen Mantel, während das Gewand darunter zartrot, fast rosarot war. Eine große Majestät ging von ihm aus, von seinen Bewegungen, seinem Gang, der Art, wie er sich seinen Gefährten zuwandte, und seinen Blicken, die eine übermenschliche Liebe ausdrückten. Sein Gesicht war sehr blaß, aber nicht erdfahl. Er hatte dunkelblaue Augen, eine sehr schöne, hohe, glatte Stirn, ein langes, feines, ovales Gesicht, das der rotblonde Kinnbart noch verlängerte. Das schulterlange Haar, das, von einem Scheitel geteilt, links und rechts in weichen Strähnen herunterfiel, war mehr rot als blond. Die Maler nennen diese Farbe Tizian-Blond. Er hatte sehr schöne, lange, weiße Hände. Sein Körper war schlank, eher mager, sein Blick ein Gedicht von Güte: ein bißchen traurig, wenn auch von einem Lächeln durchzogen. Ein Blick, der die Bitte ausdrückte: „Liebe mich.“

Ich betrachtete ihn immer faszinierter und fühlte mich zu ihm hingezogen.

Mein Gefährte packte mich mit beiden Händen, um mich wegzuziehen. Er war nunmehr wütend und häßlich, mit einem wilden, tückischen, verzerrten Gesichtsausdruck. Von Minute zu Minute nahm seine Häßlichkeit zu. Er zitterte und fletschte die Zähne. Aber ich widerstand ihm. Ich kämpfte nun mit ihm, kratzte und biß ihn.

Während ich so kämpfte, bemerkte ich, daß die drei den Fluß überquert hatten; ich weiß nicht wie, denn weit und breit war keine Brücke zu sehen. Sie waren jetzt bereits ganz nahe bei uns. Da begriff ich, wer sie waren: Jesus, Petrus und Johannes, der Apostel. Mit einer letzten Anstrengung befreite ich mich  von meinem Gefährten, der mir nun wie ein Feind erschien, lief zu Jesus und warf mich ihm zu Füßen. „Herr, rette mich!“, schrie ich, indem ich den Saum seines Gewandes ergriff.

Der Feind – ich könnte eigentlich FEIND schreiben, denn nun hatte ich ganz klar begriffen, wer er war, da sein Gesicht teuflische Züge angenommen hatte – lief noch einmal auf mich zu. Er war derart außer sich, daß er sogar den Ekel überwandt, den ihm der Anblick Jesu verursachte, und faßte nach meiner Schulter. Ich spürte seine Hand, die zur Kralle geworden war,  in mein Fleisch dringen.

Weinend wiederholte ich: „Herr, rette mich!“

Jesus schwieg. Er schaute mich an und schwieg. Ein großes Erbarmen lag in seinem Blick, aber seine Lippen blieben verschlossen und seine Hände hingen reglos an dem weißen Gewand herab.

Der heilige Petrus… Ja, der heilige Petrus war alles andere als gütig und sagte zu Jesus, daß ich kein Erbarmen verdiene. Der heilige Johannes hingegen trat für mich ein. Mit tief betrübter Stimme und traurigem Blick sagte er: „Meister, hab Erbarmen mit diesem armen Geschöpf. Befreie es, Du, der du es vermagst! Im Grunde hat sie dich immer geachtet. Einst liebte sie Dich, dann hat sie sich einer Täuschung hingegeben… Hilf ihr, Meister!“

Der Feind heulte: „Nein, sie gehört mir. Ich lasse sie nicht los. Ich habe sie mir genommen und behalte sie!“

Jesus schwieg.

Da hob ich den Kopf und die Arme, umfaßte Jesu Hände, bedeckte sie mit Küssen und sagte: „O Herr, Herr! Wie kannst du mir nicht helfen? Schließlich habe ich dich immer geliebt! Erinnerst du Dich nicht mehr daran? Ausgesprochen Böses habe ich nie getan. Warum befreist du mich nicht von dem, der mich mit sich fortschleppen will?“

Nun sprach Jesus… Diese Stimme werde ich nie vergessen! Wer könnte auch diesen Tonfall nachahmen, der noch heute in mir nachklingt und wohl weiter nachklingen wird bis zu dem seligen Augenblick, da ich ihn im Himmel wieder vernehmen werde? Jesus sagte: „Maria, du mußt wissen, daß es nicht genügt, das Böse nicht zu tun; man darf auch nicht begehren, es zu tun.“

Während Petrus mich von Jesus loslöste und zurückdrängte, und Johannes für mich flehte, während der Feind sich unter Flüchen und entsetzlich höhnischem Gelächter mit seiner Krallenhand noch stärker an meine rechte Schulter klammerte, hörte ich Jesus noch zweimal jene Worte wiederholen. Dann legte er seine Hand auf meinen Kopf zum Zeichen der Vergebung und des Segens. Noch heute spüre ich die zarte Berührung jener langen Finger auf meinem Haar…

Ich begriff, daß mir verziehen war, daß ich gerettet war. In einer Aufwallung des Dankes warf ich mich schluchzend an seine Brust und vergoß Tränen der Dankbarkeit, der Reue und der Freude. Es war wie eine Waschung, die mich vollkommen läuterte. Der Feind floh mit einem verzweifelten Schrei, und ich wurde von Jesus umarmt.

Ich erwachte, die Seele durch etwas Unirdisches erhellt.

Seit dieser Nacht sind sechsundzwanzig Jahre und neun Monate vergangen, aber der Traum steht noch lebendig vor mir, wie in dem Augenblick, als ich erwachte. Ich sehe ihn in allen kleinsten Einzelheiten vor mir. Wenn ich Malerin wäre, könnte ich jene Gesichter und alle Phasen des Traumes malen. Ich habe kein Wort verändert, nichts mit der Phantasie hinzugedichtet. Ich habe Ihnen getreu erzählt, was ich geträumt habe.

Antlitz des Turiner Grabtuchs

Antlitz des Turiner Grabtuchs

Später habe ich in allen möglichen Kunstläden ein Antlitz Jesu gesucht wie jenes, das ich im Traum geschaut hatte, ohne es je finden zu können. Auf einem Bild stimmte das Oval des Gesichtes, aber nicht der Blick, auf einem anderen der Blick, aber nicht der Mund, auf einem dritten der Mund, aber nicht die Wangen. Ich bin zur Überzeugung gelangt, daß Menschenhand dieses Antlitz nicht darstellen kann… Jesus ist mir dann noch viele Male im Traum erschienen, und immer hatte er dieses Antlitz, diese Gestalt und diese Hände. Seit einiger Zeit wird mir etwas mehr als ein Traum zuteil; aber ich sehe Jesus immer mit demselben Antlitz, derselben Gestalt und denselben Händen. Als Sie, Pater, mir jenes Buch über das Leichentuch Christi gegeben haben, hat es mir einen Schlag versetzt; denn ich erkannte, trotz der Veränderung durch das erlittene Leid, jenes Antlitz, jene Gestalt und jene Hände wieder…

Die Zeit der schlimmsten Versuchungen war vorbei. Ich kann nicht behaupten, daß ich keine finsteren Stunden der Auflehnung mehr erlebte. Nein, ich erlebte deren noch viele. Aber wenn der Dämon der Auflehnung, der Sinnlichkeit und der Verzweiflung mich bestürmte und mir unheilvolle Gedanken eingab, gelang es mir dank der Worte Jesu, das Verlangen, Böses zu tun, zu überwinden.

Auszug aus der Autobiographie von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch